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Warner Bros.
Hintergrund

«Inception» im IMAX: Ein Gedanke, so gross wie die Leinwand

Luca Fontana
24.2.2026

Was ist real? Diese Frage stellt uns «Inception» – und verweigert die Antwort. Doch vielleicht liegt die Wahrheit genau darin: dass nicht Fakten, sondern Emotionen unser Leben bestimmen. Jetzt kehrt der Film zurück auf die grosse IMAX-Leinwand.

Ich weiss noch, wie wir alle den Atem anhielten, als der Kreisel drehte. Und drehte. Und drehte. Wie der plötzliche Schnitt auf Schwarz kam – wie ein Schlag in die Brust. Und dann … Stille. Nicht nur im Bild, sondern auch im Ton. Hans Zimmer, der uns zuvor mit orchestraler Wucht durch die Traumebenen getragen hatte, zog uns im exakt richtigen Moment den Boden unter den Füssen weg.

Ob Cobb noch träumt?

«Inception» verweigert uns die Antwort und schenkt uns stattdessen etwas viel Grösseres: Freiheit. Denn wir sollen selbst entscheiden, ob das Leben, das Cobb am Ende lebt, echt ist. Ob es zählt.

Ob es reicht.

Jetzt kehrt der Film zurück. Und zwar dorthin, wo er uns einst den Verstand geraubt hat: auf die IMAX-Leinwand. In Originalsprache und ohne Untertitel.

Am Sonntag, 15. März, zeigen wir «Inception» in allen Pathé-IMAX-Kinos der Schweiz in Kooperation mit The Ones We Love und Pathé Schweiz. Damit lösen wir ein altes Versprechen ein: Vergangenen Juli hattet ihr in unserem Voting fürs nächste IMAX-Spektakel für «Inception» gestimmt. Und genau den Streifen sollt ihr jetzt bekommen.

Hier geht’s zu den Tickets in Spreitenbach, Ebikon (Mall of Switzerland), Bern (Westside) und Balexert:

Sonntag, 15. März: 10:45, DE: Spreitenbach | Ebikon | Bern
Sonntag, 15. März: 14:00, EN: Spreitenbach | Ebikon | Bern | Balexert

DE = Deutsche Synchronisation.
EN = Englisch ohne Untertitel.

So, und nachdem ihr losgestürmt und euch eure Tickets besorgt habt, lade ich euch ein, noch einmal zu träumen. Vielleicht sogar tiefer als je zuvor. Lehnt euch zurück. Spielt im Hintergrund Hans Zimmers «Time» – und lasst euch fallen.

Vorsicht: Spoiler.

Die Saat des Zweifels

Alles beginnt mit einem Gedanken.

Einem kleinen, fast unscheinbaren Impuls. Einem Begehren. Einem Wunsch. Und plötzlich wächst da etwas in uns, das nicht mehr weggeht. Das uns verändert und unser ganzes Handeln unterwandert: eine Inception.

Das zumindest erklärt uns Regisseur Christopher Nolan. Wobei genau das vielleicht die grösste Täuschung ist, die er uns je untergejubelt hat: Dass sein Film eigentlich gar nicht von Träumen und ihren komplexen Strukturen handelt, sondern von Ideen. Von Überzeugungen, die sich in uns einnisten. Von Obsessionen, die wir nicht mehr loswerden, und wie sie uns in den Abgrund zu reissen drohen.

Cilian Murphy spielt in fast allen Nolan-Filmen mit – aber erst in «Oppenheimer» schaffte er’s zu seiner Hauptfigur.
Cilian Murphy spielt in fast allen Nolan-Filmen mit – aber erst in «Oppenheimer» schaffte er’s zu seiner Hauptfigur.
Quelle: © 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Wir erinnern uns: Dom Cobb, gespielt von Leonardo DiCaprio, ist ein Meisterdieb. Nur dass er nicht in Häuser einbricht, sondern in Träumen. Für einen letzten grossen Coup soll er allerdings kein Geheimnis aus dem Unterbewusstsein seines Zielobjekts stehlen. Er soll ihm dort etwas einpflanzen: eine Idee. Damit das funktioniert, muss er in die tiefsten Tiefen der Traumwelten seines Ziels eindringen. Das ist gefährlich – deshalb hat es auch niemand zuvor je gewagt.

