Drohne die Fünfte – endlich fliege ich, nur nicht mit meiner Drohne

Manuel Wenk
Manuel Wenk
Zürich, am 26.05.2020
Video: Stephanie Tresch
Schnitt: Manuel Wenk

Ich fliege zum ersten Mal eine Racing-Drohne mit First-Person-View-Brille. Es ist grossartig – obwohl meine Drohne trotz Hilfe weiter am Boden bleibt.

Zum ersten Mal setzte ich die FPV-Brille auf. Ich sehe einige Zeilen zum Zustand der Batterie, der bisherigen Flugdauer und das Bild vom Copter auf einem kleinen, unscharfen Bildschirm. Ich bin etwas nervös. An der Fernbedienung betätige ich den linken Schalter und es wird «ARMED» angezeigt. Die Motoren beginnen zu drehen. Gleich geht’s los. Ich fahre den Throttle-Hebel langsam nach vorne. Die Drohne hebt ab – geil! Und stürzt gleich darauf wieder zu Boden – weniger geil. Ich habe zu wenig Gas gegeben. Beim nächsten Mal klappt’s schon besser. Schade nur, dass ich all das nicht mit meiner eigenen Drohne erlebe.

Drohne die Erste - Ach du verbranntes DingDrohne die Erste - Ach du verbranntes DingVideo
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Drohne die Erste - Ach du verbranntes Ding

Drohne die Zweite: Ein Ausflug ins Prototyping mit Crash-LandungDrohne die Zweite: Ein Ausflug ins Prototyping mit Crash-Landung
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Drohne die Zweite: Ein Ausflug ins Prototyping mit Crash-Landung

Drohne die Dritte – Mit Abheben ist noch nichtsDrohne die Dritte – Mit Abheben ist noch nichtsVideo
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Drohne die Dritte – Mit Abheben ist noch nichts

Ein grosses Dankeschön an die zahlreichen User, die meinem Aufruf mich beim ersten Flug zu begleiten gefolgt sind. Es haben sich viel mehr gemeldet als erwartet. Die Nachricht von Remo hat mich besonders aufgestellt und zum schmunzeln gebracht:

Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen, denn ich habe genau das Gleiche hinter mir! Von kaputt gelöteten FCs über Fehler bei der Verbindung zur Fernbedienung bis hin zu zwei halb aufgeschnittenen Fingern inkl. Notfallaufnahme, weil der Copter beim ersten Flug zu früh gearmt war. Ich hätte fast aufgegeben. Leider hatte ich damals keinen Kumpel, der mir die Sachen beibringen konnte.

Zusätzlich habe ich viele tolle Videos zu Gesicht bekommen, welche ich dir nicht vorenthalten möchte.

Propeller mit Überschallgeschwindigkeit

Es ist kalt und windig. Vor ein paar Stunden hat es zum letzten Mal geregnet. Meine Finger schmerzen schon jetzt von der Kälte. Auf einem riesigen Feld in der Nähe von Zürich treffe ich Till (Instagram/YouTube) und Marvin (Instagram/YouTube). Der 18-jährige Till Ebnöter und der zwei Jahre ältere Marvin Hotz haben sich in der Lehre kennengelernt und teilen dasselbe Hobby. Till fliegt seit rund sieben Jahren und versucht sich für die internationalen Rennen der Drone Champions League zu qualifizieren. Marvin hat zwei Jahre FPV-Erfahrung.

Till und Marvin in ihrem Element
Till und Marvin in ihrem Element

Till bringt sieben Drohnen aufs Feld. Für jeden Zweck eine andere: Racing, Freestyle oder Long-Range. Bevor wir uns an meiner Drohne zu schaffen machen, zeigen mir die beiden ihr Können. Das Surren der Drohnen am Himmel ist Videoproduzentin Stephi etwas zu laut. Till will ihr zeigen, was wirklich laut ist. Er verbindet den Akku mit der Long-Range-Drohne, startet sie und gibt vollgas. Es knallt. Die Drohne stürzt aus 20 Metern Höhe zu Boden. Was ist passiert?

Till holt die Drohne und lacht. Von zwei Propellern ist nichts mehr zu sehen. Till hat absichtlich einen zu starken Akku angeschlossen. Dieser liess die Propeller so schnell drehen, dass sie Überschallgeschwindigkeit erreichten. Das so etwas geht, hätte ich nie für möglich gehalten. Till erzählt mir, dass solche kleineren Materialschäden an der Tagesordnung stehen. Deshalb gehen die beiden nie nur mit einer Drohne aufs Feld.

Tipps und Tricks von den Profis

Nach ersten kritischen Blicken von Marvin und Till bin ich froh über ihr Urteil zu meinem Build. «So weit solide Arbeit, welche mit ein, zwei kleinen Tricks noch besser wird», meint Marvin. Was er damit meint? Er erklärt mir, dass es gefährlich sei, die Kabel von den Motoren zum Regler, dem ESC, offen über die Karbonarme zu führen. Er schneidet einen Propeller zurecht und fixiert ihn mit etwas Klebeband an den Armen. So sind die Kabel vor äusseren Einwirkungen durch Stürze und Propeller geschützt.

