Alpine Völkerverständigung: Unser helvetisches Wörterbuch
Hinter den Kulissen

Alpine Völkerverständigung: Unser helvetisches Wörterbuch

Die Alpen und die deutsche Sprache – das haben die Länder Schweiz, Österreich und Deutschland gemeinsam. Sollte man meinen. Auf Galaxus lauern sprachliche Hürden, die wir hier versuchen, abzubauen.

Seit Oktober 2021 gibt es den Online-Shop Galaxus nicht nur in der Schweiz, wo er erfunden wurde, und in Deutschland, sondern auch in Österreich. Auf der Galaxus-Website findest du als Userin oder User natürlich eine breite Auswahl an Produkten, aber genauso gibt es dort Hunderte von Artikel von einer inzwischen fast 30 Personen grossen Redaktion, die unabhängig und kritisch Produkte testet, News recherchiert und Hintergründe beleuchtet.

*Journalismus** in einem Online-Shop? Ja, natürlich!
Hinter den Kulissen

Journalismus in einem Online-Shop? Ja, natürlich!

Obwohl die Redaktion zum grössten Teil in der Schweiz sitzt, spielen wir die meisten der Beiträge in allen drei Ländern aus. Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass du in Deutschland oder Österreich etwas von einer Autorin aus der Schweiz liest. Weil wir authentisch und menschennah schreiben, könntest du Wörter antreffen, die dir seltsam vorkommen. Wir listen dir nachfolgend einige auf und erklären dir die Bedeutung.

Mit deinen Inputs kann und darf die Liste der Helvetismen übrigens auch länger werden. Hast du in unseren Artikeln ein unverständliches Wort gefunden, schreibe es in die Kommentare. Du darfst auch gerne unsere Erklärungen ergänzen oder korrigieren, falls sie nicht korrekt sind.

Apéro

In der Schweiz weit verbreitete Gelegenheit, sich zwischen Nachmittagskaffee und Abendessen ein Glas Weisswein einzuverleiben und geselliges Beisammensein zu pflegen. Beim Apéro werden diverse Häppchen verzehrt, zum Beispiel Nüssli, Chips, Trockenfleisch, Käse (natürlich!), Brot oder Canapés.

Ausgang

In Deutschland ist damit die Möglichkeit beschrieben, einen Raum zu verlassen, also zum Beispiel eine Tür oder ein Tor. Ist in der Schweiz auch so. Aber hier kann nicht nur durch einen Ausgang gehen, sondern auch in den Ausgang. Das bedeutet dann meist, abends eine Bar, ein Kino oder Restaurant oder eine Diskothek aufzusuchen.

Automobilist

Ja, so heisst der Autofahrer in der Schweiz. Hier manifestiert sich die Nähe zu Frankreich und die Vielsprachigkeit des Landes, denn der französische «automobiliste» wurde einfach eingedeutscht und kurvt jetzt auf den Schweizer Strassen umher – mit Höchstgeschwindigkeiten von 80 Kilometern pro Stunde auf Landstrassen und 120 auf der Autobahn. Schöne Grüsse an die Raser in Deutschland! => siehe auch «Busse»

Billett

Was fällt dem Duden eigentlich ein? Den Gebrauch des Schweizer Wortes Billett als «schweizerisch, sonst veraltend» zu bezeichnen, das ist wirklich allerhand! Als ob Fahrkarten, Fahrscheine, Tickets oder Eintrittskarten die sprachlich elegantere Lösung wären. Wohl kaum.

Busse

Jetzt wird’s so richtig kompliziert. In Ermangelung des Buchstaben ß im Schweizer Alphabet können Transportfahrzeuge für grosse Gruppen (Busse) und die finanzielle Wiedergutmachung für ein Vergehen (Busse) nicht unterschieden werden – ausser im Kontext. Eine Pendlerblatt-Schlagzeile als Beispiel: «Zertifkatspflicht: Gegner wollen Busse, um sie vor Gericht anzufechten». Hier will natürlich niemand einen Car (so heisst der Bus in der Schweiz), um sie dem Richter als Beweisstück für irgendetwas vorzulegen.

Cheminée

Verbrennt Holz und verbreitet so wohlige Wärme. Das Cheminée, gesprochen «Schmienee», klingt schon gemütlich und gehört deshalb in vielen Häusern und Wohnungen in der Schweiz zum Inventar. In Deutschland dagegen bollert es im Kachelofen. Auch «hygge».

