Pulver gut, Kreuzband kaputt: Bist du fit für die Skiferien?

Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Zürich, am 03.02.2022
Schnitt: Stephanie Tresch
Bilder: Oliver Fischer
Video: Oliver Fischer

Bist du fit für die Piste? Ein Schweizer Unternehmen bietet mit neuester Roboter-Technologie, künstlicher Intelligenz und gamifizierten Workouts einen futuristischen Fitnesstest an, der diese Frage beantworten soll. Ich habe ihn ausprobiert.

Der Kontrast könnte nicht grösser sein. Während ich in Zürich West auf dem Turbinenplatz stehe, graue Bürogebäude vor und grauer Himmel über mir, bin ich in Gedanken bereits beim Skifahren in den Bergen. Umgeben von majestätischen Gipfeln unter blauem Himmel, sehe ich mich vor meinem geistigen Auge perfekte Carvingschwünge in den pulvrigen Schnee zaubern. Aber halt, bin ich überhaupt fit für die Piste? Das will ich heute herausfinden. Ein computergestützter Fitnesstest auf einer Hightech-Beinpresse erwartet mich. Realitätscheck statt Möchtegern-Marco-Odermatt-Fantasien.

Robotest in Züri West

Das Technologieunternehmen Dynamic Devices AG mit Sitz in Zürich und Tokio entwickelt unter dem Markennamen «ddrobotec» seit zwölf Jahren Produkte für den Sport- und Gesundheitsmarkt. Unterdessen hat die Firma auch nach Deutschland expandiert und betreibt Showrooms in Bonn und Stuttgart. Auf ihren Systemen haben auch schon Mitglieder der Schweizer Ski-Nationalmannschaft Quadriceps und Hamstring Weltcup-tauglich gemacht.

Nun bietet das Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem Check-up Zentrum Hirslanden Zürich einen Robotest und gamifizierte Workouts für Hobby-Skifahrer:innen an. Den Test absolviere ich auf der wohl modernsten Beinpresse, die aktuell auf dem Markt zu haben ist. Er beinhaltet unter anderem die Messung der Bewegungskontrolle, der Schnell- und Spitzenkraft, der Reaktionsfähigkeit und der Links-/Rechtssymmetrie.

Der Showroom von ddrobotec in Zürich: Hightech made in Switzerland.
Der Showroom von ddrobotec in Zürich: Hightech made in Switzerland.

In 50 Minuten vom Warm-up zur Auswertung

Defizite in der neuro-muskulären Kontrolle des Knies und der Hüfte und eine reduzierte Schnellkraft gelten als Risikofaktoren, die zu Verletzungen an den unteren Extremitäten führen. Zum Beispiel bei schnellen Bewegungen mit Richtungsänderungen, wie eben beim Skifahren. Oder einfacher gesagt: Viele Menschen treiben das Jahr über wenig bis gar keinen Sport, lassen es in den Skiferien dann aber so richtig krachen und landen krachend im Spital. 46 000 Unfälle jährlich auf Schweizer Pisten haben eine ärztliche Behandlung zur Folge.

Das muss nicht sein. Der Test im Vorfeld der Skiferien soll helfen, die Leistungsfähigkeit des Unterkörpers richtig einzuschätzen. Und so dazu beitragen, schwere Unfälle auf der Piste möglichst zu vermeiden. Begleitet werde ich von Laura Toivanen. Die ehemalige Biathletin und Olympiateilnehmerin aus Finnland arbeitet heute als Sport- und Präventionsspezialistin im Check-up Zentrum Hirslanden Zürich.

Ehemalige Spitzensportlerin trifft Amateur: Laura Toivanen interpretiert eine der vielen Zahlen des Tests.
Ehemalige Spitzensportlerin trifft Amateur: Laura Toivanen interpretiert eine der vielen Zahlen des Tests.

Der Fitnesstest dauert etwa 50 Minuten und beginnt mit einem Warm-up. Anschliessend folgen die diversen Übungen zur Spitzen- und Schnellkraft, Reaktionsfähigkeit und der Links-/Rechtssymmetrie. Zum Dessert serviert mir Laura einige spielerische Workouts in Form von Exergames.

