Der Dyson Corrale im Test

Der Dyson Corrale im Test

Natalie Hemengül
Natalie Hemengül
Zürich, am 15.12.2020
Dysons akkubetriebener Luxus-Haarglätter soll dank flexibler Heizplatten mit weniger Hitze Frizz und Haarbruch bekämpfen. Revolution oder Altbewährtes in neuem Gewand?

Nach Jahren der Enthaltsamkeit habe ich vor gut einem Jahr wieder angefangen, regelmässig zum Glätteisen zu greifen. Mein Dyson Airwrap ist zwar nach wie vor im Dauereinsatz, aber seine Glättbürste lässt sich nicht mit einem Haarglätter vergleichen. Das weiss scheinbar auch Dyson und hat deshalb selbst einen auf den Markt gebracht: den Dyson Corrale. Wie gewöhnlich mit einem Preisschild, das mich zunächst leer schlucken lässt. Bisher hat mich keines der Dyson-Hair-Produkte enttäuscht.

Ob der Corrale da mithalten kann?

Im Überblick

Grosse Preisschilder gehen mit grossen Erwartungen einher. Werfen wir deshalb einen Blick auf die Punkte, die den Corrale laut Hersteller von herkömmlichen Haarglättern unterscheidet.

Das Gerät besitzt einen Akku und kann daher bei Bedarf ohne Kabel verwendet werden. Die biegsamen Heizplatten aus einer Mangan-Kupfer-Legierung ermöglichen es, die Haare auf tiefer Temperaturstufe glatt zu bekommen, während andere Geräte für dasselbe Ergebnis mehr Hitze benötigen. Die Heizplatten schmiegen sich laut Hersteller flexibel um die Strähne und fixieren sie, wodurch keine Haare mehr an den Seiten herausfallen. Durch diesen Kontrollgewinn reicht ein geduldiger Zug durchs Haar. Mehrmaliges Glätten derselben Strähne wird überflüssig und geschmeidiges, glänzendes sowie glattes Haar ist das Ergebnis davon.

Ich bin gespannt.

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Im Lieferumfang enthalten sind:

  • Dyson Corrale Haarglätter
  • Ladestation
  • Magnetisches 360°-Ladekabel
  • Hitzebeständige Reisetasche

Von einer Bedienungsanleitung keine Spur. Nur ein Booklet zur Einhaltung von Vorschriften und Sicherheitsinformationen ist beigelegt. Dazu gibt's noch ein paar Schnellinstruktionen auf den Kartonelementen der Verpackung. Schwach. Deshalb suche ich online nach der Anleitung und informiere mich gleich als Erstes über dieses kleine baumelnde Etwas, auf dem ein Flugzeug abgebildet ist.

Dieser Stecker trennt die Batterie vom restlichen Gerät.
Dieser Stecker trennt die Batterie vom restlichen Gerät.

Es handelt sich dabei um die Flugsicherheitsfunktion, die den Vorschriften der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation entspricht. Steckst du dieses Teil aus, wird die Batterie vom Gerät getrennt. Quasi für ein sicheres Mitführen im Handgepäck. Auch das hitzeresistente Reiseetui ist darauf ausgelegt, diesen Stecker unversehrt vom Gerät zu trennen.

Auch eine hitzeresistente Reisetasche ist mit dabei.
Auch eine hitzeresistente Reisetasche ist mit dabei.

Über diese Funktion hinaus verfügt das Gerät über einen Ein- / Ausschaltknopf, einen Plus- und Minusknopf für die Temperaturregelung und einen Entriegelungsknopf, mit dem dem du die Platten für kompaktes Verstauen aneinander fixieren kannst.