Doch je tiefer Cobb steigt, desto klarer wird: Es geht hier nicht um Reichtum oder Tresore. Ja, nicht einmal um Macht. Es geht um Kontrolle. Denn wie viel von dem, was wir glauben, gehört wirklich uns? Und wie viel davon wurde uns eingepflanzt? Nicht mal durch fiktive Traumdiebe wie im Film. Vielmehr durch alles, was wir für unsere eigenen Ideen und Überzeugungen halten, weil sie in uns durch Erziehung, Angst, Medien, Liebe oder Verlust früh genug gesät wurden.

Dabei ist eine «echte» Inception gar nicht das Einpflanzen einer Idee, postuliert Cobb im Film. Es ist das Säen eines Zweifels. Eines inneren Konflikts, der unaufhaltsam keimt und langsam die Kontrolle übernimmt. Irgendwann ist er so gross, dass er all unsere Entscheidungen beeinflusst, ohne dass wir es bemerken. Das macht eine Inception so mächtig, ja. Aber auch gefährlich.

Und perfide.

«Inception», der Film, ist bloss auf den ersten Blick ein gigantisches Gedankenexperiment über Träume, der sich geschickt als Heist-Movie zu tarnen versucht – als letzte Chance eines Mannes, der vorgibt, die Kontrolle zu haben. In Wahrheit geht es jedoch um das, was wir mit uns herumtragen, wenn wir wach sind: die Ideen, die Obsessionen, Zweifel und Gefühle, die uns antreiben. Oder aufhalten. Die uns schützen.

Oder auffressen.

Schuld und Schatten

In Cobbs Fall ist das ein sich immerzu drehender Strudel aus Schuldgefühlen und Scham, der ihn mahlstromartig in ein nie enden wollendes Loch zu ziehen droht. Nicht nur sinnbildlich, sondern auch buchstäblich. Man denke da nur an sein Totem – einen unaufhörlich kreiselnden Kreisel – und die vielen Traumebenen in Robert Fischers Unterbewusstsein.

Cobbs Totem, ein Kreisel, Symbol für den unendlichen Strudel aus Schuldgefühlen und Scham, den sich Cobb stellen muss.
Cobbs Totem, ein Kreisel, Symbol für den unendlichen Strudel aus Schuldgefühlen und Scham, den sich Cobb stellen muss.
Quelle: © 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Manifestiert hat sich dieser Strudel in Form von Mal, seiner verstorbenen Frau, die immer dann erscheint und alles ins Wanken bringt, wenn Cobb zu tief in andere Menschen Träume vordringt. Nicht etwa, weil sie es will. Cobb will es. Oder zumindest sein Unterbewusstsein, das Mal als blasse Erinnerung aus Schuld und Scham geformt hat, damit Cobb sie nicht vergisst. Oder besser: Weil Cobb noch nicht bereit ist, sie gehen zu lassen und sich damit einzugestehen, was er getan hat.

Denn es war Cobb, der die für unmöglich gehaltene Inception tatsächlich schon einmal vollzogen hat – an Mal. Als sie Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte, im Limbus verbracht hatten, der tiefsten aller Traumebenen, verlor Mel die Fähigkeit, Realität und Traum zu unterscheiden. Also pflanzte Cobb ihr den verheerendsten aller Zweifel ein: den an die Realität selbst. Oder zumindest an das, was sie als Realität empfindet.

Nur so würde sie freiwillig mit ihm in den Freitod gehen: Die einzige Möglichkeit, wie man aus dem Limbus erwachen kann – sofern man noch fähig ist, ihn als solchen zu erkennen.

Gefühlte Jahrhunderte lang vergassen sich Cobb und Mal im Limbus – bis Cobb eine folgenschwere Entscheidung traf.
Gefühlte Jahrhunderte lang vergassen sich Cobb und Mal im Limbus – bis Cobb eine folgenschwere Entscheidung traf.
Quelle: © 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Aber die Inception setzte sich in Mal fest wie ein Virus. Sie wuchs und gedeihte von den tiefsten über die höchsten Traumebenen bis hin zur eigentlichen Realität. Weil Mal jetzt auch diese für einen Traum hielt – natürlich –, beging sie Selbstmord. Das war Cobbs Schuld. Cobb, der zwar mit gutem Willen handelte. Aber während Mal die Fähigkeit verlor, Träume von Realität zu unterscheiden, nahm Cobb ihr auch die Fähigkeit, Realität von Träumen zu unterscheiden.

Das Tragische daran: Cobb hat die Fähigkeit inzwischen auch nicht mehr.

