
Hintergrund
Social Media auf der Anklagebank: 7 Fragen und Antworten
von Samuel Buchmann

In den USA hat eine Jury zwei Social-Media-Plattformen zu Strafzahlungen verurteilt. Meta und YouTube hätten fahrlässig Jugendliche zur Sucht verleitet. Der Entscheid könnte weitreichende Folgen haben.
Ein Geschworenengericht in Los Angeles hat Meta und Google in einem wegweisenden Verfahren wegen des suchtfördernden Designs von Instagram und YouTube für haftbar erklärt. Die Jury kam zum Schluss, dass die Plattformen Kinder und Jugendliche nicht ausreichend vor Risiken gewarnt haben. Die Designentscheidungen hätten zur Entstehung psychischer Probleme beigetragen.
Klägerin war eine heute 20-jährige Frau, die seit ihrer Kindheit Instagram und YouTube nutzte. Nach eigenen Angaben entwickelte sie eine Sucht, begleitet von Depressionen, Angststörungen und Körperbildstörungen. TikTok und Snap waren ursprünglich ebenfalls angeklagt, einigten sich aber vor Prozessbeginn aussergerichtlich. Mehr zum Fall kannst du hier nachlesen:
Die Jury sprach der Klägerin insgesamt sechs Millionen US‑Dollar zu, davon drei Millionen als Genugtuung und drei Millionen als zusätzliche Strafzahlung, die zur Abschreckung dienen soll. Meta trägt 70 Prozent der Summe, Google 30 Prozent. Gemäss Jury haben die Unternehmen fahrlässig gehandelt. Funktionen wie endloses Scrollen und Autoplay hätten sie bewusst genutzt, um User möglichst lange zu binden.
Meta und Google weisen die Vorwürfe zurück und kündigen Berufung an. «Die psychische Gesundheit von Jugendlichen lässt sich nicht auf eine einzelne App zurückführen», sagt Meta-Sprecherin Francis Brennan gegenüber «The Verge». Google bestreitet die grundsätzliche Prämisse der Klage: YouTube sei keine Social-Media-Seite, sondern eine «verantwortungsvoll gebaute Streaming‑Plattform».
Die Summe der Strafe dürften die beiden Unternehmen im Einzelfall wenig kümmern. Doch der Prozess ist der erste von mehr als 20 sogenannten Bellwether-Trials zu Social‑Media‑Sucht. Die Urteile sind richtungsweisend für Tausende ähnlicher Klagen von Familien, Schulbezirken und Bundesstaaten. Parallel dazu verurteilte ein Geschworenengericht in New Mexico Meta zu 375 Millionen US‑Dollar Zivilstrafe, weil das Unternehmen Risiken für Kinder verschleiert und ausgenutzt habe.
Geht es so weiter, wird es ungemütlich für die Plattformen. Ihnen droht ein ähnliches Desaster wie es die Tabakkonzerne in den 1990er-Jahren erlebten, als sie Gesundheitsrisiken verharmlost hatten. Das letzte Wort ist allerdings noch lange nicht gesprochen. Der Fall von Los Angeles wird nun beim Court of Appeal von Kalifornien landen. Dort entscheidet keine Jury, sondern ein Gremium von drei Richtern. Weitere potenzielle Stationen sind der Supreme Court of California und schliesslich der nationale Supreme Court. Bis zu einem finalen Urteil kann es Jahre dauern.
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