Huawei Search: China greift Google an
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Huawei Search: China greift Google an

Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Zürich, am 03.03.2020

Huawei lanciert eine eigene Such-App. Damit greift der Konzern das Kern-Business des neuen Konkurrenten Google an. Erste Bedenken von wegen Zensur werden laut.

Ein Leak aus dem Hause Huawei zeigt eine neue Seite des Chinesen im Wirtschaftskrieg. Wo Huawei bisher auf freundlich mit Google gemacht hat, zeigt der Konzern jetzt Zähne. Ein Leak zeigt Huawei Search, die Search Engine aus dem Hause Huawei. Mishaal Rahman, Chefredaktor des Branchenportals XDA-Developers, hat von Reddit User /u/beingnull erfahren, dass Huawei in den Vereingten Arabischen Emiraten (UAE) rekrutiert. Nutzer sollen dort Huawei Search testen.

Huawei Search komplettiert die Grundlagen eines kompletten App Systems, stellt zudem einen Frontalangriff auf Google dar. Jenen Konzern, der in den vergangenen Tagen einen Antrag auf Sonderbewilligung zur erneuten Zusammenarbeit mit dem chinesischen Hersteller von Smartphones gestellt hat.

Was ist Huawei Search?

Huawei Search ist eine Suchmaschine. Du gibst im Suchfeld einen Begriff ein, die Suchmaschine sucht und du bekommst Resultate. Im Wesentlichen ist das also ein Konkurrenzprodukt zu Yandex, Bing, Google und wie sie alle heissen.

Die App unterscheidet sich kaum von einer beliebigen Suchmaschine.
Die App unterscheidet sich kaum von einer beliebigen Suchmaschine.
XDA-Developers

Auf der Front der App ist ein blaues Logo, das irgendwie an das neue Logo von Microsofts Edge Browser erinnert. Darunter ein Suchfeld. Dann ein paar Shortcuts zu Wetter, Sport, einem Einheitenumrechner und einem Taschenrechner. Dazu die wichtigsten News, wohl aggregiert aus deinen Interessen. Also nichts, was du nicht schon von Googles Google-App her kennst.

Die Suchfilter entsprechen dem, was du von einer Such-App erwartest.
Die Suchfilter entsprechen dem, was du von einer Such-App erwartest.
XDA-Developers

Huawei Search kann nebst unsortierten Resultaten nach Videos, News und Bildern suchen. Auch hier: Nichts, was du nicht schon kennst. Genau wie der Wetterbericht, der dir im Wesentlichen den Blick aus dem Fenster erspart.

Die Suche kann manuell auf Länder eingestellt werden.
Die Suche kann manuell auf Länder eingestellt werden.
XDA-Developers

Interessant ist aber, dass du der App das Land übergeben kannst, aus dem du suchen willst. Oder ob die Resultate global sein sollen. Vergleichbar dürfte das sein mit Twitters System, wo du eingeben kannst, welche Trending Hashtags du aus welchem Land ansehen willst.

In den Einstellungen kannst du deine Search History einsehen und Einträge löschen.

Die App steht auf einem inoffiziellen Google Drive Link zur Verfügung. Aber Huawei hat den Test eingestellt. Der Konzern hat Bedenken geäussert wegen «Missbrauch durch Social Media», was auch immer das heissen mag.

Spannender als die App

So weit, so langweilig. Interessanter aber wird Huawei Search dann, wenn die generelle Situation Huaweis und des Marktes in Betracht gezogen wird. Im Zuge des durch den Handelskrieg etwas gebremsten Siegeszugs Huaweis hat der Konzern in Irland eine Firma namens Aspiegel gegründet. Die Firma ist gemäss dem End User License Agreement (EULA) der App für Huawei Search verantwortlich. Damit ist die App ausserhalb des chinesischen Rechtsraums angesiedelt und könnte, wenn sie denn wollte, wohl die Zensurvorschriften der chinesischen Regierung umgehen.

Aber Zak Doffman, Gründer der Überwachungsfirma Digital Barriers, äussert Bedenken. In einem Artikel auf der Website des Finanzblatts Forbes schreibt er:

«This is a potential filter that sits atop the World Wide Web, serving up content for hundreds of millions of users worldwide. Whether or not you believe the U.S. allegations that Huawei is controlled by the Chinese state, that it is subsidised and subject to Beijing’s national security laws, it is unarguably a company based in the most highly censored country on the planet.»
Zak Doffman, Forbes, 3. März 2020

Demnach sei es egal, ob nun eine Irische Firma der rechtliche Eigentümer der App ist, es ist unbestritten, dass die Chinesische Legislatur Einfluss auf die Suchresultate haben kann und haben wird. Denn selbst Google ist trotz aller Mühen gegen China nicht gefeit. Google Hong Kong zensiert Suchresultate so, dass sie mit der Message der Chinesischen Regierung in Einklang ist. Beispiel: Am Platz des himmlischen Friedens ist nie etwas Besonderes geschehen. Schon gar kein Massaker anno 1989. Das Bild des sogenannten «Tank Man» stammt entweder nicht aus China oder ist gefälscht. Oder so.

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Doffmans Bedenken sind begründet. Jüngere Zensurversuche in China betreffen Informationen zum Coronavirus. Die Zensurbehörden der Cyberspace Administration of China (CAC) sind hinter jedem her, der Angst und Verwirrung in Bezug auf das Virus verbreitet.

Das Problem ist, dass die mögliche Zensur in der Such-App wohl kaum verifiziert werden kann. Denn wenn du dir ein Huawei Phone kaufst, dann hast du standardmässig keine Google Services installiert. Sprich: Keine Google-Suche. Zudem wird sich kaum jemand die Mühe machen, die Suchresultate zu vergleichen.

Wie oft hast du schon Bing angeschmissen um zu sehen, ob Google dir tatsächlich die Wahrheit sagt?

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher

Senior Editor, Zürich

Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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