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von Anna Sandner

Smartwatches mit EKG-Funktion erkennen Vorhofflimmern bei älteren Patienten viermal häufiger als die Standardversorgung. Eine neue Studie zeigt: Der Erfolg hängt von klinischen Workflows ab – und bringt viele Fehlalarme mit sich.
Smartwatches mit optischer Pulsmessung und EKG-Funktion wie die Apple-Watch können Vorhofflimmern bei älteren Risikopatientinnen und -patienten deutlich häufiger erkennen als die übliche Versorgung. In einer neuen Studie aus den Niederlanden wurde die Diagnose in der Smartwatch-Gruppe etwa viermal so oft gestellt – allerdings mit höherem organisatorischen Aufwand zur Überprüfung der Smartwatch-Messwerte und mit typischen Grenzen der Technik (Stichwort Fehlalarm).
An der Studie nahmen 437 Personen ab 65 Jahren mit erhöhtem Schlaganfallrisiko teil. Per Zufall wurden 219 von ihnen der Apple-Watch-Gruppe zugeteilt, die übrigen 218 erhielten die Standardversorgung ohne Smartwatch. Wobei Regelversorgung bedeutet, dass die Teilnehmenden nur nach Bedarf und bei Symptomen ärztlichen Rat einholten. Die Teilnehmenden der Smartwatch-Gruppe trugen die Uhr sechs Monate lang im Alltag, im Schnitt zwölf Stunden täglich.
Im Video-Interview mit JACC erklärt Erstautorin Nicole J. van Steijn, dass die Uhr in einen klinischen Ablauf eingebunden war. Hatten die Patientinnen und Patienten Symptome oder erkannte die Smartwatch Unregelmäßigkeiten meldeten sie das an das betreuende medizinische Personal. Eingereichte EKGs wurden dann innerhalb von 24 Stunden geprüft. Dieses Zusammenspiel aus Consumer-Gerät und medizinischer Auswertung war entscheidend dafür, dass das Wearable-Screening funktionierte.
Nach sechs Monaten diagnostizierten die Forscher in der Smartwatch-Gruppe deutlich häufiger Vorhofflimmern als in der Kontrollgruppe: 21 gegenüber fünf Fällen. Auffällig: 57 Prozent der in der Smartwatch-Gruppe entdeckten Fälle zeigten keine Symptome. Diese Patienten hätten sich ohne Screening vermutlich nicht untersuchen lassen. In der Standardversorgung wurden Diagnosen nur bei symptomatischen Personen gestellt.
Das Screening macht also vor allem Fälle sichtbar, die sonst unentdeckt blieben.
Vorhofflimmern erhöht das Schlaganfallrisiko, weil der unregelmäßige Vorhofrhythmus Blutgerinnsel begünstigt, die ins Gehirn wandern können. Studienleiter und Kardiologe Michiel Winter erklärt: «Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich das Schlaganfallrisiko durch Screening verringern lässt – zum Vorteil der Patienten und des Gesundheitssystems, auch durch geringere Kosten.»
Allerdings zeigt die Studie auch: Der eigentliche Fortschritt liegt womöglich weniger in der Smartwatch selbst als in der Beschleunigung des diagnostischen Prozesses. Strukturierte Abläufe, klare Zuständigkeiten und schnelle Auswertungen sind entscheidend. In der Studie war dies gewährleistet. Für andere Gesundheitssysteme gilt: Screening ist nur dann sinnvoll, wenn die anschließende Abklärung zuverlässig, schnell und skalierbar organisiert ist.
Erstens: Fehlalarme sind ein zentrales Problem. In der Studie meldeten die Smartwatches bei 72 Teilnehmenden einen Verdacht, tatsächlich bestätigt wurde ein Vorhofflimmern aber nur bei 21 von ihnen. Ein großer Teil der Alarme führte zu zusätzlicher Diagnostik, ohne dass sich der Verdacht am Ende bestätigte. Ganz abgesehen von der unnötigen Beunruhigung der Betroffenen.
Zweitens: Die Studie adressierte eine klar definierte Hochrisiko-Gruppe: Personen über 65 Jahre mit erhöhtem Schlaganfallrisiko. Für jüngere oder risikoärmere Gruppen lassen sich daraus nicht automatisch Screening-Empfehlungen ableiten.
Drittens: Gemessen wurde vor allem, wie häufig Vorhofflimmern erkannt und diagnostisch bestätigt wurde. Ob das Screening am Ende Schlaganfälle verhindert, muss erst noch gezeigt werden.
Wissenschaftsredakteurin und Biologin. Ich liebe Tiere und bin fasziniert von Pflanzen, ihren Fähigkeiten und allem, was man daraus und damit machen kann. Deswegen ist mein liebster Ort immer draußen – irgendwo in der Natur, gerne in meinem wilden Garten.
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