Samsung Galaxy A52 und A72 im Test: Die Mittelklasse in zwei Größen

Samsung Galaxy A52 und A72 im Test: Die Mittelklasse in zwei Größen

Jan Johannsen
Hamburg, am 08.06.2021
Das Galaxy A52 und das Galaxy A72 von Samsung gleichen sich wie ein Ei dem anderen – aus verschiedenen Größenklassen. Im Inneren der zwei Mittelklasse-Smartphones verbergen sich weitere Unterschiede, die am Ende nicht so wichtig sind, wie deine Ansprüche an die Größe.

Beim Galaxy A52 misst das Display 6,5 Zoll in der Diagonalen, beim Galaxy A72 sind es 6,7 Zoll. Dieser Unterschied sorgt dafür, dass das A72 5,1 Millimeter länger und 2,3 Millimeter breiter ist. Klingt nach wenig, aber wenn es darum geht ein Smartphone in der Hand zu halten, können sie entscheidend sein. Ich finde das kleinere A52 angenehmer. Der Gewichtsunterschied von 17 Gramm spielt dabei aber keine Rolle.

Ein großer und ein größerer Touchscreen

Die Bildschirme beider Smartphones haben die gleiche Auflösung von 2400×1080 Pixeln (Full-HD+). Nominell ist die Pixeldichte beim Galaxy A72 niedriger, aber mit bloßem Auge ist kein Unterschied zu erkennen. Beide Displays haben ein scharfes, detailreiches Bild. Das Super-Amoled-Display bietet zudem kräftige Farben, ein dunkles Schwarz und eine bei Sonnenschein ausreichende Helligkeit.

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Im Display befindet sich oben ein Loch für die Frontkamera und weiter unten ein Fingerabdrucksensor hinter ihm. Dieser ist allerdings vergleichsweise langsam und anspruchsvoll. Sprich: Ich muss meinen Finger sehr genau und ruhig auflegen, damit der Sensor ihn erkennt und das Smartphone freigibt.

Die Rückseiten vom A52 und A72 bestehen aus Kunststoff und sind optisch schlicht gehalten. Samsung hat für beide Smartphones die Wasserdichtigkeit zertifizieren lassen. Mit IP67 sind sie auf 30 Minuten in einem Meter Wassertiefe getestet.

Gute Hardware, viel Speicher und ein großer Akku

Im Galaxy A52 und A72 steckt nominell die gleiche Hardware: der Snapdragon 720G als Chipsatz und sechs Gigabyte Arbeitsspeicher. Da rechne ich mit nahezu identischen Ergebnissen in Benchmarktests. Allerdings schneidet das A52 bei Geekbench 5 besser ab. Dafür gibt es eine logische Erklärung. Ich habe die 5G-Version des A52 zur Hand und in dieser befindet sich der Snapdragon 750 G, der etwas besser ist. Im Schnitt 641 und 1904 Punkte erreicht das kleinere der zwei Smartphones in seiner 5G-Version im Single- und Multi-Core-Test. Das A72 schafft nur 546 und 1666 Punkte. Zahlenmäßig kein großer Unterschied, im Verhältnis mit 17 und 14 Prozent jedoch schon auffällig. Und ohne 5G beim A52 sollten die Ergebnisse noch enger beieiander liegen.

Die gute Nachricht, wenn du die 4G-Version der Smartphones ins Auge gefasst hast: In der Praxis ist der Unterschied nur schwer zu bemerken. Ich habe etliche Apps auf den Smartphones gleichzeitig geöffnet und bei kurzer Ladezeit nur einmal eine minimale Verzögerung bemerkt. Und auch wenn der Unterschied bei Apps mit längerer Startzeit zunimmt, dürften die zusätzlichen Sekunden – beispielsweise bei PUBG Mobile – ohne den direkten Vergleich wenig stören. Nach dem Laden läuft das Spiel auf beiden Smartphones.

