LifX, die hublose Alternative zu Philips Hue
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LifX, die hublose Alternative zu Philips Hue

Michael Restin
Zürich, am 04.12.2019

LifX macht richtig schöne smarte LED-Leuchtmittel, die richtig schön hell sind und ein richtig schönes Lichtspektrum bieten. Richtig schön geärgert habe ich mich nur über eines: Probleme mit der WLAN-Verbindung.

Sie liegen wie eine Cola-Dose in der Hand, sind ordentlich schwer und machen neugierig. Die LifX-Lichter kommen in schicken runden Verpackungen daher, die zwar nicht das Blaue vom Himmel versprechen, aber doch einiges. «Vivid colours and whites» zum Beispiel. Oder gar «incredible colours and soft whites». Auch noch im Angebot wäre «white daylight to amber evenings». Da ich mich nicht entscheiden kann, nehme ich gleich alle mit, um sie zuhause zu testen. Leuchtmittel, die sich ins normale WLAN einbinden lassen, hatte ich noch nicht. In unserer Wohnung sind die meisten Lampen mit Hue-Produkten von Philips ausgestattet.

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Smarte Leuchtmittel gibt es längst wie Sand am Meer. Doch wer sich einmal für einen Hersteller entschieden und sein Lichtsystem eingerichtet hat, bleibt ihm in der Regel treu. Viele landen beim Marktführer Philips Hue, richten die Bridge ein und kaufen höchstens günstigere Leuchtmittel anderer Marken dazu, die denselben Zigbee-Funkstandard nutzen und sich dadurch einfach in die Hue-Welt integrieren lassen. Andere Hersteller haben sich in den vergangenen Jahren auf Produkte konzentriert, die sich an Einsteiger richten. Menschen, die einfach bloß ein paar Lampen fernsteuern wollen, ohne viel Geld auszugeben und Zusatzgeräte zu installieren.

Anfang des Jahres habe ich ein paar Produkte von Eglo Connect ausprobiert, die sich über Bluetooth vernetzen und ohne Internetzugang auskommen. Das funktioniert richtig gut und der Funktionsumfang reicht vielen Leuten sicher völlig aus. Das scheinen die Leute bei Philips auch so zu sehen, weshalb die aktuellen Hue-Leuchtmittel inzwischen wahlweise via Bluetooth oder die Bridge gesteuert werden können. Ätsch, diese Marktlücke wäre also auch geschlossen. Lohnt es sich da überhaupt noch, über den Lampenschirm zu schielen und sich für die Produkte anderer Hersteller zu interessieren? Ich finde schon. Besonders, wenn sie so schick wie die LifX-Leuchten sind. Die obligatorischen Prüfzeichen und Hinweise befinden sich nämlich so nah am Gewinde, dass außer dem Firmenlogo nichts ins Auge sticht. Mir gefällt das cleane Weiß und die schwere Qualität. Und ich habe Lampen, in denen die Glühbirne sichtbar ist.

LifX ist nicht neu auf dem Markt, im Gegenteil. Seit einer Kickstarter-Kampagne 2013 wurden Hard- und Software stetig verbessert. Neben der hauseigenen App kannst du ihnen inzwischen auch über Amazon Alexa, Google Assistant, Apple HomeKit, Nest, IFTTT, SmartThings oder Logitech Harmony Befehle erteilen. Genug Möglichkeiten also.

Die Einrichtung

Wenn du eine LifX-LED einschraubst und den Strom einschaltest, wird es hell. Das ist schon mal gut. Um sie fernzusteuern, musst du dir in der App ein Konto einrichten und die Leuchtmittel damit verbinden. Und dabei gibt es eine Falle, in die du tappen kannst. Wenn du einen Dualband-Router hast, musst du sicherstellen, dass du dich mit deinem Handy oder Tablet im «richtigen» WLAN befindest. Richtig ist für die LifX-Lichter 2,4 GHz. Mit 5 GHz können sie nichts anfangen. Mein Handy hat sich bislang automatisch ins stärkere Netz geklinkt. Mal ins eine, mal ins andere. Da die Verbindung bei der LifX-Installation mehrmals neu hergestellt wird, ging das schief. Erst seit ich mein Handy ganz aus dem 5 GHz-Band verbannt habe, kann ich die Leuchtmittel zuverlässig in die App einbinden und fernsteuern. Beim Koppeln schickt die App deine Wifi-Zugangsdaten an die Glühbirne, verbindet dich anschließend wieder mit deinem WLAN und führt bei Bedarf ein Update durch. Das dauert eine Weile. Jedenfalls zu lange, um den seltsamen Rat in der App zu befolgen: «Halten Sie sich fest, während wir ihr neues Licht einrichten und es mit ihrem WLAN verbinden.» Da würde mir langweilig. Außerdem brauche ich meine Hände. Teilweise erhalte ich Fehlermeldungen, muss die Lampe resetten (fünfmal ein- und ausschalten) und es neu versuchen. Das schmälert meine Begeisterung etwas, denn optisch und haptisch bin ich von den LifX-Produkten ziemlich angetan.

