Cat S52 im Review: Etwas Besonderes geht verloren

Cat S52 im Review: Etwas Besonderes geht verloren

Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Zürich, am 06.12.2019
Video: Stephanie Tresch

Das Cat S52 soll stabiler sein, als andere Phones. Ist es nicht. Es soll genausogut oder besser sein als andere Phones. Ist es nicht. Das Cat S52 ist ein Verrat an der Marke und eine Enttäuschung. Dabei hätte ich es gerne gern gehabt.

Die Bullit Group macht Smartphones als Lizenznehmer von grossen Marken wie Land Rover oder Cat. Während das Land Rover Outdoor Phone nur wenig auf Begeisterung gestossen ist, haben die Cat Phones so etwas wie Kultstatus erreicht. Das liegt daran, dass jedes Phone in gelbschwarz aussergewöhnlich ist, spezielle Features hat und immer aussieht wie ein Ziegel. Und auch in etwa so viel wiegt.

Bullit hat sich zudem einen Namen auf dem Markt gemacht, nur immer dann ein Phone auf den Markt zu bringen, wenn es sich lohnt. Wenn da ein neues Feature ist, das vorher noch nicht da war, ein neuer Standard der Widerstandsfähigkeit erreicht wird oder der Markt sonstwie an Spannung gewinnt.

S52 (64 GB, Black, 5.65 ", Dual SIM + SD, 12 Mpx, 4G)
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Cat S52 (64 GB, Black, 5.65 ", Dual SIM + SD, 12 Mpx, 4G)

Jetzt also das Cat S52. Ich hätte es wirklich gerne gern gehabt. Aber am Ende des Tests bleibt nicht viel übrig.

Der Gang zum Generischen

Das Cat S52 ist ein Smartphone. Es ist ein Rechteck mit abgerundeten Ecken und erinnert nur noch schwach an die bulligen Viecher der vergangenen Jahre. Hier schon setzt bei mir der Zweifel ein. Denn Part des Charmes der Cat Phones ist die Tatsache, dass sie näher am Backstein als am iPhone sind. Da sind Einbuchtungen, Wölbungen und Fortsätze. Antennenaussparungen und Klappen über die Anschlüsse. Sprich: Cat Phones sind physisch interessante Geräte. Interessant anzufassen und zu erfühlen.

Das Cat S52 ist nichts davon. Der USB-C Port ist offen, der 3.5mm Kopfhörer-Jack auch. Das hat zwar keinen Einfluss auf die Wasser- und Staubdichtung, aber Staubverkrustungen im USB-Port können dafür schneller passieren und du musst den Port manuell auskratzen. Nur SIM und SD-Karten-Slot sind geschlossen. Abgesehen vom silbrigen Rand und den Schrauben könnte das Cat S52 ein beliebiges anderes Phone sein. Da will irgendwie keine Freude aufkommen.

Ferner kommt hinzu, dass Bullit wie üblich am Rest der Hardware gespart hat. Wenn ich einen Laser-Sensor im Phone will, oder einen Luftqualitätssensor, dann kann ich auf Top Specs verzichten. Aber Bullit macht hier den Fehler, dass keine besonderen Sensoren verbaut sind und die Specs niemals mit irgendwas auch nur ansatzweise Interessantem mithalten können. Da tuckert ein MediaTek Helio MT6765 System-on-a-Chip mit, 4GB RAM und 64GB interner Speicher. Wir haben Ende 2019. Der MT6765 ist Ende 2018 auf den Markt gekommen.

Die Kamera ist zwar okay, aber nicht spektakulär
Die Kamera ist zwar okay, aber nicht spektakulär

Noch weniger überraschend ist die Leistung der Kamera. Die Specs sind okay – 12 Megapixel auf f/1.8 Weitwinkel, aber einen Preis gewinnt Bullit mit der Kamera nicht. Hat der Konzern nie gewollt, denn in der Regel sind Cat Phones keine Selfie Phones, die in ein Handtäschchen oder Jeans passen. Wollen sie auch nicht sein. Cat Phones sind Werkzeuge, keine Lifestyle-Objekte.

Das Cat S52 ist so ein Zwischending, will ein bisschen Werkzeug sein und ein bisschen Lifestyle. Am Ende ist es keines von beidem.

Wenigstens ein FM Radio ist verbaut. Gut, denn im kommenden Jahr wird bei uns in der Schweiz auf DAB+ umgestellt.

Jaja, Software hat es auch

Bei der Software hat Bullit dann auch sparen können. Denn wo keine speziellen Sensoren angesprochen werden müssen, muss auch nichts gross umgebaut werden. Da ist der Cat-eigene App Store, der separat nach Geschäftszweig gefiltert werden kann. Die erste Option: Business Tools. Damit du Rechnungen erstellen kannst. Will das Cat S52 auch noch für Businessleute interessant sein? Wirklich? Für Menschen, die in ihrem Konsumwahn auf das neueste iPhone oder Samsung Galaxy oder Huawei P warten, nur weil irgendwer auf einer Bühne irgendeiner die Wiederkunft von Smartphone-Jesus verspricht? Ausgerechnet die sollen sich für ein Cat Phone entscheiden?

