Apple Vision Pro im Test: magisch, aber einsam
Produkttest

Apple Vision Pro im Test: magisch, aber einsam

Ist Apples neue Brille die Revolution des Computings oder nur ein teures Spielzeug? Ich habe in der Vision Pro nach der Zukunft gesucht. Gefunden habe ich Genialität, Potenzial und Sackgassen.

«Es gibt keine Kopfhörer für Video», sagte Steve Jobs einst. 19 Jahre später baut Apple welche: Die Vision Pro ist da – eine Brille für Virtual (VR) und Augmented Reality (AR), die Cupertinos Marketing einen «räumlichen Computer» nennt. Verfügbar ist sie zunächst nur in den USA. Bis sie nach Europa kommt, dürfte es noch Monate dauern.

Nach der Ankündigung war ich skeptisch, ob die Vision Pro einen Mehrwert bietet. Nun konnte ich sie einige Stunden ausprobieren und stehe vor einem Paradoxon. Viele meiner Befürchtungen haben sich bewahrheitet. Die Vision Pro ist zum Preis von mindestens 3500 US-Dollar ein irrationales Produkt. Aber ich will das Ding trotzdem.

Verzaubernder erster Eindruck

Ich stehe im Wintergarten von Digitec-Galaxus-Kunde René Vogel. Der Apple-Fan hat sich die Vision Pro in New York geholt und lässt mich sie ein paar Stunden ausprobieren. Er selbst ist hellauf begeistert, wie er im Interview erzählt.

  • Hintergrund

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Auch ich staune, als ich die Vision Pro zum ersten Mal aufsetze. Im Standardmodus wird mir vorgegaukelt, dass ich durch eine transparente Brille schaue. Dazu filmen Kameras meine Umgebung und füttern sie live in die Displays vor meinen Augen. Passthrough-Modus nennt sich das. Im physischen Raum schweben digitale Menüs, Fenster oder dreidimensionale Objekte. Sie stehen bockstill, als wären sie real. Ich nehme keine Latenz wahr zwischen der Realität und dem, was ich sehe.

René gibt mir eine kurze Einführung, dann tauche ich ein.
René gibt mir eine kurze Einführung, dann tauche ich ein.
Quelle: David Lee

Die Bedienung wirkt im ersten Moment magisch: Ich brauche keine Controller. Mein Blick ist der Cursor, meine Hand die Maustaste. Um etwas auszuwählen, muss ich es anschauen und Daumen und Zeigefinger zusammenführen. Wo ich das mache, ist egal, solange es im Sichtfeld des Headsets passiert. Ich kann Dinge festhalten und im Raum verschieben. Mit zwei Händen zoome ich rein und raus. Das Konzept ist ähnlich intuitiv wie Multi-Touch auf einem Smartphone.

Nach den ersten fünf Minuten muss ich meine Kinnlade vom Boden aufheben. Erlebe ich gerade ein ähnlich revolutionäres Produkt wie das erste iPhone?

Technische Herkulesleistung

Gewisse Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen. Wie schon mit dem iPhone hat Apple mit der Vision Pro keine neue Produktkategorie erfunden. Sie ist im Kern eine VR-Brille mit AR-Simulation – egal, wie oft Tim Cook sie einen «räumlichen Computer» nennt. Die Grundidee ist die gleiche wie die der Meta Quest Pro, die ich vor über einem Jahr getestet habe.

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Die Revolution liegt wie bei den meisten Apple-Produkten in der Umsetzung. Die Vision Pro ist die erste VR-Brille, die ich nicht nach einer halben Stunde ausziehen will. Genau wie das iPhone das erste Smartphone war, das ich tatsächlich benutzen wollte.