Detailhandel

Nein, Herr und Frau Schweizer gehen nicht in ein Geschäft, um dort Details zu erwerben. Mit dem Begriff «Detailhandel» wird zusammengefasst, was es an unternehmerischen Aktivitäten gibt, bei denen Waren von verschiedenen Herstellern beschafft, zu Sortimenten zusammengefügt und an Endkunden verkauft werden. Bei der Verwendung des Begriffs dürfen sich die Schweizer den Niederländern nahe fühlen, die ebenfalls noch an den Detailhandel glauben, während in Deutschland der Einzelhandel und in Österreich der Kleinhandel dominieren.

Dessert

Ein Glacé (Eis), eine Crème brûlée oder sonst etwas Süsses – der Nachtisch. Wer in Deutschland vornehm spricht, bestellt auch ein Dessert.

Estrich

Wenn Schweizer in den Estrich gehen, würden sie in Deutschland und Österreich in den Dachboden steigen. Wenn in diesen beiden Ländern vom Estrich gesprochen wird, ist ein Fussbodenbelag gemeint. In der Schweiz heisst dies wiederum Unterlagsboden. Immerhin sind beide Wortbedeutungen des Estrichs im Haus anzusiedeln – oder macht das Ganze noch verwirrender.

Ferien

In den Ferien fliegt der Deutsche in den Urlaub nach Mallorca. Ein Satz, den es so in der Schweiz nicht gibt. Hierzulande sind auch die gesetzlich geregelten Tage des Erholungsurlaubs eben Ferien. Entsprechend fährt man hier auch nicht in den Urlaub, sondern «in die Ferien».

Finken

Tschirp, tschirp! Wenn du hier zuerst an die gefiederten Vögel aus der Ordnung der Sperling denkst, bist du ziemlich sicher deutsch sozialisiert. In der Schweiz sind die Finken, die mehr oder meist weniger schicken Hausschuhe. Allerdings finden die Schweizer Finken inzwischen immer häufiger auch den Weg in die modische Öffentlichkeit. Womit sie dann den ohnehin frei in der Natur lebenden zwitschernden Namensvettern näher kommen.

Das sind Finken, die sehr schweizerisch gestaltet sind.
Das sind Finken, die sehr schweizerisch gestaltet sind.
Foto (und Bezug über): zimthaus.ch

Führerausweis

Dieses Wort kann in Österreich und Deutschland für Irritationen sorgen. Gemeint ist nicht irgendeine Art von Befähigungsnachweis, womöglich ein ziemlich grösster Diktator aller Zeiten zu sein. Hier geht es schlicht um das, was in Deutschland «Führerschein» heisst und dir erlaubt, ein Auto zu steuern. Moment mal, «Führerschein» … Also, das irritiert jetzt aber auch irgendwie suspekt, oder? Das haben die Österreicher mit der «Lenkerberechtigung» am konsequentesten entnazifiziert.

Garage

Wie auch bei den Ferien, spart die Schweizer Sprache und verwendet das Wort «Garage» doppelt. Was Urlaubsreisende und Zuwanderer irritiert. Denn ein defektes Auto – oder ein defekter PW – wird zur Garage gebracht, nicht in die Werkstatt. Häufig heisst der gesamte Komplex eines Autohauses «Garage», was zu Marketing-Texten führt wie diesen hier: «Garage plus ist der unabhängige Mehrmarken-Garagenverbund der Schweiz mit über 260 Standorten, freundlich, kostengünstig und immer in Ihrer Nähe.»

Gipfel

Kann man besteigen. Oder essen. Ja, essen. Nachdem er gebacken wurde. Des Rätsels Lösung: Das Gipfel, wahlweise auch das Gipfeli, ist für die Schweizerin das, was für den Deutschen das Croissant, das Hörnchen oder den Österreichern und Bayern das Kipferl ist.

Grillieren

Grillen sind in der Schweiz Tiere. Grillieren ist das Braten von – idealerweise etwas grösseren – Tieren. Oder auch von anderen Lebensmitteln, sofern sie sich über dem Rost zubereiten lassen. Parken heisst übrigens bei den Eidgenossen parkieren.

Gummihals

Schweizer Bezeichnung für einen Deutschen. Die genaue Bedeutung und ihre Herkunft sind weitgehend ungeklärt; klar ist einzig, dass es sich um einen wenig schmeichelhaften Begriff handelt. Wikipedia glänzt mit einem wunderbar pseudowissenschaftlichen Artikel dazu. Demnach spielt Gummihals entweder auf die heftig nickende Gefolgsamkeit gegenüber Autoritätspersonen an – oder auf den deutschen Wortschwall, der «in keinem Verhältnis zur eher zurückhaltenden Ausdrucksweise von Schweizern» steht. Das Bild dahinter: «Selbst wenn du ihnen den Hals umdrehen könntest, sie würden immer noch unaufhörlich weiterreden.»

