Meinung

Lovestory und Katerstimmung: Von der Stereoanlage zur Eierpfanne

Daniel Ramm
03.12.2020

Was ist dein allerliebstes Tech-Teil? Und welches Gerät würdest du am liebsten sofort aus dem Fenster werfen? Auf diese Fragen haben wir ein paar überraschende Antworten gefunden – bei anderen, aber auch bei uns selbst. Und nein: «Mein Handy» ist nicht dabei (weder auf der einen, noch auf der anderen Seite)

Technik ist überall. Sie begleitet uns durchs Leben, macht unseren Alltag schneller, schöner, einfacher oder aufregender. Aber manchmal treibt Technik uns auch in den Wahnsinn. Wenn sie nicht so will, wie wir wollen, oder es uns partout nicht gelingt, sie zum Laufen zu bringen. Eine kurzer Betrachtung zweier absoluter emotionaler Ausnahmezustände.

Tech-Liebling «Meine gute, alte Technics-Anlage»

Ich nutze sie nur noch selten. Scheinbar unbeachtet stehen mein Amplifier SU-V470 von Technics und der dazugehörige CD-Player SL-PG340A zwischen Bildbänden, Reiseführern, Aktenordnern, Schubern und Schachteln in einem übervollen Regal im Wohnzimmer. Doch auch wenn ich nur alle paar Monate eine CD einschiebe oder mein Smartphone anschließe – meist wenn Freunde zu Besuch sind –, so unbeachtet sind die beiden gar nicht.

Immer mal wieder fällt mein Blick im Vorbeigehen auf die zwei schwarzen, matt glänzenden Klötze mit ihren wenigen runden Knöpfen. Und schon steigt es wieder in mir auf, dieses warme vertraute Gefühl. Es stammt aus einer Zeit, in der ich ungefähr 15 Jahre alt war. Es muss Anfang der 1990er Jahre gewesen sein. Im einzigen Elektrofachgeschäft unserer welt vergessenen Kleinstadt betrachtete ich den Technics-HiFi-Turm zum ersten Mal von allen Seiten, während mein Vater sich mit dem Verkäufer über allerlei Fachbegriffe austauschte, die ich nicht verstand. Ich fühlte damals nur, dass das hier ein besonderer Moment war, eine Etappenziel auf dem Weg zum Erwachsenwerden: die erste eigene Anlage.

Von jenem Tag an habe ich viele glückliche, manchmal sehr laute Stunden und Tage mit ihr verbracht. Sie hat zahlreiche Umzüge überstanden, hat mich durch halb Deutschland begleitet, sogar bis nach Wien. Erst wenn meine Anlage in einem neuen Zuhause stand, war ich angekommen. Und auch wenn von ihr heute nur noch das Fundament übrig geblieben ist, wenn Doppelkassettendeck und Stereo-Receiver längst aussortiert wurden und ich den CD-Player mit Verstärker nur noch ab und an mal einschalte, so ist es mir doch wichtig, dass es sie gibt, dass sie ein Plätzchen irgendwo inmitten meines Lebens haben, dass sie immer noch da sind, diese beiden treuen Weggefährten. Sie werden bleiben, noch lange, vielleicht ein Leben lang, mein Leben lang.

Geräte-Gau: «Diese dämliche Eier-Pfanne!»

Ich fasse den Technikbegriff jetzt mal sehr weit Denn dann ist mein letzter großer Tech-Horror gerade mal ein paar Wochen her. Ich hatte irgendwann spät abends eine besondere Pfanne im Internet entdeckt. Sie hatte vier kleine kreisrunde Vertiefungen, in denen man spielend wunderbar gleichförmige, von beiden Seiten knusprig gebratene Spiegeleier zubereiten konnte. So lautete zumindest das Verkaufsversprechen! Auf Fotos wurden ganze Stapel appetitlich aussehender Eier auf einem Frühstückstisch präsentiert. Wahrscheinlich war ich müde, vielleicht auch nur hungrig, aber in diesem Moment wollte irgendwas in mir unbedingt diese Pfanne besitzen. Tja, gedacht, bestellt!

Als ich ein paar Tage später mit der neuen Pfanne erwartungsfroh am Herd stand, ließen sich die Eier jedoch partout nicht wenden. Trotz Öl (später wahlweise Bratfett) klebten sie am Boden der Pfanne fest. Sie lagen in ihren kleinen Mulden und waren in keiner Weise bereit, sich dort wieder hinaus zu bewegen. Sie zogen es sogar vor, langsam zu verbrennen. Dämliche Eier, dämliche Pfanne!

Für das Foto durfte die Pfanne noch einmal vom Dachboden in die Küche kommen.
Für das Foto durfte die Pfanne noch einmal vom Dachboden in die Küche kommen.

Die erste Ladung wäre für den Hund gewesen – wenn ich denn einen Hund hätte. So war sie für den Mülleimer. Bei einem zweiten Versuch mit deutlich geringerer Temperatur fingen die Eier dann plötzlich an zu «knallen». Ja, wirklich: Sie knallten! Langsam hoben sie sich aus den Vertiefungen und im nächsten Moment entwich mit einem lauten viel Getöse die Luft, die sich anscheinend unter den Eiern gesammelt hatte. Unser Neunjähriger, der herbei gestürzt kam, sagte lachend: «Papa, die Eier esse ich aber nicht. Die explodieren nachher noch in meinem Bauch!»

Auch bei weiteren Versuchen waren die Ergebnisse weder kreisrund, noch lief irgendetwas auch nur im Ansatz «spielend». An jenem Abend gab es dann Butterbrote. Spiegeleier sind bei uns bis heute nicht kreisrund, sondern nach wie vor eher ausgefranst und verformt – aber dafür knusprig und nicht angebrannt. Die Pfanne liegt in der hintersten Ecke des Dachbodens. Ich will sie nicht mehr sehen. Wenn Hunde Pfannen fressen würden, hätte ich das olle Ding dem Hund gegeben. Ach nein, wir haben ja gar keinen Hund!

Was ist dein Technik-Liebling, ohne den du nicht mehr durchs Leben gehen willst? Welches Gerät hat zuletzt deinen Hass auf sich gezogen? Verrate es mir in den Kommentaren.

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Ich bin seit 20 Jahren Journalist und war unter anderem Redakteur eines Wissensmagazins, Textchef eines Nachrichtenmagazins und Chefredakteur eines Jugendmagazins. Für mich können Themen und Texte gar nicht abwechslungsreich und bunt genug sein. Am liebsten jeden Tag etwas Anderes, Neues, Spannendes. Die Menschen um mich herum aber, also jene, die mit mir Tisch, Bett und Badezimmer teilen, die dürften gerne den Rest meines Lebens dieselben bleiben. 


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