

Lego macht Pokémon mit «Smart Play» interaktiv
Pikachu soll nicht nur im Regal stehen, sondern auf Futter, Training und Kämpfe reagieren. Ab August 2026 bringt Lego zwölf interaktive Pokémon-Sets mit Smart Play. Der Haken: Offiziell nennt Lego zum Start nur ausgewählte Länder.
Bei Star Wars musste Lego erst erklären, warum ein Baustein auf Lichtschwertduelle, Raumschiffe und Palpatines Thron reagieren soll. Bei Pokémon versteht man die Idee schneller. Diese Welt dreht sich seit jeher ums Fangen, Trainieren, Füttern, Kämpfen und um die Bindung zu kleinen Monstern, die dir irgendwann wichtiger sind als deine reale Zimmerpflanze.

Quelle: Lego
Deshalb wirkt Legos zweite grosse Smart-Play-Welle schlüssiger als der Start mit Star Wars im März. Lego und Pokémon bringen am 1. August 2026 zwölf neue Pokémon-Sets mit Smart Play in den Handel. Genauer gesagt: in ausgewählte Märkte. Lego nennt offiziell die USA, Grossbritannien, Deutschland, Frankreich, Polen und Australien. Die Schweiz steht bisher nicht auf der Liste.
Das heisst nicht, dass die Sets nie in die Schweiz kommen. Zum angekündigten Start gehört die Schweiz laut Pressemitteilung aber nicht zu den Launch-Märkten. Für Schweizer Pokémon-Fans ist das der kleine Tackle-Angriff auf die Vorfreude.
Zwei Sets enthalten den Smart Brick
Die neue Pokémon-Welle umfasst zwei All-in-One-Sets und zehn kompatible Erweiterungssets. Das ist wichtig: Nicht jedes Set enthält den eigentlichen Technik-Baustein. Nur die beiden All-in-One-Sets liefern Smart Brick, Ladegerät und Smart Tags mit. Die Erweiterungssets beinhalten zwar Smart Tags, brauchen für interaktive Funktionen aber einen Smart Brick aus einem Startset.

Quelle: Lego
Das günstigere Startset heisst «Trainingshaus mit Pikachu». Es enthält 400 Teile und kostet laut Lego 69,99 Euro. Kinder bauen darin ein kleines Trainingshaus für Pikachu, inklusive Trainingsgegenständen, Pokéball und Sandwich. Laut Lego kann Pikachu über Smart Play unter anderem fressen, trainieren und kämpfen.
Das zweite All-in-One-Set heisst «Ultimativer Showdown zwischen Glurak und Blitza». Es enthält 751 Teile, zwei Smart Bricks, vier Tags, Glurak und Blitza. Der Preis liegt bei 119,99 Euro. Dieses Set zielt stärker auf Kampf und Training. Lego nennt unter anderem ein Heilspray, Trainingsflächen und Pokémon-Reaktionen auf Berührung und Spielaktionen.

Quelle: Lego
Die zehn Erweiterungen reichen von Pummeluff bis Mewtu
Die weiteren zehn Sets sind günstiger oder mittelgross. Einen eigenen Smart Brick enthalten sie, wie erwähnt nicht. Stattdessen erweitern sie das System mit weiteren Pokémon, Szenen und Smart Tags. Wer nur eines dieser Sets kauft, bekommt ein normales Lego-Modell mit vorbereiteten Interaktionspunkten. Erst der Technik-Baustein aus einem Startset macht diese Punkte lebendig.

Quelle: Lego
Das kleinste Set ist das Pummeluff-Konzert mit 88 Teilen für 14,99 Euro. Am anderen Ende der Smart-Play-Welle steht «Tragossos und Gengars Gruselduell» mit 831 Teilen für 89,99 Euro. Dazwischen liegen Sets mit Bisasam und Bidiza, Schiggy im Buggy, Glumanda und Kleinstein in einer Höhle, den drei Paldea-Startern Felori, Krokel und Kwaks, Mew, Evoli und Lapras sowie Mewtu.

Quelle: Lego
Lego mischt die Auswahl bewusst. Einerseits bedient die Welle die Nostalgie der ersten Pokémon-Generation. Andererseits holen Felori, Krokel und Kwaks die Starter aus «Pokémon Karmesin» und «Pokémon Purpur» dazu. Das ist ein breiter Pokéball-Wurf: Eltern erkennen die alten Lieblinge, Kinder bekommen die neueren Figuren.

Quelle: Lego
Bildschirmfrei, aber nicht komplett ohne App
Lego beschreibt Smart Play als bildschirmfreies Spielen. Der Smart Brick reagiert auf Bewegung, Sound, Licht und Smart Tags. Er steckt im Modell und löst je nach Situation Geräusche, Lichteffekte oder andere Reaktionen aus. In der Pressemitteilung nennt Lego zwei Beispiele: Kinder können Pikachu mit einem gebauten Sandwich füttern oder Glurak kitzeln.

