

Der Buggy fürs Handgepäck: Chicco We 2 im Test
Besonders leicht und transportabel will der Buggy «Chicco We 2» sein. Ich habe den Kinderwagen mit meiner Enkelin im Alltag ausprobiert.
Nach einem langen Tag in der Kindertagesstätte ist meine dreijährige Enkelin Leia total kaputt. Die kurzen Beine sind schwer und der 500 Meter lange Weg nach Hause kaum zu bewältigen. Sagt sie zumindest. Bleiben für mich nur die Alternativen, das Kind zu tragen oder alle zwei Meter «ein Päuschen zu machen», wie sie fordert. Das Tragen geht aber schnell in den Rücken. Und das mit der Pause dauert mir zu lange. Vor allem, wenn sich das Wetter typisch norddeutsch zeigt. Also muss ein Buggy her. Da passt es nur zu gut, dass mir die Firma Chicco das Modell «We 2» für einen Alltagstest anbietet.
Huch, ist der klein
Als mir die DHL-Botin das Paket überreicht, schaue ich sie erst einmal fragend an. Ich hatte mir den Karton viel größer vorgestellt. Tatsächlich kommt der «We 2» vollständig montiert und zusammengeklappt zu mir. Dann ist er etwa 55 × 48 × 22 Zentimeter groß. Im Karton stecken gleich zwei Extras, mit denen ich nicht gerechnet habe: eine passende Regenabdeckung und eine Transporttasche für den Buggy.

Auch ohne einen Blick in die Anleitung zu werfen, gelingt mir das Auseinanderfalten. Ein Druck auf den Knopf im Handgriff und der Buggy steht betriebsbereit vor mir. Ich rangiere mit dem Wägelchen einmal probeweise im Wohnzimmer. Der Buggy lässt sich leicht schieben und die Feststellbremse hält ihn sicher. Viel Kraft erfordert er auch nicht: Das Fahrzeug bringt lediglich fünfeinhalb Kilogramm auf die Waage.
Die erste Ausfahrt
Montieren muss ich fast nichts mehr. Ich stecke den Rausfallschutz in die vorgesehenen Öffnungen und stelle nach Gefühl die Sicherheitsgurte grob ein. Die nutzen das bekannte Prinzip: Zwei «Hosenträger» werden mit den beiden Beingurten zusammengesteckt. Auch zum Verstellen brauche ich keine Anleitung. Wer schon mal die Träger eines Rucksacks oder einer Tasche verstellt hat, kommt mit dem Prinzip klar.

Also los zur Kita. Die erste Leerfahrt führt mich über niedergetrampelten Schnee und vereiste Fußwege. Ohne Zuladung hüpft der Wagen wegen seines geringen Gewichts teilweise ordentlich in die Luft.
Das ändert sich natürlich rasch, nachdem Leia zugestiegen ist. Damit sie besser sitzt, stelle ich die Neigung der Rückenlehne ein. Das funktioniert ebenfalls mit einer Hand und ohne Mechanik. Die Lehne lässt sich stufenlos über einen Gurt verstellen. Das sieht auf den ersten Blick nicht stabil aus, ist es aber. Allerdings ist Leia inzwischen ein Kleinkind. Ich muss also kräftig ziehen, wenn ich sie von einer niedrigen wieder in eine hohe Position bringen will.
Wenig überraschend: Die Fahrt durch hohen Schnee und Schneematsch ist anstrengend und die Steuerung schwergängig. Die Räder sind typisch für einen Buggy klein und das Fahrzeug ist eher für Innenräume (Einkaufszentren, Supermarkt, Flughafen) und schönes Wetter konzipiert. Auf keinen Fall werden die Ingenieurinnen und Ingenieure an 15 Zentimeter hohen Schnee in Norddeutschland gedacht haben.
Für einen fairen Test warte ich auf besseres Wetter.
Durchdachte Details
Der Schnee bleibt hartnäckig. Ich hole Leia weiter regelmäßig mit dem Buggy ab und entdecke viele schöne Details. So lässt sich das Verdeck teilweise öffnen. Im Sommer kommt so mehr Luft ans Kind.

