Hintergrund

Die China-Market-Challenge: Finde ein Äquivalent zum Galaxus-Shop

In der Hauptstadt Serbiens steht ein riesiger chinesischer Markt. Wir waren vor Ort und haben uns eine Challenge gesetzt: Finde einen Artikel, der es mit dem Galaxus-Sortiment aufnehmen kann – für maximal 1000 serbische Dinar.

Unser Redaktionsteam war in Belgrad, um dort eine Woche zu arbeiten und unsere dortigen Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen. Am Rande Belgrads steht ein riesiger China-Markt, der Blok 70. Der Ort ist quasi ein begehbarer Aliexpress. Über Kleidung, Elektronik, Spielzeug, Küchenwaren und einfach unnützes Zeugs – hier findest du alles. Dabei stolperten wir auch immer wieder über Fälschungen, die so schlecht sind, dass sie schon wieder gut sind.

Alles im Blok 70 anzuschauen würde Tage, wenn nicht Wochen dauern. Deshalb hatten wir eine Challenge: Alle erhalten 1000 serbische Dinar, das sind etwa 9 Franken, und eine Stunde Zeit. Das Ziel: Finde damit ein Produkt, das es auch auf Galaxus gibt.

Ist das Dr. Dre?

Wer ist der Mann auf dem Bild? Und wer der Mann auf der Verpackung?
Wer ist der Mann auf dem Bild? Und wer der Mann auf der Verpackung?
Bild: Livia Gamper

Simon Balissat: «Der Herr auf der Verpackung sagt mit seinem Blick und seinem Lächeln, dass hier pures Testosteron aus den Kopfhörern kommt. Gestählte Muskeln, trägerloses Shirt, eine Hantel und die «MONSTER MD-A119» im Ohr. Wobei zuoberst auf der Verpackung das «beats. by dr. dre»-Logo prangt und unten iPhones abgebildet sind. Beim Mann auf der Verpackung handelt es sich, zu meiner Verwirrung, auch nicht um Dr. Dre. Vielmehr ist es das Stockfoto «Young musuclar black man lifting weights in a gym» von Imago. Das gibt’s für 99 Euro hier zu kaufen. Auch der Preis von umgerechnet 1.70 weist darauf hin, dass es sich hier um eine eigenwillige Interpretation des Originals handelt. Ein kurzer Hörtest versichert mir dann, statt Testosteron gibt es hier bloss Blechton auf die Ohren. Kabelgebunden, versteht sich. Da gönne ich mir lieber das kabellose Original.»

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Aus welchem Multiversum kommt eigentlich Sniper-Man?

Sniper-Man ist im Wesentlichen eine Rot-Blau angemalte G.I.-Joe-Figur mit Spider-Man-Kopf.
Sniper-Man ist im Wesentlichen eine Rot-Blau angemalte G.I.-Joe-Figur mit Spider-Man-Kopf.
Bild: Livia Gamper

Luca Fontana: «’In wie vielen Welten warst du schon? Ich habe eine Menge gesehen. Sie sind alle wunderschön... und anders’, sagt Spider-UK in der dritten Ausgabe des ‘Sider-Verse Team-Up’-Comic. Spider-UK, der Spider-Man, der in seinem Universum aus Grossbritanien stammt, kennt das Multiversum, die Sammlung alternativer Welten und Universen. In einem davon existiert wohl Sniper-Man – mit Maschinengewehr, ohne Scheiss. Auch das Spielzeug-Pendant dazu hat rot angemalte Springerstiefel und macht vor allem eines: Krach.

Der Ton nervt nicht. Nein. Überhaupt nicht. Video: Luca Fontana

Zwei AA-Batterien sorgen dafür, dass der 600-Dinar-Sniper-Man robbt und anschliessend seine Gegner unter Beschuss nimmt. Auf der Plastikverpackung steht: ‘Safe non-toxic, 100% eco-friendly’. Bestimmt. Dazu: ‘Make Sound, have comportment, irradiance’, also «Mache Ton, benimm dich, Bestrahlungsstärke.’ Was auch immer das heisst. Empfohlen wird das ‘Spielzeug’ für Kinder ab drei Jahren. Den Vogel schiesst aber Sniper-Man die Verpackung mit einer – satirischen? – Bemerkung zum Ursprungsland ab: ‘Made in China, the special for you of children design’, zu Deutsch: ‘Hergestellt in China, das Besondere für dich von Kinder-Design’. Autsch. Wenn du dir, deinem Kind, Enkelin oder Neffen ein richtiges Geschenk machen willst, dann lieber die echte Figur hier.»

