Apple startet seine KI-Offensive
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Apple startet seine KI-Offensive

Siri wird zum Herzstück von Apples «Personal Intelligence». Diese umfasst tief ins Ökosystem integrierte KI-Funktionen. Trotz einer Zusammenarbeit mit OpenAI verspricht Apple, dass der Datenschutz dabei stets gewährleistet bleibt.

Unter dem Namen «Apple Intelligence» integriert Apple Künstliche Intelligenz (KI) in seine Betriebssysteme für iPhone, iPad und Mac. An der Entwicklerkonferenz WWDC haben die Kalifornier zahlreiche Anwendungen vorgestellt. Für gewisse davon arbeitet Apple mit OpenAI zusammen. Die wichtigsten KI-Features im Überblick:

  • Siri wird besser und kann App-übergreifend Dinge ausführen
  • Sprach- und Bildgenerierung in zahlreichen nativen Apps
  • KI-gestützte Zusammenfassungen
  • Auf Wunsch Zugriff auf ChatGPT von OpenAI

Fokus auf persönlichen Kontext und Datenschutz

Apple spielt bei der Integration der KI-Funktionen seine grösste Stärke aus: die Kontrolle über das gesamte Ökosystem an Geräten und Apps. Andere KI-Modelle funktionieren meist nur isoliert als eigenständige App oder werden bestenfalls in ein einzelnes Betriebssystem eingeflochten wie bei Microsoft.

Apple Intelligence kann hingegen auf den gesamten Kontext aller Geräte zugreifen, die mit einer Apple ID verknüpft sind. Das erlaubt persönliche Antworten und Aktionen. So kann Siri zum Beispiel eine Restaurantreservation in einer Textnachricht finden und daraus einen Kalendereintrag erstellen.

Diesen Herbst lanciert Apple seine KI-Offensive auf iPhone, iPad und Mac.
Diesen Herbst lanciert Apple seine KI-Offensive auf iPhone, iPad und Mac.
Quelle: Apple

Apple scheint sich bewusst zu sein, dass viele User die Stirn runzeln werden beim Gedanken, einer KI Zugriff auf private Informationen zu gewähren. Die Kalifornier legten deshalb einen Fokus auf den Datenschutz. Das Versprechen: Persönliche Informationen bleiben stets geschützt. Einfache Anfragen werden direkt auf dem Gerät verarbeitet. Sollte die Rechenpower eines Servers notwendig sein, gelangen die Daten ausschliesslich auf spezielle Server von Apple. Gespeichert wird dabei angeblich nichts.

Die Ausnahme sind Anfragen, für welche du die Unterstützung von ChatGPT willst. Stellst du Siri zum Beispiel eine Frage, prüft diese, ob der externe Chatbot helfen könnte – und fragt dich um Erlaubnis, bevor sie die Informationen weiterleitet. Erst dann geht die Anfrage an OpenAI. Die IP-Adresse wird dabei unkenntlich gemacht.

Verarbeitung im Gerät, in der Cloud und bei OpenAI

Wo ein Prompt verarbeitet wird, hängt von seiner Komplexität ab. Einfache Dinge schaffen Apples Chips direkt auf dem Gerät – zumindest wenn sie die Mindestanforderungen erfüllen. Komplexe Anfragen gehen an Server, die von stärkeren Apple-Silicon-Chips betrieben werden.

Für Aufgaben, die ausführliche externe Informationen brauchen, geht Apple eine Zusammenarbeit mit OpenAI ein. Die «Compose»-Funktion kann in Textprogrammen die Hilfe von ChatGPT auf Basis des neuesten Modells GPT-4o hinzuziehen. Das Ganze scheint eine Art Integration des bekannten Chatbots in Apples eigene Apps zu sein. Schickst du auf Wunsch eine Anfrage an OpenAI, gibt Apple nur die dafür nötigen Informationen weiter.

Auf Wunsch schickt Siri Anfragen zu OpenAI. Dort werden sie von GPT-4o weiterverarbeitet.
Auf Wunsch schickt Siri Anfragen zu OpenAI. Dort werden sie von GPT-4o weiterverarbeitet.
Quelle: Apple

Eine Siri, die mehr kann als Timer stellen

Ein Herzstück von Apples neuer KI ist Siri. Die Sprachassistentin war bisher nicht als besonders intelligent bekannt. Das soll sich ändern. Apple verspricht, dass Siri nun natürlich gesprochene Instruktionen versteht – auch wenn du sie mitten im Satz nochmals änderst oder korrigierst. Zudem merkt sich Siri Anfragen und kann sie als Kontext mit weiteren Befehlen verknüpfen.

Siri lässt sich zudem nicht mehr nur mit Sprachbefehlen steuern, sondern auch per Texteingabe. Sie hat Zugriff auf die Informationen auf dem Gerät und auf den Bildschirminhalt. Je nach Instruktion wechselt sie selbständig zwischen verschiedenen Apps. Brauchst du etwa für eine Flugbuchung deine Passnummer, kann sie diese in einem Foto in deiner Mediathek finden, kopieren und an der richtigen Stelle einfügen.