Fünf Dinge machen die Vision Pro besser als alles bisher Dagewesene:

  1. Bild- und Tonqualität: Der grösste Vorteil der Vision Pro ist die Auflösung der Displays und die Bildqualität der Kameras. Ich hatte schon diverse Headsets auf dem Kopf. Apples Brille spielt in einer völlig anderen Liga. Zum ersten Mal sehen virtuelle Inhalte wirklich scharf aus. Zum ersten Mal kann ich in einem Passthrough-Modus problemlos mein Handy ablesen. Auch die eingebauten Lautsprecher sind lauter und besser als jene der Konkurrenz – und die Präzision des Spatial Audio ist beeindruckend.
  2. Bedienung: Ich kann die Vision Pro alleine mit meinen Händen bedienen. Keine Controller, die ich aufladen muss oder nicht mehr finde, weil ich sie in der Küche neben der Kaffeemaschine vergesse. Das klingt trivial, ist aber eine Offenbarung. Besonders, wenn ich die Brille im Passthrough-Modus nutze und meine Hände auch für andere Dinge brauche.
Nach kurzer Zeit finde ich mich in der Bedienung zurecht. Sie ist ähnlich intuitiv wie ein Touchscreen.
Nach kurzer Zeit finde ich mich in der Bedienung zurecht. Sie ist ähnlich intuitiv wie ein Touchscreen.
Quelle: David Lee
  1. Integration ins Ökosystem: Das Headset fügt sich nahtlos in Apples geschlossenes Gärtchen ein. Ich habe sofort alle meine Kontakte, Nachrichten und Bookmarks. Mein MacBook lässt sich ohne Zusatztools verbinden. Sein Touchpad und die Tastatur funktionieren nicht bloss auf der Oberfläche von MacOS, sondern auch in den Apps der Brille. Texte, Fotos oder Dateien kopiere ich mühelos zwischen den verschiedenen Systemen, als wäre es ein- und dasselbe. Das ganze Erlebnis kommt wie aus einem Guss daher.
  2. Komfort: Von anderen Headsets bekomme ich nach spätestens einer Stunde Kopfweh oder mir wird schlecht. Mit der Vision Pro passiert mir beides nicht, selbst nach drei Stunden am Stück. Trotz ihres Gewichts von über 600 Gramm finde ich sie überraschend bequem. Mit dem Solo Knit Band ist relativ viel Anpressdruck auf dem Gesicht nötig, damit die Brille nicht verrutscht. Für lange Sessions empfiehlt sich deshalb das Dual Loop Band, das einen Teil des Gewichts oben auf den Kopf verlagert – allerdings die Frisur stärker verwuschelt.
Das Dual Loop Band sieht weniger cool aus als das Solo Knit Band – aber es ist bequemer.
Das Dual Loop Band sieht weniger cool aus als das Solo Knit Band – aber es ist bequemer.
Quelle: David Lee
  1. Details: Neben den Schlagzeilen-Features macht Apple viele kleine Dinge besser. Verschiedene Polster sorgen für einen optimalen Sitz mit jeder Gesichtsform. Sie lassen sich magnetisch befestigen und leicht auswechseln. Für Brillenträger wie mich gibt es individuelle Korrektureinsätze. Den Augenabstand misst die Vision Pro automatisch und stellt die Linsen darauf ein. M2- und R1-Chips sind leistungsfähig und trotzdem effizient. Ich höre nie einen Lüfter. Zu den funktionalen Details hinzu kommen das stylische Design sowie die überragende Haptik und Verarbeitung.

Diese technische Herkulesleistung ist teuer. Sehr teuer. 3499 US-Dollar kostet die Vision Pro in den USA in der Basisvariante mit 256 Gigabyte Speicher. Willst du 1 Terabyte, steigt der Preis auf 3899 Dollar. Bist du wie ich kurzsichtig, werden 149 Dollar für die Korrektureinsätze fällig. Du willst ein Case oder einen Ersatzakku? Je 199 Dollar bitte. Dazu kommt die Mehrwertsteuer – und in Europa wahrscheinlich Apples üblicher Preisaufschlag von rund zehn Prozent.

Eine Vision Pro mit 512 GB Speicher und etwas Zubehör dürfte in der Schweiz über 4500 Franken kosten. Private Importe aus den USA wechseln im Moment für mindestens 5500 Franken die Besitzer.