Orthodoxer Glauben trifft auf chinesische Handwerkskunst

Was ich mit diesem Ikonen-Bild zu Hause mache? Keine Ahnung!
Was ich mit diesem Ikonen-Bild zu Hause mache? Keine Ahnung!
Bild: Livia Gamper

Carolin Teufelberger: «Bei einem Sortiment von über vier Millionen Produkten bestand die Herausforderung für mich nicht darin, ein Pendant zu finden, sondern etwas, das es bei Galaxus nicht gibt.»

Wenn schon ein Produkt fälschen, dann gleich richtig

Lego und Jurassic World suchst du auf der Verpackung vergebens.
Lego und Jurassic World suchst du auf der Verpackung vergebens.
Bild: Livia Gamper

Ramon Schneider: «Kleider, Elektronik und Dekomaterialien lasse ich links liegen. Mich ziehen die Stände mit Spielwaren magisch an. Der grösste Teil der Produkte sind markenlose Dinge wie Bälle, Gewehre oder Spielzeugautos. Je mehr ich mich durch die Produkte wühle, desto beissender wird der Geruch von billigem Plastik. Hin und wieder lauern auch kleine Schätze von bester Produktpiraterie in den Regalen. So auch das Set «Animal Park» von «818». Das 179-teilige Set verletzt gleich zwei Markenrechte in einem: Lego und «Jurassic World». 700 serbische Dinar zahle ich der kleinen, etwas älteren Dame, die hinter einem Holztresen auf einem Gartenstuhl sitzt. Gekriegt habe ich dafür zwei Minifiguren, einen Triceratops und ein schwarz-graues Geländefahrzeug. Der Spass am Set dauert jedoch nicht ewig. Damit ich am Zoll keine Busse riskiere, muss ich das Set leider in Belgrad lassen.»

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Rosarote InPods mit Explosionsgefahr

Auf der Packung zwar in Weiss gezeigt, gab’s meine InPods in Rosarot.
Auf der Packung zwar in Weiss gezeigt, gab’s meine InPods in Rosarot.
Bild: Carolin Teufelberger

Livia Gamper: Last but not least lachen mich die sogenannten InPods in einer schönen Verpackung an. Sie sehen aus wie Apples AirPods, kommen aber in Rosarot. Die Kopfhörer gab’s auch in Blau, Grün, Violett und Gelb zur Auswahl – im Vergleich zu Apples weissen Einheitsbrei eine wahre Freude. Die InPods reizen das Budget von 1000 Dinar komplett aus.

Wie also klingen Kopfhörer für 9 Franken? Zuerst explodiert mir fast das Ohr, weil ich auf mittlerer Lautstärke Musik höre. Bei den rosaroten InPods ist das viel zu laut. Auf etwa 10 Prozent der Lautstärke kann ich sie dann ertragen. Egal, was ich höre – es klingt dumpf und hat etwas von einer Blechdose. Das Case des AirPod-Äquivalents wird wie beim Original mit einem Lightning-Kabel geladen. Schade, gibt’s auch hier wie beim Original keinen USB-C-Anschluss.

Auch ich lasse die Kopfhörer in Belgrad – nicht nur, weil ich Angst habe, dass sie im Flugzeug in die Luft gehen, sondern weil ich wie Ramon mit der Fälschung keinen Ärger am Schweizer Zoll möchte.

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Experimentieren und Neues entdecken gehört zu meinen Leidenschaften. Manchmal läuft dabei etwas nicht wie es soll und im schlimmsten Fall geht etwas kaputt. Ansonsten bin ich seriensüchtig und kann deshalb nicht mehr auf Netflix verzichten. Im Sommer findet man mich aber draussen an der Sonne – am See oder an einem Musikfestival. 


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