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Produkttest

Capture One: gute Lightroom-Alternative ohne Abozwang

David Lee
7.4.2026
Bilder: David Lee

Fast 300 Franken oder Euro legst du für den RAW-Entwickler Capture One hin. Du bekommst aber auch etwas fürs Geld.

Capture One gilt als die stärkste Konkurrenz zu Adobe Lightroom. Das spiegelt sich im Preis wider: Im Abo kostet die Software etwas mehr als Lightroom (15.75 Franken respektive 19,33 Euro, Stand April 2026). Im Unterschied zu Adobe bietet Phase One seinen RAW-Entwickler auch als Einmalkauf an – für viele ein entscheidender Pluspunkt. Auch das ist mit 299 Franken oder 369 Euro teuer.

Dieser Test geht der Frage nach, ob der hohe Preis gerechtfertigt ist und wie sich Capture One im Vergleich zu Lightroom und günstigeren Alternativen schlägt.

Verwaltung: schnell und leistungsfähig

Der Import von 13 000 Fotos dauert von meiner nicht besonders schnellen externen SSD weniger als vier Minuten, was ich in Ordnung finde. Viel länger braucht Capture One für die Erstellung der Vorschaubilder, aber das geschieht im Hintergrund und bei Bedarf. Es stört nicht, dass zu Beginn noch nicht alle Vorschaubilder da sind.

Den Bildimport gibt es optional mit Vorschau, wo du bereits aussortieren kannst. Hier liefert Capture One auch eine Gruppenansicht ähnlicher Bilder – sinnvoll bei Serienbildaufnahmen.

Import eines Lightroom-Katalogs.
Import eines Lightroom-Katalogs.

Capture One kann sogar Lightroom-Kataloge importieren. Dabei werden neben Sternbewertungen und Stichwörtern auch grundlegende Bearbeitungseinstellungen übernommen. Das hört sich an wie ein Killer-Feature. Doch beim Entwickeln übernimmt Capture One nur die Werte für Belichtungskorrektur, Kontrast und Sättigung. Damit sieht das Bild völlig anders aus als in Lightroom und müsste für einen Export aus Capture One nochmals von Grund auf neu entwickelt werden. Beschnitt und Drehung sind immerhin bereits erledigt, was den Aufwand verringert.

Beim Export vermisse ich nichts. Vom Umbenennen nach eigenen Kriterien über das Hinzufügen und Entfernen von Metadaten bis zum Nachschärfen ist alles vorhanden. Einstellungen lassen sich abspeichern und du kannst die Bilder mit einem Durchgang auf mehrere Arten exportieren – zum Beispiel einmal in voller und einmal in reduzierter Auflösung.

Ins Suchfeld gibst du ein, was dir gerade einfällt: Stichwörter, Teile von Ordnernamen, EXIF-Werte. Daneben gibt es die erweiterte Suche mit unzähligen Kriterien, die sich kombinieren lassen. Die Suche ist auch bei grossen Beständen schnell – wie die ganze Bildverwaltung.

Bei der Bildverwaltung kannst du mit Katalogen arbeiten, musst aber nicht.
Bei der Bildverwaltung kannst du mit Katalogen arbeiten, musst aber nicht.

Generell überzeugt mich die Bildverwaltung. Gegenüber den bisher getesteten RAW-Entwicklern Photomator, On1 Photo RAW und Luminar ist sie klar überlegen und fällt auch gegenüber Lightroom kaum ab. Die Vorher-Nachher-Ansicht bietet in Lightroom mehr Optionen, etwa eine Teilung Horizontal und eine Doppelansicht. Bei Capture One gibt es nur Ein/Aus und eine vertikal geteilte Vergleichsansicht. Die Vor- und Zurücktasten zum Navigieren vermisse ich in Capture One – und die Möglichkeit, jede Ansichtseinstellung rückgängig zu machen. Das sind aber Kleinigkeiten.

Gute, frei anpassbare Oberfläche

Capture One ist anders aufgebaut als Lightroom. Trotzdem habe ich mich schnell zurechtgefunden und bin bei der Bedienung kaum auf Probleme gestossen. Die Software ist logisch aufgebaut und klar strukturiert. Die Oberfläche ist zudem korrekt auf Deutsch übersetzt, anders als bei On1 oder Luminar.

Die Bibliothek ist kein eigener Programmteil, sondern ein Reiter von vielen. Die Reiter öffnen verschiedene Paletten – Sammlungen von Einstellungen. Ab Werk gibt es zum Beispiel Reiter für Form, Stil und Anpassungen. Capture One lässt sich jedoch sehr weit den eigenen Vorlieben und Bedürfnissen anpassen. Ich kann die Paletten nach Belieben ändern, Register einblenden oder eigene anlegen. Die Buttons der Toolbar kann ich verschieben oder durch andere ersetzen. Auch die Tastenkürzel sind frei belegbar. Das Beste am Ganzen: Die angepasste Oberfläche lässt sich als Arbeitsumgebung speichern und so per Menübefehl wieder aktivieren.

Du gestaltest bei Bedarf die Benutzeroberfläche selbst.
Du gestaltest bei Bedarf die Benutzeroberfläche selbst.

Grundsolide Bearbeitung

Der gute Eindruck setzt sich bei der Bearbeitung der Bilder fort. Sowohl beim Umfang als auch in der Qualität der Funktionen ist eine klare «No-Bullshit»-Haltung erkennbar. Man spürt, dass Capture One über lange Zeit entwickelt wurde und ausgereift ist. Es ist die erste getestete Lightroom-Alternative, bei der ich mir vorstellen könnte, sie produktiv einzusetzen. Ich spiele auch gern mit dieser Software herum, weil mir die Ergebnisse gefallen und ich sie gezielt in eine Richtung steuern kann.

