Fototipp: Schattenspiele machen dein Bild interessanter

Fototipp: Schattenspiele machen dein Bild interessanter

David Lee
David Lee
Zürich, am 16.04.2020
Mitarbeit: Thomas Kunz
Bilder: Thomas Kunz

Zuhause gibt’s nichts Spannendes zu fotografieren? Kann gut sein. Doch mit dem richtigen Licht und dem richtigen Schatten werden die banalsten Motive interessant.

Spannende Fotos zu machen, ohne das Haus zu verlassen – geht das? Nicht zufällig lautet einer der besten Tipps: Raus aus den eigenen vier Wänden! Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, ist wichtiger, als die beste Kamera zu besitzen.

In meinem Fall kommt hinzu, dass meine Wohnung nicht fotogen ist. Ich besitze kaum dekorative Gegenstände. Das meiste rund um mich herum ist unästhetischer Gebrauchskrempel. Zum Beispiel Kabel und Adapter. Zeug, das ich nicht mal sehen, geschweige denn fotografieren will.

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HintergrundAudio

1 von 346277 Adaptern, die ich später vielleicht mal noch brauche

Doch mit einem einfachen Trick werden auch die langweiligsten Gegenstände spannend: Mit Schattenspielen. Hier ein USB-Kabel.

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Harte Schatten brauchen hartes Licht

Natürlich habe ich die Idee von Tom, unserem Fotografen, und er hat sich zuhause auch gleich für ein paar Beispiele ans Werk gemacht. Tatort Küchentisch, morgens um zehn Uhr.

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Was wir wollen, sind Schwarzweissbilder mit harten Kontrasten. Dafür benötigen wir hartes Licht. Oft unternehmen Fotografen einen grossen Aufwand, um das Licht möglichst weich und ausgewogen hinzubringen, mit Softboxen, Reflektoren und anderen Hilfsmitteln. Hartes Licht gilt als schwierige Lichtsituation. In diesem Fall ist es aber zwingend nötig, da bei einem bewölkten Himmel die Schatten zu wenig klar herauskommen.

Du kannst einen harten Schatten auch mit einer LED-Taschenlampe erzeugen, aber nur, wenn es dunkel ist. Ansonsten überstrahlt das diffuse Tageslicht den Schein der Lampe.

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Obwohl das Licht der Mittagssonne am härtesten ist, eignen sich der Morgen oder der späte Nachmittag besser. Bei hohem Sonnenstand geraten die Schatten zu kurz.

Welche Sujets?

Zwar lassen sich auch weniger ästhetische Objekte gut inszenieren, doch es ist nicht völlig egal, was du nimmst. Ein naheliegender Gedanke ist, dass der Schatten des Sujets möglichst komplex sein sollte. Eine Gabel wirft einen interessanteren Schatten als ein Messer oder ein Löffel. Gläser erzeugen durch ihre Transparenz und ihre Reflexionsfähigkeit spannende Schatten. Dasselbe gilt für Objekte mit Löchern.

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Längst nicht jeder komplizierte Schatten erzeugt auch ein gutes Bild. Und interessanterweise klappt auch das Gegenteil sehr gut. Nehmen wir zum Beispiel einen Würfel. Eine langweiligere Form gibt es kaum. Doch die simple Geometrie und ihr Schatten erzeugen sehr klare Formen und Linien. In Kombination mit Schwarzweiss und harten Kontrasten wirkt das erst recht streng. Alles ist maximal vereinfacht. Das hat eine ähnliche Wirkung wie ein Logo.

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Bearbeitung

Das Bild wird in Schwarzweiss umgewandelt und der Kontrast erhöht. Das kannst du auf verschiedene Arten tun. Die einfachste ist der Kontrast-Regler, den es überall gibt. In Lightroom hat Tom den Kontrastwert nicht angerührt, dafür die Tiefen und den Schwarzwert gesenkt, um ganz dunkle Schatten hinzubekommen. Die Lichter- und Weisswerte wurden etwas erhöht. Zusätzlich hat Tom die Gradationskurve zu einer S-Form geändert, was den Kontrast zusätzlich erhöht. Bei Bedarf kannst du den Regler «Klarheit» leicht anheben, um die Konturen noch stärker zu betonen..

Je nachdem, wie hart das Licht und die Schatten bereits bei der Aufnahme sind, musst du mehr oder weniger stark eingreifen. Es gibt keine feste Regel.

Ideen weiterentwickeln

Etwas Simples hat den Vorteil, dass es sich weiterentwickeln lässt. Im Fall des Würfels muss es nicht schwarzweiss sein. Das Bild ist auch in Farbe noch einfach genug. Durch Wiederholung kannst du das Motiv zu einem Muster umfunktionieren. Dieses Bild als Wallpaper herunterladen

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Ein in der Mitte gefaltetes Blatt Papier lässt sich auf den Tisch stellen, um den Lichtspalt zu verengen. Dazu solltest du eine Taschenlampe oder dein Smartphone verwenden. Wenig Aufwand, ziemlich hoher Ertrag. Tom hat die Taschenlampe mit Klebeband auf das Stativ geklebt. Noch einfacher geht es, wenn dir eine Person das Licht hält.

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Hat zwar nichts mehr mit dem Thema Schatten zu tun, aber wenn du Papier und Taschenlampe schon auf dem Tisch hast, versuch mal, das Papier zu beleuchten.

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Schatten regen die Fantasie an

Wenn du zufälligerweise Vincent Bal heisst, kannst du in jedem Schatten eine Figur sehen und diese durch Zeichnungen für alle sichtbar machen. Wenn nicht, bringen dich seine Bilder auf Ideen, welche Gegenstände spannende Schatten werfen.

Bild: Vincent Bal
Bild: Vincent Bal

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David Lee
David Lee

Senior Editor, Zürich

Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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