Die App

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So aufgeräumt und funktional wie sie ist, findest du dich in der App schnell zurecht. Wie üblich kannst du deine Leuchtmittel benennen und ihnen Räume oder Gruppen zuweisen. In der Übersicht siehst du auf einen Blick, welche Lampen gerade in welchem Farbton eingeschaltet und wie stark sie gedimmt sind. Über eine drehbare Farbpalette oder einen Farbkreis kannst du die Lichtstimmung auswählen. Die Verbindung steht schnell, selbst wenn das Leuchtmittel kurz zuvor vom Stromkreis getrennt war. Mir fällt keine Kunstpause auf, wie es bei der Eglo-App der Fall war. Da ich das Licht nicht so gerne über die App bediene, mache ich mich über die Automatisierungsfunktion her. Ich habe die Mini-Leuchte «Day & Dusk» über dem Esstisch platziert, die mir natürliches Licht verspricht, das sich dem Tagesverlauf anpasst.

Die App hat schon einen Vorschlag für deinen Tag, den du nach Belieben anpassen kannst.
Die App hat schon einen Vorschlag für deinen Tag, den du nach Belieben anpassen kannst.

Das Licht

Um morgens fit zu werden, braucht es Tageslicht. Oder zumindest eine Leuchte, die das gut simuliert. Abends regt dann wärmeres Licht die Melatoninproduktion an und verleiht uns die nötige Bettschwere. Was den Morgen angeht, habe ich einen kritischen Tester. Mein vierjähriger Sohn beschwert sich beinahe täglich darüber, dass ihm alles zu hell ist, wenn er aus dem Bett getapst kommt und sich an den Tisch setzt. Diesmal beschwert er sich nicht. Dass die Lampe langsam hochdimmt, fällt ihm gar nicht auf. Und ich erfreue mich abends am warmen Schummerlicht, dass die LifX Mini «Day & Dusk» verbreitet. Das Spektrum gefällt mir ziemlich gut. Sie könnte glatt einen Lichtwecker ersetzen, ist mit ihren 800 Lumen aber auch über dem Tisch hell genug.

Helles Licht, warme Farben: An die Mini «Day & Dusk» kann ich mich gewöhnen.
Helles Licht, warme Farben: An die Mini «Day & Dusk» kann ich mich gewöhnen.

Die ersten Erfahrungen machen Lust auf mehr. Im Flur kann ich noch einen GU10-Spot unterbringen. Das «Downlight» soll nur vertikal eingesetzt werden. Es liefert wie versprochen unglaubliche Farben, ist im Vergleich mit einem herkömmlichen Spot aber auch unglaublich groß und steht so weit aus der Lampe hervor, dass er dort bei mir keine Zukunft hat. Da nehme ich lieber einen Doppelpack Hue white ambiance – der kostet ähnlich viel wie ein bunter LifX-Spot und auf Farbspiele kann ich in diesem Anwendungsbereich gut verzichten.

Der Spot (400 Lumen) ist mir zu groß und auch zu teuer.
Der Spot (400 Lumen) ist mir zu groß und auch zu teuer.

Die Mini finde ich top. Der Spot tut was er soll, ist für meine Zwecke aber ein Flop – bleibt noch die interessanteste Variante. Rein optisch fällt die große LED mit ihrem abgeflachten Kopf aus dem Rahmen. Sie sieht ein wenig so aus, als wäre sie designt, um perfekt in die zylinderförmige Verpackung zu passen. Nicht, um das Licht gleichmäßig nach allen Seiten abzustrahlen. Eigentlich wollte ich sie über dem Esstisch platzieren. Ich finde, sie hat was. Ein nicht alltägliches Aussehen und mit 1100 Lumen ziemlich viel Power.

Meinem Sohn zuliebe probiere ich sie lieber an anderer Stelle aus und stelle fest: Sie ist bei neutralem Weiß und 100 Prozent um Welten heller als die Hue White und Hue White Ambiance, die sonst bei mir Licht ins Wohnzimmer bringen. Mehr smartes Licht mit E27-Gewinde bekommst du allenfalls mit der Powerkugel von Eglo. Auch wenn du es nicht so grell magst, ist es doch schön, Reserven zu haben und bei Bedarf aufdrehen zu können. Du erlebst auch keine unangenehm helle Überraschung, wenn die LED mal vom Strom getrennt wird. Sie speichert die vorherigen Einstellungen.

