Wenn die Pflanze im leuchtenden Lautsprecher wackelt
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Wenn die Pflanze im leuchtenden Lautsprecher wackelt

Pia Seidel
Pia Seidel
Zürich, am 08.06.2021
Das Design «Moonlight» verspricht, Lampe, Lautsprecher, Pflanzentopf und Weinkühler in einem zu sein. Ob das auf deiner nächsten Party praktisch ist oder eher für Gesprächsstoff sorgt, finde ich heraus.

Wann immer ich in den Gemeinschaftsgarten gehe, muss alles mit: kühle Getränke, Snacks, Geschirr, Musik, Licht, Tischdecke. In diesen Momenten frage ich mich immer, wie es wohl wäre, mehr als zwei Hände zu haben. Oder wie wäre es, wenn ich gar nicht erst so viel tragen müsste? Wenn alle Objekte einfach in einem vereint wären? Genau da kommt die Lampe «Moonlight» von Audioraq ins Spiel. Stimmungslicht, Lautsprecher, Pflanzentopf und Getränkekühler – sie soll alles in einem sein. Das will ich sehen.

Die Vier-in-Eins-Lösung mit überschaubarer Grösse (25.5 x 28.5 cm) ersetzt vier Objekte, die ich bereits besitze. Für meinen Test wurde mir vom Hersteller das «Modell S» zur Verfügung gestellt, das ausserdem folgende Eigenschaften besitzt:

  • integriertes warmweisses LED-Licht (3000 K)
  • im Boden integrierter 360-Grad-Bluetooth-Lautsprecher (8 Watt)
  • herausnehmbares Gefäss zum Kühlen / für Pflanzen
  • wiederaufladbar via USB-Anschluss

Im Lieferumfang sind unter anderem auch vier Filzgleiter zum Schutz der Standfüsse.
Im Lieferumfang sind unter anderem auch vier Filzgleiter zum Schutz der Standfüsse.
Wie ich das Gestell aufbauen muss, erfahre ich durch den Beschrieb direkt auf dem Karton.
Wie ich das Gestell aufbauen muss, erfahre ich durch den Beschrieb direkt auf dem Karton.

Im Mondschein

Ausgepackt kommt die Lampe eleganter daher, als ich es erwartet habe. Audioraq ist kein Design-Label. Für gewöhnlich produziert der Hersteller TV- oder Monitorhalterungen und USB-Kabel. Alltagsgegenstände, die unsexy aussehen. Moonlight's Kunststoffgefäss hingegen wirkt von Weitem wie ein gefalteter Papierschirm. Es wird durch die Lederhenkel und das Holzgestell veredelt. Auch die kupferfarbenen Verbindungen zwischen den Stäben sind ein schönes Detail.

Der Ledergriff erleichtert das Tragen von A nach B.
Der Ledergriff erleichtert das Tragen von A nach B.
Etwas gross, aber immerhin siehst du das Logo nur von Nahem.
Etwas gross, aber immerhin siehst du das Logo nur von Nahem.

An der Optik stört mich nur die Abdeckung von der Ladebuchse und dem Power-Button. Sie besteht aus Silikon, das Staub magisch anzieht und muss zum Bedienen immer wieder auf und zu gemacht werden. Denn über Bluetooth kann ich die Lampe nicht steuern.

Die Bedienung geht statt über Bluetooth nur über das Gerät.
Die Bedienung geht statt über Bluetooth nur über das Gerät.

Als ich «Moonlight» aufgeladen habe und zum ersten Mal in Betrieb nehme, wird klar: Der Name ist ein Volltreffer. Er beschreibt das sanfte Licht perfekt. Alles rund um die Lampe wirkt wie im Mondschein. Da meine Deckenleuchten drinnen ohnehin nur Deko sind und ich lieber auf viele kleine Lichtquellen setze, kommt mir das entgegen. Und auch draussen mag ich schummriges Licht.

Das sanfte Licht verleiht den Objekten drum herum einen Schimmer.
Das sanfte Licht verleiht den Objekten drum herum einen Schimmer.

Da ich mitten in der Stadt lebe, brauche ich kein Scheinwerferlicht, das mich noch mehr exponiert, als ich es eh schon bin. Solltest du dir hingegen eine Grundbeleuchtung im Garten wünschen, gibt es hellere Alternativen.

Wie du draussen *Licht** ins Dunkel bringst
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Wie du draussen Licht ins Dunkel bringst

Die Aufgabe «stimmungsvolles Licht machen» erfüllt «Moonlight» also. Doch wie sieht’s mit dem Sound aus?

Musik ertönt in alle Richtungen ab.
Musik ertönt in alle Richtungen ab.

Durch einmaliges Drücken des An-Aus-Knopfs stelle ich nur die Lampe und mit einem zweiten Drücken auch den Lautsprecher an. Umgekehrt geht's leider nicht: Der Lautsprecher kann nicht ohne das Licht genutzt werden. Zum Koppeln brauche ich einzig das Gerät und die Bluetooth-Einstellung auf meinem Smartphone. Es gibt keine Fernbedienung oder App. Vielleicht wäre Letztere aber nötig. Dann könnte ich Licht und Sound separat so einstellen, wie es mir passt und müsste nicht immer die Abdeckung öffnen.

