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Hintergrund

Entwarnung bei Babymilch-Pulver: «Kassensturz»-Test findet keine Toxine

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Milchpulver sollte frei von Schadstoffen sein. Anfang Jahr wurden reihenweise Produkte zurückgerufen, weil das nicht so war. Jetzt soll aber wieder alles gut sein.

Ein Labor hat im Auftrag des SRF-Konsumentenmagazins «Kassensturz» zehn Anfangsmilch-Produkte namhafter Herstellern getestet. Das Ergebnis ist erfreulich: In keinem sind Toxine gefunden worden, also auch nicht das Bakteriengift Cereulid. Das war im Januar und Februar entdeckt worden und hatte bei Nestlé, Danone und anderen Herstellern für einen der grössten Rückrufe der Geschichte gesorgt.

«Kassensturz» testete zuletzt in den Jahren 2016 und 2021 Babymilch-Pulver. Dieses Jahr sind die Ergebnisse besonders positiv. «Die Hersteller machen bei den Schadstoffen insgesamt Fortschritte», heisst es.

Konkret fand das Labor in vier der zehn getesteten Produkte keinerlei Schadstoffe. Untersucht wurden unter anderem Glycidol, 3-MCPD, Chlorat oder Mineralöl-Rückstände. Für alle vier schadstofffreien Produkte gibt die «Kassensturz»-Redaktion die Bestnote 6.0, also ein «sehr gut». Es sind die folgenden Anfangsmilch-Produkte bei uns im Shop sowie die nicht bei uns erhältliche «Bio Anfangsmilch 1» der Migros.

Schadstoffe unter den Grenzwerten, Note «genügend»

Die anderen sechs Produkte aus dem Test enthielten Schadstoffe, zum Beispiel Spuren von 3-MCPD. Dabei handelt es sich um ein potenziell krebserregendes Fettsäureester, das beim Raffinieren von Pflanzenölen entsteht. Chlorat als Rückstand von Desinfektionsmitteln konnte ebenfalls nachgewiesen werden. Bei beiden Schadstoffen lagen die Werte jedoch «deutlich unter den erlaubten Grenzwerten», schreibt der «Kassensturz». Konkret lagen sie etwa bei der Hälfte der «tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge», wie sie von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) definiert ist. Trotzdem gab es eine Abwertung in der Testtabelle. Note 4.5, also nur ein «genügend», schafften diese Produkte.

Die ebenfalls mit «genügend» bewertete Anfangsmilch der Drogeriekette Müller führen wir nicht im Sortiment.

Schlusslicht dank Glycidol

Als einzige Anfangsmilch erhielt die Beba Bio Pre von Nestlé die Note «ungenügend». Der Grund: Hier fand sich im Labor neben 3-MCPD und Chlorat auch noch ein weiterer Stoff, nämlich Glycidilester. Für diesen gilt, dass er sich im Körper zu Glycidol abbaut und krebserregend sowie genotoxisch ist. Einen Grenzwert gibt es hier offiziell nicht, aber laut «Kassensturz» sei eben auch kein sicherer Wert festgelegt. Die gefundenen Spuren seien zwar sehr klein, aber man habe die Nestlé-Anfangsmilch trotzdem abgewertet.

Nestlé findet das wenig überraschend unfair. Man sei «nicht einverstanden», so der Kommentar des Konzerns zum Test. Eltern könnten sicher sein, dass «alle unsere Produkte sicher zum Verzehr sind und die Schweizer und die EU-Gesetzgebung vollständig erfüllen.»

Die «ungenügend» getestete Beba Bio Pro führen wir nicht im Shop, stattdessen findest du die Anfangsmilch mit Nummer 1 bei uns, die für etwas ältere Babys ist.

Lageberuhigung nach Lieferengpässen

Die Kundschaft von Galaxus hat nach den Rückrufen im Januar und Februar offensichtlich nicht auf den «Kassensturz»-Test gewartet. Insgesamt haben die Rückrufe keinen nachhaltigen Umsatzeinbruch ausgelöst, sagt Mara Agnelli, zuständige Senior Category Business Managerin. Diverse Lieferengpässe und Verfügbarkeitsprobleme im Februar sind weitgehend überwunden. Die Kunden sind in dieser Zeit auf andere Marken und Produkte ausgewichen. Inzwischen wachse der Umsatz im Vorjahresvergleich wieder deutlich.

Es gibt allerdings durchaus einige Verschiebungen innerhalb der Marken, wie die Verkaufsdaten zeigen. Bimbosan-Produkte belegen bei der Sortierung nach «Meist verkauft» zum Beispiel aktuell neun der ersten zehn Plätze.

Einzig Aptamil durchbricht die Bimbosan-Dominanz. Die Marke war im Februar teils schlecht verfügbar und erholt sich derzeit langsam wieder. Bei Bimbosan war mit der Ziegenmilch nur ein Produkt von den Rückrufen betroffen, die Marke habe generell sehr gut zugelegt, sagt Mara. Womöglich seien viele Eltern nach den Rückrufen der grösseren Konzerne zu dieser Marke gewechselt. Holle könnte aus demselben Grund profitiert haben.

Harzige Aufklärung des Cereulid-Skandals

Auch mehrere Monate nach dem ersten Auftreten von Toxinen gibt es wenig bis keine Erkenntnisse, wie es zum verseuchten Babymilch-Pulver kam. Gemäss Recherchen des SRF führen die grossen Konzerne, also zum Beispiel Danone oder Nestlé, nötige Analysen und Untersuchungen verzögert oder gar nicht durch. Auch der chinesische Zulieferer des entscheidenden Rohstoffs ARA-Öls schweigt sich weiterhin aus.

Zumindest für mögliche künftige Fälle will man sich in der Schweiz besser rüsten. Es gibt parlamentarische Vorstösse, damit die Regeln für Warnungen verschärft werden, ähnlich wie sie bereits in der EU gelten.

Titelbild: Shutterstock

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Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln. 


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