
Ozeane werden grüner
Der blaue Planet – so nennen wir die Erde mit zweitem Namen. Doch die Farbe der Weltmeere ändert sich. Ein gutes Zeichen ist das aber nicht unbedingt.
Eines der wohl berühmtesten Bilder unseres Planeten heisst «Blue Marble» und zeigt die Erde von Apollo 17 aus fotografiert. Doch unsere Ozeane als Grundlage des «blauen Planeten» verfärben sich zunehmend: Sie werden zunehmend grüner, wie ein Team um B.B. Cael vom National Oceanography Centre in Southampton in «Nature Communications» darlegt. Als Folge des Klimawandels und der Überdüngung der Meere habe sich demnach die Zusammensetzung des Planktons gewandelt, was sich auch auf die Tönung der Ozeane ausgewirkt hat.
Die Arbeitsgruppe nutzte Daten des MODIS-Instruments auf dem NASA-Satelliten Aqua, um die Veränderungen der von der Wasseroberfläche ausgehenden Strahlungsintensität von 2002 bis 2022 zu untersuchen. Diese Werte sind eine wichtige Kennzahl zur Analyse von Farbveränderungen im Wasser. Die Auswertung zeigte, dass sich während dieser zwei Jahrzehnte auf 56 Prozent der Wasserfläche die Farbe von blau in Richtung grün verändert hat.
Ein Abgleich mit Klimamodellen zeigte dann, dass diese Entwicklung eng mit dem Klimawandel verbunden sein könnte. Die Erderwärmung verstärkt demnach die Ozeanschichtung, die leichteres warmes Wasser an der Oberfläche von kühlerem und damit dichterem Wasser trennt. Wenn sich der Ozean aufheizt, verstärkt sich die Schichtung in den oberen Lagen. Die Durchmischung fällt schwächer aus und damit auch der Nährstofftransport aus der Tiefe nach oben ans Licht. Die Zusammensetzung des Phytoplankton reagiert darauf und ändert sich.
Noch ist aber unklar, was dabei passiert, etwa ob kleinere Algenarten grössere verdrängen und dafür aber in grösseren Dichten vorkommen. Ebenso unbekannt sind die Folgen für die Nahrungskette.
Ausserdem könnte noch ein zweiter Faktor eine wichtige Rolle bei der Ergrünung spielen, den Cael und Co. aber nicht diskutieren: den massenhaften Eintrag von Nährstoffen in die Ozeane, der immer wieder ausgedehnte Algenblüten auslöst, die ebenfalls aus dem All sichtbar sind. Sie erzeugen intensive Grünfärbungen des Wassers über grosse Flächen und könnten auch langzeitig die Wasserfärbung beeinflussen. Für das Ökosystem sind sie nicht minder schädlich: Sterben die Algen letztlich ab, entziehen sie dem Wasser intensiv den Sauerstoff. Es entstehen Todeszonen im Meer, in denen nur die härtesten Arten überleben. Besonders und regelmässig betroffen sind etwa der Golf von Mexiko, die Ostsee, das Schwarze oder das Gelbe Meer.
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Titelbild: © NASA Earth Observatory, Jeff Schmaltz (Ausschnitt) Immer häufiger kommt es in den Meeren zu grossflächigen Algenblüten. Aus dem All betrachtet, sehen die Ozeane daher grüner aus.
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