Zerbrechliche Magie mit Sackgassen

Zu diesem Preis erhältst du die beste VR-Brille, die es gibt. Das macht sie aber bei weitem nicht zu einem perfekten Produkt. Die Magie der Vision Pro ist zerbrechlich und es gibt Dinge, die sie zeitweise entzaubern. Einige davon könnte Apple in kommenden Generationen verbessern. Andere sind Sackgassen des Konzepts.

Dinge mit Verbesserungspotenzial:

  • Bildqualität: Die Auflösung der virtuellen Displays ist gut, doch echte Bildschirme sind nach wie vor besser. Ausserdem rechnet die Vision Pro nur dort ein scharfes Bild, wo ich hinschaue. Das nennt sich «foveated rendering» und spart Grafikleistung. Der scharfe Bereich ist mir für gewisse Anwendungen jedoch zu klein, weil er sich nicht sofort anpasst, wenn ich meine Blickrichtung ändere. Helle Spitzlichter führen zudem manchmal zu störenden Reflexionen in den Linsen.
Foveated rendering in Aktion: Ich schaue auf das Titelbild des obersten Artikels. In der Peripherie rechnet die Vision Pro das Bild nicht scharf. In der Realität fühlt sich das weniger dramatisch an, als es hier aussieht. Ich bemerke es nur selten.
Foveated rendering in Aktion: Ich schaue auf das Titelbild des obersten Artikels. In der Peripherie rechnet die Vision Pro das Bild nicht scharf. In der Realität fühlt sich das weniger dramatisch an, als es hier aussieht. Ich bemerke es nur selten.
Quelle: Samuel Buchmann
  • Sichtfeld: Apple macht keine konkrete Angabe, aber das Sichtfeld der Vision Pro fühlt sich enger an als das der Meta Quest 3. Ich würde es auf etwa 100 Grad schätzen. Es ist nicht störend schlecht, aber auch nicht herausragend. Etwa so, wie wenn du die Welt durch eine Taucherbrille betrachtest.
  • Präzision von Augen- und Hand-Tracking: Apples Ambitionen übersteigen knapp die Möglichkeiten der Technik. Die Oberfläche des Betriebssystems VisionOS erfordert eine Genauigkeit, die das Tracking nur in gefühlten 95 Prozent der Fälle einlösen kann. In den verbleibenden 5 Prozent treffe ich ein Element nicht, obwohl ich es anschaue. Oder die Kamera erkennt mein Fingertippen nicht. Beides reisst mich aus dem Flow.
Flashback zu kabelgebundenen Kopfhörern: Der Akku der Vision Pro ist extern. Das Kabel ist immerhin schön starr und kringelt nicht. Wenn ich mich bewege, verstaue ich den Akku in der Hosentasche.
Flashback zu kabelgebundenen Kopfhörern: Der Akku der Vision Pro ist extern. Das Kabel ist immerhin schön starr und kringelt nicht. Wenn ich mich bewege, verstaue ich den Akku in der Hosentasche.
Quelle: David Lee
  • Batterielaufzeit: Die Laufzeit könnte besser sein. Ein grosses Problem finde ich sie schon jetzt nicht. Nach drei Stunden hatte der Akku in meinem Test noch immer 20 Prozent übrig. Bin ich stationär, kann ich ihn auch im Betrieb per USB-C an die Steckdose hängen.
  • EyeSight: Schaue ich eine Person an, projiziert die Vision Pro eine virtuelle Version der Augen auf das Aussendisplay. In meinem Fall die von René, weil auf seinem Headset ein Scan seines Kopfs gespeichert ist. Die Darstellung ist ziemlich dunkel und unheimlich. Sie funktioniert nur in einem beschränkten Betrachtungswinkel. Das Teardown-Video von iFixit zeigt, warum:
  • Personas: Weil die Vision Pro das Gesicht nur von nahem sieht, muss sie für Videocalls auf Gesichtsscans zurückgreifen. Für diese «Personas» kassiert Apple im Netz viel Häme. Ein Sturm im Wasserglas. Natürlich hat das Feature Verbesserungspotenzial, störend finde ich es aber nicht. Ich kann damit jetzt schon klar die Person und deren Mimik erkennen.