Ich führe wie schon in meinen früheren Tests eine Autokorrektur an einer Gegenlichtaufnahme mit extremen Kontrasten durch. Dabei kann ich wählen, welche Korrekturen in die Autokorrektur einbezogen werden sollen und welche nicht. Hier habe ich Belichtung, Tonwerte, HDR und Weissabgleich gewählt.

Die Helligkeitskorrekturen sind gut. Der Weissabgleich ist für meinen Geschmack viel zu kühl. Der Himmel wird so zwar schön blau, aber die Farben der Bahngeleise passen mir nicht. Natürlich kann ich das ändern: Durch den Weissabgleich, aber auch mit dem Werkzeug «Farbbalance». Dieses ermöglicht mir, die Tiefen, Mitten und Lichter in je eine unterschiedliche Richtung zu justieren.

Ich arbeite generell nicht mit fixfertigen Voreinstellungen, aber für viele ist das wichtig. Capture One hat zahlreiche Stile, die – im Gegensatz zu vielen günstigeren Konkurrenten – wirklich brauchbar sind. Du kannst zudem ein beliebiges Foto als Referenz angeben: Capture One errechnet daraus einen Stil, der sich abspeichern oder auf andere Bilder anwenden lässt. Du bestimmst, welche Parameter angewendet werden und welche nicht.

Mit einem Referenzbild überträgst du dessen Stil auf beliebige andere Fotos.
Mit einem Referenzbild überträgst du dessen Stil auf beliebige andere Fotos.

Die Perspektivenkorrektur in Capture One bietet eine Automatik, und sie ist einigermassen brauchbar. Das Ergebnis passt zwar nicht immer, das ist aber auch in Lightroom so – und in vielen Konkurrenzprodukten weitaus schlechter.

In vereinzelten Punkten hat Capture One gegen Lightroom sogar die Nase vorn. Es verfügt etwa über Ebenen. Filmnegative lassen sich mit einem Klick in Positive umwandeln. Als Pluspunkt galt lange auch der Umgang mit den RAW-Dateien der Fujifilm-X-Reihe. Der RGB-Filter dieser Kameras hat eine andere Anordnung der Subpixel als andere Kamerasensoren. Besonders bei aggressivem Nachschärfen kann dies zu wurmartigen Artefakten führen. In der aktuellen Lightroom-Version ist das allerdings kein grosses Problem mehr. Ich muss das Schärfen auf den Höchstwert stellen, um den Effekt sichtbar zu machen.

Capture One
Capture One
Lightroom
Lightroom

Capture One hat einen früheren Minuspunkt gegenüber Lightroom beseitigt: Es kann Belichtungsreihen und Panoramafotos nun ebenfalls automatisch zusammenfügen.

Etwas weniger KI-Funktionen als Lightroom

Weniger gut als in Lightroom klappt die automatische Markierung des Himmels durch KI-Erkennung. Capture One hat eine KI-Maskierung an Bord; bei einem komplizierten Fall wie hier kann sie jedoch nicht den gesamten Himmel auf Knopfdruck maskieren. Mit dem Zauberpinsel-Werkzeug kriege ich es aber innert nützlicher Frist hin.

Den Himmel habe ich hier grünlich eingefärbt. Dazu muss er erst maskiert werden. Das klappt, ist aber aufwändiger als in Lightroom.
Den Himmel habe ich hier grünlich eingefärbt. Dazu muss er erst maskiert werden. Das klappt, ist aber aufwändiger als in Lightroom.

Bei der automatischen Landschaftserkennung durch KI hinkt Capture One Lightroom generell etwas hinterher. Bei Porträts hingegen hat Capture One ähnliche Features wie Lightroom. In einem Drop-Down-Menü kann ich auswählen, welche Körperteile ich automatisch maskiert haben will und welche nicht. In einem kurzen Test funktionierte das ähnlich gut wie bei Lightroom.

Capture One
Capture One
Lightroom
Lightroom

Die Rauschreduzierung muss ganz ohne KI-Hilfe auskommen. Sie liefert aber auch so befriedigende Ergebnisse.

Fazit

Teuer, lohnt sich aber

Capture One ist teuer. Aber wer eine echte Alternative zu Lightroom sucht, wird den Kauf nicht bereuen. Während du bei RAW-Entwicklern wie Photomator, PhotoRAW oder Luminar Neo deutliche Abstriche gegenüber Lightroom machen musst, gibt sich Capture One keine Blösse. Die Bildverwaltung bietet alles, was du brauchst – bei einer hohen Geschwindigkeit. Die Bearbeitung liefert generell sehr gute Ergebnisse und umfasst alle wichtigen Features.

Bei den KI-Funktionen hat Lightroom leicht die Nase vorn, insbesondere bei Landschaftsaufnahmen. Capture One hat aber auch Funktionen, die Lightroom nicht kennt, etwa Ebenen oder ein Referenzbild für den Stil. Die Oberfläche kann sehr frei angepasst werden.

Der grosse Pluspunkt gegenüber Lightroom: Du kannst Capture One nicht nur im Abo, sondern auch als Einmalkauf erwerben – und auch später vom einen Modell ins andere wechseln.

Pro

  • Abo und Einzelkauf mit Wechselmöglichkeit
  • Oberfläche logisch strukturiert und frei anpassbar
  • schnelle und leistungsfähige Bildverwaltung
  • umfangreiche Bearbeitungstools mit guten Ergebnissen
  • Ebenen und Masken
  • automatischer Stil aus einem Referenzfoto

Contra

  • teuer
  • kein KI-Entrauschen
  • KI-Landschaftserkennung nicht auf dem Niveau von Lightroom

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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