

«Mario Tennis Fever» ist das beste Mario-Sportspiel seit Langem
«Mario Tennis Fever» ist gut. Sogar richtig gut. Bei Marios Sportspielvergangenheit ist das nicht selbstverständlich.
Meine Beziehung zu Mario-Sportspielen ist kompliziert. Es gibt fantastische Games, die mir stundenlangen Spielspass bereiten. Diese wechseln sich jedoch mit grenzwertig grottigen Ablegern ab. Ich schaue in deine Richtung, «Mario Strikers: Battle League Football».
«Mario Tennis Fever» gehört definitiv nicht zu letzterer Kategorie. Mehr noch: Der chaotische Tennistitel ist das beste Mario-Sportspiel seit Langem.
Hast du Lust auf einen Multiplayer-Kracher mit soliden Zusatzinhalten, kannst du bedenkenlos zugreifen. Spiel, Satz und Sieg für Mario.
Das Tennis-«Fever» ist ausgebrochen
Der Gameplay-Kern von «Mario Tennis Fever» – das Tennisspielen – überzeugt. Ich spiele mit Topspins, Sidespins, langen Bällen, Lobs und Stoppbällen. Je nach ausgewähltem Charakter habe ich bei gewissen Schlagarten Vor- oder Nachteile.
Die Steuerung funktioniert tadellos, egal mit welcher Spielfigur. Gut so, denn oft eskalieren die Ballwechsel in ultraschnelle Duelle, bei denen kleinste Fehler und schlechtes Timing sofort Punkte kosten. Auch toll: Ich kann die Knopfbelegung für die einzelnen Schlagarten frei wählen, falls mir die Standardeinstellungen nicht passen.

Ich spiele entweder Einzel- oder Doppelmatches. Letztere fühlen sich aufgrund des rasanten Spieltempos chaotischer und unvorhersehbarer an.
Noch mehr Chaos bringen die titelgebenden «Fever»-Schläger ins Spiel. Diese speziellen Schlägervarianten verfügen über teils verheerende Spezialangriffe. Einige meiner Favoriten:
- Stachi-Schläger: Der Ball hinterlässt beim Aufsetzen Stachis, die den Gegner auf seiner Platzhälfte verfolgen und angreifen.
- Kugelwilli-Schläger: Der Ball wird zu einem unaufhaltbaren Kugelwilli, den mein Gegner nur mit perfektem Timing erfolgreich zurückschlagen kann.
- Feuerbarrieren-Schläger: Beim Aufsetzen hinterlässt der Ball eine rotierende Feuerbarriere, die eine grosse Fläche der gegnerischen Platzhälfte mit tödlichem Feuer blockiert.

Der Einsatz dieser Spezialangriffe birgt Risiken. Ich kann die Attacken nur einsetzen, wenn sich eine Spezialleiste gefüllt hat – das dauert eine Weile. Zudem besteht die Gefahr, dass der Gegner meinen Spezialangriff im Volley kontert und die Spezialattacke plötzlich auf meiner Seite des Platzes landet.
Die Angriffe stören nicht nur beim Spielen, sie kosten mich auch Lebensenergie. Fällt diese auf Null, muss ich im Doppel zehn Sekunden aussetzen. In Einzelmatches bin ich für zehn Sekunden langsamer. Es lohnt sich also, auf Nummer sicher zu gehen und den Spezialangriffen möglichst auszuweichen.

Experimentieren mit verschiedenen Spezialattacken macht Spass. Immer wieder habe ich ein fettes Grinsen auf dem Gesicht, wenn ich einen Gegner mit geschickt platzierten Bällen in eine Falle locke, die ich zuvor auf seiner Hälfte platziert habe. Weil die Angriffe pariert werden können, kommt in vielen Matches auch eine Prise Strategie ins Spiel.
Das «Fever»-Konzept ist insgesamt um Welten ausgereifter als das System im Vorgänger «Mario Tennis Aces». Erinnerst du dich? Dort konnten «Spezialschläge» und «Zonenschläge» deinen Tennisschläger zerbrechen, wenn du nicht perfekt geblockt hast. Die Folge: Punktverlust oder verlorenes Match. Und viel Frust. Originelle Gimmicks – wie Stachis, Feuerbarrieren oder Kugelwillis – gab es auch nicht. Langweilig.