Vorbereitungen

Mein Haar ist frisch gewaschen und trocken geföhnt. Ich stecke die Ladestation zusammen, hänge sie über das magnetische 360°-Kabel an den Strom und setzte das Verbindungsstück mit dem Flugzeugsymbol ein. Danach platziere den Glätter darauf. Der Corrale gibt einen Ton von sich und ein kleines rotes Licht beginnt zu leuchten. Das Gerät lädt. Laut Dyson benötigt es 40 Minuten, um die Batterie zu 90% aufzuladen und 70 Minuten, um sie voll aufzuladen. Zweiteres kann ich bestätigen. Nach genau 70 Minuten ist es bei mir so weit. Ich nehme den Glätter von der Station und schalte ihn ein.

Auf meiner Frisierkommode macht sich der Corrale richtig gut.
Auf meiner Frisierkommode macht sich der Corrale richtig gut.

Ob das glatt geht?

Mir stehen drei Stufen zur Auswahl: 165°, 185° und 210°. Ich möchte gleich das volle Potential ausschöpfen und beginne mit der Höchsten. So wie ich es mir auch von anderen Glättern gewohnt bin. Auf dem Display sehe ich, wie die Temperatur hochkrabbelt. Wenige Sekunden später gibt mir ein Häkchen auf dem OLED Screen das Go. Der Glätter hat die Temperatur erreicht. Danach ist auf dem Display nur noch der Akkustand und die aktuelle Hitzestufe zu sehen.

Meine Haare gleiten, ohne zu stocken, durch die Platten. Und tatsächlich: Kein einziges Haar rutscht mir seitlich weg. Das war für mich bisher immer das Nervigste beim Glätten und der Grund, weshalb ich jede Strähne etwa fünf Mal durch die Platten jagen musste. Hier reicht ein geduldiger Zug im Schneckentempo und die komplette Strähne ist pfeifengerade. Ob das auch in den niedrigeren Stufen der Fall ist? Schliesslich ist mein Naturhaar nicht gekräuselt oder gelockt, sodass ich die Vermutung hege, dass auch eine der ersten zwei Einstellungen reichen dürfte.

Der Corrale gleitet, ohne zu stocken, durch mein Haar.
Der Corrale gleitet, ohne zu stocken, durch mein Haar.

Ein paar Tage später versuche ich mich an der niedrigsten Temperaturstufe. Zu meiner Überraschung bringe ich mit einem Zug ähnlich gute Resultate zustande wie mit 210°. Jedoch dauert es etwas länger, denn ich ziehe das Glätteisen intuitiv eine Spur langsamer durch das Haar. Nur die Haarspitzen weigern sich, zu gehorchen. Deshalb muss ich da noch ein zweites Mal drüber. Leicht zu bändigendes Haar lässt sich mit Geduld aber tatsächlich auf der tiefsten Stufe glätten. Ich entscheide mich bei künftigen Frisier-Sessions für einen Kompromiss von 185°.

Alles in allem fühlen sich meine Haare nach dem Styling nicht im Geringsten trocken an. Sie sind geschmeidig und besonders am Ansatz frei von Frizz, wo ich üblicherweise Mühe habe.

Das Kabel lässt sich magnetisch festmachen und kann sich um die eigene Achse drehen.
Das Kabel lässt sich magnetisch festmachen und kann sich um die eigene Achse drehen.

Lasse ich den Corrale länger als fünf Minuten unberührt liegen, ertönt alle zehn Sekunden ein Warnsignal und die Heizplatten schalten sich aus, bis ich auf einen beliebigen Knopf drücke. Bleibt das Gerät hingegen weitere fünf Minuten unberührt, schaltet es sich komplett aus.

Laut Dyson kann ich bis zu 30 Minuten lang ohne Kabel stylen. Für meine gesamte Mähne benötige ich mit 185° jedoch höchstens zehn Minuten. Menschen mit Locken dürften da wesentlich länger beschäftigt sein. Ich möchte den Akku auf die Probe stellen. Deshalb schalte ich das Gerät in die höchste Stufe und betätige es alle paar Minuten, damit es nicht ausgeht. Bei mir hält der Akku so ziemlich genau 55 Minuten lang. Also 25 Minuten länger als von Dyson angegeben. Mir scheint aber, als ob die aktive Pressbewegung beim Glätten einen Einfluss auf den Akku hat, denn anders kann ich mir die Differenz nicht erklären. Vor allem, weil der Akkustand während des Glättens tatsächlich schneller zu sinken scheint.