Siris Stimme scheint sich nicht verändert zu haben. Apple verzichtet im Gegensatz zu Google und OpenAI auf eine «Vermenschlichung» der Assistentin.

Text- und Bildgenerator

In zahlreichen Apps halten generative KI-Funktionen Einzug. Diese gleichen den bereits bekannten Konzepten anderer Modelle. Smart Reply macht Vorschläge für eine schnelle Antwort und erkennt Fragen in einer E-Mail, um sicherzustellen, dass alles beantwortet wird. «Rewrite» schlägt verschiedene Versionen eines Texts in verschiedenen Stilen vor. «Proofread» überprüft Grammatik, Wortwahl und Satzbau und macht Bearbeitungsvorschläge, die du ansehen und dann akzeptieren kannst.. Die «Writing Tools» gibt es in folgenden Apps:

  • Safari
  • Mail
  • Notizen
  • Nachrichten
  • Pages
  • Keynotes
Automatisch generierte Antworten in Apps wie Mail sollen Zeit sparen.
Automatisch generierte Antworten in Apps wie Mail sollen Zeit sparen.
Quelle: Apple

Apple Intelligence generiert nicht nur Texte, sondern auch Bilder. In der Notizen-App lassen sich mit «Image Wand» zum Beispiel Skizzen in hübsche Illustrationen umwandeln – analog zu Microsofts neuen KI-Funktionen in Paint.

Ein Feature namens «Image Playground» klingt wie ein herkömmlicher Bildgenerator, der aus Schlüsselbegriffen ein Bild erschafft. Da dies direkt auf dem Gerät gerechnet wird, sind wahrscheinlich keine Wunder zu erwarten. Es scheint sich eher um eine Spielerei für Chats zu handeln. In die gleiche Kategorie fallen die neuen «Genmojis» – individuelle Emojis, die aus einem kurzen Textprompt generiert werden. Oder aus Fotos in deiner Mediathek.

Genmojis (rechts) und Bilder aus dem Image Playground (links) sehen eher nach einer lustigen Spielerei als nach einem mächtigen kreativen Tool aus.
Genmojis (rechts) und Bilder aus dem Image Playground (links) sehen eher nach einer lustigen Spielerei als nach einem mächtigen kreativen Tool aus.
Quelle: Apple

Die Bildbearbeitung in Apples Foto-App erhält auch ein paar KI-gestützte Funktionen. Sie fallen aber im Vergleich zu anderen Programmen wie Adobe Photoshop bescheiden aus. Als einziges Beispiel nannte Apple das Entfernen von störenden Objekten per «Cleanup Tool».

Zusammenfassen und suchen

«Summarize» kann Texte oder Informationen zusammenfassen. Genau wie Google Gemini oder ChatGPT. Apple integriert diese Funktion direkt in native Apps. Die Vorschau einer Email zeigt zum Beispiel nicht einfach den ersten Satz an, sondern eine Kurzversion des Inhalts. Das Gleiche funktioniert in Benachrichtigungen auf dem Sperrbildschirm – oder mit Sprachmemos, welche die KI transkribieren und zusammenfassen kann.

Mail-Vorschauen oder Benachrichtigungen zeigen auf einen Blick die wichtigsten Infos an.
Mail-Vorschauen oder Benachrichtigungen zeigen auf einen Blick die wichtigsten Infos an.
Quelle: Apple

Die Suchfunktion soll ebenfalls intelligenter und mächtiger werden. So kannst du Bilder mit einem natürlichen Prompt nach bestimmten Inhalten durchsuchen. Etwa «Katie mit Stickern auf ihrem Gesicht». Das funktioniert nicht nur in Fotos, sondern auch in Videos.

Preis, Kompatibilität, Verfügbarkeit

Apple Intelligence ist kostenlos – inklusive Nutzung der ChatGPT-Funktionen. Ein Account bei OpenAI ist dafür nicht notwendig, kann aber optional verknüpft werden. Die KI-Features funktionieren auf Macs und iPads mit M1 Chip und neuer, sowie auf dem iPhone 15 Pro und iPhone 15 Pro Max.

Die Beta-Version von Apple Intelligence wird ab Herbst mit den neuen Betriebssystemen ausgerollt: iOS 18, iPadOS 18 und macOS Sequoia. Die Funktionen sind zunächst nur auf Englisch verfügbar – wenn du Siri und deine Gerätesprache umstellst, auch in der Schweiz und in Deutschland. Die Unterstützung für weitere Sprachen soll 2025 folgen.

Eine ausführliche Einordnung von Apples neuer KI findest du hier:

An der WWDC haben die Kalifornier noch mehr Neuerungen ihrer Software vorgestellt. Den Überblick über die restlichen Features findest du hier:

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Mein Fingerabdruck verändert sich regelmässig so stark, dass mein MacBook ihn nicht mehr erkennt. Der Grund: Wenn ich nicht gerade vor einem Bildschirm oder hinter einer Kamera hänge, dann wahrscheinlich an meinen Fingerspitzen mitten in einer Felswand.


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