Minuspunkt: Die Abdeckung muss zum Bedienen immer wieder geöffnet werden.
Minuspunkt: Die Abdeckung muss zum Bedienen immer wieder geöffnet werden.

Über die Tasten des Smartphones regle ich die Lautstärke. Diese ist auf der höchsten Stufe laut genug, um meine Nachbarn damit nerven zu können. Du kannst «Moonlight» also gut auf der ein oder anderen Gartenparty einsetzen. ;)

Ein leuchtender Lautsprecher, der leiser sein könnte

«Tut, tut, tut» höre ich, nachdem ich einige Stunden Musik gehört habe. Der Warnton macht mich darauf aufmerksam, dass «Moonlight» Strom braucht. Gleichzeitig erinnert er mich daran, wie es war, als wir noch an der Strippe hingen. Das «Tuten» klingt wie damals, wenn die Person am anderen Ende der Leitung aufgelegt hatte. Nur, dass «Moonlight» munter weiter plärrt. Der Warnton mischt sich bereits eine Stunde, bevor das Licht ausgeht, alle fünf Minuten in die Musik. Wo mich das erst noch nostalgisch gemacht hat, bin davon irgendwann genervt.

Als Nächstes probiere ich die Lampe als Übertopf für Pflanzen aus. Von einem Ton- oder Keramiktopf mit Unterteller kann ich bereits nach dem ersten Song abraten. Je stärker der nicht regulierbare Bass ist, desto mehr wippt die Pflanze und der Unterteller klirrt. Klar bringt mich das erst einmal zum Schmunzeln. Bis es mich kurz darauf stört. Mit einem Modell aus Kunststoff sieht das schon anders aus. Hier nehme ich keinen Unterschied zum Sound ohne Pflanze wahr.

Das erhöhte Gestell kann eine Pflanzentreppe ersetzen und verbessert den Klang.
Das erhöhte Gestell kann eine Pflanzentreppe ersetzen und verbessert den Klang.

Kaum angekommen, muss meine Calathea Majestica schon wieder aus ihrem Nest. Um den Lampen-Lautsprecher auch als Getränkekühler nutzen zu können, brauche ich den Platz. Ich teste zunächst einmal den Sound mit einer Flasche und einigen Eiswürfeln im Innern aus. Es wäre jedoch Platz für mehrere Getränke.

In den Innenraum passen ungefähr zwei grosse und zwei kleine Flaschen.
In den Innenraum passen ungefähr zwei grosse und zwei kleine Flaschen.

Als Getränkekühler erledigt «Moonlight» seine Aufgabe voll und ganz. Zumindest für mich. Wie lange der «Cooler» cool bleiben soll, steht nirgends. Bei mir beginnt das Eis jedenfalls erst nach drei Stunden langsam zu schmelzen, und das bei einer Aussentemperatur von circa zweiundzwanzig Grad Celsius. Das genügt für einen Abend. LEDs können warm werden. Hier scheinen sie allerdings gut isoliert zu sein. Jedoch eignet sich das multifunktionale Design nun nicht mehr als Musikmacher. Ähnlich wie beim Keramiktopf, klirrt es auch hier bei einigen Songs.

Schuld daran ist das Glas in Kombination mit den Eiswürfeln. Je nach Geräuschpegel auf deiner Gartenparty mag dich das kaum stören. Bei einem intimen Abendessen bevorzuge ich jedoch einen klaren Klang. Deshalb rate ich dir zu meinem Hack, den ich wenig später entdecke. Statt der Eiswürfel habe ich mir einen Flaschenkühler von meiner Nachbarin ausgeliehen. Dieser hält die Flaschen auseinander und voilà, das Klirren ist weg. Dafür habe ich ein Gadget mehr. Dabei sollte mir «Moonlight» eigentlich zusätzliche Anschaffungen ersparen.

Fazit: Ein Entertainer, aber kein Allrounder

Optisch gefällt mir das Design von Audioraq gut. Es ist wandelbar und wirkt bei keiner Aufgabe deplatziert. Dennoch funktioniert es für mich nicht immer gleich gut. Als Pflanzentopf und Getränkekühler macht «Moonlight» seinen Job toll. Er erspart mir nicht nur draussen das Packesel-Dasein, sondern auch drinnen den Kabelsalat. Doch mit der Klangqualität meiner Bose-Box oder Dimmbarkeit meiner mobilen Tischlampen kann die Lampe nicht mithalten. Multifunktionalität ist und bleibt eben eine Falle. Zugegeben war das zu erwarten. Schliesslich schläft niemand lieber im Bettsofa als im richtigen Bett. Hinzu kommt der Preis. Allein mein Lautsprecher war teurer. Nur als Eisbrecher auf der Party ist die Lampe unschlagbar. Vor allem, wenn die Pflanze im Licht im Takt wippt. Und das «Tut»-Signal ist das beste Ablenkungsmanöver, um eine zähe Konversation zu beenden. Deshalb setze ich weiterhin auf meine eintönigen, aber besser benutzbaren Objekte.

Dass sich der Standfuss beidseitig nutzen lässt, bringt Abwechslung.
Dass sich der Standfuss beidseitig nutzen lässt, bringt Abwechslung.

Kennst du ein wirklich funktionales multifunktionales Objekt? Teile deine Meinung in den Kommentaren.

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Pia Seidel
Pia Seidel

Senior Editor, Zürich

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres. – Albert Einstein

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