Wie Speichererweiterung bei der Switch nicht gemacht wird

Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Zürich, am 21.01.2020
Video: Manuel Wenk

Was wäre, wenn deine Switch anstelle von 32 GB satte 256 GB internen Speicher hätte? Nicht mit einer lumpigen SD-Karte, sondern indem du den Speicher-Chip ersetzt. Klingt kompliziert? Ist es auch.

Hätte ich mich rechtzeitig daran erinnert, dass die Playstation 1 im Dezember 25 Jahre alt wird, hätte ich den einfachsten Teardown aller Zeiten haben können. Den Mod-Chip, um kopierte Spiele zu spielen, hätte ich zum Spass noch obendrauf gepackt. Aber nein, stattdessen habe ich mich entschieden, den internen Speicher einer Nintendo Switch zu erweitern. Klar, ich könnte einfach eine grosse microSD-Karte kaufen. Die ist aber deutlich langsamer beim Lesen und Schreiben als der verbaute eMMC-Chip. Darum habe ich mir in den Kopf gesetzt, diesen gegen einen 256 GB grossen Chip auszutauschen. Kann ja nicht so schwierig sein oder?

Hinweis: Wer seine Switch modifiziert, macht das auf eigene Gefahr. Nintendo sieht das nicht gerne und kann dir die Switch sperren, wenn sie sich mit dem Internet verbindet. Garantie verfällt so oder so.

«That looks like a giant pain in the ass»

Da ich noch nie eine Switch aufgeschraubt, geschweige denn einen eMMC-Chip ausgetauscht, habe, schaue ich als erstes bei Youtube, ob es dort eine nette Anleitung gibt. Sehr verbreitet scheint dieses Projekt nicht zu sein, denn ich finde nur eine handvoll Videos. Das vielversprechendste ist vom indonesischen Kanal sthetix. Die Kommentare unter dem Video sind allerdings alles andere als ermutigend. «That looks like a giant pain in the ass», schreibt ein User – und er sollte Recht behalten.

Aber so weit bin ich noch nicht. Das Projekt ist theoretisch ganz einfach. Switch aufschrauben. Alten eMMC-Chip entfernen. Neuen anlöten. Wieder alles zusammenschrauben und anschliessend die Software der Switch so modifizieren, dass die 256 GB genutzt werden können. Das scheint machbar. Der mechanische Teil macht mir dabei weniger Sorgen. Das schreibe ich gewiss nicht meiner Ausbildung als Automatiker zu. Ich habe nach der Lehre keinen einzigen Tag auf diesem Beruf gearbeitet. Vielmehr liegt es daran, dass es mir vor dem Software-Gebastel wesentlich mehr graut. Das hat mich schon beim Rooten diverser Smartphones Nerven gekostet und das war Pipifax gegen dieses Projekt.

Vorbereitungen

Aber ich bleibe optimistisch. Die Videoanleitung ist sehr ausführlich und wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, klappt das in der Regel auch. Ich bestelle mir also einen 256 GB grossen eMMC-Chip über Aliexpress sowie den USB-C-Dongle RCMloader, um die Switch mit einer modifierten Firmware versehen zu können. Das ist nötig, damit das System den grösseren Speicher erkennt. Da neuere Switchs aktuell nicht hackbar sind, benutze ich für das Projekt meine private Launch-Switch. Wenn du herausfinden willst, ob deine Switch bereits gepatched ist, kannst du das anhand der Seriennummer herausfinden.

Bevor der Chip ausgetauscht werden kann, muss die Switch vorbereitet werden.
Bevor der Chip ausgetauscht werden kann, muss die Switch vorbereitet werden.

Ausserdem benötige ich Heissluftlötstation, Entlötlitze, Flussmittel, Pinsel, Spannvorrichtung für den Print, sowie diverse Schraubenzieher und Zangen. Für letzteres haben wir in der Redaktion das iFixit-Werkzeug-Set. Eine Heissluftlötstation steht mir nicht zur Verfügung, stattdessen muss ich mich mit der Kombination aus gewöhnlicher Lötstation und einem Heissluftfön zufrieden geben. Letzteres sollte mir zum Verhängnis werden.

Es geht ans Eingemachte

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Sobald alles Material eingetroffen ist, mache ich mich an die Arbeit. Bevor ich die Switch auseinandernehme, mache ich ein Backup des NAND-Speichers. Das benötige ich später, um damit den neuen Speicher zu bespielen. Ausserdem lese ich den sogenannten BIS Key aus, damit ich die Partition der Switch mit Windows auslesen kann. Dafür benötige ich den RCM-Clip, den ich dort reinschiebe, wo normalerweise der rechte Joycon reinkommt. Dieser Clip aktiviert bestimmte Pins. Du könntest es auch von Hand machen, aber das ist extrem frickelig.

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Nachdem das erledigt ist, kann gebastelt werden. Die Switch ist in wenigen Minuten auseinandergeschraubt. Ein bisschen Sorgen mache ich mir, ob ich später noch weiss, welche winzigen Schrauben, wohin gehören. Auch den kleinen Print, an dem der eMMC-Chip befestigt ist, kriege ich mit einem Spatel-Werkzeug leicht weg. Er ist lediglich angeklebt. Als nächstes muss ich den Chip mit dem Heissluftfön erhitzen, bis sich der Zinn zwischen Chip und Print verflüssigt und ich den Chip ablösen kann. Laut Anleitung soll ich eine Temperatur von 396 Grad Celsius und eine Luftgeschwindigkeit von drei einstellen. Mein Heissluftfön hat zwei Stufen und keine Temperaturanzeige. Wird schon schiefgehen. Und das tut es dann auch wenige Minuten später.

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Der Chip lässt sich langsam und mit ganz wenig Druck von der Platine lösen. Offenbar war das aber bereits zu viel Gewalt. Denn sobald der Chip weg ist, sehe ich, dass auch die Hälfte der Pins mitgekommen ist. Die stecken nun im Speicherchip. Die Platine ist damit unbrauchbar. Die winzigen Pins kann ich im Leben nie wieder anbringen. Mein Fehler war, dass ich den Chip zu wenig lange erhitzt habe. Ich hätte warten müssen, bis er sich praktisch von selbst löst. Tja, wieder was gelernt. Und ich muss mir auch eingestehen, dass ich mich etwas übernommen habe. Es ist eben doch ein Unterschied zwischen ein paar Widerständen anlöten und einen Fingernagel grossen Chip auszutauschen.

Gelöst ist der Chip, leider auch die Pins.
Gelöst ist der Chip, leider auch die Pins.

Ist meine Switch damit gestorben? Hoffentlich nicht. Ich habe mir nun einfach ein bereits aufgerüstetes eMMC-Modul bestellt – welches übrigens von derselben Person wie die Videoanleitung stammt 🤔. Ich rieche eine Verschwörung! Anyway. Das neue, fix fertige Modul sollte ich einfach einbauen und den Rest des Projektes abschliessen können.

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg

Senior Editor, Zürich

Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem privaten Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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