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Beide Galaxys bieten dir einen 128 Gigabyte großen internen Speicher, den du mit einer microSD-Karte erweitern kannst. Anstelle der Speicherkarte kannst du aber auch eine zweite SIM-Karte einlegen.

Der einzige Unterschied beim Innenleben sind die Akkus. Ins größere Galaxy A72 passt ein größerer Akku mit einer Kapazität von 5000 mAh. Im kleineren A52 bietet die Batterie nur 4500 mAh. Daraus ergibt sich ein Unterschied in der theoretischen maximalen Akkulaufzeit. Im Alltag macht sich diese aber kaum bemerkbar. Spätestens Abends willst du beide Smartphones wieder aufladen. Das geht über den USB-C-Anschluss an der Unterseite der Geräte. Neben ihm befindet sich noch eine 3,5-mm-Buchse für deinen Kopfhörer.

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Als Betriebssystem erwartet dich Android 11 mit Samsungs Benutzeroberfläche One UI. Dazu gehören einige Apps von Samsung wie der Sprachassistent Bixby, der hauseigene Galaxy Store für Apps oder die News-App Samsung Free. Diese kannst du nicht deinstallieren. Das geht aber immerhin bei einem Teil der vorinstallierten Drittanbieter-Apps. Wie bei der News-App ist auch bei OneDrive und Netflix das Deaktivieren die einzige Option, sie aus der App-Übersicht zu bekommen.

Tele oder Makro, das ist hier die Frage

Wenn du ganz genau hinschaust, siehst du, dass beide Smartphones zwar vier Kameras haben, aber eine Linse unterschiedlich groß ist. Während das Galaxy A52 über eine 5-Megapixel-Makro-Linse verfügt, befindet sich im Galaxy A72 eine 8-Megapixel-Telelinse. Die sorgt dafür, dass das A72 einen größeren Zoom bietet: 3-fach optisch statt 2-fach und digital maximal 30-fach statt 10-fach. Dies gilt sowohl für die 4G- als die 5G-Versionen der Smartphones.

Findest du den Unterschied bei den Kameras?
Findest du den Unterschied bei den Kameras?

Die übrigen drei Kameras sind identisch: Die Hauptkamera hat eine Auflösung von 64 Megapixeln, die Fotos standardmäßig aber nur eine Auflösung von 16 Megapixeln. Beim sogenannten «Pixel Binning» rechnet die Software vier nebeneinander liegende Bildpunkte zu einem zusammen. Dadurch soll sich die Bildqualität verbessern. Die Weitwinkelkamera hat eine Auflösung von 12 Megapixeln und die vierte Kamera mit 5 Megapixeln liefert Informationen für die Tiefenschärfe bei Porträtaufnahmen.

Zoom

Die Standard-Zoom-Option in der Kamera-App des A52 und A72 unterscheidet sich. Beim A52 ist es eine zweifache Vergrößerung und beim A72 mit dem Teleobjektiv eine dreifache. Damit kommst du näher ans Motiv heran. Qualitative Unterschiede drängen sich nicht auf. Die verschiedenen Farben schiebe ich auf die Automatik, die jeweils einen anderen Ausschnitt bewertet.

2x Zoom, A52
2x Zoom, A52
3x Zoom, A72
3x Zoom, A72

Beim zehnfachen Zoom, der beim A52 das Maximum ist, wird der Unterschied bei der Detailgenauigkeit offensichtlich. Der Punkt geht eindeutig an das A72. Dessen 30-fache Vergrößerung bringt dich zwar noch näher ans Motiv heran, aber gut sieht das nicht aus.

10x Zoom, A52
10x Zoom, A52
10x Zoom, A72
10x Zoom, A72
30x Zoom, A72
30x Zoom, A72

Die übrigen Aufnahmen erweisen sich als identisch. Deswegen zeige ich immer nur die Aufnahme aus einem der zwei Smartphones als Beispiel.

