Filmkritik: «Bad Boys For Life» – es hätte schlimmer kommen können

Filmkritik: «Bad Boys For Life» – es hätte schlimmer kommen können

Luca Fontana
Luca Fontana
Zürich, am 15.01.2020

Zum ersten Mal hat Action-Routinier Michael Bay bei einem «Bad Boys»-Film nicht Regie geführt. Das tut dem Franchise gut, auch wenn «Bad Boys For Life» nicht als Film des Jahres in die Geschichte eingehen wird. Spass macht er trotzdem.

Eines vorweg: In dieser Review gibt’s keine Spoiler. Du liest nur das, was aus den bereits veröffentlichten Trailern bekannt ist.


17 Jahre. So viel Zeit liegt zwischen der ersten und der zweiten Fortsetzung. Meine Erwartungshaltung: More of the same, aber viel zu spät. Regie geführt hat überraschenderweise nicht Michael Bay, der die ersten beiden Filme inszeniert hat, sondern das unbekannte, belgische Regieduo Adil El Arbi und Bilall Fallah. Überschaubare Bekanntheit haben sie anno 2015 mit «Black» erlangt, einem von Kritikern gelobten Romeo-und-Julia-Verschnitt im modernen Brüssel.

Regieduo Adil El Arbi und Bilall Fallah
Regieduo Adil El Arbi und Bilall Fallah
cineuropa.org

Dass sich «Bad Boys For Life» nicht nach «more of the same» anfühlt, ist den beiden Jungregisseuren zu verdanken. Das wäre bei Action-Routinier Bay wohl anders gewesen: Sein «6 Underground» auf Netflix zeigt zwar, dass niemand Action bombastischer inszeniert als er – aber auch, dass Bay sich nur selten aus seiner Komfortzone wagt. Clevere Filme wie das 2013er «Pain & Gain» bleiben eine Rarität im schöpferischen Repertoire des Amerikaners.

Adil und Bilall hingegen sind neu im Actiongeschäft Hollywoods. Und «Bad Boys For Life» eine angenehm frische Bad-Boys-Erfahrung. Gar kein so schlechtes Empfehlungsschreiben für künftige Filme, finde ich.

Böse Jungs fürs Leben

Es ist nicht mehr 1995. Detective Marcus Burnett (Martin Lawrence), mittlerweile Grossvater, denkt an Ruhestand. Detective Mike Lowrey (Will Smith) will nichts davon wissen, sieht sich aber als Neumitglied einer aus Jungspunden bestehenden Miami-Police-Department-Einheit mit der Moderne konfrontiert: Computer und Drohnen übernehmen die gute, alte Polizeiarbeit im Drogenmilieu Miamis.

Als ein unbekannter, ruchloser Kartell-Boss, der eine persönliche Rechnung mit Mike offen zu haben scheint, auf den Plan tritt, müssen die zwei alten Haudegen zusammenspannen – ein letztes Mal.

Ein bisschen wie gehabt...

Komplett weg vom Fenster ist Michael Bay nicht. Um sicher zu stellen, dass sich auch der dritte Teil des Franchises zu keiner Sekunde wie etwas anfühlt, das nicht «Bad Boys» sein könnte, hat Bay noch immer seine Finger im Spiel – als Produzent.

Update 20.1.2020: Ist kompletter Chabbis. Jerry Bruckheimer ist als Über-Produzent dabei, nicht Michael Bay. Danke @benmzungu für den Hinweis.

So überrascht es auch nicht, dass die Regisseure Adil und Bilall «Bad Boys For Life» als eine Art Mischung zwischen «Miami Vice» und «Fast and Furious» haben inszenieren dürfen: Generische Drogenkartelle mit genauso generischen Anführern, deren finstere Pläne es aufzuhalten gilt, gibt es auch im dritten Teil. Dazu ausufernde Auto-Verfolgungsjagden, wilde Schiessereien nach missglückten Übergaben und Detektivarbeit in den schillernden Nachtclubs Miamis. Und jede Menge halbnackte Frauen in Bikinis.

«Bad Boys» at its finest.

Die K**** ist mal wieder am Dampfen. Oder wie Marcus es sagen würde: «Sh*t is getting real, n*gga!»
Die K**** ist mal wieder am Dampfen. Oder wie Marcus es sagen würde: «Sh*t is getting real, n*gga!»
Columbia Pictures

Wirklich nötig ist das Wiederholen alter Bad-Boys-Plattitüden nicht. Dass das nicht so schlimm ins Gewicht fällt, wie die Beschreibung oben klingt, liegt an Will Smiths und Martin Lawrences alles überstrahlende Chemie: Noch immer blödeln die beiden rum und kabbeln sich wie ein altes Ehepaar. Noch immer ist das saukomisch anzuschauen; langweilig werden sie nie. Schon gar nicht, wenn der arme Reggie mal wieder Zielscheibe der Witze der Miami-PD-Detectives, die genauso gut Brüder sein könnten, ist.

