Motorola Razr: Wie schnell geht es kaputt?
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Motorola Razr: Wie schnell geht es kaputt?

Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Zürich, am 10.02.2020
Das Motorola Razr geht sofort kaputt, sagen die einen. Die anderen halten dagegen und kreiden die Testmethode an. Antworten gibt es noch keine, aber dafür einen neuen Diskurs in der Tech-Szene.

Das neue faltbare Flaggschiff aus dem Hause Motorola, das Motorola Razr, soll mechanische Schwächen haben, sagen die einen. Alles Quatsch, sagen die anderen. Egal, ob nun etwas an den «das geht sofort kaputt»-Statements dran ist, es könnte das Ende für das Razr bedeuten, bevor das Revival überhaupt richtig begonnen hat.

«Das geht kaputt»

Der Screen des Motorola Razr hebt sich beim Falten an.
Der Screen des Motorola Razr hebt sich beim Falten an.
JerryRigEverything
«Let me put this very bluntly. The screen on the Razr is gross. It ripples, it creaks, it moves when you touch it, it very visibly shows creases and bumps when the display is off.»
Joshua Topolsky, InputMag, 10. Februar 2020

Das sind die Worte, mit denen Joshua Topolsky, Chefredaktor des Techmagazins InputMag, den Bildschirm des Motorola Razr beschreibt. Dazu sagt er: «It doesn't feel nice, it feels worrying» und spricht damit die grosse Sorge der Tech-Welt an, dass die Bildschirme der faltbaren Phones heikel sind. Das Scharnier nennt er «troubling», was so viel wie «besorgniserregend» heisst.

«The Razr's fold test didn't come close to the 120,000 folds that we achieved with the Galaxy Fold last fall, or even to our goal of 100,000 folds, capping out at 27,000 before we had to pull the plug on the experiment.»
Chris Parker, CNet.com, 8. Februar 2020

Das Video des Techmagazins CNet ist wenig sehenswert – abgesehen von den ersten 20 Sekunden, in denen der Moderator das Razr ans Mikrofon hält. Wenn er das Phone faltet, dann knackt es. «Das Geräusch sollte definitiv nicht sein», sagt er.

Das Razr CNets hat gerade 27 000 Faltvorgänge hinter sich. CNet rechnet nach: Wenn ein durchschnittlicher Amerikaner sein Phone laut Report der Versicherungsgesellschaft Asurion 96 Mal pro Tag benutzt, dann hält das Phone «nicht ganz ein Jahr» durch. Für ein 1 500 Dollar teures Phone sei das zu wenig.

Motorola schiesst zurück

«...it’s not clear whether that hinge damage was the result of CNET’s machine (borrowed from SquareTrade) being improperly designed or calibrated, or because there’s actually a flaw with the hinge in Motorola’s handset.»
Sean Hollister, The Verge, 7. Februar 2020

Zweifel am Test CNets hat nicht nur das Tech-Magazin The Verge, sondern auch Motorola selbst. Es sei unklar, ob die Faltmaschine selbst fehlerhaft oder fehlerhaft konfiguriert war. Vibrationen könnten eine Rolle gespielt haben. War der Falz an der richtigen Stelle? Sprich: der Test CNets sei nicht repräsentativ für die Stabilität des Phones.

«SquareTrade’s FoldBot is simply not designed to test our device. Therefore, any tests run utilizing this machine will put undue stress on the hinge and not allow the phone to open and close as intended, making the test inaccurate.»
Motorola, The Verge, 7. Februar 2020

Um den Beweis der Stabilität zu erbringen, hat Motorola ein Video veröffentlicht, das den Beweis der strukturellen Integrität erbringen soll.

Aber auch daran hegt The Verge Zweifel.

«...you’ll only see them fold six times in this video.»
Sean Hollister, The Verge, 7. Februar 2020

Es sei auffällig, dass das Scharnier von Motorolas Maschine gar nicht erst unter Stress gesetzt wird. Auch erinnert The Verges Senior News Editor Sean Hollister daran, dass das Samsung Galaxy Fold aus ganz ähnlichen Gründen hat redesigned werden müssen. Staub sei ins Scharnier gekommen, was zu Bildschirmbeschädigungen geführt habe. Dies, obwohl auch Samsung den Videobeweis der Faltbarkeit erbracht hat. Ein Roboter hat das Phone über 200 000 Mal gefaltet.

Klapprig unten

Faltbare Phones geben Anlass zur Sorge. Jahrelang hat die Industrie daran gearbeitet, Gorilla Glass und seine Konkurrenten zu härten, die Oberfläche deines Smartphones möglichst kratz- und bruchsicher zu machen. Jetzt soll das Gerät in der Hosentasche faltbar werden und das geht mit Glas nicht. Daher sind die Displays aus Plastik. Dazu schaffen die Scharniere eine mechanische Schwachstelle.

Das neue Material schlägt sich auch in der Haptik nieder. Die Bildschirme aller faltbaren Phones, die ich bisher angefasst habe, fühlen sich radikal anders und, ja, billiger sowie schwächer an, als die gorillaverglasten Konkurrenten ohne Scharnier.

Das Motorola Razr hatte ich übrigens kurz in der Hand und entdeckte vor allem ein Element, das mich gestört hat. Am unteren Bildschirmrand hat das Display gelottert. Aber ich weiss nicht, in welchem Entwicklungsstadium das Razr war, das ich in den Händen gehalten habe. Es ist gut möglich, dass es ein Vorserienmodell war und die haben sowohl hardware- wie auch softwareseitig dann und wann Schwächen.

Dass CNet und The Verge mit Vorserienmodellen gearbeitet haben, bezweifle ich.

Detaillierte Antworten zur Mechanik des Phones gibt der YouTube-Kanal JerryRigEverything.

Moderator Zack Nelson wirft Kies und Sand ins Scharnier und das ist danach natürlich verstopft. Doch auch mit Kies hinter dem Screen kann er das Phone noch falten. Sein Kratztest bringt Antworten über die Resistenz des Plastik-Screens. Erst als er das Phone komplett durchbiegt, schafft er es, den Bildschirm zu beschädigen. Doch das Razr funktioniert nach wie vor, selbst wenn einzelne Pixel beschädigt sind.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher

Senior Editor, Zürich

Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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