Da gilt es zum Beispiel auf einer Skipiste mit einer Kugel möglichst viele Punkte einzusammeln oder kleinen Monstern, die in immer schnellerer Folge auf mich zukommen, auszuweichen. Richtig komplex wird es bei der Verknüpfung von körperlicher mit kognitiver Aktivität. Bei einer Übung soll ich mir anhand von Würfeln Zahlenreihen merken und diese dann korrekt einsammeln. Also zum Beispiel zuerst die 1, dann die 2 und die 6. Dann 4, 1, 5 und 3 und so weiter. Es sollen schon Leute den Test gemacht haben, die bis zu 15 Zahlenreihen, die immer länger werden, geschafft haben. Bei mir kommt schon nach vier der erste Fehler.

Zehn Jahre Entwicklung für zwei unscheinbare Schläuche

Was am Ende des Videos ein wenig nach Darth Vader klingt, ist das Herzstück der Hightech-Beinpresse. Es handelt sich dabei um Antriebselemente, die mit Luftdruck kontrahieren. Sie verhalten sich wie richtige Muskeln. Die Kunst besteht in der perfekten Regulierung dieser Soft-Robotic-Elemente. Dies ist ein komplexer Prozess, für dessen Entwicklung ddrobotec rund zehn Jahre gebraucht hat.

Die Firma hat sich in den letzten Jahren gemäss eigenen Angaben von einem Hardware-Entwickler zu einem rundum digital ausgerichteten Unternehmen entwickelt. Mit einem cyber-physischen «Plattform-Ökosystem» als Kern. Diese Plattform besteht aus der Beinpresse mit Robotertechnik, einem User Interface, diversen Drills, funktionellen Tests, motivierenden Exergames, Cloud Analytics Software und einer Smartphone-App.

Zehn Jahre Entwicklungsarbeit stecken in diesen zwei schwarzen Schläuchen: künstliche Muskeln im Inneren der Beinpresse. / Foto: Thomas Kunz
Zehn Jahre Entwicklungsarbeit stecken in diesen zwei schwarzen Schläuchen: künstliche Muskeln im Inneren der Beinpresse. / Foto: Thomas Kunz

Fit für die Piste, aber ...

Nach einer knappen Stunde habe ich die mal mehr, mal weniger anspruchsvollen Übungen absolviert und bin auf das Resultat gespannt. Schliesslich sehe ich mich vor meinem geistigen Auge noch immer während der Skiferien elegante Carvingschwünge in den Schnee ziehen. Da ist sie wieder: die Möchtegern-Marco-Odermatt-Fantasie. Zeit für die Realität. Und die sieht so aus:

Viele Zahlen, ein Fazit: Fit für die Piste, aber Achtung mit dem linken Bein.
Viele Zahlen, ein Fazit: Fit für die Piste, aber Achtung mit dem linken Bein.

Insgesamt scheinen Laura Toivanen und der ebenfalls anwesende CEO von ddrobotec, Max Lungarella, mit meinen Resultaten durchaus zufrieden zu sein. Bei drei von sechs Übungen schaffe ich ein gut, dazu je einmal ein genügend, ein sehr gut und ein exzellent. Welche Note würde ich mir selber geben? Naja, eine 5.

Zum Schluss gibt Max mir noch einen Tipp mit auf den Weg. Ihm ist nämlich nicht entgangen, dass mein linkes, am Knie operiertes Bein, zwar kräftiger als mein rechtes ist. Aber in Sachen Koordination, Beweglichkeit und Stabilität ein wenig schwächelt. Daher solle ich auf der Piste aufpassen, wenn ich am Ende des Tages das Gefühl hätte, noch ein paar Abfahrten extra anhängen zu können. Dieses Gefühl könne trügerisch sein. Ich könne mich durchaus noch fit fühlen, doch mein linkes Bein würde vermutlich ein wenig vor dem restlichen Körper schlapp machen. Also lieber zu früh als zu spät zum Après-Ski wechseln, dann sollte verletzungsfreien Skiferien nichts im Weg stehen.

Max Lungarella analysiert die Daten des Fitnesstests.
Max Lungarella analysiert die Daten des Fitnesstests.

Noch bis am 4. März finden die Fitnesstests von ddrobotec statt. Der Robotest inklusive professioneller Betreuung und Analyse durch Laura Toivanen vom Check-up Zentrum Hirslanden kostet 120 Franken. Hier kannst du dich anmelden.

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Patrick Bardelli

Es zählt nicht, wie gut du bist, wenn du gut bist. Sondern wie gut du bist, wenn du schlecht bist.


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