

Ich cruise mit dem Hackenporsche durch die Stadt
Ein Einkaufstrolley? Für mich klang das lange nach Altersheim. Heute rolle ich damit freiwillig durch die Stadt.
«Ein bisschen peinlich ist es ja schon», denke ich, als ich das erste Mal mit einem Einkaufstrolley das Haus verlasse. Auf dem Land, wo ich aufwuchs, hatten nur Pensionierte «Poschtiwägeli». Für mich waren sie die Vorstufe zum Rollator. Ein weiterer Schritt in Richtung Rentenalter.
Doch meine Wocheneinkäufe wie ein Packesel nach Hause schleppen? Darauf hatte ich keinen Bock, als ich in die Stadt zog. Genauso wenig wollte ich mir ein Auto zulegen, wenn ich alles mit dem ÖV erreiche.
So beschloss ich, statt eines Vorstadtpanzers einen Hackenporsche zu kaufen.
Zwischen Klapperkiste und Luxusschlitten
Die Auswahl im Galaxus-Sortiment ist riesig: Es gibt Klapperkisten ab 16 Franken und Shopper-Bentleys für bis zu 400 Franken. Das Fassungsvermögen reicht von 25 bis über 100 Liter. Letztlich wird es ein wendiger Mittelklasse-Shopper: Rolser Eco Pep 2L.
- Beschleunigung von 0 auf 5 km/h in unter zehn Sekunden
- 40 Liter Kofferraumvolumen
- Zweifussantrieb
- Leichtbau-Chassis in Aluminiumoptik
- Cabriodach
- Aerodynamische Klappkonstruktion
- Kreislaufoptimierte Materialarchitektur (aus 100 Prozent recycelter Baumwolle und PET)
Doch wie fährt sich der Rolser Eco Pep 2L, von mir liebevoll «Rolser Royce» getauft?
Erste Probefahrt
Migros, Bahnhof Enge in Zürich. Ich kurve durch die Tiefkühlstrasse und biege an der Backecke ab. Der Einkaufstrolley ist wendig, er lässt sich leicht steuern. Und auch die schmale Bauweise ist zwischen den Regalen von Vorteil.
Das Fassungsvermögen habe ich jedoch überschätzt. Die letzten zwei Packungen Cherrytomaten sind eine zu viel. Die Tasche droht von der Ladefläche zu rutschen. Ich muss sie hochziehen und wieder zurechtrücken. Und der Deckel, der nur mit einem Metallring beschwert ist, lässt sich auch nicht schliessen. Ein Knopf oder Klettverschluss wäre hilfreich. So bin ich gezwungen, im halb geöffneten Cabrio weiterzufahren.

Komfortabel bis zur Haustür
Nichts wie zurück nach Hause. Ich hieve den Trolley in den Bus. Das funktioniert problemlos, bis das Fahrzeug über eine holprige Strecke rumpelt. Der Trolley droht umzukippen. Ich muss ihn umplatzieren und seitwärts einparken. Herrgott, ausgerechnet das! Immerhin: Parallel zur Fahrtrichtung steht er etwas stabiler.
Als der Bus anhält, hebe ich meinen Einkaufswagen aus dem Fahrzeug und rolle nach Hause. Es ist fast, als flöge ich: keine schmerzenden Oberarme, keine eingeschnittenen Finger, kein Anhalten und Abstellen.

An der Steigung scheitert der Royce
Doch dann stehe ich vor einem unüberwindbaren Hindernis: der Treppe zur Wohnung. «Hieven oder Rollen?», überlege ich. Die erste Treppe mache ich auf Muskelprotz (wer Liegestützen kann, sollte auch ein «Omi-Wägeli» anheben können). Tja, denkste. Der Trolley ist zu schwer für zwei Stockwerke. Also ziehe ich ihn bis zur nächsten Stufe, kippe leicht zurück, ziehe wieder und werfe mein Gewicht erneut nach vorne. Wie ein schlecht eingestelltes Metronom pendle ich die Treppe hoch.
Erst Tage später, als der Trolley zusammengeklappt im Keller verstaut ist, entdecke ich: Es gibt auch Offroad-Modelle Treppensteiger-Modelle mit drei Rädern auf jeder Seite. Naja. Hinterher war ich schon oft schlauer. Mittlerweile tragen wir den Rolser Royce nur noch zu zweit die Treppe hoch.
TÜV bestanden – mit Verbesserungspotenzial
Mein Fazit: Der Rolser Eco Pep 2L hat kleine Schwächen. Andere Modelle von Marken wie Andersen oder reisenthel bieten da, abgesehen vom Design, schon mehr – teilweise sogar zum gleichen Preis.
Trotzdem hat sich mein Kauf gelohnt. Mein Rolser Royce ist ein überraschend komfortabler City-Flitzer, der meinen Alltag vereinfacht hat. Ich schleppe nie mehr Taschen. Nicht einmal Einkaufskörbe, da ich Lebensmittel direkt scanne und einpacke. Mein Rücken und meine Schultern danken es mir. Und wenn ich schwere Last wie Altglas, Blumenerde oder Pakete transportieren muss, fädle ich einfach den Behälter aus dem Gestell und befestige alles mit Spanngurten auf der Ladefläche.

Dass Einkaufstrolleys nur etwas für alte Leute sind, habe ich hinter mir gelassen. In der Stadt düsen genauso viele junge wie alte Personen damit herum. Und ja, auch Männer. Mein Chef ist einer davon.
Wenn ich heute noch jemanden sehe, der sich mit Einkaufstüten abmüht, denke ich nur noch: «Ein bisschen peinlich ist es ja schon.»
Würdest du mit einem Einkaufstrolley rumfahren? Schreibe es in die Kommentare.
Fazit
Tschüss Tragetaschen
Pro
- hübsch
- leicht
- 40 Liter Fassungsvermögen/40 Kilogramm Traglast
- aus 100 Prozent recycelter Baumwolle und PET
- platzsparend und zusammenklappbar
Contra
- nicht immer stabil
- kein Klett oder Knopf zum Verschliessen
- keine Treppensteigfunktion
- etwas schmale Ladefläche
Ich liebe alles, was vier Beine oder Wurzeln hat – besonders meine Tierheimkatzen Jasper und Joy sowie meine Sukkulenten-Sammlung. Am liebsten pirsche ich auf Reportagen mit Polizeihunden und Katzencoiffeurinnen umher oder lasse in Gartenbrockis und Japangärten einfühlsame Geschichten gedeihen.
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