Perfekt ausgewogen ist das «Fever»-Konzept jedoch nicht. Es gibt Schläger, die offensichtlich viel mächtiger sind als andere. So gelingt es mir fast nie, dem nervigen Tornado des Orkoschischlägers auszuweichen, der viel zu lange über das Feld tobt. Auch die riesigen Tintenkleckse auf dem Bildschirm, die der Tintenschläger verursacht, nerven extrem und behindern mein Sichtfeld viel zu lange.
Zudem nerven mich die «Fever»-Schläger im Doppel – in diesem Modus sind sie schlicht zu viel des Guten. Haben alle vier Spieler einen solchen Schläger ausgerüstet, eskaliert das Chaos und Zufall zählt oft mehr als Können.
Zum Glück kann ich die «Fever»-Mechanik in jedem Spielmodus – sowohl lokal als auch online – nach Lust und Laune aktivieren oder deaktivieren. Zwischen dem «Fever»-Chaos mal ein «normales» Tennismatch spielen tut gut.
Solider Umfang mit Schwächen
Auch beim Spielumfang macht «Mario Tennis Fever» vieles richtig. Einen grossen Haken gibt es jedoch.
Der erste Modus, in den ich mich stürze, heisst «Abenteuer». Dieser rund vierstündige Singleplayer-Modus dient als Tutorial und als experimentelle Spielwiese, auf der mich das Game mit allerlei abgefahrenen Spielszenarien konfrontiert. Eine Geschichte gibt es, die ist aber nicht der Rede wert. Alles, was du wissen musst: Mario und seine Freunde wurden in Babys verwandelt und müssen einen Weg finden, wieder erwachsen zu werden.
Auf ihrem Abenteuer lernen sie zunächst die Basics des Tennisspielens neu und absolvieren Kraftübungen, um ihre Babykörper zu stählen. Ich starte in einer Tennisakademie und spiele diverse Minigames, die mehr an «Mario Party» als an «Mario Tennis» erinnern.

Erst mit zunehmender Spielzeit bedient sich der Abenteuer-Modus den Tennis-Mechaniken. So muss ich etwa Feuer löschen, indem ich mit meinem Schläger Wasserbälle in Flammenherde schiesse. Oder fiese Bosse besiegen, indem ich ihnen Steine auf den Kopf schleudere. Später warten neben solchen Minispielen spektakuläre Tennismatches in abgefahrenen Stadien auf mich.
Insgesamt hätte ich mir im Abenteuer-Modus jedoch etwas mehr Tennis und weniger deplatziert wirkende Minigames ohne Tennis-Kontext gewünscht.

Weiter bietet das Spiel einen Turnier-Modus. In diesem gilt es, entweder im Einzel oder im Doppel, je drei Cups zu gewinnen. Für eine Trophäe muss ich mir den Sieg in drei aufeinanderfolgenden Matches holen.
Im «Spezialmix» warten diverse verrückte Herausforderungen und chaotische Plätze auf mich. So gibt es etwa einen «Flipperplatz»: ein Tennisplatz mit Elementen aus Flipperkästen. Mein Favorit bleibt der «Wunderplatz» – eine Stage, die dem 2D-Mario «Super Mario Bros. Wonder» nachempfunden wurde. Dort kann ich sogenannte «Wunderblumen» aktivieren, die für unvorhersehbare Spezialeffekte sorgen.

Mein Lieblingsmodus heisst «Missionstürme». In diesem gilt es, drei Türme zu erklimmen, auf deren Etagen verschiedene verrückte Challenges auf mich warten. Das Fiese dabei: Nach drei Fehlversuchen muss ich einen Turm von vorn anfangen. Mal spiele ich gegen unsichtbare Gegner, mal bin ich riesig und mal trete ich alleine gegen zwei Spieler an. Solche kreativen Tennis-Szenarien hätte ich mir anstelle von komischen Minispielen im Story-Modus gewünscht.
Abschliessend gibt es noch den «Realmodus». Dieser ist aber nur ein spärliches Extra für Nostalgiker wie mich. In diesem schwinge ich den Joy-Con-2-Controller wie vor 20 Jahren die Wii-Fernbedienung in «Wii Sports». Abgesehen vom Nostalgie-Flash (und der schockierenden Erkenntnis, dass ich alt bin) bietet der Modus nichts. Einmal gespielt und vergessen.

Kommen wir zum Haken, den ich einleitend erwähnt habe. Alle Spielmodi verbindet eine grundlegende Schwäche: Sie sind viel zu einfach.
Sowohl der Abenteuer-Modus als auch die Turniere, Spezialmixe und Missionstürme werden erst in den späteren Herausforderungen ansatzweise anspruchsvoll. Schade, aber: Spass habe ich beim Spielen trotzdem, weil ich ständig Fortschritte mache. Immer wieder schalte ich neue Charaktere, Schläger und Plätze frei und freue mich auf die Belohnungen.
Apropos: Mit 38 spielbaren Charakteren und 30 Schlägern setzt «Mario Tennis Fever» neue Massstäbe für die Spielreihe. So viele verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen sowie Schläger mit einzigartigen Angriffen gab es noch nie. Sehr cool! Einzig bei den Tennisplätzen hätte ich mir mehr Variation gewünscht.
Multiplayer-Gaudi vom Feinsten
Mit Ausnahme des Abenteuer-Modus lassen sich alle Spielmodi auch im lokalen Multiplayer mit bis zu vier Spielerinnen und Spielern bestreiten. Zudem kann ich mit dem «freien Spiel» Matches mit frei wählbaren Regeln starten – mit einer drahtlosen Verbindung oder Gameshare auch mit mehreren Konsolen.
Im Multiplayer entfaltet das Game sein ganzes Potenzial. Gut möglich, dass sich «Mario Tennis Fever» neben «Mario Kart» und «Super Smash Bros. Ultimate» einen festen Platz in meiner Mehrspieler-Rotation verdienen wird.

