Von 25 Prozent mehr Leistung kann ich nur träumen: Memory Timings ausprobiert

Von 25 Prozent mehr Leistung kann ich nur träumen: Memory Timings ausprobiert

Kevin Hofer
Kevin Hofer
Zürich, am 16.04.2020

RAM-Timings bestimmen, wie schnell der Speicher auf Anfragen reagiert und Aufgaben ausführt. Mit etwas Finetuning kannst du mehr Leistung aus deinen Modulen kitzeln. Wie viel hängt vom Einzelfall ab.

«Für Otto-Normaluser oder auch Gamer reicht es vollkommen aus, die korrekten XMP im Bios einzustellen.» Das war das Fazit meines Erklärungsartikels zu Memory Timings. User Annihilator war nicht meiner Meinung:

ignorieren sollte man lieber solche artikel die von null basiswissen zeugen… und ja, ich habe penibel angestraffte timings und je nach anwendung und/oder game sinds sogar knapp 25% dies extra gibt zu 3800 mit XMP timings.
Weshalb du Memory Timings beim RAM ignorieren kannstWeshalb du Memory Timings beim RAM ignorieren kannst
HintergrundGaming

Weshalb du Memory Timings beim RAM ignorieren kannst

25 Prozent? Das will ich auch versuchen. Das Tool, das mir zu strafferen Timings verhelfen soll, ist der «DRAM Calculator for Ryzen 1.7.0». An den Megatransfers pro Sekunde (MT/s) und dem Infinity Fabric clock speed (FCLK) will ich (vorerst) nichts ändern. Ich will nur schauen, was mir straffere Timings im Gegensatz zu den JEDEC-Einstellungen und dem XMP (Extreme Memory Profile) bringen.

Zur Erklärung: JEDEC ist die Standardisierungs-Vereinigung, die Timings für RAM definiert. Änderst du nichts an den RAM-Einstellungen im BIOS, bootet dein System mit grosser Wahrscheinlichkeit mit diesen Einstellungen. Daneben gibt es noch XMP (Extreme Memory Profiles) – bei manchen Mainboard-Herstellern auch DOCP (Direct Over Clock Profile) oder EOCP (Extended Over Clock Profiles) genannt. Dabei handelt es sich um Informationen zu Memory Timings und Megatransfers mit höherer Leistung als die von JEDEC. Diese Informationen kommen direkt von den RAM-Herstellern.

Den Test führe ich an meinem PC durch, in dem folgende Komponenten verbaut sind:

X570 Extreme4 (AM4, AMD X570, ATX)
AsRock X570 Extreme4 (AM4, AMD X570, ATX)
Ryzen 9 3950X (AM4, 3.50 GHz, 16 -Core)
811,24
AMD Ryzen 9 3950X (AM4, 3.50 GHz, 16 -Core)
Fury RGB (4 x 8GB, DDR4-3200, DIMM 288 pin)
HyperX Fury RGB (4 x 8GB, DDR4-3200, DIMM 288 pin)
GeForce RTX 2070 Super Black Gaming (8 GB)
EVGA GeForce RTX 2070 Super Black Gaming (8 GB)

Mir ist bewusst, dass ich wohl straffere Timings erzielen würde, wenn ich nur zwei statt vier RAM-Riegel benutzen würde. Dies, weil mein Mainboard auf Daisy Chain und nicht T-Topology setzt. Daisy Chain Mainboards eignen sich eher für zwei RAM-Riegel statt Vollbestückung. Bei der Vollbestückung ist es besser, auf ein T-Topology Board zu setzen. Da ich aber für gewisse Programme auf mehr RAM angewiesen bin und leider nicht auf einer Goldgrube sitze, setze ich zurzeit auf vier Riegel.

DRAM Calculator for Ryzen

Ich bin kein Profi-Overclocker und habe deshalb bei den zig Memory Timings nicht den Überblick. So wie mir geht es wohl vielen. Bezeichnungen wie tCL, tRCDWR, tRCDRW klingen nicht nur kryptisch, auch ihre Erklärungen sind schwer verständlich.

Hier setzt der DRAM Calculator an. Er berechnet dir die passenden Timings auf Basis deines RAMs automatisch. Dabei wählst du zwischen den drei Profilen Safe, Fast und Extreme. Für den Test versuche ich es mit den Profilen Safe und Fast. Das Extreme-Profil bedarf laut dem Programm zusätzlicher Kühlung des RAMs.

Daneben gibt das Tool auch konkrete Empfehlungen zu den passenden Spannungswerten für den Speicher (DRAM Voltage) und das SoC (SoC Voltage) sowie den erforderlichen Widerständen. Mal schauen, ob’s funktioniert.

Ich befolge diese Anleitung von Youtuber JayP Tek.

Testmethodologie

Da es immer auf den Use Case ankommt, ob dir die Timings tatsächlich etwas bringen, mache ich vier Benchmarks: den AIDA Cache und Memory Benchmark, Cinebench R20 (Multi Core), den Riverside Benchmark von «Wolfenstein: Youngblood» und den etwas CPU lastigeren Gathering-Storm-Grafik-Benchmark von «Civilization VI». Beide Spiele laufen in 1440p. In «Wolfenstein: Youngblood» nutze ich die Voreinstellungen «Mein Leben!». DLSS und RTX sind aktiviert mit der Voreinstellung «Quality». In «Civilization VI» stelle ich alle Grafikeinstellungen aufs Maximum.