Wenigstens ein Kopfhörer-Jack hat das Teil
Wenigstens ein Kopfhörer-Jack hat das Teil

Ja, ne, is klar.

Noch trister wird es, wenn du die Filter in Richtung Farming schiebst. Schnell fällt auf, dass da pro Kategorie zehn Apps sind. Auf fünf Kategorien macht das 50 Apps. Wow. Wie gurkig. Wo bleibt meine Knoten-knüpf-App vom S60? Warum finde ich unter «Outdoor» nur die selben Fitness Tracker, die in jedem anderen Phone auch sind? Warum sind drei der zehn Apps von Under Armour? Und warum erlaubt sich Bullit, eine Demo eines Barcode Scanners als erlesene App in seinen App Store aufzunehmen?

Dass dann der Klick auf die App den Google Play Store öffnet, ist dann nur noch reine Formsache.

Sonst? Android 9, mit aktuellem Security Patch vom September 2019.

Hält es denn wenigstens etwas aus?

Die Hauptfrage bei Cat Phones ist immer die nach der Robustheit. Auch der Werbespot lässt hier viel erwarten.

Schauen wir mal:

  • Sleek Design: Von mir aus
  • Waterproof: IP68 zertifiziert. Das ist das Huawei P30 Pro und das iPhone 11 auch
  • Dust Proof: IP68 zertifiziert. Das ist das Huawei P30 Pro und das iPhone 11 auch
  • Military Spec: Das Cat S52 ist MIL-STD-810G zertifiziert. Dazu gleich mehr unten
  • Protected Screen: Ja, hoffentlich.
  • High Quality Camera: Nein
  • Long Battery Life: Mit 3100mAh? Ein Arbeitstag macht das bei der Systemleistung mit, aber besser optimierte System-on-a-Chips erreichen mit gleicher Akkuleistung weit mehr
Das Cat S52 gleicht den anderen Phones zu stark, um den Namen «Cat» zu verdienen
Das Cat S52 gleicht den anderen Phones zu stark, um den Namen «Cat» zu verdienen

Was ist MIL-STD-810G?

«Military Spec» klingt gut, MIL-STD-810G klingt noch martialischer. Wenn du jetzt aber denkst, dass das Phone an der Front locker noch ein paar SMS verschicken kann und eine Kugel auffängt, dann bist du schief gewickelt. Denn 810G ist nicht «combat grade». Denn selbst wenn der Standard viel bedeuten kann, so muss er das nicht. Denn niemand überprüft den Standard, es sei denn, ein Gerät wird tatsächlich für den Einsatz in der US Army in Betracht gezogen. Und auch selbst dann ist der Standard recht relaxed.

Ein Gerät, das MIL-STD-810G-zertifiziert hält aus:

  • Niedrigen Luftdruck
  • Hitze bis 49 Grad Celsius
  • Kälte im Tiefkühlfach
  • Regen
  • Feuchtigkeit
  • Sand
  • Staub
  • Immersion im Wasser
  • Vibrationen
  • Stösse

Mit IP68 ist viel davon bereits abgedeckt, denn IP68 bedeutet eigentlich nicht «IP Achtundsechzig» sondern «IP Sechs Acht». Die Sechs versichert gegen das Eindringen von Staub. Das ist Bestmarke, es gibt kein IP 7x Rating. Die Acht sichert eine unbegrenzte Überlebensdauer im Wasser in einer Tiefe von mindestens einem Meter.

MIL-STD-810G versichert zudem eine Fallsicherheit von 26 Stürzen aus 121.92cm Höhe. Das sind vier amerikanische Fuss.

Also: Das Cat S52 ist nicht zwingend stabiler oder härter im Nehmen als ein Flaggschiff, leistet nicht ansatzweise so viel, versucht aber im Design diesen Phones nachzueifern. Ich mag es nicht. Das tut umso mehr weh, da ich Cat und Bullit eigentlich extrem gerne mag. Ich mag ihren Ansatz, nur etwas zu veröffentlichen, wenn es etwas Neues gibt und nicht, weil gerade das Weihnachtsgeschäft ansteht. Ich blicke in deine Richtung, Apple.

Jetzt verrät sich Bullit mit dem S52 selbst. Es ist generisch, schwach und der Bluff mit dem superstabil, offensichtlich aufgeflogen. Ja, es ist stabiler als eine Glasflasche oder eine Scheibe Käse, aber stabiler als die anderen Phones? Tendenziell eher weniger.

So. Fertig. Ich hoffe auf das Cat S62. Das darf ungeniert von mir wieder Vorschusslorbeeren erhalten.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher

Senior Editor, Zürich

Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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