Samsung Galaxy S11 Renders: Alles Quatsch, sagt Leaker IceUniverse
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Samsung Galaxy S11 Renders: Alles Quatsch, sagt Leaker IceUniverse

Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Zürich, am 28.11.2019

Ein Leaker widerspricht einem Leaker. IceUniverse sagt, dass OnLeaks Leaks zum Samsung Galaxy S11 falsch sind. Eine heikle Situation in einer Welt des Halbwissen und der Nicht-Fakten.

Die in der Nacht auf gestern veröffentlichten Leaks des Samsung Galaxy S11 haben für Aufregung gesorgt. Die Twittersphäre und die Szenemedien haben sich das Kamerasystem angesehen und für «disorganized» befunden. Unter anderem.

Leser Luan aber hat sich als erster gemeldet. Sein Aufreger: Die Leaks seien alles Quatsch. Er beruft sich auf einen Tweet des Leakers IceUniverse.

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So informativ und aufschlussreich dieser Tweet auch scheint, so stellt er die Fans von Leaks vor eine neue Situation, die etwas weiter geht als nur das Layout eines Kamerasystems oder die Farbgebung eines Smartphones.

OnLeaks oder IceUniverse?

Die Situation ist etwas vertrackt. Da stehen zwei Leaker, die je eine Behauptung in die Welt gestellt haben. Das ist neu. Bisher war es meist so, dass ein Leaker etwas behauptet hat und das dann bis auf wenige Details eingetroffen ist. Leaker Evan Blass hat sich im Laufe der Jahre einen Namen damit gemacht, grösstenteils verlässlich zu sein.

Nun aber sagt ein Leaker etwas und ein anderer widerspricht ihm direkt. Die Auflösung scheint einfach: Wir sehen uns an, welcher Leaker in welchen Dingen Recht gehabt hat, schliessen von da auf die Quellen und sagen dann: «Der hat Recht.»

  • IceUniverse hat sich einen Namen als Samsung Leaker gemacht
  • OnLeaks ist Mitgründer von SlashLeaks und hat jüngst OnePlus, Motorola und Samsung geleakt
  • Evan Blass ist der wohl bekannteste Leaker der Welt
  • ...

Das funktioniert auch nicht, denn Leaker konfrontieren Leser nicht mit Fakten, sondern mit reinen Annahmen. Wir haben uns einfach daran gewöhnt, dass Evan Blass, IceUniverse und Co. in der Regel Recht behalten. Dennoch: Wirklich wissen tun die auch nichts.

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Ihre Quellen halten sie geheim, aus offensichtlichen Gründen. Das kann aber zumindest theoretisch bedeuten, dass sie keine Quellen haben und mal finden «Jaja, das klingt gut» oder «plausibel». Daher: Leaks absoluten Glauben zu schenken, ist unvorsichtig, selbst wenn SlashLeaks einen «Trust Score» hat, der angibt, wie sehr der Leaker dem Leak vertraut. Denn auch da: Das Leak kann zumindest theoretisch frei erfunden sein. Der Trust Score auch.

Ein Marketing-Trick?

Es ist natürlich auch möglich, dass IceUniverse, Evan Blass und SlashLeaks von den Herstellern als Marketing Tool eingesetzt werden. Ein Render hier, ein Spec da und die Vorfreude auf ein neues Gerät wächst schon Monate vor dem Announcement. Im Falle des Samsung Galaxy S11+ wissen wir, dass es wahrscheinlich im Februar 2020 kommt. Wahrscheinlich eine Woche vor dem MWC in Barcelona. Wenn Samsung Vorfreude auf den Launch machen will, dann bieten sich Leaks an.

*Leaks**: Wie Unveröffentlichtes als Marketing Tool eingesetzt wird*Leaks**: Wie Unveröffentlichtes als Marketing Tool eingesetzt wird
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Leaks: Wie Unveröffentlichtes als Marketing Tool eingesetzt wird

Was jetzt aber, wenn Samsung sich überlegt hat, zwei Leaker mit zwei möglichen Konfigurationen zu versorgen und so zwei widersprüchliche Leaks in die Welt zu setzen? Die Szene hat Drama, Gesprächsstoff und beschäftigt sich einige Tage damit. Sie streitet darüber, ob nun OnLeaks oder IceUniverse die richtigen Daten hat, spekulieren und forschen.

Derweil sitzt da jemand im Marketing Department Samsungs und freut sich über die Gratiswerbung. Der unglückliche Effekt ist der, dass die Leaker-Szene sich selbst kannibalisiert, untergräbt und diskreditiert.

Selbst das: reine Spekulation. Dass Hersteller ihre eigenen Phones leaken, ist aber einigermassen etablierte Praxis. Der chinesische Hersteller Leagoo ist/war da besonders dreist und hat aus seinem Marketing Department Mails an Medien mit dem grossen Betreff «Leak» versendet. An alle Medien.

Eines bleibt aber bestehen: Leaks sind sexy. Egal, wie glaubwürdig.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher

Senior Editor, Zürich

Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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