Dazu kommt das Regietalent der Belgier. Nicht nur fangen sie die Action mit angenehm ruhiger Kameraarbeit ein – sie überraschen mit immer wieder einfallsreichen Szenenübergängen. Manchmal auch mitten in der Action. Etwa, wenn das Wegschwenken in einer Einstellung gleichzeitig das Reinschwenken in die nächste ist.

Das hebt «Bad Boys For Life» zumindest visuell ein wenig von seinen Vorgängern ab. Auch wenn die Bay’sche, von unten gefilmte 360°-Kamerafahrt mit leicht geneigtem Blickwinkel wieder mit an Bord ist.

Zwischenfazit? Laut, brutal und sexistisch. Nichts Neues, also.

…dann aber auch unerwartet erwachsen

Neu ist allerdings, dass die Tonalität des Films wesentlich ernster ist als es die Trailer vermuten lassen. Zumindest zwei Filmdrittel lang. Und wenn es mal nicht rummst, sind die Szenen erstaunlich erwachsen. Zwischenzeitlich ist «Bad Boys For Life» sogar mutig, fast schon reif. Der Film bewegt sich gar aus seiner Komfortzone heraus, wie es unter Bay niemals möglich gewesen wäre. Klamauk und fetzige Sprüche machen endgültigen Konsequenzen und Drama auf persönlichem Niveau Platz. Derweil zeigen Smith und Lawrence, dass sie tatsächlich schauspielern können.

Zwischendurch fühlt sich «Bad Boys For Life» richtig erwachsen an.
Zwischendurch fühlt sich «Bad Boys For Life» richtig erwachsen an.
Columbia Pictures

Sicher: Bei Smith ist das keine Überraschung – «Ali», «The Pursuit of Happyness» oder «Seven Pounds» zeigten sein Talent bereits in der Vergangenheit. Bei Lawrence aber schon. Beim Gucken schrieb ich in Gedanken bereits meine Filmkritik. Etwas im Sinne von: Hey, dieses Bad-Boys-Ding da – für ein Action-Gelage Marke Bay ist das richtig gut!

Dann kommt aber das letzte Filmdrittel.

Es ist, als ob es Michael Bay mit der Seriosität zu bunt geworden wäre; als ob er korrigierend hätte eingreifen wollen. Das unterstelle ich ihm vielleicht zu unrecht.

Update 20.1.2020: Unterstelle ich ihm tatsächlich zu unrecht. Jerry Bruckheimer ist als Über-Produzent dabei, nicht Michael Bay. Danke @benmzungu für den Hinweis.

So kann ich es mir nicht wirklich erklären, wieso der Film alle Glaubwürdigkeit, die er sich zuvor noch aufgebaut hat, über Bord wirft: Auf einmal ist die Ernsthaftigkeit weg und die Charakterentwicklungen, welche die Figuren so interessant gemacht hätten, sind futsch. Es wird wieder rumgeballert, klamaukt und gephrasendreschert. Sachen explodieren, damit sie explodiert sind. Das obligate CGI-Gewitter zum Schluss darf natürlich auch nicht fehlen.

Da ist sie wieder, die altbekannte Michael-Bay-Formel aus den ersten beiden Filmen. Gähn.

Fazit: Gar nicht so übel, wie erwartet

Wem will ich etwas vormachen? Wer «Bad Boys For Life» im Kino schauen geht, der weiss, was ihm blüht. Vor allem, wenn DJ Khaled mitspielt. Nein, du hast dich nicht verlesen. Aber ganz ehrlich: Nicht unterhaltsam ist anders. Ich habe Schlimmeres befürchtet.

Immer noch saucool: Smith und Lawrence.
Immer noch saucool: Smith und Lawrence.
Columbia Pictures

Denn Will Smith und Martin Lawrence sind alte Hasen, die sogar noch mehr Hirnrissigkeit spielend auf ihren Schultern hätten tragen können, ohne, dass es gestört hätte. Zudem schafft es das belgische Regieduo um Adil und Bilall, dem Film so etwas wie Glaubwürdigkeit zu verleihen – zumindest zwei Drittel lang. So ist «Bad Boys For Life» die meiste Zeit über ein prima funktionierendes, wenn auch nicht allzu anspruchsvolles Actiongelage.

Nicht mehr, nicht weniger.


«Bad Boys For Life» kommt am 16. Januar 2020 in die deutschen und deutschschweizer Kinos. In der Romandie kommt der Film am 22. Januar ins Kino, im Tessin einen Tag später.

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Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.» 


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