Das Kabel kannst du direkt an den Corrale oder an die Ladestation hängen.
Das Kabel kannst du direkt an den Corrale oder an die Ladestation hängen.

Wie bereits erwähnt, kann ich das magnetische Kabel entweder direkt an den Corrale hängen oder an die Ladestation stecken. Verwende ich den Corrale mit dem Kabel, nennt Dyson das den Hybridmodus. Anders als angenommen verlängert das Kabel lediglich die Laufzeit. Der Haarglätter muss zwischen den Anwendungen trotzdem vollständig aufgeladen werden, da trotz Kabel weiterhin Akkustrom verwendet wird. Das verpasst meinem Enthusiasmus einen Dämpfer. Denn im Klartext heisst das: Ist der Akku leer, kann ich nicht einfach das Kabel anhängen und weiterglätten. Der Corrale muss den Akku erst etwas aufladen. Möchte ich die maximale Laufzeit aus dem Corrale holen, muss ich ihn zuerst voll aufladen und anschliessend mit dem Kabel verwenden.

Corrale vs. herkömmliche Haarglätter

Im Laufe der Jahre habe ich einige Haarglätter aus unterschiedlichen Preissegmenten und von unterschiedlichen Marken getestet: ghd, L'Oréal, Philips, Braun, um nur ein paar zu nennen. Ich möchte ihnen gesamthaft den Corrale in seinen wesentlichen Merkmalen gegenüberstellen. Ein übergreifender Vergleich quasi.

Kabel(los)

Das kabellose Styling ist für mich ein grosses Plus. Beim Haaremachen in der Wohnung herumzulaufen oder gar vor dem Fernseher zu sitzen, ohne von der Kabellänge oder einer Steckdose abhängig zu sein, ist grossartig. Denn beim Glätten brauche ich höchstens ganz am Schluss einen prüfenden Blick in den Spiegel, um sicherzugehen, dass ich auch keine Strähne vergessen habe. Ansonsten kann ich blind arbeiten. Ein völlig neues Erlebnis für mich, das mir noch kein Gerät zuvor bieten konnte. Was ich auch zu schätzen weiss: Hänge ich den Glätter doch ans Kabel, ist es meinen Bewegungen nicht gross im Weg, da es sich um 360° drehen lässt. Drehbare Kabel gibt es aber auch beispielsweise bei ghd. Also nicht komplett neu die Idee.

Die flexiblen Platten geben beim Glätten etwas nach und fixieren das Haar.
Die flexiblen Platten geben beim Glätten etwas nach und fixieren das Haar.

Biegsame Platten

Die fixierten Strähnen bereiten mir ebenfalls Freude. Diesen Vorteil habe ich bisher lediglich beim SteamPod von L'Oréal gesehen, aber auch nur, weil die Heizplatten um ein Kammelement ergänzt wurden. Dort wurde ich aber hin und wieder mal von Knötchen ausgebremst. Bei vielen herkömmlichen Glättern rutschen die Haare seitlich weg und bleiben manchmal sogar an den Rändern der Heizplatten hängen.

Hitze

Für gewöhnlich nutze ich bei herkömmlichen Geräten, die ohne Wasserdampf arbeiten, immer die höchste Temperaturstufe. Mit tiefen Temperaturen und wenig Arbeit befriedigende Ergebnisse zu erzielen, ist eine neue Erfahrung für mich.

