

Ausprobiert: Wie 5 Tage Fasten zur kulinarischen Genussreise wurden
Fünf Tage fasten und trotzdem essen – klingt zu schön, um wahr zu sein. Das musste ich ausprobieren und habe mich auf eine 5-Tage-Scheinfastenkur eingelassen. Zwischen Hunger, überraschend leckeren Rezepten, neuen Routinen und einer veränderten Einstellung zum Essen.
Ich habe es lange genug aufgeschoben. Morgen beginne ich mein fünftägiges Scheinfasten-Experiment. Genau, du hast richtig gelesen: Ich faste nicht wirklich, sondern nur zum Schein. Was das bedeutet? Ich möchte die positiven Effekte des Fastens spüren, ohne dabei zu hungern. Dass das gehen soll, verspricht der Gesundheitsratgeber «Scheinfasten» und liefert gleich ein ganzes Rezeptbuch mit.

Im Vorwort erläutern die Autoren wie das Konzept der Fasting Mimicking Diet funktioniert: «Eine ausgeklügelte Zusammensetzung der Nährstoffe täuscht den Körperzellen Abstinenz vor, sodass der Organismus in den Fastenstoffwechsel schaltet.»
Aufwändige Vorbereitung voller kulinarischer Gelüste
Damit mein Start morgen reibungslos gelingt, brauche ich überraschend viel Vorbereitung. Zunächst lese ich mich ins Thema ein. Das Scheinfastenbuch bietet eine gute Grundlage. Es erklärt die Logik hinter den fünf Tagen und liefert pro Tag je drei vegane Rezepte für Frühstück, Mittag- und Abendessen.
Nachdem der Speiseplan steht, geht es ans Einkaufen. Für das Frühstück am ersten Tag backe ich Nuss-Saaten-Brot nach dem Ratgeber-Rezept. Danach fühle ich mich gut vorbereitet, werde aber noch merken, dass ich damit nicht ganz richtig liege.

Tag 1: Zwischen Kochmarathon und knurrendem Magen
Auf die erste Herausforderung habe ich mich bereits im Vorfeld mental eingestellt: Heute Morgen muss ich auf meine geliebte Tasse Kaffee mit Hafermilch verzichten. Warum mich das leicht stresst, erfährst du hier:
Schwarzer Kaffee reizt mich nicht, also greife ich stattdessen zu einer Tasse Schwarztee, um wach zu werden. Zum Frühstück wähle ich die Powerschnitte mit Gemüseaufstrich aus dem Rezeptbuch. Obwohl das Brot schon vorgebacken ist, heißt es für den Aufstrich erst einmal: ab an den Herd.

An dieses Frühstück könnte ich mich gewöhnen: Es schmeckt gut und macht satt. Für den Moment bin ich zufrieden mit dem Start in den Tag. Doch drei Stunden später meldet sich mein Magen mit lautem Knurren. Hunger! Jetzt geht es los und bis zum Mittagessen dauert es noch. «Trinke langsam ein Glas Wasser, dann verschwinden die Gedanken ans Essen oft von selbst», rät das Scheinfasten-Buch. Der Tipp wirkt nur mäßig – kurz bin ich abgelenkt, doch mein Magen knurrt bald wieder. Hungrig und wassertrinkend geht’s wieder ans Kochen: Zucchini-Pilz-Pfanne mit Walnusspaste.

Mir wird klar: Fünf Tage Fasten bedeuten auch, fünf Tage dreimal täglich zu kochen. Und zwar jedes Mal neue Rezepte – das dauert deutlich länger als mein gewohntes Repertoire. Um sicher den gewünschten Effekt zu erzielen, halte ich mich (noch) penibel an die vorgegebenen Mengen. Doch das ist mühsam und raubt noch mehr Zeit. Abends, beim Bohneneintopf mit Spinat, zwinge ich mich immer wieder zur Genauigkeit. Mit knurrendem Magen beginne ich, an meinem Plan zu zweifeln.

Zwischenfazit Tag 1: Mein Magen knurrt, obwohl ich gefühlt den ganzen Tag gekocht habe. Meine Scheinfasten-Kur stresst mich aktuell ganz schön. Ich klammere mich hungrig an die Hoffnung auf Besserung, die der Ratgeber für die nächsten Tage voraussagt.
Tag 2: Der Hunger lässt nach, der Genuss wächst
Ich wache ohne Hunger auf – erstaunlich. Wunderbar, denke ich, so kann es bleiben. Doch der Kochplan stresst mich und ich brauche eine Lösung. Also beschließe ich, die Grammangaben nicht mehr so genau zu nehmen. Stattdessen erlaube ich mir, Lebensmittel durch passende Alternativen zu ersetzen, um alles einfacher zu machen. Tiefkühlgemüse, -kräuter und -beeren helfen, lange Vorbereitungszeiten zu vermeiden. Mein Tag beginnt mit einem leicht abgewandelten Smoothie-Rezept – so spare ich mir den Gang zum Gemüseladen.

Das Hungergefühl kommt und geht. Ich trinke Wasser und Tee, um mich abzulenken, was meist halbwegs gelingt. Die größte Herausforderung ist der Abstecher zur Bäckerei, um Brot für die Familie zu holen. Der Duft von frischen Brötchen und Kuchen ist verführerisch, doch ich widerstehe. Und mein Mittagessen entschädigt mich: Spitzkohl-Slaw mit Cashewdressing. Ich bin begeistert – und satt. So richtig satt. Von ein bisschen Kohl mit Karotten? Tatsächlich.

