Mittendrin statt nur dabei: Raumklang-Aufnahme mit Smartphone

Mittendrin statt nur dabei: Raumklang-Aufnahme mit Smartphone

David Lee
David Lee
Zürich, am 14.05.2020
Warum Smartphones einen erstaunlich realistischen Sound hinkriegen und wie du das noch steigern kannst.

Bei Videos, die ich mit dem Smartphone aufnehme, hat mich die Audioqualität oft positiv überrascht – vor allem im Direktvergleich mit den Aufnahmen des internen Mikrofons einer Kamera. Erst kürzlich ist mir jedoch klar geworden, warum das so ist. Es liegt am Raumklang.

Wenn du Sound in stereo aufzeichnest, entsteht ein räumlicher Eindruck. Aber deswegen entspricht der Klang noch lange nicht dem, was wir in der Realität hören. Es hört sich anders an, als wenn wir tatsächlich mitten im Geschehen wären. Ein gewöhnliches Stereomikrofon ist nämlich anders aufgebaut als unsere Ohren. Hier als Beispiel ein Ansteckmikrofon aus dem letzten Jahrtausend, das ich immer noch gelegentlich benütze. Links und rechts liegen sehr nahe beieinander.

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Auch die beiden Mikrofone einer Kamera liegen ziemlich nahe beieinander. Sie schauen zudem auch in die gleiche Richtung, im Gegensatz zu den menschlichen Ohren.

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An meinem Smartphone liegen die beiden Mikrofone auf den kurzen Kanten oben und unten und damit etwa 14 cm weit auseinander. Es handelt sich um ein Huawei P20 Lite, aber das spielt keine Rolle, die meisten Smartphones sind diesbezüglich gleich aufgebaut.

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Diese 14 cm entsprechen ziemlich genau dem Abstand zwischen unseren Ohren.

Physical distancing zwischen den Mikrofonen

Natürlich genügt das alleine noch nicht, um die Aufnahme so klingen zu lassen, als wärst du mitten in der Szene. Im Idealfall befindet sich zwischen deinen Ohren mehr als nur Luft. Kommt ein Sound von links, hörst du ihn zwar auch mit dem rechten Ohr, aber ein Teil der Schallwellen wird durch deinen Kopf abgehalten.

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Mit einem Stück Karton, in das ich einen Spalt geschnitten habe, kann ich die beiden Mikrofone räumlich so halb separieren. Das ist natürlich Gebastel auf unterstem Niveau und nur eine ganz grobe Näherung an die Gegebenheiten unserer Ohren, doch selbst damit ist bereits ein deutlicher Unterschied zu hören, wie das Testvideo unten zeigt.

Zuerst hörst du eine Aufnahme mit der oben abgebildeten Kamera, der Sony RX100 III. Das ist zwar Stereo, klingt aber wie aus der Büchse. Die Aufnahme mit dem Smartphone klingt viel offener. Zuletzt noch eine Aufnahme mit dem Karton. Achte auf den Moment, wo ich mich um 90 Grad drehe. Hier hörst du viel deutlicher als bei der Aufnahme ohne Karton, dass die Musik nun aus einer anderen Richtung kommt.

Ein binaurales Mikrofon selbst bauen

Bei einer richtigen binauralen Aufnahme wird ein menschlicher Kopf nachgebildet. Die Mikrofone stecken in künstlichen Ohrmuscheln. Thomas Kunz, der Fotograf von Digitec Galaxus AG, ist gerade daran, ein solches Mikrofon zu bauen. Sobald er es fertig hat, zeigen wir dir das Ergebnis und den Weg dorthin.

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David Lee
David Lee

Senior Editor, Zürich

Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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