Quelle: Lego
Ganz ohne digitale Ebene kommt Smart Play dann aber doch nicht aus. Smart Bricks aus früheren Sets brauchen zuerst ein App-Update. Erst danach funktionieren sie mit den neuen Pokémon-Sets. Neue, ungeöffnete Pokémon-All-in-One-Sets sollen dagegen direkt startklar sein.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Smart Play ist keine einfache App-Erweiterung wie bei vielen anderen vernetzten Spielzeugen. Der Bildschirm steht nicht im Zentrum. Trotzdem baut Lego ein technisches Ökosystem auf, das Updates braucht und wachsen kann. Für Kinder wirkt das im besten Fall wie Magie. Für Eltern drohen im schlimmsten Fall regelmässig Momente, in denen ein Spielzeug erst einmal ein Update verlangt.

Quelle: Lego
Warum Pokémon besser zu Smart Play passt
Bei Star Wars verstärkte Smart Play vor allem bekannte Szenen mit Licht und Sound. Lichtschwerter summen, Raumschiffe brummen, der Imperator ist schlecht gelaunt. Das passt zur Marke, keine Frage. Trotzdem fühlt es sich schnell nach blossem Soundeffekt plus Bewegungssensor an.
Pokémon hat einen Vorteil: Die Spielidee ist von Anfang an interaktiv. Spielende pflegen, trainieren und kämpfen mit ihren Pokémon. Genau diesen Kreislauf versucht Lego nun in Steine zu übersetzen. Wenn Pikachu auf Futter reagiert oder Glurak auf eine Berührung, liegt das näher am Kern der Marke als ein A-Wing, der beim Herumfliegen Geräusche macht.

Quelle: Lego
Das heisst nicht, dass Smart Play automatisch überzeugt. Entscheidend bleibt, wie abwechslungsreich die Reaktionen ausfallen, wie zuverlässig der Smart Brick funktioniert und ob die Technik nach dem ersten Aha-Moment noch trägt. Kinder merken schnell, ob ein Spielzeug wirklich reagiert oder nur so tut.
Lego verkauft nicht nur Sets, sondern ein System
Auch der Aufbau der Themenwelt ist interessant. Zwei Sets liefern die Technik, zehn Sets erweitern sie. Wer mit Pikachu oder Glurak einsteigt, kann später Bisasam, Mewtu, Gengar oder Lapras dazukaufen und denselben Smart Brick weiterverwenden. Aus Lego-Sicht ist das sehr geschickt.

Quelle: Lego
Pokémon passt auch wirtschaftlich zu dieser Logik. Die Marke lebt vom Sammeln. «Schnapp sie dir alle» war nie nur ein Spruch, sondern ein Geschäftsmodell. Bei Lego heisst das jetzt: Bau sie dir alle, verknüpfe sie mit Smart Tags und bring sie mit einem Smart Brick zusammen.
Dazu passt, was in dieser Welle fehlt: klassische Minifiguren. Lego stellt keine Trainerinnen, Trainer, Arenen oder eine Pokémon-Welt im Minifigurenmassstab in den Mittelpunkt. Im Zentrum stehen die Pokémon selbst. Sie sind Figur, Spielfläche und Interaktionspunkt zugleich.

Quelle: Lego
Weniger für Erwachsene, mehr für Kinder
Für erwachsene Lego-Fans dürfte diese Welle weniger spannend sein als die grossen Display-Modelle vom Frühling. Die neuen Sets richten sich klar an Kinder ab sechs Jahren. Sie sind bunter, spielerischer und weniger für die Vitrine gedacht. Trotzdem ist die Welle für die ganze Themenwelt wichtig. Sie zeigt, wohin Lego mit Pokémon will: weg vom reinen Sammlermodell, hin zu einem interaktiven Spielsystem.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Nachricht. Lego Pokémon wird nicht einfach eine neue Lizenzreihe mit hübschen Figuren. Es wird Legos nächster grosser Test: Können klassische Klemmbausteine, bekannte Marken und digitale Technik zusammen funktionieren, ohne dass am Ende nur ein teurer Soundbaustein übrig bleibt?
Bei Pokémon stehen die Chancen besser als bei Star Wars. Nicht weil Pikachu niedlicher ist als Darth Vader. Obwohl, ja, auch das. Sondern weil Pokémon von Anfang an ein Spiel über Beziehung, Training und Reaktion war. Genau dort muss Smart Play beweisen, dass es mehr kann als blinken und Geräusche machen.
Was meinst du: Passt Smart Play zu Pokémon oder soll Lego die kleinen Monster lieber einfach aus Steinen bauen? Schreib es in die Kommentare.
Bezahlt werde ich dafür, von früh bis spät mit Spielwaren Humbug zu betreiben.
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