

Laufen und Longevity – darauf solltest du achten
Laufen hält jung und gesund – aber nur, wenn keine Verletzungen auftreten und dein Körper mitmacht. Luise Walther, Expertin für neurozentriertes Training, gibt Tipps, wie du die Bewegungsqualität mit einfachen Übungen verbessern kannst.
Vor Kurzem war es mal wieder so weit: Geburtstag. Und damit bin ich offiziell ein Jahr älter. Vorweg: Egal, was die Zahl sagt, ich fühle mich jung und habe noch einige sportliche Abenteuer geplant. Dazu zählen auch lange Läufe auf schmalen, bergigen Trails.
Klar, dass mich das Thema «Laufen und Longevity» interessiert. Den Vortrag von Autorin und Sportlerin Luise Walther auf der Sportmesse ISPO beim «Runner’s World»-Symposium wollte ich mir keinesfalls entgehen lassen. Nicht, weil ich unbedingt länger leben will. «Länger als was?», frage ich mich.
Sondern weil ich wissen möchte: «Wie kann ich die verbleibenden Jahre so aktiv, lebendig und abenteuerlustig wie möglich leben? Wie kann ich auch in zehn, 15, 20 Jahren über Stock und Stein hüpfen, ohne Schmerzen, Verletzungen und ständige Wehwehchen?»
Bewegungsqualität ist entscheidend
«Dass Bewegung jung hält, wissen wir bereits», sagt Luise, die sich auf neurozentriertes Training spezialisiert hat. Ein Blick in die Daten verrate, dass regelmässiges Laufen die Lebenserwartung um drei bis sechs Jahre erhöhe. Es verbessere die Herz-Kreislaufgesundheit, die Stressresistenz, die kognitiven Funktionen und die mentale Gesundheit.
Die wirklich wichtige Frage sei deshalb: «Ermöglicht dir dein Nervensystem, so zu laufen, dass du jung bleibst?». Denn nur wer Verletzungen und Fehlbelastungen vermeide und dadurch regelmässig joggen könne, profitiere von den gesundheitsfördernden Eigenschaften des beliebten Sports.
«Die Qualität der Bewegung ist entscheidend», betont sie. Deshalb würden sich beim Fokus auf Langlebigkeit auch die Prioritäten verschieben. Weg von: möglichst schnell und möglichst weit. Hin zu: hoher Bewegungsqualität, ausreichender Erholung, sensomotorischer Stabilität, einer verbesserten Fuss-Gehirn-Verbindung und einer beweglicheren Hüfte.
Das Nervensystem altert und beeinflusst die Bewegung
Luise ist Spezialistin für neurozentriertes Training, einer Trainingsform, bei der das Nervensystem eine entscheidende Rolle spielt. Viele Leistungssportlerinnen und -sportler schwören auf ergänzendes Neuroathletik-Training, bei dem Balance, Reaktionsfähigkeit, die Präzision der Bewegung und der gezielte Krafteinsatz verbessert werden sollen. Die Übungen scheinen dennoch teils ungewohnt: Sie beinhalten neben Mobilitäts- und Gleichgewichtsübungen auch Augentraining. Selbst die Position der Zunge spielt eine Rolle.
Wissenschaftlich ist die Wirksamkeit des Neuroathletik-Trainings nicht eindeutig belegt. Während Studien wie diese zur Griffkraft keine Effekte im Vergleich zu konventionellem Training zeigen, finden andere wie diese bei Volleyball-Leistungssportlern Verbesserungen in Kraft, Flexibilität und Stabilität. Ob diese Art des ergänzenden Trainings etwas für dich ist, musst du selbst entscheiden. Mein Ansatz: Ausprobieren will ich es auf jeden Fall.
Übungen zum Ausprobieren
Bei ihrem Vortrag fordert Luise das Publikum auf, mit geschlossenen Augen auf einem Bein zu balancieren, während das andere Bein an der Hüfte im 90-Grad-Winkel angehoben wird. Gar nicht so einfach. Ich persönlich bin dennoch oder gerade wegen der Challenge ein grosser Fan solcher Übungen. Denn selbst wenn die Wirksamkeit des Neuroathletik-Trainings in Studien bisher nicht eindeutig gezeigt werden konnte, sind Balance- und Stabilitätsübungen für fast alle Sportarten vorteilhaft. Und da die Balance mit dem Alter abnimmt, bin ich noch motivierter als zuvor, diese stärker zu trainieren.
Auch das Hüftpendel ist einer meiner neuen Favoriten. Die oben beschriebene Übung bleibt gleich, doch die Augen dürfen geöffnet werden. Dann schwingt der Unterschenkel des angehobenen Beins nach rechts und links. Das ist auch eine ziemliche Herausforderung. Doch meiner Hüfte tut die Bewegung gut, sie fühlt sich anschliessend lockerer und beweglicher an. Diese Übung eignet sich auch zum Aufwärmen vor dem Laufen.
Da Gleichgewicht und Sehen stark gekoppelt sind, bin ich auch bei den Augen- und Nackenübungen voll dabei. Dabei geht es darum, den Daumen im Visier zu behalten, während sich der Kopf nach oben, unten, links und rechts bewegen. Ja- und Nein-Sager heissen diese Übungen. Im Video siehst du die Ja-Sager-Variante.
Regelmässiges Üben für Langlebigkeit
Die empfohlenen Übungen brauchen nicht viel Zeit und lassen sich ins Aufwärmen vor dem Laufen, aber auch in den Alltag integrieren. «Kleine Inputs täglich ausgeführt können eine grosse Wirkung entfalten», sagt die Neuroathletik-Expertin, die selbst mit Begeisterung läuft und an Hyrox-Wettkämpfen teilnimmt.
«Laufen verlängert das Leben. Neurozentriertes Training sorgt dafür, dass du länger laufen kannst», fasst sie ihre Philosophie zusammen. Denn neben gutem Schlaf, Erholung, Ernährung und sozialen Kontakten ist Bewegung eine der Säulen, die uns hilft, gesund alt zu werden.
Wenn du tiefer in die Themen Langlebigkeit und Neuroathletik-Training aus Sicht von Luise Walther einsteigen und ihre Erfahrungen und die aus ihrem Coaching-Alltag besser kennenlernen möchtest, sind diese Bücher vielleicht etwas für dich:
Willst du dir einen Überblick über Neuroathletik-Training verschaffen, findest du hier Bücher von Lars Lienhard, der den Trainingsansatz im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht hat und zum Betreuerteam der deutschen Fussballnationalmannschaft und des deutschen Leichtathletik-Olympia-Teams gehörte.
Forschungstaucherin, Outdoor-Guide und SUP-Instruktorin – Seen, Flüsse und Meere sind meine Spielplätze. Gern wechsel ich auch mal die Perspektive und schaue mir beim Trailrunning und Drohnenfliegen die Welt von oben an.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
Alle anzeigen