Hacktätschli

Für kaum ein anderes Gericht gibt es wohl so viele Worte wie für … ja, für die Frikadelle, wie sie im Hochdeutschen heisst. In der Schweiz wird das mit Zutaten wie Brotwürfeln und Zwiebeln angereicherte Ding Hacktätschli genannt, die Österreicher sprechen von Fleischlaberln oder von Faschierten Laibchen. Die Vielfalt der Bezeichnungen geht weiter von den norddeutschen Buletten bis zu den bayrischen Fleischpflanzerln.

ID

Vor dem Club, an den Grenzen innerhalb des Schengenraums und neuerdings auch im Restaurant in Kombination mit dem Covid-Zertifikat. Überall dort wird nach der ID, der Identitätskarte, verlangt. In Deutschland wird in diesen Situationen dagegen der Personalausweis gezückt.

Kollege

In Deutschland steht die Kollegin für eine Mitarbeiterin oder allenfalls eine Mitstudentin. In der Schweiz – und offenbar auch in Österreich – sind Kollegen nicht allzu enge Freunde. Auch solche, die man weder bei der Arbeit noch im Studium kennengelernt hat.

Lavabo

«Ich werde waschen» – das bedeutet «Lavabo» wörtlich übersetzt. Ein Wort wie ein Gedicht, so rund der Klang, so poetisch die Bedeutung. Funktional-nüchtern kommt das deutsche «Waschbecken» dagegen einfach nicht an. Vergleiche auch «Brünneli» gegen «Handwaschbecken».

Lohn

In der Schweiz erhält jede Person in einem Angestelltenverhältnis Lohn, nur Deutsche kennen das Gehalt. Aber weder Deutsche noch Schweizer reden gerne über die Höhe.

Morgenessen

Aus Dürrenmatts Theaterstück «Romulus der Grosse»:

Romulus: Das Morgenessen.
Diener: Eure Exzellenz, es heisst das Frühstück.
Romulus: Das Morgenessen. Was in meinem Hause klassisches Latein ist, bestimme ich.

Während der Proben zu diesem Stück soll ein deutscher Schauspieler den Ausdruck «Morgenessen» kritisiert haben, worauf Dürrenmatt den obigen Dialog nachträglich einschob.

Das Wort Mü bezieht sich auf den zwölften Buchstaben des griechischen Alphabets, dem µ oder in das lateinische Alphabet übersetzt My. Wir kennen es vor allem als Mikrozeichen bei Masseinheiten, wo wir schon bei der schweizerdeutschen Bedeutung wären. Ein Mü ist einfach ein ganz kleines bisschen von etwas.

Nachtessen

Eigentlich ist es in der Schweiz ja nicht unbedingt früher dunkel. Und eigentlich isst man in der Schweiz auch nicht später als in Deutschland. Trotzdem: Die Entsprechung des «Abendessens» in Deutschland ist in der Schweiz das «Nachtessen», in Österreich das «Nachtmahl». Woran es liegt? Hinweise sind in den Kommentaren willkommen.

Nastuch

Hier haben Herr und Frau Schweizer in Sachen Sprachgenauigkeit die Nase vorn. Was die Deutschen wohl aufgrund der Art des Transports als «Taschentuch» bezeichnen, ist südlich vom Bodensee eben das «Nastuch» – gemäss seinem Verwendungszweck. Man putzt sich damit schliesslich die Nase.

Natel

Abkürzung für «Nationales Autotelefon». Klingt komisch, ist aber die Bezeichnung, die manche Leute in der Schweiz fürs Smartphone verwenden. Warum nicht einfach «Handy»? Weil das auch komisch ist, heisst es doch auf Englisch gar nicht so. Hinzu kommt, dass so in der Schweiz ein sehr bekanntes und oft verkauftes Geschirrspülmittel heisst. Und weil der frühere Staatsbetrieb und Monopolist PTT, heute Swisscom, bei der Einführung von Mobilfunkgeräten, diese damals nicht «Handy» nannte, sondern «NATEL».

ÖV

Öffentlicher Verkehr. Was Deutsche eher an unsittliches Verhalten erinnert, ist für Schweizer die normale Bezeichnung für den öffentlichen Nahpersonenverkehr. ÖPNV klingt erstens zu bürokratisch und zweitens nach einer zweifelhaften österreichischen Partei.