Hauptkamera

Die Hauptkamera vom Galaxy A52 und A72 liefert Fotos mit einer hohen Detailgenauigkeit sowie kräftigen und natürlich wirkenden Farben. Der HDR-Modus hat bei meinen Beispielbildern keinen Effekt. Das bedeutet, die Kameras kommen auch ohne ihn gut mit starken Kontrasten zurecht.

HDR aus, A52
HDR aus, A52

Weitwinkel

Die Weitwinkelkamera liefert dir einen großen Bildausschnitt, bei dem du Unschärfen im Randbereich in Kauf nehmen musst. Insgesamt überzeugt sie mit guter Bildqualität, die Farben sind allerdings nicht so intensiv wie bei der Hauptkamera – und das liegt nicht nur am anderen Wetter.

Weitwinkelkamera, A52
Weitwinkelkamera, A52

Nacht

Schon ohne Nachtmodus behilft sich die Automatik mit wenig Restlicht und liefert ordentliche Fotos. Die lassen noch mehr Details erkennen, wenn du den Nachtmodus aktivierst und die längere Belichtungszeit in Kauf nimmst. Auffällig ist der kleinere Bildausschnitt beim Nachtmodus.

Automatik, A52
Automatik, A52
Nachtmodus, A52
Nachtmodus, A52

Noch auffälliger wird der Unterschied bei der Weitwinkelkamera. Hier bleibt die Aufnahme der Automatik sehr dunkel. Die hellen Bereiche sehen trotzdem ordentlich aus. Der Nachtmodus erhellt das gesamte Bild deutlich.

Weitwinkel, Automatik, A52
Weitwinkel, Automatik, A52
Weitwinkel, Nachtmodus, A52
Weitwinkel, Nachtmodus, A52

Die Telelinse des Galaxy A72 scheint nicht mit dem Nachtmodus kompatibel. Den bietet nur das A52 bei seiner zweifachen Vergrößerung an, und den braucht es auch.

2x Zoom, Automatik, A52
2x Zoom, Automatik, A52
2x Zoom, Nachtmodus, A52
2x Zoom, Nachtmodus, A52

Makro

Das A72 hat eine Telelinse, das A52 dafür eine Makrolinse. Da rechne ich damit, mit dem A52 näher an kleine Motive heranzukommen. Falsch gedacht: Das A72 kann das mit seinem Makromodus ebenfalls. Der Unterschied: Minimal, aber in beiden Fällen qualitativ nicht überzeugend.

Makro, A52
Makro, A52
Makro, A72
Makro, A72

Selfies

Die Frontkameras vom A52 und A72 nehmen Selfies jeweils mit 32 Megapixeln auf. Das Ergebnis ist qualitativ in Ordnung. Ich empfehle aber dringend den HDR-Modus zu aktivieren. Andernfalls bekommen die Kameras größere Probleme mit starken Kontrasten.

Selfie, A52
Selfie, A52
Selfie, HDR aus
Selfie, HDR aus

Fazit: Größe gegen Teleobjektiv

Das Samsung Galaxy A52 und Galaxy A72 stehen zwar etwas hinter den Topmodellen aus der S21-Serie zurück. Dennoch können sie alles, was ein Smartphone können muss und das meistens sogar gut bis sehr gut und nirgendwo schlecht.

Doch welches der beiden solltest du nehmen?

Ich halte die Größe für das wichtigste Kriterium. Hältst du lieber das größere oder kleinere Smartphone in der Hand? Ich tendiere eindeutig zum kleineren Galaxy A52. Für den zusätzlichen Komfort bei der täglichen Nutzung nehme ich auch in Kauf, beim zehnfachen Zoom die schlechtere Bildqualität als beim Galaxy A72 zu haben.

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Jan Johannsen
Jan Johannsen

Redakteur, Hamburg

Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Galaxus.de.

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