
Drei witzige Comicromane, die Kindern Lust aufs Lesen machen
Sind Comicromane «richtige» Bücher oder nur Comics im Büchergewand? Meinem Sohn war diese Debatte herzlich egal: Er hat einfach gelesen. Cats Tagebuch und zwei weitere Comicromane zum Einstieg ins Lesen.
Kaum ein Thema spaltet Eltern, Lehrkräfte und Feuilletons so zuverlässig wie der Comicroman. Die einen rümpfen die Nase: Wo Bilder sind, könne es mit der Literatur nicht weit her sein. Die anderen schwören auf die Wunderwaffe, die medienverwöhnte Neulesende an gedruckte Seiten fesselt. Dazu gehört auch die Stiftung Lesen. Sie versteht Comicromane als «Brücke zum Lesen», weil die Bilder schon das Textverständnis mitliefern. Bild und Text zusammen machen Lust aufs Lesen.
Auf dem Weg zum Bücherwurm: Zwischenstation Comicroman
Und so war das auch bei uns. Nach den Bilderbüchern, Vorlesebüchern und Erstlesebüchern zogen allmählich immer mehr Comics und Mangas in das Bücherregal im Kinderzimmer. Den Übergang zum «echten» Buch schafften schließlich «Gregs Tagebuch» und «Tom Gates». Beide verbinden Bilder und Pointen mit richtigem Text. Ich habe sie dankend angenommen und die Literaturdebatte anderen überlassen. Hauptsache, der Nachwuchs steckt seine Nase in ein Buch und hat Spaß dabei!
Hier kommen drei Empfehlungen, falls deine Kinder mal in dieser Phase stecken:
Cats Tagebuch: Superheld mit Fell und Selbstüberschätzung
Kater Knutbert führt ein herrliches Katzenleben, bis plötzlich ein Biest in der Nachbarschaft sein Unwesen treibt. Und ausgerechnet der freche Kater gerät unter Verdacht. Er, ein Monster? Keinesfalls! Also macht sich Knutbert selbst auf die Suche nach dem Übeltäter. Das Ziel: Seinen Ruf retten und als Superheld zurück ins Rampenlicht tapsen.
Erzählt wird die Geschichte im Tagebuch-Stil. Und das liest sich, wie man es von einem Kater erwartet: eitel und dramatisch. Der Witz entsteht dabei vor allem durch die Lücke zwischen Knutberts Selbstbild und dem, was tatsächlich passiert. Er ist überzeugt, dass er Großes leistet, während alle anderen das längst anders sehen. Wenn du oder deine Kinder «Gregs Tagebuch» mögt, dürfte auch dieses tierische Tagebuch etwas für euch sein. Im Comicroman-Stil finden sich überall kleine Kritzeleien und Zeichnungen. Zwischendurch erklärt Knutbert in Infokästen namens «Kratzer am Rande» die Welt aus Katzensicht. Am Ende wartet noch ein Test: Welche Sorte Mensch bist du? (Ich habe mich zu meiner großen Freude als «tauglich» erwiesen.)
Franziska Höllbacher hat das Buch geschrieben und auch gezeichnet. Die Illustrationen sind schwarzweiß, dafür leuchtet der Einband in Neonfarbe und Relieflack. Das Hardcover hat 160 Seiten und ist ab neun Jahren empfohlen. Der zweite Teil erscheint im Frühjahr 2027.
Worst Week Ever: Pechvogel mit Wochenplan
Justin Chase hat Pech und zwar sieben Tage am Stück. Am Montag löst sich im Schwimmbad die von Oma gehäkelte Badehose auf. Am Dienstag geht ein peinliches Video von ihm viral. Und am Mittwoch sitzt er nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel fest, ausgerechnet mit Marvin, den er absolut nicht leiden kann. Wenn du denkst, schlimmer geht es nicht, kennst du den Donnerstag noch nicht: Da hält man ihn für einen Popstar, der genauso heißt wie er, und Justin wird aus Versehen entführt.
Jeder Wochentag bekommt seinen eigenen Band. Laut den Autoren Eva Amores und Matt Cosgrove stammen viele Erlebnisse aus ihren eigenen Leben, nur noch deutlich peinlicher. Wer kein Fan von Fremdscham und Klohumor ist, sollte besser die Finger von den Büchern lassen. Für viele Zehnjährige, für die das Buch empfohlen wird, sollte das wohl keine Hürde sein.
Action Dude rettet die Welt, bevor das Abendessen fertig ist
Wenn im Freizeitpark die Roboter durchdrehen, sind normalerweise Feuerwehr und Polizei gefragt. Im «Urzeitland» liegt die Rettung bei einem Jungen namens Action Dude. Er wohnt noch bei seiner Mutter, kein Wunder, schließlich ist er gerade mal neun Jahre alt. Trotzdem stürzt er sich in waghalsige Stunts, um noch schnell die Welt zu retten, bevor das Abendessen fertig ist.
Erdacht und gezeichnet hat das der preisgekrönte Drehbuchautor Andy Riley («Veep», «Gnomeo und Julia»). Seinen Helden schickt er danach noch weiter: In Band 2 («Stress im All») hat ein Milliardär ein Hotel auf dem Mond gebaut, ohne die Außerirdischen vor Ort zu fragen. Die sind wenig begeistert und drohen mit dem Untergang der Menschheit, falls noch einmal jemand den Mond betritt. In Band 3 («Attacke aus dem Meer») kriechen Meeresungeheuer an Land und im Wasser wartet ein mutierter Riesenhai. Da wird es dann selbst für Action Dude eng.
Der erste Band hat 144 Seiten und ist ab acht Jahren empfohlen. Band 3 erscheint im Mai 2027.
Was zählt: die Freude am Lesen
Ob Comicromane nun als Literatur durchgehen oder nicht, überlasse ich den Feuilletons. Mein Sohn hat jedenfalls nicht gefragt, er hat einfach gelesen und irgendwann sang- und klanglos zum ersten Buch ohne zeichnerisches Beiwerk gegriffen. Wenn dein Kind bei dem Wort «Buch» die Flucht ergreift, probier es doch mal mit Knutbert, Justin oder Action Dude. Vielleicht nehmen sie auch sie oder ihn mit in die wunderschöne Welt des Lesens.
Wissenschaftsredakteurin und Biologin. Ich liebe Tiere und bin fasziniert von Pflanzen, ihren Fähigkeiten und allem, was man daraus und damit machen kann. Deswegen ist mein liebster Ort immer draußen – irgendwo in der Natur, gerne in meinem wilden Garten.
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