Alle Benchmarks mache ich zum Ausmerzen von Fehlern je dreimal und berechne daraus einen Mittelwert, gerundet auf ganze Zahlen. Da das RAM mit dem JEDEC-Standard nur mit 2400 MT/s läuft, stelle ich, damit die Timings von JEDEC zumindest eine faire Basis haben, manuell auch noch auf 3200 MT/s. Bei meinem RAM handelt es sich um solches mit 3200 MT/s. Damit sind’s insgesamt fünf verschiedene Einstellungen: JEDEC, JEDEC mit 3200 MT/s, XMP, DRAM Calculator Vorgaben Safe und DRAM Calculator Vorgaben Fast.

Auf JEDEC-Standard läuft das RAM nebst 2400 MT/s mit folgenden Timings: 17-17-17-39. Mit den JEDEC-Einstellungen und 3200 MT/s mit 22-22-22-52. Der DRAM-Calculator berechnet mir beim Profil Safe folgende Einstellungen:

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Beim Profil Fast sind es folgende Timings:

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Die Resultate

Ohne weitere Umschweife, hier erstmal die Ergebnisse der Benchmarks:

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Wie du siehst, fehlen die Ergebnisse der DRAM-Calculator-Vorgaben Fast. Leider habe ich es mit diesen Vorgaben nicht mal durch den POST-Prozess (Power On Self Test) geschafft. Vielleicht liegt’s an der Daisy-Chain-Topologie, vielleicht am RAM oder auch am Mainboard. Keine Ahnung, wieso es nicht geklappt hat. Ich hab einige Stunden mit verschiedenen Einstellungen herumprobiert, aber nichts hat gewirkt. Hast du eine Idee, woran es liegen könnte? Schreib’s in die Kommentarspalte.

Was hat das Ganze gebracht, ausser verschwendete Zeit mit dem Fast-Profil? Die Unterschiede zwischen den Safe-Einstellungen vom DRAM-Calculator und XMP sind minim. Bei den Spielen ist beinahe kein Unterschied vorhanden. Sogar der JEDEC-Standard mit 3200 MT/s kann dort mithalten. Das mag daran liegen, dass die Grafikkarte bei 1440p den Grossteil der Berechnungen übernimmt. Auf 1080p wird die CPU und dadurch das RAM mehr gebraucht.

Spasseshalber mache ich in «Civilization VI» den Benchmark in 1080p mit Safe-Profil, XMP und JEDEC mit 3200 MT/s. Mit XMP erreiche ich 100 FPS, mit JEDEC-Standard 3200 MT/s sind’s 99 FPS und mit dem Safe-Profil 101. Die Leistungssteigerung liegt bei einem Prozent im Vergleich zu XMP. Da bin ich noch weit von den 25 Prozent von User Annihilator entfernt

Bei Cinebench liegt die Differenz nicht einmal bei einem Prozent. Auch beim Memory Benchmark von AIDA64 sind die Unterschiede sehr gering. Einzig beim Kopieren und bei der Latenz zeigen sich die Unterschiede deutlicher.

Wie sieht’s mit der Stabilität aus? Die Safe-Einstellungen laufen zwar, aber auch nicht immer. Zwischendurch hat der PC während des POSTen abgewürgt und wieder auf JEDEC-Standard umgestellt. Vielleicht liegt es daran, dass ich vier Riegel und nicht nur zwei verwende.

Ich wiederhole das Spiel mit zwei statt vier Riegeln.

Auch zwei helfen nicht

Beim Fast-Profil habe ich dasselbe Problem mit zwei statt vier RAM-Riegeln. Ich komme nicht durch den POST-Prozess. Immerhin: Mit den Safe-Einstellungen bootet der Computer einwandfrei. Ich führe alle Benchmarks mit dem JEDEC-Standard auf 3200 MT/s, XMP und den Safe-Einstellungen nochmal durch. Den JEDEC-Standard ohne Veränderunge lasse ich bleiben. Der erste Test hat gezeigt, dass er viel langsamer ist.

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Die Unterschiede in den Benchmarks sind auch hier vernachlässigbar. Was sich jedoch zeigt: Die Latenz ist tiefer, dafür sind die Lese-, Schreib- und Kopiergeschwindigkeiten mit zwei statt vier Riegeln durchs Band langsamer.

Ich bleibe bei XMP – vorerst

Bei mir ist der Leistungsgewinn durch straffere Timings mit dem DRAM-Calculator vernichtend klein. Egal, ob mit zwei oder vier RAM-Riegeln. Von 25 Prozent wie User Annihilator schreibt, kann ich nur träumen. Mit meiner Konfiguration kriege ich nicht mehr hin. Deshalb bleibe ich vorerst bei XMP und meinen vier Riegeln. Der Test hat mir gezeigt, dass das System mit zwei Riegeln nicht schneller, aber stabiler läuft. Sobald ich’s mir leisten kann, versuche ich es mit zwei 16 GB Riegeln – und entsprechend übertaktungsfreudigerem RAM.

Wieso habe ich nicht mehr hingekriegt? Ich sehe dafür zwei Gründe: Mein RAM richtet sich eher an Einsteiger. Es ist daher zu erwarten, dass sich nicht viel machen lässt. Andererseits kann mein Mainboard der Grund sein. Auch das ist nicht für viel Rumgespiele gedacht. Wo vermutest du den Grund dafür, dass ich nicht mehr erreicht habe? Lag’s an meiner Unfähigkeit? Schreib’s in die Kommentarspalte.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer

Editor, Zürich

Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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