Am Nachmittag fühle ich mich trotz der reduzierten Kalorienmengen fit. Den Tag beschließe ich mit einer Tomatencremesuppe und Avocado – ein Gericht, das sicher öfter auf meinem Teller landen wird.

Zwischenfazit Tag 2: Der Hunger lässt nach, der Genuss wächst. Nicht mehr jedes Gramm pedantisch abzuwiegen, macht die Fastenkur entspannter und alltagstauglicher. Allmählich finde ich meinen Rhythmus.
Tag 3: Wenn der Körper langsam umschaltet
«Tag drei bricht an. Höchste Zeit für ein bisschen Selbstlob. Klopfen Sie sich für das Erreichte ruhig mal auf die Schulter», motiviert mich mein Ratgeber heute. Und recht hat er, ich bin tatsächlich ein bisschen stolz. Also geht es wieder ab in die Küche: Tomaten-Avocado-Salat steht auf dem Frühstücksplan.

So hübsch er aussieht und so gut er schmeckt, satt werde ich davon nicht. Bald meldet sich mein Magen mit Protest. Hieß es nicht, heute würde es besser, weil sich der Körper ans Fasten gewöhnt? Meine Motivation bröckelt – bis ich endlich vor dem Mittagessen sitze: bunter Salat mit Ofengemüse. Ein Volltreffer und sofort ein neues Lieblingsrezept. Ich bin satt, zufrieden und ahne noch nicht, dass das Tal des Hungers nun hinter mir liegt.

Nach dem Abendessen – Kürbissuppe mit Ingwer-Croutons – bin ich von den rund 260 kcal so satt, als hätte ich ein üppiges 3-Gänge-Menü verdrückt.

Zwischenfazit Tag 3: Nach einer letzten großen Hungerattacke verabschiedet sich das lästige Gefühl endlich. Jetzt beginnt der Genuss: kulinarische Höhenflüge, ein angenehm leichtes Körpergefühl und die Gewissheit, dass sich mein Körper gerade erholt.
Tag 4: Im Flow zwischen Leichtigkeit und Genuss
In den nächsten zwei Tagen sollte mein Körper auf Hochtouren umschalten: Die Fettverbrennung wird angeregt und die Zellen beginnen, aufzuräumen. Das soll wie eine kleine Verjüngungskur wirken – deshalb gilt Scheinfasten als möglicher Anti-Aging-Ansatz.
Und das, während ich weiterhin kulinarischer Genüsse fröne. So ganz glauben kann ich das tatsächlich nicht. Nach einem Kurkuma-Latte mit Haferflocken zum Frühstück und Asia-Gemüsenudeln mit Erdnusssauce als Mittagessen wartet am Abend mein Highlight der Fastenkur: Sellerie-Pommes mit Tomaten-Papaya-Dip.

Zwischenfazit Tag 4: Jetzt bin ich im Flow. Nur die viele Kochzeit passt mir immer noch nicht so gut in den Plan.
Tag 5: Endspurt, Euphorie und erste Effekte
Am fünften Tag wache ich immer noch satt vom gestrigen Abendessen auf. Letzter Tag – ich bin ein bisschen euphorisch. Es wurde mir schon prophezeit, glauben wollte ich es trotzdem nicht so recht: Das Gefühl der Selbstwirksamkeit soll zu mehr Energie und Leistungsfähigkeit verhelfen, heißt es im Ratgeber.
Die Kur zeigt Wirkung: Meine Haut sieht frischer aus, das Gesicht wirkt definierter. Vielleicht liegt das am Placeboeffekt. Die Waage zeigt weniger an, was wohl vor allem dem Wasserverlust zuzuschreiben ist. Doch darum ging es mir nicht. Vielmehr um das gute Gefühl und darum, meinen Status Quo nach der Völlerei der Festtage wieder zu normalisieren. Dafür haben sich die fünf Tage gelohnt.

Zum Abschluss gönne ich mir meine heutigen Favoriten aus den Fasten-Rezepten: Energy-Espresso mit Schoko-Kokos-Touch, Blumenkohlreis-Bowl mit Spinat und Möhren-Ingwer-Suppe mit Bimi.

Mein Fazit nach fünf Tagen Scheinfasten
Damit mein Körper in Ruhe wieder in den Normalmodus kommen kann, lasse ich es am ersten Tag nach der Kur moderat angehen. Der Ratgeber nennt das «Transition Day»: keine Lebensmittel mit hohem glykämischen Index wie Kartoffeln, Nudeln oder Toast, und maximal 1800 Kalorien. Das fällt mir überraschend leicht. Anders als zu Beginn des Experiments denke ich nicht mehr darüber nach, womit ich mich nach der Kur belohnen könnte. Mein Blick hat sich verändert. Statt Verzicht sehe ich die Freude an neuen Rezepten und einem erweiterten Zutaten-Repertoire. Außerdem konnte ich das ständige Snacken hinter mir lassen.
Es war sicher nicht meine letzte Kur – eher ein Reset, den ich mir bei Bedarf wieder gönnen werde. Und einige Rezepte haben sich auch für den Alltag einen festen Platz auf meinem Speiseplan gesichert.
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Wissenschaftsredakteurin und Biologin. Ich liebe Tiere und bin fasziniert von Pflanzen, ihren Fähigkeiten und allem, was man daraus und damit machen kann. Deswegen ist mein liebster Ort immer draußen – irgendwo in der Natur, gerne in meinem wilden Garten.
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