Katharsis im Traum

Genau da liegt der Kern des Films: Nicht darin, ob Cobb am Ende noch träumt oder nicht. Das sind Diskussionen, über die es schon zig Abhandlungen gibt, obwohl sie komplett an Nolans Absicht vorbeizielen. Vielmehr geht es darum, ob Cobb endlich bereit ist, sich seiner Schuld zu stellen. Nicht durch Strafe. Sondern durch Akzeptanz.

Denn was er wirklich sucht, ist kein Eintrag im Pass, Rückflugticket in die Staaten, um seine Kinder endlich wiedersehen zu dürfen oder Freiheit im juristischen Sinne, wie er seinem Team und indirekt auch uns Zuschauenden vorgaukelt. Er sucht Befreiung im innersten Sinn: von der lähmenden Angst, etwas Unverzeihliches getan zu haben. So unverzeihlich sogar, dass sich jeder einzelne Atemzug wie Verrat anfühlt.

Visuell ist «Inception» einer von Nolans faszinierendsten Werken.
Visuell ist «Inception» einer von Nolans faszinierendsten Werken.
Quelle: © 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Der letzte Job, die Inception bei Robert Fischer, ist deshalb mehr als ein Mittel zum Zweck. Cobb pflanzte einst Zweifel bei seiner Frau ein und verlor alles. Das Team will bei Fischer etwas Neues versuchen. Kein Zweifel. Sondern eine Lüge. Das klingt paradoxerweise zwar schlimmer, ist es aber nicht. Die Lüge ist nämlich, dass Fischers Vater ihn doch geliebt habe. Dass er eben doch nicht nur für den Konzern und dessen Nachfolge geboren wurde und stattdessen ein eigenes Leben führen darf und soll.

Es ist ein Trugbild. Ja. Und trotzdem wirkt es. Weil es nicht auf Logik basiert, sondern auf Emotionen. Auf Katharsis. Die Lüge mag konstruiert, manipulativ, vielleicht sogar zynisch sein. Und doch ist sie genau das, was Fischer braucht, um sich von seinem Vater zu lösen und endlich weiterziehen zu dürfen.

Wahrheit oder Lüge, Traum oder Realität – das spielt nur eine untergeordnete Rolle. Denn was zählt, ist, was die Inception in Fischer auslöst: Heilung.

Cobb kann seine Kinder erst wiedersehen, wenn er sich selbst verziehen hat – auch im Traum.
Cobb kann seine Kinder erst wiedersehen, wenn er sich selbst verziehen hat – auch im Traum.
Quelle: © 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Das ist der eigentliche Punkt. Das ist es, was uns Nolan mit «Inception» sagen will: Dass die emotionalen Erfahrungen, die wir im Traum machen, genauso real sind wie die Emotionen, die wir im Wachleben erleben. «Inception» will uns also gar nicht sagen, was Realität, Ideen, Zweifel oder Lügen sind, sondern bloss, wo sie entstehen: im Innersten unseres Erlebens. In den Emotionen, die uns prägen. In der Erlösung, die wir fühlen.

Ob das alles nur im Traum oder im Wachsein passiert, spielt keine Rolle. Denn beides – das sagt uns dieser Film – ist gleichwertig.

Der Traum reicht

Genau das begreift Cobb. Vielleicht zum ersten Mal. Und so stellt er sich seiner Schuld: Er gesteht sich ein, dass die von seinem Unterbewusstsein erzeugte Mal nicht real ist. Dass kein Traum, kein Konstrukt und kein Schatten je die echte Mal ersetzen kann. Und dass er sie loslassen muss, um aus dem Limbus raus und zu sich selbst zurückzukehren. Dann geschieht etwas, das stärker ist als jede Totem-Regel: Cobb vergibt sich selbst – und erwacht.

Vielleicht.

Ja, es gibt Theorien, die beweisen, dass Cobb noch träumt. Oder es eben nicht tut. Aber falls er noch immer träumt, dann zumindest ohne Angst. Ohne Schuld. Ohne den Zwang, alles zu hinterfragen. Cobb hat entschieden, dass das Leben, das er jetzt lebt, echt ist. Dass es zählt. Dass es reicht. Die Gesichter seiner Kinder sieht er jetzt. Nicht bloss verschwommen. Nicht bloss verdeckt. Sondern klar und voller Licht.

Voller Leben.

Dann dreht er den Kreisel. Und geht.

Titelbild: Warner Bros.

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


Hintergrund

Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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