

5 gute Gründe, um als Familie sportlich ins Jahr zu starten
Du willst mehr Sport machen? Wenn du den Klassiker unter den Neujahrsvorsätzen durchziehst, hat die ganze Familie was davon. Denn dein Bewegungsverhalten färbt ab – und die Kinder profitieren auf allen Ebenen.
Wenn ich meine Kinder um eines nicht beneide, dann sind es die durchgetakteten Schultage. Stillsitzen zu müssen, obwohl der Bewegungsdrang gerade überhand nimmt – das empfand ich selbst oft genug als quälend. Heute bin ich froh, selbstbestimmt entscheiden zu können, wann es Zeit für Sport ist. Und glücklich, dass meine Kinder auch sehr gerne aktiv sind. Ein bisschen darf man sich als Elternteil dafür auf die Schulter klopfen, weil sie davon in vielen Lebensbereichen etwas haben. Hier kommen fünf Motivationsspritzen für ein aktives 2026.
1. Der Lebensstil färbt ab
Anfang Januar hat das Bundesamt für Sport (BASPO) neue Erkenntnisse auf Basis der Längsschnittstudie SOPHYA veröffentlicht, die das Bewegunsverhalten der teilnehmenden Kinder und ihrer Familien über einen Zeitraum von fünf Jahren untersucht. Darin zeigt sich, dass aktive Eltern aktive Kinder haben und dieser Effekt bis weit über die Kindheit hinaus wirkt.
Es lohnt sich nicht nur für sich selbst, sich zum Sport aufzuraffen: Wenn die Eltern die Schweizer Bewegungsempfehlungen einhalten, sind die Kinder auch fünf Jahre später im Schnitt noch aktiver als Gleichaltrige. Ein guter Grund, das Sofa häufiger mal links liegen zu lassen und auch zuhause ein paar Bewegungsangebote für Zwischendurch zu schaffen. Bei uns momentan der Hit: Klimmzugstangen zum Hangeln, Abhängen und Hochziehen. Perfekt zum Auspowern in kurzen Schreibtischpausen.

2. Bewegung stärkt nicht nur die Muskeln
Sport führt nicht nur zu mehr körperlicher Fitness. «Bewegung verbessert die sozialen Fähigkeiten bei Schulkindern», ist eine aktuelle Meldung des Departements Sport, Bewegung und Gesundheit der Universität Basel betitelt. Forschende haben untersucht, wie Sport die soziale Kognition von 100 Kindern zwischen 9 und 13 Jahren kurzfristig beeinflusst. Waren die Kinder für 20 Minuten alleine aktiv, konnten sie anschliessend auf Bildern gezeigte Emotionen besser zuordnen. Nach kooperativen Bewegungsaufgaben zeigte sich der Effekt dagegen (noch) nicht.
Die Forschenden vermuten, dass es dafür mehr als eine kurze gemeinsame Einheit braucht, um den Kopf «frei» für die Emotionen anderer zu haben. Erstautorin Melanie Berger sieht viel Potenzial und will die Effekte über einen längeren Zeitraum untersuchen: «Wenn man also wissenschaftlich belegen kann, dass Sport die sozial-kognitiven Fähigkeiten fördert, könnten Bewegungsprogramme Kindern helfen, Freundschaften zu knüpfen, sich prosozial zu verhalten und bessere akademische Leistungen zu erbringen.»