Und natürlich bleibt bei dem Wetter nicht aus, dass Schneematsch gegen die Bezüge spritzt. Den Schmutz kann ich nach dem Trocknen aber einfach wegbürsten. Wird der Buggy unterwegs nicht benötigt, klappe ich ihn mühelos mit einer Hand zusammen. Dann steht er in einem Restaurant nicht im Weg und ist auch ratzfatz im Kofferraum verstaut.
Unter der Sitzfläche befindet sich die übliche Ablage für Einkäufe oder andere Dinge. Das ist zwar nett gedacht, aber die kompakten Abmessungen fordern hier ihren Preis. Zum einen ist sie nicht sonderlich tief und bietet damit wenig Platz, zum anderen ist sie auch nur schlecht zu erreichen. Spätestens, wenn ich die Regenabdeckung da reinquetsche, ist die Ablage voll.

Der ausführliche Fahrtest bei (halbwegs) schönem Wetter
Nach der heiß ersehnten Schneeschmelze muss der Buggy nun auch größere Strecken zurücklegen. Vorab aber das Wichtigste: Mein regelmäßiger Fahrgast findet den Wagen bequem und schön und lässt sich mit Freuden herumkutschieren.
Beim eigentlichen Test der Fahreigenschaften zeigt der Buggy aber zwei Gesichter.
In Innenräumen rollt der Wagen leicht und leise und lässt sich gut mit einer Hand manövrieren. Dank der um 360 Grad drehbaren Vorderräder hat er einen kleinen Wendekreis. Das ist praktisch, um sich in einem Fahrstuhl zu positionieren oder durch enge Gänge im Supermarkt zu fahren.
Da ich mit 1,73 Meter kein Riese bin, stört es mich nicht, dass der Schieber nicht höhenverstellbar ist. Ich kann mir aber vorstellen, dass groß gewachsene Menschen auf längeren Strecken irgendwann ihren Rücken spüren.
Das Bild wandelt sich völlig, wenn ich mit dem Wagen im Straßenverkehr unterwegs bin. Besonders störend: Selbst kleinste Unebenheiten von fünf Millimetern Höhenunterschied – also schon kleinere Fugen auf dem Fußweg – bremsen den Wagen abrupt ab. Das spüre ich unangenehm in meinen Händen am Schieber, aber auch meine kleine Passagierin merkt es. Auf solchen Strecken lässt sich der Wagen nicht mehr einhändig schieben, weil es zu viel Kraft kostet.

Die Räder sind weder gefedert noch luftbereift, entsprechend schüttelt es Leia bei Unebenheiten durch. Auch an Bordsteinkanten kämpfe ich etwas mit dem Buggy, da ich ihn allein per Hand über den Bügel kippen muss.
Positiv wiederum: Auch nach einigen Kilometern auf Sandwegen fangen die Räder nicht an zu quietschen oder sich anderweitig bemerkbar zu machen. Und gut, dass wir den Buggy hier im Norden getestet haben. Denn was wäre hier ein Ausflug ohne einen überraschenden Regenguss? Der mitgelieferte, vollkommen durchsichtige Regenschutz ist schnell montiert und am Wagen fixiert.
Wer nur im Trockenen und in Innenräumen unterwegs ist, wird vermutlich auch die beiliegende Transporttasche nutzen. Damit lässt sich der Buggy prima im Kofferraum oder im Gepäckfach der Bahn verstauen. Nach einer Tour auf nassem Untergrund oder durch Sand ist die Tasche keine Option, denn dann verschmutzen die Bezüge und das Verdeck unnötig.
Fazit
Ein supermobiler Buggy – nur nicht für jeden Einsatzzweck
Pro
- geringes Gewicht
- kompakt und leicht zu verstauen
- Einhandbedienung zum Klappen
- wendig
- Regenabdeckung und Transporttasche sind dabei
Contra
- Fahreigenschaften im Freien überzeugen mich nicht
- an Bordsteinen schwer zu kippen

Hamburger, Leseratte, Eishockey-Fan. Papa und Grosspapa. Bastelt ständig an seinem Smarthome herum. Interessiert an DIY, Outdoor, Mode und Kosmetik.
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