Die schlechteste Digitalkamera der Welt ist ziemlich cool
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Die schlechteste Digitalkamera der Welt ist ziemlich cool

David Lee
David Lee
Zürich, am 02.01.2020

Diese Kamera kann praktisch nichts. Sie nimmt Schwarzweissbilder in der Grösse von Desktop-Icons auf. Cool ist sie trotzdem, denn ihr Besitzer hat sie von Grund auf selbst gebaut.

Sean Hodgins hat eine Digitalkamera von Grund auf selbst gebaut. Sogar den Sensor hat er in zweieinhalb Stunden mühsamer Kleinarbeit Pixel für Pixel zusammengesetzt. Rein vom Gebrauchswert der Kamera her ist das natürlich sinnlos – aber faszinierend, dass ein Eigenbau von Grund auf überhaupt möglich ist. Es zeigt einerseits die grobe Funktionsweise einer Digitalkamera, aber die miesen Leistungsdaten erinnern auch daran, wie viel High Tech in einer «richtigen» Kamera drin steckt.

Low Tech vom Feinsten

Der Sensor ist flächenmässig riesig, die Auflösung dafür umso kleiner. Er umfasst 32×32 Pixel (0,001 Megapixel). Die einzelnen Pixel sind so gross, dass der Bastler sie einzeln auftragen konnte. Die Auflösung entspricht den Desktop-Icons auf 90er-Jahre-Computern. Ausserdem kann der Sensor nur Schwarzweiss darstellen. Immerhin mit 256 Graustufen.

Eine Testaufnahme mit zwei noch nicht funktionierenden Pixeln.
Eine Testaufnahme mit zwei noch nicht funktionierenden Pixeln.

Trotz der niedrigen Auflösung braucht die Kamera etwa fünf Sekunden, um ein Foto zu machen. Denn das Ding kann nur ein Pixel aufs Mal aktivieren und auslesen. Aus diesen Daten speichert die Kamera ein Bitmap-File auf einer SD-Karte. Dieses lässt sich anschliessend wie jede andere Bilddatei am PC anschauen oder bearbeiten.

Als Objektiv dient eine einzelne Linse eines Canon-Objektivs. Ursprünglich wollte Hodgins eine Lochkamera bauen, aber die lieferte ihm zu wenig Licht. Darum heisst das Ding «digiObscura». Eine Linse hat, im Gegensatz zu einem simplen Loch, einen Brennpunkt; der Abstand zwischen Linse und Sensor muss also der Brennweite entsprechen. Hodgins sagt im Video, alles sei im Fokus – bei 32×32 Pixeln ist die Behauptung kaum widerlegbar.

«Everything is in focus. As focus as you can get with 32 Pixels.»
Sean Hodgins

Auf der Rückseite der Kamera befindet sich ein winziger OLED. Der zeigt aber nicht das Sucherbild an, sondern nur den Kamerastatus.

Falls du auf die Idee kommst, das Ganze nachzubauen: Auf instructables.com ist alles dokumentiert.

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David Lee
David Lee

Senior Editor, Zürich

Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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