Panaché

Darüber, wie Biermischgetränke bezeichnet werden, liessen sich lange Aufsätze verfassen. Abgesehen von der Frage, ob man Bier überhaupt mit irgendetwas mischen sollte. Jedenfalls gibt es sie. Bier mit Limonade ist in der Schweiz ein «Panaché». Deutsche kennen die Mischung meist als «Radler». Vielleicht hat sich der Begriff in der Schweiz nicht durchgesetzt, weil hier ja auch niemand Fahhrad fährt. => siehe «Velo»

Peperoni

Diese Sprachbesonderheit ist wie gemacht für unser trinationales Wörterbuch. Die Frucht des Nachtschattengewächses heisst im Norden Paprika, während sie in der Schweiz in Anlehnung ans benachbarte Italien als Peperoni verkauft wird. Die Peperoni (mit einem «p») wiederum ist in Deutschland eine Chili-Sorte. Ach, und die Österreicher? Die sind da entspannt und haben derweil das schöne Wort «paprizieren» in ihrem Sprachgebrauch, wenn sie etwas mit Paprika würzen.

Postbus / Postauto

Dieser Begriff findet sich hier auf Wunsch unseres deutschen Redaktionsmitglieds wieder. Der Postbus oder auch das Postauto ist in der Schweiz neben den Zügen das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs. Im Postauto wird heute seltener ein Brief oder Paket herumgefahren, sondern häufiger eben Menschen zu Orten transportiert, die mit dem Zug nicht zu erreichen sind. Der Name «Postauto» stammt zum einen von der Firma Postauto AG, die viele Linien betreibt. Und diese hat zum anderen sprachlich das «Postauto» zum Erbe der Postkutsche gemacht. => siehe «Busse»

Puff

Ein Durcheinander, das Chaos, die Unordnung. Anwendung: «Du hast ein ziemliches Puff auf dem Pult.» Hochdeutsch formuliert: «Auf Deinem Schreibtisch könnte durchaus etwas mehr Ordnung hergestellt werden.» Und wenn du jetzt an ein Bordell denkst, liegst du da nicht einmal falsch. Die Bezeichnung «Puff» soll nämlich ursprünglich von einem Würfelbrettspiel stammen, das im Mittelalter in Freudenhäusern gespielt wurde und ihnen so diesen Zweitnamen verlieh.

Redaktor, -in

Nein, hier haben wir uns nicht verschrieben und wollten die Kernkraft erklären. Die Personen, die in der Redaktion von Galaxus arbeiten und einen Schweizer Arbeitsvertrag haben, sind Redaktoren oder Redaktorinnen. In Deutschland heissen Kolleginnen und Kollegen, die den gleichen Job erledigen, hingegen Redakteurinnen und Redakteure.

Rotlicht

Meint in der Schweiz die rote Ampel. Ein Rotlichtverstoss ist hier also kein versehentlicher Besuch in einem Freudenhaus (=> siehe Puff), sondern ein Verstoss gegen die Verkehrsregeln. Die Strassenverkehrsregeln.

Sackmesser

Weiter oben wurde die sprachliche Präzision gelobt, weil in der Schweiz das deutsche «Taschentuch» entsprechend dem Einsatzzweck «Nastuch» heisst. Und schon sind wir beim Sackmesser. Mit etwas gutem Willen wollen wir den Schweizern jetzt nichts Böses. Das Sackmesser ist ein Messer für den Hodsensack, also die Hosentasche. Klappbar, multifunktional, robust.

Der Deutsche kauft ein Schweizer Taschenmesser, die Schweizerin hat ihr Messer im Hosensack.
Der Deutsche kauft ein Schweizer Taschenmesser, die Schweizerin hat ihr Messer im Hosensack.
Foto: Denise Jans / Unsplash

Schwingbesen

Es ist in jeder ordentlichen Küche zu finden: der Schneebesen (Deutschland), die Schneerute (Österreich) oder eben der Schwingbesen (Schweiz). Alle drei haben dieselbe Aufgabe und machen Flüssiges zu Fluffigem oder Schaumigen. Während Deutsche und Österreicher beim Werkzeug sprachlich aufs erwünschte Ergebnis abzielen, stellt der Schweizer den Vorgang ins Zentrum und schwingt den Besen. In Deutschland heisst das Küchengerät manchmal übrigens auch Schaumschläger – aber das wäre dann wieder ein anderes Kapitel.

Stange

Wenn sich Schweizer mit Gästen, die die hiesigen Sprachsitten nicht kennen, einen Spass erlauben wollen, könnten Sie in der Beiz oder im Spunten (=Kneipe) eine Stange bestellen. Der erstaunte Gesichtsausdruck dürfte so lange anhalten, bis statt eines langen runden Stücks Holz ein Glas Bier auf dem Tisch steht.