Die Drohne ist bereit für den ersten Flug
Die Drohne ist bereit für den ersten Flug

In Betaflight gehen wir die Einstellungen durch und passen wo nötig Parameter an. Meine Motoren drehen alle in die falsche Richtung. Wir ändern das entsprechend. Zudem stellen mir die zwei die Empfindlichkeit meines Copters weniger hoch ein. Das empfehlen sie mir für Einsteiger.

Bevor mich die beiden meine Drohne steigen lassen, drückt mir Till eine seiner alten, ausgeschlachteten Drohnen und eine Fernbedienung in die Hand. Alles Unnötige wie Kamera und FPV-Sendeeinheit fehlen. Damit soll ich meine ersten Versuche machen. Bisher bin ich einfache Consumer-Drohnen von DJI und Co. geflogen. Eine Racing-Drohne ist was ganz anderes. Im Acro-Modus (keinerlei Unterstützung durch Gyroskop, GPS oder dergleichen) muss ich die Drohne nur mit Hilfe der Fernsteuerung möglichst gerade in der Luft halten. Möchte ich nach vorne fliegen, muss ich darauf achten, dass die Drohne nicht gleich mit der Nase in den Boden taucht und immer mit beiden Sticks der Fernbedienung justieren. Nach ungefähr zehn Minuten und einigen, nicht ganz ungefährlichen, Abstürzen bin ich bereit, einen Schritt weiter zu gehen.

Fliegen im Sitzen oder Erbrechen im Stehen

Nach weiteren Instruktionen der beiden setzte ich mich auf einen der Campingstühle, die sie mitgenommen haben. Im Stehen würden gerade Anfänger schnell die Kontrolle über ihren Körper verlieren. Das kann in Übelkeit und Erbrechen enden.

Da sitze ich. Bereit für meinen ersten Flug mit meiner eigens gebauten Drohne. Die Brille ist noch oben und ich «arme» den Copter. Es drehen nur drei Propeller. Mist! Funktioniert die Drohne allen Ernstes schon wieder nicht? Dabei habe ich den ganzen Aufwand betrieben und mich mit Till und Marvin verabredet. Wir schliessen die Drohne wieder an den Computer. Ich bin guten Mutes, dass die beiden erfahrenen Piloten schnell eine Lösung parat haben. Weit gefehlt – alles nützt nichts. Marvin und Till kommen zum Schluss, dass mein ESC kaputt ist. Wie das jetzt schon wieder passieren konnte? Ich weiss es nicht. Ob das Ding jemals fliegen wird? Ich weiss es nicht. Marvin und Till glauben daran. Ich eigentlich auch. Aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass der Weg dahin so steinig ist.

Zum Glück hat Marvin eine kleine, robuste Drohne, welche er mir zur Verfügung stellt. Mit seiner Brille und Drohne gewappnet, setze ich doch noch zu meinem ersten FPV-Flug an. Nach zwei Sekunden stürze ich zum ersten Mal ab. Der zweite Flug dauert länger und ich treffe bereits ein erstes Mal eines der Gates, die Till aufgestellt hat.

Fliegen im Sitzen
Fliegen im Sitzen

Meinen Kopf bewege ich so stark, dass ich rundherum Gelächter höre. Ich merke zwar selber, wie ich meinen Kopf bewege, kann aber nichts dagegen unternehmen. Ich fliege, bis die Drohne keinen Akku mehr hat und freue mich jetzt umso mehr, meine eigene in die Luft zu bringen. Das Fieber hat mich gepackt und ich weiss, dass es nicht meine letzter Race-Drohnen-Flug gewesen sein wird. Ich liebäugle bereits mit einer Cinewhoop (Racedrohne für Filmaufnahmen), obwohl ich genau weiss, dass ich jetzt erstmal meine DIY-Drohne in den Griff bekommen muss.

Bezahltes Lehrgeld

Till und Marvin empfehlen mir einen ESC von Hobbywing. Weil ESC und Flugkontroller zusammen nur rund 20 Franken teurer ist, entscheide ich mich der Einfachheit halber für einen Stack. So lassen sich ESC und Flugkontroller ohne Löten verbinden. Bestimmt eine gute Kombination. Mein bisher bezahltes Lehrgeld beläuft sich somit auf 413 Franken.

So geht’s weiter

Marvin und Till waren eine grosse Hilfe – auch wenn meine Drohne noch immer nicht fliegt. Immerhin konnte ich jetzt endlich ein paar Runden mit einer Drohne drehen. Sie bieten mir auch weiterhin ihre Unterstützung an. Im nächsten Teil kommt Till zu mir nach Hause. Wir bauen dann die Drohne zusammen, programmieren sie und heben damit ab. Versprochen!

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Manuel Wenk
Manuel Wenk

Video Producer, Zürich

Als Multimedia Producer ist es für mich selbstverständlich, Content multimedial aufzubereiten und technologisch immer auf dem neusten Stand sein zu wollen. Bei digitec passiert das meist in Videoform. Kommen neue Produkte wie Kameras, Drohnen oder Smartphones auf den Markt, möchte ich diese am liebsten immer gleich sofort ausprobieren. Zum Glück arbeite ich an der Quelle! Privat zieht es mich meist Richtung Berge. Sei es für Ski | Bike oder Hike.

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