Der SteamPod im Test

Der SteamPod im Test

Natalie Hemengül
Natalie Hemengül
Zürich, am 05.05.2020
Mein Glätteisen bekommt Konkurrenz. Der SteamPod glättet die Haare mit Wasserdampf doppelt so schnell und geschmeidig wie herkömmliche Streckeisen – behaupten zumindest seine Hersteller. Ich teste das Pro-Gerät zu Hause.

Er soll doppelt so schnell sein und mein Haar doppelt so geschmeidig zurücklassen wie herkömmliche Glätteisen: der SteamPod 2.0 von L'Oréal Professionnell und Rowenta. Der Friseur, den ich zuletzt besucht habe, war hin und weg von dem Gerät und demonstrierte es mir sogleich an meiner Mähne. Das Ergebnis gefiel mir. Nur, wie macht sich so ein Pro-Gerät in den Händen eines Laien wie mir? Das möchte ich herausfinden. Der SteamPod ist zwar auch für den Heimgebrauch konzipiert, schüchtert mich aber auf den ersten Blick ein. Er bändigt das Haar mit Wasserdampf und wird daher mit einer Dampfstation geliefert. Wie bei einem Bügeleisen.

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Vorbereitung

Ich atme auf. Der Lieferumfang sieht überschaubar aus. Enthalten sind eine Bedienungsanleitung und ein Handstück, das per Kabel mit der Dampfstation inklusive Netzkabel verbunden ist. Die Dampfstation selbst besteht aus einem Sockel mit Antirutsch-Saugnäpfen auf der Unterseite und einem abnehmbaren Wassertank.

Der Hersteller verweist darauf, das Gerät nur mit entmineralisiertem Wasser zu verwenden. Im Handbuch ist die Rede von einem Härtetestpapier, das sich im Lieferumfang befinden soll. Mit dem kann ich dann den Kalkgehalt unseres Leitungswassers messen. Übersteigt dieses die Härte von 9°F, soll ich auf destilliertes Wasser aus dem Handel zurückgreifen. Vom Papier leider keine Spur. Ich schaue nochmals ins Handbuch und entdecke neben dem Abschnitt eine Fussnote:

*nicht in allen Ländern verfügbar.

Wäre auch zu praktisch gewesen. Da ich weiss, dass unser Leitungswasser diesen Wert bei Weitem übersteigt und ich gerade kein destilliertes Wasser zur Hand habe, improvisiere ich und jage ein wenig Wasser durch meinen Philips IronCare, den ich zum Entkalken meines Bügelwassers verwende.

Die Dampfdüsen befinden sich gleich neben dem Kammelement.
Die Dampfdüsen befinden sich gleich neben dem Kammelement.
Die Saugnäpfe verhindern, dass der Wassertank während des Stylings vom Tisch rutscht.
Die Saugnäpfe verhindern, dass der Wassertank während des Stylings vom Tisch rutscht.

Meine Haare habe ich vor der Anwendung frisch gewaschen. L’Oréal rät, das Gerät nur in Kombination mit ihren spezifischen SteamPod Styling Produkten zu verwenden. Ich finde das unrealistisch, da ich bereits gute Produkte besitze, die ich nicht einfach ersetzen möchte. Deshalb habe ich ganz rebellisch einfach meinen eigenen Hitzeschutz und mein Spitzenöl ins handtuchtrockene Haar eingearbeitet und anschliessend wie empfohlen trocken geföhnt.

Anwendung

Ich fülle den Wassertank bis zur Max-Bezeichnung auf und hänge das Gerät an den Strom. Der Einschaltknopf und die Hitzeregulierung sind auf der Innenseite, was ich nicht praktisch finde. Wählen kann ich zwischen 140°, 170°, 180°, 200° und 210°. Ich entscheide mich, erst die eine Hälfte meines Schopfes mit 170° und dann die andere mit 200° zu stylen. Die zweitniedrigste Stufe ist laut Handbuch optimal für mich, da sie sich für aufgehelltes Haar eignet. Ich möchte jedoch auch eine stärkere Hitze testen, um allfällige Unterschiede zu sehen. Kurze Zeit blinkt die Zahl rot, nach etwa dreissig Sekunden leuchtet sie durchgehend. Die Dampfstation und das Eisen geben ein paar Zischgeräusche von sich.

Das Gerät ist einsatzbereit.