Stock(i)

Der Deutsche denkt an einen ihn stützenden Holzstab, wahlweise an einen züchtigenden Lehrer. Die Schweizerin dagegen ist beim Stock gedanklich in der Küche, weil sie eben jenen Stock aus Herdäpfeln herstellt. Zu kompliziert? Also gut, der «Herdäpfelstock» ist des Schweizers Kartoffelpüree.

Tablar

Die Deutsche mag hinter dem Begriff «Tablar» ein liturgisches Gerät vermuten. Klingt ja tatsächlich für nicht-schweizerische Ohren auch wie eine Mischung aus Gral und Talar. Aber das hier gemeinte Tablar ist weder geweiht noch gesegnet. Es ist so profan wie nützlich, wenn es als Regalbrett dient.

Töff

Was in der Schweiz ausgesprochen tatsächlich wie das Geräusch klingt, das aus einem Auspuff kommt, bedeutet in Deutschland nichts anderes als ein Motorrad. Natürlich gibt es davon auch eine Schweizer Verniedlichungsform; das Töffli steht in der Schweiz für das Moped.

Trottoir

Den Franzosen sei Dank geht in der Schweiz niemand auf einem Gehweg. Man flaniert auf dem Trottoir. Obwohl aufgrund der republikanischen Tradition auch Bürgersteig ein passendes Wort wäre, das aber kaum benutzt wird.

Trotti(nett)

Mit dem Trotti fahren in der Schweiz schon Kindergartenkinder gekonnt; es ist so etwas wie das inoffizielle nationale Fortbewegungsmittel. Seit diese Scooter auch elektrisch angeboten werden, kurven auch Banker oder Bundesbeamte mit den rollenden Brettern durch die Innenstädte. Dann sieht mancher aber aus wie ein Hamster mit Verdauungsstörungen. Auf dem echten Trotti fährt man mit Muskelkraft durch gekonntes Anschieben mit dem Bein.

Türfalle

Wenn Schweizer die Türfalle verwenden, muss niemand Bedenken haben, in eine Falle zu fallen. Sie öffnen lediglich mit der in Deutschland und Österreich genannten Klinke die Türe.

Tumbler

In der Schweiz wird der Wäschetrockner als Tumbler, ausgesprochen aber «Thömmler» bezeichnet. Gleichzeitig ist ein Tumbler ein Becher, mit dem meist alkoholische Getränke vor dem Verzehr gemischt werden.

Velo

So nennen die Schweizerinnen und Schweizer ihr zweirädriges Fortbewegungsmittel, das die Deutschen als Fahrrad kennen. Sobald es elektrisch wird, nähert sich die Schweiz übrigens Deutschland und Österreich wieder an. Dann wird E-Bike gefahren.

Voressen

Voressen ist keine Vorspeise. Denn es ist die Schweizer Variante des Ragouts.

welcher

Das Relativpronomen, das in der Schweiz wohl prozentual die meisten Nebensätze anführt, lautet «welcher» oder «welche» für die weibliche oder die Plural-Form. Die im Hochdeutschen üblichen «der», «die» und «das» haben einen schwereren Stand. Expertinnen und Experten für den Sprachstil haben an «welch-»-Nebensatz-Anschlüssen wenig Freude.

Zürcher

Von den Zürichern irrtümlich verwendete Bezeichnung für sich selbst. So geht es halt, wenn man nicht mal weiss, wie man heisst.

P.S.: Über die für Aussenstehende seltsamen Schreib- und Sprechweisen und die daraus resultierende Gefahr von Missverständnissen hat sich Redaktor David Lee bereits 2018 einmal ausgelassen. Sein Artikel ist auch heute noch sehr lesenswert.

*Schweizerhochdeutsch** für Anfänger (Deutsche): Warum wir so komisch schreiben
Hintergrund

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Martin Jungfer
Martin Jungfer

Head of Content, Zürich

Meine Laufbahn als Journalist begann bei den Kleintierzüchtern und im gedruckten Zeitalter. Nach ein paar Jahren an der Front rief die Zentrale. Bei Regionalzeitungen und bei der NZZ war ich für diverse Digitalisierungsprojekte zuständig und etablierte Audience Management. Seit 2020 bei Digitec Galaxus. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, schreibe ich auch. Weil ich in vielen Dingen über Halbdreiviertelwissen verfüge, ist das Spektrum an Themen ziemlich breit.

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