No More Exynos: Petition fordert Snapdragons als Samsung-Standard
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No More Exynos: Petition fordert Snapdragons als Samsung-Standard

Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Zürich, am 23.03.2020

Eine Online-Petition fordert Samsung auf, keine Exynos Systems-on-a-Chips mehr zu verbauen. Die Petition ist Unsinn, sie zeigt jedoch auf: Samsung verkauft zwei Versionen seiner Flaggschiffe, eine davon stärker als die andere.

Samsung hat ein Problem. Es heisst «Exynos». Eine kleine, laute Minderheit der Smartphone-Fans hat die Schnauze voll von Samsungs eigenem System-on-a-Chip (SoC), das Käufern der neuen Flaggschiffe aus Südkorea in der Regel vorgesetzt wird. Eine Petition auf change.org fordert Samsung auf, die Verwendung von Exynos SoCs einzustellen. Auch die Sensoren sollen nur mit Industrie-Standards verkauft werden und nicht auf Eigenentwicklungen setzen.

Die Petition mag Unsinn sein, doch das Problem ist echt. Exynos SoCs performen schlechter als die Snapdragons, die Samsung auch verbaut.

Zu langsam, zu kurzlebig

Das Problem: In den USA veröffentlicht Samsung eine Version der Flaggschiff-Phones mit einem Snapdragon SoC. Diese haben auch Kamerasensoren aus dem Hause Sony verbaut, wohingegen die globalen Versionen des Phones mit Eigenentwicklungen aus Südkorea ausgeliefert werden. Davon hat Daniel H., User der Plattform change.org, genug. Er fordert von Samsung beste Qualität.

«Based on experience, and studies from numerous sources online, we believe Samsung's parts to be inferior to their US counterparts.»
Daniel H, change.org, 23. März 2020

Der implizite Vorwurf an Samsung ist klar: Der Konzern verbaut Teile, von denen Daniel H. weiss, dass sie nicht wirklich das Beste liefern, das ein Smartphone aktuell liefern könnte. Als Beispiel soll das Samsung Galaxy S10 herhalten. Im Test des Youtubers Phonebuff schneidet das Snapdragon-S10 weit besser ab als die Exynos-Version. Wo das Snapdragon-Phone 2 Minuten 2 Sekunden für eine vorgegebene Sequenz an App Starts und Ladevorgängen braucht, beendet die Exynos-Version denselben Vorgang nach 2 Minuten 12 Sekunden.

Samsung wisse das und sei nicht transparent, behauptet Daniel in der Petition. Mindestens das solle Samsung sein, so könnten Käufer eine informierte Entscheidung über einen Kauf oder einen Import aus den USA fällen. Am liebsten sähe er es, wenn Samsung ganz auf Eigenentwicklungen wie den Exynos verzichten würde und auf Snapdragons und andere Industriestandards setzen würde.

Auch im Batterietest hat das Exynos-Phone das Nachsehen: Nach 16 Stunden Standby und 6 Stunden 59 Minuten unter Last bei eingeschaltetem Screen, total 22 Stunden 59 Minuten, gibt die Exynos-Version auf. Das Snapdragon Phone macht nach 16 Stunden Standby und 8 Stunden 2 Minuten unter Last, also 24 Stunden 2 Minuten, schlapp. Das sind 63 Minuten mehr Akku.

Nonsense Online-Petition

Online-Petitionen geniessen einen zweifelhaften Ruf. Sie haben keinerlei offiziellen Charakter, geben aber implizit vor, diesen zu haben. Kritiker verschreien Online-Petitionen als den verzweifelten Aufschrei von Wutbürgern im Internet.

Befürworter behaupten, dass Online-Petitionen aufzeigen, was die Menschen – seien sie Smartphone-Käufer oder Wähler – wollen. Gratis Marktforschung, sozusagen.

Bei vielen Petitionen ist die Faktenlage unklar. Sätze wie «Die Vorenthaltung eines Begräbnisses ist bestimmt eine Verletzung der Menschenrechte» fallen, wenn eine Mutter das Verbot der Freilassung auf Bewährung des Mörders ihrer Tochter fordert. Die Frage: Ist es das? Am Ende können User irgendwas unterstützen, von dessen Faktenlage sie keinen Plan haben, das aber eigentlich ganz gut klingt.

Bei Samsungs SoCs ist die Faktenlage klar: Exynos schneidet schlechter ab als Snapdragon und Samsung macht weiterhin Exynos Phones.

Bloss, dass Samsung keinerlei Obligation hat, die Petition anzusehen oder darauf zu reagieren.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher

Senior Editor, Zürich

Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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