LifX bietet smart-light-üblich mehr Themen und Farben, als du ausprobieren kannst.
LifX bietet smart-light-üblich mehr Themen und Farben, als du ausprobieren kannst.

Um mit den Farben und Effekten zu spielen, schraube ich sie in eine andere Fassung und setze mich in eine dunkle Ecke. Über die App kannst du sie kerzengleich flackern lassen oder als Discobeleuchtung zu deiner Musik einsetzen, sofern du ihr Zugriff auf das Mikrofon gewährst und dein Handy in der Nähe der Soundquelle hast. Das ist einfacher gelöst als bei Philips, wo du mit Hue Sync einen Umweg über die Desktop-Anwendung gehen musst. Dafür kommt es nicht ganz an die Lichtspiele der Hue Play ran.

  • ReviewWohnen

    Lichtspiele mit Hue Play

Trotzdem: Ganz subjektiv aus meiner dunklen Ecke betrachtet, macht bei LifX alles einen sehr stimmigen und hochwertigen Eindruck. Ich habe auch keine Probleme, flackerfreie Fotos zu schießen. Schon ein älterer LED-Benchmark-Test kam zum dem Ergebnis, dass bei LifX Flickering wohl kein Thema ist.

Ich bin beeindruckt und greife vorfreudig zum letzten Gadget: Der LifX+, die zusätzlich über einen Infrarotmodus verfügt. Ist dieser eingeschaltet, scheint die LED aus zu sein. Auf Nachtsichtkameras zeigt sich ein anderes Bild. Dort erhellt sie die Szenerie deutlich und du kannst dir besser anschauen, was deine Katze nachts so treibt oder wer deine Wohnung ausgeräumt hat. Ich habe zwar nicht wirklich Verwendung dafür, will die Funktion aber ausprobieren. Dafür krame ich ein altes Babyphone aus dem Schrank, das mit einer Kamera ausgestattet ist.

Irgendwie unheimlich: Das Zimmer ist dunkel, aber auf dem Display des Babyphones leuchtet die LED.
Irgendwie unheimlich: Das Zimmer ist dunkel, aber auf dem Display des Babyphones leuchtet die LED.

Spooky. Es funktioniert. Und die Helligkeit der unsichtbaren Lampe lässt sich auf verschiedene Stufen einstellen. So wirklich und hundertprozentig ausschalten kannst du sie natürlich auch. Wobei: Ich kann es nicht mehr. Von einem Moment auf den anderen sind alle LifX-Lichter nicht mehr erreichbar. Funkstille in der App. Nichts. Nada. Ich brauche einen Moment, bis mir klar wird, dass das Babyphone daran schuld ist. Es funkt dazwischen. Und ich stehe mit meinen supersmarten Lichtern auf einmal dumm da.

Fazit

Die WLAN-Verbindung ist Stärke und Achillesferse des Systems zugleich. Hast du zuhause eine gute Abdeckung in allen Räumen, ist LifX eine tolle Sache. Es sind absolut hochwertige Leuchtmittel, die sich auf vielen Wegen reibungslos integrieren und steuern lassen. Ich habe es kurz mit dem Google Assistant probiert, das funktionierte ohne Probleme. Die App ist auch gut gemacht. Das System ist easy und schön, wenn alles funktioniert. Aber wehe, du hast irgendwo eine Störquelle und verlierst die Verbindung. Bei LifX heißt es dazu: «Platzieren Sie Ihre LIFX Lampe mindestens 8 Meter (25 Fuß) von Mikrowellengeräten, 2,4 GHz Schnurlos-Telefonen oder anderen Störquellen entfernt.» Ganz so weit musste ich mich nicht entfernen, damit es funktioniert. Und die Lampe über dem Esstisch hat sich auch nicht an der Mikrowelle in der Küche gestört, die längst nicht so weit entfernt ist. Ich schätze mal, in den allermeisten Fällen läuft LifX reibungslos, solange dein WLAN stark genug ist. Wenn dich diese Einschränkung nicht abschreckt, sind diese smarten Lichter in jedem Fall eine Überlegung wert.

  • KaufratgeberWohnen

    Hue, Eglo und LifX: Smarte Lichtsysteme im Vergleich

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Michael Restin
Michael Restin

Editor, Zürich

Das Glück ist flüchtig, also bleibe ich in Bewegung. Auf dem Bike, am Ball (Grösse und Farbe egal) und bei allem, was der Fantasie zweier Kinder entspringt. Ich liebe es, meinen Spieltrieb auszuleben und Zufällen eine Chance zu geben.

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