Quelle: Shutterstock/pics five
3. Sport ist der beste Stimmungsaufheller
Selbst wenn sich dieser Effekt nicht nachweisen lassen sollte, bleibt immer noch der unbestritten positive auf die eigene Psyche. Denn Sport ist der beste und gesündeste Stimmungsaufheller. Ich lese gerade den «Kompass für die Seele» von Bas Kast. Ein Buch, das weit weniger esoterisch ist, als der Titel vermuten lässt. Kast hat sich als Wissenschaftsjournalist mit dem «Ernährungskompass» einen Namen gemacht und in diesem Nachfolgebuch untersucht, was uns sonst nach aktuellem Stand der Wissenschaft noch alles guttut.
Wer sich viel bewege, dürfe mit weniger psychischen Problemen rechnen, ist die bekannte Grunderkenntnis, die Kast auf Basis von Forschungsergebnissen der Universitäten Oxford und Yale genauer aufdröselt.
In seelischer Hinsicht am besten – und hier wird es interessant – schneidet ab, wer drei- bis fünfmal die Woche ungefähr eine Dreiviertelstunde trainiert.
Das ist machbar und macht gemeinsam mehr Spass: Teamsport schlage alle anderen Betätigungen, wenn es um eine ausgeglichene Gemütsverfassung geht, hält Kast fest. Für den Kopf sei es ultimativ anregend, durch neue Bewegungsmuster gefordert zu werden und sich dazu auch noch als Teil einer Gruppe zu verhalten.
Nicht alles geht in der Gruppe. Ultimativ abtörnend sind für viele Kinder einsame Hausaufgabenstunden am Nachmittag, wenn die Konzentration weg und das Sitzfleisch besonders schwach ist. In solchen Momenten machen wir es manchmal so: Eine Runde Pomodoro-Technik mit Power-Pausen. Zum Beispiel ein paar Minuten rechnen im Wechsel mit einer kurzen Bewegungsaufgabe. Das tut gut und trägt durch den trägen Nachmittag.
Ich habe mir ebenfalls zwei Bewegungserinnerungen in den Kalender geschrieben, um nicht stundenlang in gekrümmter Haltung vor dem Bildschirm zu versacken. Die Klimmzugstange ruft.
4. Resilienz als Superkraft
Bewegung bedeutet auch, sich auszuprobieren, auf Widerstände und an Grenzen zu stossen. Und Bewegung braucht Freiräume, die Kinder heute viel zu selten haben, weil Eltern es zu gut meinen und der Alltag immer durchgeplanter ist. Diese Überbehütung sei ein grosses Problem, sagt nicht nur, aber auch der Entwicklungspsychologe Peter Gray im Blick-Interview mit dem Titel «Kinder müssen das Scheitern lernen».
Resilienz, die psychische Widerstandsfähigkeit, muss sich entwickeln können. Auf den Baum klettern zu dürfen und selbst zu schauen, wie man wieder runterkommt, bringt Kindern mehr als schon auf der zweiten Spielplatz-Sprosse am Hosenbein zurückgezogen zu werden. In Schwierigkeiten zu kommen und diese selbst zu lösen, gehört zum Prozess. Umgekehrt ist es für Eltern ein Prozess, das zuzulassen. Denn davor steht das Loslassen.
Es lohnt sich trotzdem, denn diese innere Stärke ist fundamental wichtig. Und Resilienz, dieses Powerwort der Gegenwart, im Grunde eine Rückbesinnung auf das, was früher normal war. Geht raus, tobt euch aus und kommt dann wieder. Entwicklung braucht Zeit und Vielfalt. So wachsen starke Persönlichkeiten heran, die oft bessere Perspektiven haben als jene, die schon früh auf Leistung gedrillt wurden.
Dass in der Wissenschaft, in der Kultur und im Sport das Level am Ende in der Regel höher ist, wenn es langsam bergauf geht, zeigt diese in Science publizierte Analyse: Vom Nobelpreisträger bis zur Olympiasiegerin gilt meistens, dass diese Spitzenkräfte in ihrer Jugend eher viel ausprobiert haben und nicht damals schon in ihrer späteren Disziplin herausragend waren.
Also entspannt bleiben, Möglichkeiten schaffen und gespannt verfolgen, wie der Nachwuchs sich entwickelt. Schulen, Vereine und Kinder brauchen keine überkritischen Eltern, sondern Freiheiten und Vertrauen – und ab und zu jemanden, der mit anpackt.
5. Die Vereine schaffen es nicht alleine
Die beste Möglichkeit, gemeinsam aktiv zu sein, ist es, sich selbst im Verein zu engagieren. Cool ist, dass die Zahl der Ehrenamtlichen in den vergangenen Jahren sogar zugenommen hat. Schade ist, dass wir vor zehn Jahren noch knapp tausend Sportvereine mehr hatten und es unter Umständen ganz schön schwierig sein kann, das eigene Kind in der gewünschten Sportart unterzubringen.
Wartelisten und Selektionstrainings haben das Potenzial, einige zu enttäuschen. Und (zu) grosse Gruppen bringen Trainerinnen und Trainer an den Anschlag. Der Platz ist vielerorts begrenzt, aber für helfende Hände findet sich immer eine Aufgabe. Wer schaut, ob und wo er oder sie sich sinnvoll einbringen kann, hat ein dickes Danke verdient. Denn nur dann können viele Kinder vom organisierten Sport profitieren. Und wenn Vereinssport als Familiensache statt als Dienstleistung gesehen wird, ist die Chance gross, dass alle ein Leben lang aktiv bleiben.
Einfacher Schreiber, zweifacher Papi. Ist gerne in Bewegung, hangelt sich durch den Familienalltag, jongliert mit mehreren Bällen und lässt ab und zu etwas fallen. Einen Ball. Oder eine Bemerkung. Oder beides.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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