Konzeptionelle Endstationen:

  • Passthrough-Modus: Ja, die Wiedergabe der realen Umgebung ist besser als bei anderen VR-Brillen. Ja, die Technik hat noch mehr Potenzial. Doch egal wie gut sie wird – die Realität bleibt schöner. Kein Display wird in absehbarer Zeit den Farbraum des menschlichen Auges wiedergeben. Selbst grosse Kamerasensoren haben nicht ansatzweise den Dynamikumfang unserer Netzhaut. Das fährt mir ein, als ich die Brille ausziehe: Die Realität fühlt sich unglaublich intensiv und gut ausgeleuchtet an.
  • Texteingabe: Die Vision Pro ist wie ein Computer, den ich ausschliesslich per Maus bedienen muss. Zur Texteingabe erhalte ich eine schwebende virtuelle Tastatur. Entweder muss ich jeden Buchstaben einzeln anschauen und anklicken. Oder ich versuche mit meinen Fingern in der Luft zu tippen. Dabei fehlt haptisches Feedback und es geht nur mit den Zeigefingern. Alternativ könnte ich Texte per Sprachbefehl an Siri diktieren. Die beste Lösung ist eine physische Tastatur. Dann ist der Zauber der controllerfreien Bedienung allerdings dahin und ich bin an einen Tisch gebunden.
  • Formfaktor: Die Vision Pro ist nicht das Produkt, das Tim Cook eigentlich will. Sein erklärtes Ziel ist Augmented Reality in einer durchsichtigen Brille. Doch diese Technik ist noch weit davon entfernt, Inhalte in guter Qualität ins Sichtfeld zu projizieren. Apple hat stattdessen einen AR-Simulator gebaut. Der ist zwar eine Meisterleistung, aber hochauflösende Kameras und leistungsfähige Chips brauchen Platz. Das führt zum Skibrillen-Formfaktor, der wohl auch in Zukunft bestehen bleiben wird.
Für ihre Leistung ist die Vision Pro zwar kompakt, aber sie sieht trotzdem aus wie eine Skibrille.
Für ihre Leistung ist die Vision Pro zwar kompakt, aber sie sieht trotzdem aus wie eine Skibrille.
Quelle: David Lee

Wozu ist die Vision Pro gut?

Die Vision Pro ist ein Gesichtscomputer, den ich aufsetzen muss. Auch wenn die Brille bequem ist: Sie ist schwer. Sie macht die Frisur kaputt. Sie hat einen Akku mit Kabel. Damit ich mir den Fremdkörper im Gesicht langfristig antue, muss er einen gewaltigen Mehrwert bieten. Die Schwelle ist massiv höher als bei einem Handcomputer, den wir heute Smartphone nennen. In einigen Situationen nimmt die Vision Pro diese Hürde. In anderen könnte sie es in Zukunft. In wieder anderen wird sie es nie schaffen.

Entertainment

Die Paradeanwendung für Apples VR-Brille. Die Vision Pro ist das beste mobile Kino, das es gibt. Sie zaubert mir eine riesige Leinwand vor die Nase, die ich nach Belieben verschieben und skalieren kann. An die Decke über dem Bett. In eine virtuelle Umgebung, wenn ich im Flugzeug sitze. An die Wand in einer Wohnung ohne Fernseher. Sie ist so gut und bequem, dass ich mir wohl selbst in meiner Wohnung mit Fernseher öfter einen Film im virtuellen Kino anschauen würde. Zudem öffnet die Brille das Tor zu 3D-Inhalten – wenn auch nicht zu allen.

