Apple und Google werfen «Fortnite» aus ihren Stores

Apple und Google werfen «Fortnite» aus ihren Stores

Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Zürich, am 14.08.2020
Nachdem «Fortnite» ein eigenes Bezahlsystem eingeführt hat, wurde die App sowohl aus dem Google Play Store wie auch dem App Store verbannt. Die Firma hinter dem Spiel klagt nun gegen Apple.

Die Reaktionen waren genauso absehbar wie einkalkuliert. Nachdem Epic, die Firma hinter der Multiplayer-Sensation «Fortnite», am Donnerstag mit einem Update ein neues Bezahlmodell installiert hat, das den App Store und den Google Play Store umgeht, ging es Schlag auf Schlag. Als erstes reagierte Apple, das «Fortnite» am gleichen Tag aus dem Shop verbannte. Google folgte wenig später. Beide begründen ihren Entscheid mit der Verletzung ihrer Shop-Richtlinien. Die verbieten es, dass Apps eigene Bezahlsysteme anbieten, welche die von Apple und Google umgehen und damit die 30 Prozent, die es bei jeder Transaktion an die Store-Besitzer abzudrücken gilt.

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Epic hat unmittelbar nach Apples Reaktion Klage eingereicht. Es wirft Apple darin monopolistische Praktiken vor. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt, stehen Apple und andere Techkonzerne wegen ihrer übermächtigen Marktdominanz momentan besonders im Rampenlicht. Ein passendes Video hat Epic auch gleich veröffentlicht, das Apples «1984»-Parodie-Werbung parodiert.

«Fortnite» ist weiterhin spielbar

User, die «Fortnite» bereits installiert haben, können die App weiterhin nutzen. Neue Downloads sind allerdings nicht möglich. Bei Android kommt hinzu, dass du die App wie bis anhin direkt über Epics Webseite runterladen kannst. Epic umgeht damit Googles 30-Prozent-Anteil auf legale Weise, weil Android in dieser Beziehung offener ist als iOS. An dieser Variante ändert sich nichts.

«Fortnite» landete im April offiziell im Google Play Store, nachdem Epic schlussendlich eingeknickt ist. Nun zeigt sich, dass der Kampf erst begonnen hat. Der auf Samsung-Smartphones vorinstallierte Galaxy Store bietet «Fortnite» ebenfalls weiterhin an. Dort konnte Epic offenbar einen besseren Deal aushandeln.

Epic besitzt einen eigenen Store mit deutlich besseren Konditionen für Entwickler. Lediglich 12 Prozent der Einnahmen müssen Studios dort abtreten. Epic kritisiert Apple, Google und auch Steam seit langem für ihre Monopolstellung. Google und Microsoft bekommen die Kehrseite davon aktuell selbst zu spüren. Sowohl xCloud wie auch Stadia werden unter ähnlicher Begründung vom App Store ausgeschlossen. Dabei zeigt Apples Deal mit Amazon für den Streamingdiest Amazon Prime vor vier Jahren, dass der Apfel-Konzern durchaus nicht alle gleich behandelt.

Man darf gespannt sein, wie der Kampf zwischen dem Milliarden- und dem Billionenkonzern weitergeht.

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg

Senior Editor, Zürich

Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem privaten Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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