Locken

Wer sich die Haare gerne mit dem Glätteisen lockt, kommt auf seine Kosten. Drücke ich die Platten aufeinander, bilden die beiden Spitzen ein V, das nicht allzu warm wird. Das heisst, ich kann beim Eindrehen der Locke die Spitze mit einer Hand festhalten, was mir eine saubere Führung ermöglicht. Das fehlende Kabel und das rundliche Design unterstützen diese Technik. Ein solches V habe ich bisher lediglich und weniger ausgeprägt bei ghd-Modellen gesehen.

Mit dem Corrale kannst die Haare nicht nur glätten ...
Mit dem Corrale kannst die Haare nicht nur glätten ...
... sondern auch locken.
... sondern auch locken.

Gewicht

Der Corrale liegt mit 550 Gramm deutlich schwerer in der Hand, als beispielsweise mein ghd Glätter von 338 Gramm, was wohl dem Akku zu verdanken ist.

Langanhaltendes Styling

Den wohl grössten Unterschied habe ich aber in der Langlebigkeit des Stylings beobachtet. Mit herkömmlichen Geräten ging es häufig nur ein paar Stunden, bis leichte Wellen und Frizz wieder auf der Matte standen. Beim Corrale blieben sie gänzlich fern. Sogar nach einem Abstecher in die Aussenwelt, wo normalerweise mein ganzer Effort vor die Hunde geht, weil die Luftfeuchtigkeit grüssen lässt. Am Tag darauf begab ich mich in ein kleines Schneegestöber. Selbst das konnte mein Haar nicht aus der Fassung bringen. Meine Haare sahen insgesamt an den drei darauffolgenden Tagen wie frisch gebügelt aus. Bis in die Haarspitzen.

Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Was ich nicht beurteilen kann, ist Dysons Argument mit den 50% weniger Haarbruch dank verringerter Hitze.

Fazit

Im Gegensatz zum Supersonic oder zum Airwrap hat Dyson das Haar-Styling in puncto Glätten nicht revolutioniert, sondern lediglich perfektioniert. Es geht schneller, unkomplizierter und du hast länger was von deiner Mühe. Ich würde aber nicht behaupten, dass du ähnliche Ergebnisse nicht auch mit deutlich günstigeren Produkten erzielen kannst. Wenn auch nicht ganz so langanhaltend wie mit dem Corrale. Der Dyson ist also eine Frage der Bequemlichkeit und deines Budgets. Wenn du dir überlegst, eines der gehypten ghd-Modelle zu kaufen, dann sage ich: Lass den ghd und wage gleich den Sprung zum Corrale. Für den Heimgebrauch finde ich es schwieriger, einen 350 Fr. ghd zu rechtfertigen als den 550 Fr. Corrale. Dafür heben sich die ghd-Modelle zu wenig von dem ab, was ich bereits kenne.

Während ich der Meinung bin, dass der Supersonic oder auch der Airwrap für eine breite Zielgruppe einen Mehrwert schaffen, ist beim Corrale das Gegenteil der Fall. Die Gruppe an Menschen, die von den verbesserten Details profitiert, ist klein. Wer seine Haare nur gelegentlich streckt, braucht den Corrale nicht. Ein günstiges Modell und ein paar Züge mehr reichen, sofern du bereit bist, den Schaden durch die Hitze in Kauf zu nehmen. Wer als Friseur oder Friseurin tätig ist, könnte das ständige Aufladen und das Gewicht schnell leid sein. Wer hingegen ein- bis zweimal wöchentlich zum Glätteisen greift, dürfte grosse Freude am kabellosen und langanhaltenden Styling haben.

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Natalie Hemengül
Natalie Hemengül

Editor, Zürich

Als Disney-Fan trage ich nonstop die rosarote Brille, verehre Serien aus den 90ern und zähle Meerjungfrauen zu meiner Religion. Wenn ich mal nicht gerade im Glitzerregen tanze, findet man mich auf Pyjama-Partys oder an meinem Schminktisch. PS: Mit Speck fängt man nicht nur Mäuse, sondern auch mich.

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