Die virtuelle Kinoleinwand ist für mich bisher mit Abstand die beste Praxisanwendung der Vision Pro. Eigene Screenshots davon kann ich nicht machen, da Apple DRM-geschützte Inhalte schwärzt.
Die virtuelle Kinoleinwand ist für mich bisher mit Abstand die beste Praxisanwendung der Vision Pro. Eigene Screenshots davon kann ich nicht machen, da Apple DRM-geschützte Inhalte schwärzt.
Quelle: Screenshot YouTube / Apple

Der Gaming-Bereich liegt noch brach. Am ehesten lässt sich die Brille als Gesichtsfernseher mit externem Gamepad verwenden. Entweder für Spiele auf einem Mac oder vielleicht bald mit nativen Apps für Cloudgaming-Dienste wie GeForce NOW. VR-Games wären ebenfalls möglich, hier sehe ich aber Headsets mit Controllern wie die PSVR2 oder die Meta Quest 3 klar im Vorteil.

Produktivität

Auch arbeiten lässt es sich in der Vision Pro. Native VisionOS-Apps sind noch rar, doch das wird sich mit der Zeit verbessern. Bis dahin muss ich meinen Mac verbinden und die Brille eher als externen Bildschirm betrachten. Der virtuelle Monitor hat eine Auflösung von 2560 × 1440 Pixel. Als Belastungsprobe versuche ich, darauf ein Video in DaVinci Resolve zu graden. Dafür empfinde ich das Bild als zu dunkel und das foveated rendering stört mich. Im Web surfen oder Texte schreiben geht hingegen wunderbar. Multiscreen-Setups der Mac-Oberfläche sind nicht möglich. Das stört mich nicht. Ich kann daneben weiterhin das ganze Zimmer mit VisionOS-Apps wie Safari tapezieren.

Virtueller Arbeitsplatz im realen Raum: Das Fenster in der Mitte ist der externe Bildschirm meines Macs, links und rechts schweben VisionOS-Apps. Alles kann ich frei anordnen und skalieren.
Virtueller Arbeitsplatz im realen Raum: Das Fenster in der Mitte ist der externe Bildschirm meines Macs, links und rechts schweben VisionOS-Apps. Alles kann ich frei anordnen und skalieren.
Quelle: Samuel Buchmann

Würde ich das zuhause oder im Büro freiwillig tun? Wahrscheinlich nicht. Ein echter Monitor ist besser. Und ich muss mir dafür keinen Gesichtscomputer anschnallen. Selbst wenn die Brille leichter und noch besser wäre, würde sich daran nichts ändern. Anders sieht es unterwegs aus. Im Flugzeug oder in einem Hotelzimmer wäre mir die riesige Arbeitsfläche die zerstörte Frisur wert.

Augmented und Mixed Reality

Eine Blackbox ist für mich das Potenzial von Augmented und Mixed Reality (MR). Bei letzterer interagieren virtuelle Objekten mit der physischen Welt. Schon lange prophezeien Enthusiasten revolutionäre Anwendungen dafür. Microsoft versuchte mit der HoloLens in den professionellen MR-Markt vorzustossen. Weitgehend erfolglos, die Entwicklung wurde eingestellt. Ob Apples Strahlkraft Entwicklerinnen und Anwender ködern kann, bleibt abzuwarten. Bisher gibt es ein paar nette Demonstrationen wie die App JigSpace, mit der sich ein virtuelles Flugzeugtriebwerk im Zimmer platzieren und auseinandernehmen lässt.

Youtuberin Cleo Abram reflektiert in ihrem neuesten Video das Potenzial von AR und MR:

Möglichkeiten gäbe es viele. René arbeitet zum Beispiel im Museumsbereich und könnte sich virtuelle Rundgänge für Personen vorstellen, die nicht zu einem physischen Besuch in der Lage sind. Oder historische Wanderwege, die stellenweise mit digitalen Inhalten angereichert werden. So könnte zum Beispiel aus einer Ruine das ursprüngliche Gebäude werden.

