Erstmals synthetisches Fleisch im All gedruckt
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Erstmals synthetisches Fleisch im All gedruckt

Kevin Hofer
Kevin Hofer
Zürich, am 17.10.2019

Astronauten haben auf der International Space Station (ISS) zum ersten Mal synthetisches Fleisch im All gedruckt. Bioprinting in der Schwerelosigkeit hört sich kompliziert an, kann im All aber auch einfacher als auf der Erde sein, wie das Proof-of-Concept zeigt.

Als «one small step for man and one giant leap for mankind» beschreibt Aleph Farms, die Firma hinter dem synthetischen Fleisch, den Druckerfolg. Etwas gar dick aufgetragen, aber dennoch: Auf einer Raumstation sind die Ressourcen äusserst knapp bemessen. Wenn sich Fleisch und andere Nahrungsmittel drucken lassen, eröffnet das die Möglichkeit von längeren Aufenthalten im All. Wasser und Platz für Vieh hat’s auf einer Raumstation oder Raumschiff nicht genug.

Was steckt dahinter?

Am 26. September haben Astronauten der ISS mit einem 3D Bioprinter von 3D Bioprinting Solutions ein kleines Stück Muskelzellgewebe einer Kuh gedruckt. Beim Bioprinting werden Zellen mit Wachstumsfaktoren und «Biotinte» gemischt und so im Schichtverfahren gedruckt. Im vorliegenden Fall wurden die Zellen durch eine magnetische Kraft zum Wachstum bewogen.

Bioprinting im All hat seine Vorteile. Auf der Erde muss das Zellgewebe mit Stützstrukturen gedruckt werden und es ist nur möglich eine Seite nach der anderen zu drucken. In der Schwerelosigkeit sind keine Stützstrukturen nötig und das Fleisch kann von allen Seiten gleichzeitig gedruckt werden. Dadurch kann auch schneller als auf der Erde gedruckt werden.

Trotzdem: Drucken im All ist definitiv nicht einfach. Die Basics des Druckens bleiben zwar dieselben, aber die Schwerelosigkeit muss in Betracht gezogen werden. Ohne Gravitation, die flüssige Schichten zusammendrückt bevor sie abkühlen, muss das Druckmaterial selbst kleben.

Wer steckt dahinter?

Aleph Farms hat bereits Ende 2018 erstmals synthetisches Fleisch – in diesem Fall auf der Erde – gedruckt. Das israelische Start-up hat es sich zum Ziel gesetzt, die Nahrungsmittelkrise zu bekämpfen. Das synthetische Fleisch soll einen möglichst kleinen CO2-Abdruck hinterlassen und damit auch in Regionen mit Wasserknappheit eingesetzt werden. Aleph Farms will auf dem Erfolg im All aufbauen und die Erfahrungen in Zukunft auf der Erde einsetzen. In Bio-Farmen soll das Fleisch in ein paar Jahren in Massen produziert werden.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer

Editor, Zürich

Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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