Gegen lahme CPU-Gegner oder echte Spieler auf dem Sofa antreten macht einen riesigen Unterschied. Es wird geschrien, gelacht, gejubelt. Die Matches haben ein höheres Intensitätsniveau, es kommt immer wieder zu unglaublichen Aufholjagden und spektakulären Schüssen. Ich geb’s zu, ich bekomme oft auf die Fresse und verliere auch ziemlich deutlich. Egal, Spass macht’s trotzdem. Und meine miese Leistung schiebe ich einfach auf die ultraleichten Singleplayer-Modi, die mich nicht gut genug für die harte Multiplayer-Realität vorbereitet haben.
Falls du keine Freunde hast (das tut mir leid), kannst du auch online in zwei Modi gegen echte Gegner antreten. Im «Online-Spiel»-Modus erstellst du Räume mit eigenen Regeln oder suchst nach erstellten Räumen. Im «Rang-Match» geht es um die Online-Wurst. In diesem kompetitiven Modus bestimmen Siege und Niederlagen deine Platzierung auf vier Weltranglisten (Einzel und Doppel, jeweils mit oder ohne «Fever»-Schläger). Auch online macht das verrückte Tennis Spass – jedoch fallen mir gelegentlich nervige Ruckler auf.

Ich hasse liebe die Plauderblume
Optisch wirkt «Mario Tennis Fever» um einiges hübscher als sein Vorgänger «Mario Tennis Aces». Besonders die Charaktermodelle haben ein Upgrade bekommen. Alle Figuren sehen runder aus – vorbei sind die Zeiten unschöner Polygon-Ecken. Die Texturen wurden ebenfalls überarbeitet. Schönere Haare, realistischere Haut und beeindruckende Details auf den Textilien überzeugen vor allem in den coolen Zwischensequenzen beim Einlaufen ins Stadion.

Auch die Tennisplätze überzeugen mit detaillierten Grasflächen und hunderten von animierten NPCs im Publikum. Einzig die Umgebungen im Abenteuer-Modus sehen bisweilen trist und mehr nach Switch 1 denn Switch 2 aus.

Der Soundtrack überzeugt ebenfalls, wenn auch insgesamt unspektakulär. Für kontroverse Diskussionen sorgt bei meiner lokalen Multiplayer-Session die Plauderblume aus «Super Mario Bros Wonder». Das geschwätzige Gewächs kommentiert die Matches und labert ohne Punkt und Komma. Dabei wiederholt sie sich, was schnell nervig wird.
Good News: Die Blume kannst du jederzeit deaktivieren. Das mache ich nach einigen Stunden, weil sie mich vor allem bei Punktverlusten zur Weissglut treibt. Aber ohne die dummen Kommentare fühlen sich die Matches leer an. Ich sehne mich nach unserer toxischen Beziehung zurück und aktiviere sie nach ein paar Duellen wieder.
Soll sie doch labern, wenn sie will – so kann ich mich über die Blume aufregen, statt über meine eigene Leistung.
Fazit
Ein gelungenes Tennis-Paket und das beste Mario-Sportspiel seit Langem
«Mario Tennis Fever» macht vieles richtig und bietet einen soliden Spielumfang, wenngleich viele Spielmodi im Singleplayer zu einfach bleiben. Sein volles Potenzial entfaltet das Game im Multiplayer-Modus. Das Tennis-Gameplay spielt sich schnell und die Steuerung intuitiv und verlässlich. Die verrückten «Fever»-Schläger erweitern den Gameplay-Kern um verheerende Spezialattacken. Das System überzeugt, obwohl es im Doppel oft in einem zu grossen Chaos endet. Visuell macht «Mario Tennis Fever» grosse Fortschritte im Vergleich zum Vorgänger, mit Ausnahme der tristen Umgebungen im Abenteuer-Modus.
Kurzum – «Mario Tennis Fever» ist das beste Mario-Sportspiel seit Langem und ein Muss für Fans von chaotischen Multiplayer-Titeln.
Pro
- solider Spielumfang (Spielmodi, Charaktere, Schläger)
- Tennis-Gameplay überzeugt
- gelungenes «Fever»-Konzept mit Spezialangriffen
Contra
- Singleplayer-Modi zu einfach
- zu viel Chaos im Doppel mit «Fever»-Schlägern
- Balancing der «Fever»-Schläger nicht perfekt

Meine Liebe zu Videospielen wurde im zarten Alter von fünf Jahren mit dem ersten Gameboy geweckt und ist im Laufe der Jahre sprunghaft gewachsen.
Welche Filme, Serien, Bücher, Games oder Brettspiele taugen wirklich etwas? Empfehlungen aus persönlichen Erfahrungen.
Alle anzeigen