Kommen die Brillen im Massenmarkt an, können sich in Zukunft hoffentlich mehrere Personen die gleichen Inhalte anschauen. Denn was mir erst bei meinem Test so richtig bewusst wird: In der Vision Pro bin ich alleine. Sie wirkt sozial isolierend. Mit Freunden einen Film schauen? Der Arbeitskollegin etwas auf dem Monitor zeigen? Im Videocall etwas in die Kamera halten? Fehlanzeige. Bei einem Gespräch mit einer realen Person sieht das Gegenüber bestenfalls das seltsame Abbild meiner Augen. Eine echte Verbindung entsteht so nicht.

Die Augen – das Tor zur Seele. Naja, eigentlich eine unheimliche Version von Renés Augen auf meinem Kopf. Für ein längeres Gespräch ziehe ich die Vision Pro lieber ab.
Die Augen – das Tor zur Seele. Naja, eigentlich eine unheimliche Version von Renés Augen auf meinem Kopf. Für ein längeres Gespräch ziehe ich die Vision Pro lieber ab.
Quelle: David Lee

Fazit: faszinierende Simulation einer Vision

Die Apple Vision Pro ist aufregend. Eine Machtdemonstration von Apples Ingenieurskunst. Es ist die erste VR-Brille, die ich tatsächlich haben will. Sie ist schöner, schärfer, präziser, bequemer und durchdachter als alles bisher Dagewesene. Dank Apples Strahlkraft, nahtloser Integration ins Ökosystem und geschicktem Marketing entfacht sie einen Hype, von dem andere Hersteller wie Meta nur träumen können.

Ist die Vision Pro das nächste iPhone? Der Computer der Zukunft? Nein. Sie setzt eine bekannte Idee zwar hervorragend um. Doch sie endet in der gleichen Sackgasse wie andere Gesichtscomputer: Die Nachteile überwiegen in vielen Situationen die Vorteile. Ich muss mir das Ding auf den Kopf schnallen und betrachte die Welt permanent durch Kameras und Displays. Das isoliert mich sozial, denn andere anwesende Personen sehen nicht, was ich sehe. Nur wenige Anwendungen bieten so viel Mehrwert, dass ich das alles in Kauf nehme. Daran wird sich auch mit kommenden Generationen und noch besserer Technik nichts ändern.

Es ist ein Kompromiss, den Apple-CEO Tim Cook bewusst eingegangen ist. Die Vision Pro ist eine Simulation der physisch transparenten AR-Brille, die er eigentlich bauen will. Ob er es jemals können wird, steht in den Sternen. Und wenn die Technik irgendwann soweit ist, birgt auch dieses Konzept Kompromisse.

Von aussen wirkt eine solche Szene surreal. Die Vision Pro benutzt du am besten alleine.
Von aussen wirkt eine solche Szene surreal. Die Vision Pro benutzt du am besten alleine.
Quelle: David Lee

In der Gegenwart sehe ich für die Vision Pro vor allem zwei Anwendungsgebiete: als mobiles Kino und als externer Bildschirm für einen Mac. Das erste Erlebnis ist so gut, dass ich es sogar zuhause nutzen würde. Das zweite ist einem stationären Arbeitsplatz zwar unterlegen, aber unterwegs ein echter Mehrwert. Einen solchen könnten in Zukunft auch Games, AR- und MR-Inhalte bieten. Doch ich bewerte ein Produkt nicht nach dem Prinzip Hoffnung.

Ist die Vision Pro unter dem Strich ihren astronomischen Preis wert? Nur für eine winzige Zielgruppe von Enthusiasten. Du bezahlst die Entwicklungskosten für ein futuristisches Pionierprodukt der ersten Generation, das nichts ersetzt, sondern höchstens ergänzt. Bist du dir dessen bewusst und es ist dir egal, wird dich Apples Brille nicht enttäuschen. Sie macht Spass. Ich werde als Nerd nur schwer widerstehen können.

Titelbild: David Lee

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Mein Fingerabdruck verändert sich regelmässig so stark, dass mein MacBook ihn nicht mehr erkennt. Der Grund: Wenn ich nicht gerade vor einem Bildschirm oder hinter einer Kamera hänge, dann wahrscheinlich an meinen Fingerspitzen mitten in einer Felswand.


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