Der Dampf kommt von selbst, sobald ich eine Haarsträhne zwischen die Heizplatten klemme. Dabei hört sich das Ganze so an, wie bei einem Dampfbügeleisen. Auf dem Gerät sind Pfeile angebracht, die mir zeigen, welcher Teil nach unten zeigen muss. Als besonders vorteilhaft erweist sich der Kamm, der an den Heizplatten angebracht ist. Er sorgt dafür, dass die Haarsträhnen vor zu separiert werden und nicht von den Seiten wegrutschen, wie das bei einem Glätteisen häufig der Fall ist. Dafür muss ich mein Haar vor der Anwendung gründlich bürsten, da sich die Knoten sonst in diesem Kamm verfangen und ich nicht mehr sauber den Längen entlang heruntergleiten kann.

Den Wasserbehälter fülle ich mit entkalktem Wasser auf.
Den Wasserbehälter fülle ich mit entkalktem Wasser auf.

Was mich stört, ist, dass der Kunststoff rund um die Heizplatten herum sehr heiss wird. Das verhindert, dass ich das Gerät wie bei meinem gewöhnlichen Glätteisen auch am Kopf halten kann, um es sauber zu führen. Nur am Griff halten finde ich gewöhnungsbedürftig. Dafür kann ich hier mit breiteren Strähnen arbeiten. Dass eine Strähne zu dick ist, merke ich daran, dass der eingebaute Kamm mich beim Hinabgleiten ausbremst.

Bei 170° bearbeite ich jede Strähne zweimal. Bei 200° hingegen nur einmal, dennoch bevorzuge ich die tiefere Einstellung. 200° sind einfach zu heiss. Auf den ersten Blick sieht das Ergebnis so aus, als hätte ich meine Haare zwei Wochen nicht gewaschen. Fettige Strähnen überall. Nach etwa einer Minute legt sich das und die Feuchtigkeit scheint verdunstet. Das Resultat kann sich sehen lassen. Laut SteamPod soll das Glätten bis zu 50% schneller gehen als sonst. Schnell war ich, aber ich würde nicht behaupten, dass ich doppelt so schnell war wie mit meinem Glätteisen. Was tatsächlich anders ist: Mein Haar fühlt sich «lebendiger» an, was vermutlich am Dampf liegt. Es ist nicht furztrocken.

Das Ergebnis.
Das Ergebnis.

Zum Schluss ist der Tank noch zu gut einem Drittel voll. Das heisst, auch wenn du mehr Haare hast wie ich, wirst du nicht durch nerviges Nachfüllen unterbrochen.

Alles lief glatt

Das Produkt ist dubbelisicher, weil selbsterklärend. Umständlich finde ich, dass ich mir erst noch destilliertes Wasser kaufen muss, da ich unsicher bin, ob der Entkalker von Philips auf lange Dauer reicht, um den Ansprüchen des Geräts gerecht zu werden. Doppelt so schnell mit Glätten war ich bestimmt nicht, dafür fühlt sich mein Haar aber definitiv geschmeidiger an, als wenn ich es mit einem herkömmlichen Eisen behandelt hätte. Der Wasserdampf erfüllt seinen Zweck. Wenn ich bedenke, dass ich für mein ghd-Glätteisen, das nur stockend durch mein Haar fährt, mehr bezahlt habe, dann gräme ich mich. Im Preis-Leistungs-Vergleich ist der SteamPod nämlich die bessere Option. Leider braucht das Gerät viel Platz und muss erst mit Wasser befüllt werden, bevor es einsatzbereit ist. Ein Glätteisen zückst du schneller.

Deswegen habe ich das Gefühl, dass ich nur zu speziellen Anlässen zum SteamPod greifen werde. Für Profis mit einem Salon ist er auf jeden Fall eine Überlegung wert. Mittlerweile gibt es auch einen SteamPod 3.0. Das neue Modell ist etwas leichter und dünner, dafür auch teurer als das Modell, das ich getestet habe. Ich kann mir vorstellen, dass diese Neuerungen für Friseure, die den ganzen Tag damit herumhantieren, Sinn machen. Für mich jedoch reicht das Modell 2.0.

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Natalie Hemengül
Natalie Hemengül

Editor, Zürich

Als Disney-Fan trage ich nonstop die rosarote Brille, verehre Serien aus den 90ern und zähle Meerjungfrauen zu meiner Religion. Wenn ich mal nicht gerade im Glitzerregen tanze, findet man mich auf Pyjama-Partys oder an meinem Schminktisch. PS: Mit Speck fängt man nicht nur Mäuse, sondern auch mich.

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