Krups Atelier: Warum ich diese Kapsel-Kaffeemaschine nicht teste

Krups Atelier: Warum ich diese Kapsel-Kaffeemaschine nicht teste

Jan Johannsen
Hamburg, am 17.11.2020

Super easy in der Bedienung, der Kaffee schmeckt je nach Kapsel unterschiedlich gut, aber nie so perfekt wie im Lieblings-Coffeeshop. So hätte das Fazit zur Krups Nespresso Atelier lauten können. Wird es aber nicht und das liegt nicht daran, dass ich gar keinen Kaffee trinke.

Stattdessen geht es mir um die Nachhaltigkeit. Die haben wir uns bei Galaxus mit der CO2-Kompensation im Sommer 2020 auf die Fahnen geschrieben. Klar, alles was wir als Menschen so veranstalten, hat Auswirkungen auf die Umwelt. Und da wir nicht komplett aufhören wollen, zu existieren, können wir wenigstens unser Verhalten überdenken. Für mich sind die Kapsel-Kaffeemaschinen einer dieser kleinen Punkte, wo du etwas für die Umwelt – und deinen Kontostand tun kannst.

Bevor du jetzt sagst «Du hättest dir die Kaffeemaschine doch gar nicht als Testgerät besorgen müssen?», ein kleiner Blick hinter die Kulissen: In der Redaktion suchen wir uns die Geräte für unsere Tests selber aus. Es kommt hin und wieder vor, dass die Kollegen aus dem Einkauf fragen, ob wir nicht Produkt X oder Y ausprobieren wollen und sie es für uns organisieren sollen. Manchmal passt das und ich nehme die Arbeitserleichterung an, oft passt es aber auch nicht. Noch seltener kommt es vor, dass plötzlich ein Gerät ohne vorherige Nachfrage im Büro steht. So ging es mir aber mit dieser Kapsel-Kaffeemaschine. Ich hätte sie ignorieren oder einfach zurückschicken können. Habe ich aber nicht, sondern diesen Artikel geschrieben.

Nachhaltigkeit: Aluminium, Recycling und Alternativen

Mit dem Wasserverbrauch beim Anbau und dem Transport nach Europa nimmt die Klimabilanz von Kaffee – wie bei einigen anderen Lebensmitteln – keinen guten Anfang. Die Kapseln aus Aluminium setzen dem Ganzen die Krone auf. Um Aluminium aus Bauxit zu gewinnen, ist viel Energie notwendig: pro Kilogramm Aluminium fast 16 Kilowattstunden – das reicht, um etwa 1100 Tassen Kaffee zu kochen – und zudem entstehen etwa 8 Kilogramm CO2. Das klingt nicht nach viel, aber bei derzeit geschätzten 8 Milliarden pro Jahr weltweit verkauften Kapseln kommt da einiges zusammen.

Das Pfund Kaffee ist zwar auch in Aluminium verpackt. Allerdings ist hier das Verhältnis zwischen Kaffee und Verpackung deutlich besser. In einer Kapsel befinden sich etwa 6 Gramm Kaffeepulver und die Kapsel kann bis zu 5 Gramm wiegen. Umgerechnet auf das Pfund Kaffee sind das etwas mehr als 400 Gramm Verpackung.

Theoretisch lässt sich Aluminium sehr gut wieder verwenden. Für das Recycling sind nur noch etwa 5 bis 10 Prozent der Energiemenge wie bei der Produktion notwendig. Wenn der Kreislauf im Gange ist, fällt die Bilanz am Ende also deutlich besser aus. Das hat Nespresso sich auch auf die Fahnen geschrieben und will bis Ende 2020 100 Prozent seiner Kapseln zurücknehmen können und bis Ende 2021 alle Kapseln zweier Produktreihen zu 80 Prozent aus recyceltem Aluminium herstellen.

Die Auswahl an Kapseln ist groß.
Die Auswahl an Kapseln ist groß.

Damit Nespresso sein Versprechen einlösen kann, ist das Unternehmen auf die Hilfe der Verbraucher angewiesen. Die müssen die Kapseln ins Recycling geben – am besten ohne das gebrauchte Kaffeepulver. Dafür gibt es extra Auspresswerkzeuge. Ein Pfandsystem für die Kapseln gibt es in Deutschland nicht. Hier verweist Nespresso auf die Rückgabe über das Duale System mit dem grünen Punkt. Und selbst dann ist für einige Elemente wie die Verschlussfolie immer noch Neu-Aluminium notwendig.

Kaffeekapseln müssen nicht zwangsläufig aus Aluminium bestehen. Es gibt Alternativen aus Bio-Kunststoff, die aber wiederum andere Nachteile haben. Bio-Kunststoff ist weniger Bio als der Name vermuten lässt. Er braucht immer noch lange, um sich aufzulösen und schafft das nicht immer restlos. Da ist jeder benutze Kaffeefilter mit Pulverresten besser auf dem Kompost aufgehoben.

Sinnvoller erscheinen da wiederbefüllbare Mehrwegkapseln. Aber dann kannst du vom Aufwand her auch direkt den Filter oder den Siebträger füllen. Zudem dürfte der Reiz von Kapselmaschinen ja gerade darin bestehen, verschiedene Sorten Kaffee zubereiten zu können ohne ein halbes Dutzend angebrochener Kaffeepackungen herumstehen zu haben.

Sollte es mit den alternativen Kapseln Probleme geben, stehst du dumm da. Die Hersteller der Maschinen weisen dann jede Verantwortung von sich. Sie übernehmen nur die Garantie, wenn du ihre Original-Kapseln verwendest. Kaffeekapseln, die Druckerpatronen der Küche.

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Teurer Kaffee

Falls die Umwelt kein Argument für dich ist, dann ist’s vielleicht der Preis. Wie viel bist du bereit, für ein Pfund Kaffee zu bezahlen? In einer Kapsel befinden sich etwa 6 Gramm Kaffee. Direkt bei Nespresso reichen die Preise für die passenden Kapseln der Maschine von Krups von 38 bis 48 Cent. Für die Hersteller mag der Preis gerechtfertigt sein, schließlich müssen sie nicht nur den Kaffee kaufen, sondern teures Aluminium verarbeiten und wollen am Ende Gewinn machen. Aber etwas mehr als 31 Euro pro Pfund Kaffee bei den günstigsten Original-Kapseln sind ein stolzer Preis.

Was ein Pfund Kaffee im Laden kostet, weißt du als Kaffeetrinker*in besser als ich. Mir verrät der Blick ins Supermarktregal, dass du dafür problemlos Bio-Fair-Trade-Kaffee der Spitzenklasse bekommst und selbst nach dem Kauf von Filtern noch Geld für den einen oder anderen Kaffee unterwegs übrig hast.

Mit handgebrühten Filterkaffee, Espressomaschinen, French Press und vielen weiteren Zubereitungsarten gibt es genug Wege, Kaffee zuzubereiten, die trotz aller Recycling-Bemühungen besser für die Umwelt und günstiger für dich sind als Kaffee-Kapseln.

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Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Galaxus.de. 


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