Mountain Everest Max: Modulare Tastatur im Test

Mountain Everest Max: Modulare Tastatur im Test

Kevin Hofer
Kevin Hofer
Zürich, am 05.08.2021
Mountain will mit dem Everest Max hoch hinaus und schafft ein geniales, modulares Tastatursystem. Links oder rechts andockbarer Nummernblock und Media Dock mit Display sind nur zwei der zig Features der Tastatur.

Das Everest Max ist mehr als bloss eine Tastatur, sondern ein System. Im Herzen dieses Systems steht die Core; eine Tenkeyless-Tastatur, also eine ohne Nummernblock. Links oder rechts der Core lässt sich per USB-C ein Nummernblock anbringen und schon hast du eine vollwertige Tastatur. Du brauchst auch Medientasten? Auch das bietet die Everest. Oben links oder oben rechts steckst du ein Media Dock an – ebenfalls über USB-C. Abgerundet wird das Ganze mit einer magnetisierten Handballenauflage. So kannst du die Tastatur je nach aktuellen Bedürfnissen anpassen.

So einfach lässt sich die Everest Max zusammenstecken.
So einfach lässt sich die Everest Max zusammenstecken.

USB-C raus und andocken

Nummernblock oder Media Dock anbringen geht leicht von der Hand. Beim Nummernblock lässt sich auf der Unterseite mit einem Schiebregler der Anschluss entweder links oder rechts herausfahren. Danach wird der Nummernblock an den entsprechenden USB-C-Port an der Core angebracht und ist innert weniger Sekunden einsatzbereit. Du kannst ihn also mit links oder rechts bedienen. Das dürfte vor allem für Rechtshänder spannend sein, da sie so gleichzeitig die Maus bedienen können. Der Nummernblock hält dank Magneten beim USB-Stecker und weiter unten fest. Beim Media Dock funktioniert das gleich. Core und Nummernblock schmiegen sich ziemlich eng aneinander, sodass es keine unschönen Lücken gibt und halten bei Normalgebrauch gut zusammen.

Nur ein Spalt ist zwischen Nummernblock und Core zu sehen.
Nur ein Spalt ist zwischen Nummernblock und Core zu sehen.

Willst du die Tastatur verschieben, halten Nummernblock, Media Dock und Handballenauflage zuverlässig an der Core. Willst du das System aufheben, tust du das am besten in Einzelteilen. Nummernblock sowie Handballenauflage lösen sich sonst ab. Solltest du den Nummernblock nicht direkt an der Core wollen, kannst du ihn auch mit einem mitgelieferten Kabel etwas weiter weg aufstellen.

Die Tastatur für den Transport anzuheben geht nicht wirklich.
Die Tastatur für den Transport anzuheben geht nicht wirklich.

Erstklassige Verarbeitung und viele Einstellungsmöglichkeiten

Core und Nummernblock sind aus dem gleichen Material gefertigt. Die Deckplatte besteht aus Aluminium. Die Randbereiche sind gebürstet, der Bereich mit den Switches drauf hat eine Fräsmusterung. Das gibt der Tastatur einen rohen Look. Der Unterteil der Gehäuse ist aus Kunststoff. Als Farben stehen entweder Schwarz oder Grau zur Auswahl. Alles in allem wirkt die Everest Max sehr gut verarbeitet.

An den Rändern ist das Alu gebürstet, auf der Platte sind noch die Frässpuren zu sehen.
An den Rändern ist das Alu gebürstet, auf der Platte sind noch die Frässpuren zu sehen.

Für Fans von blinkenden Lichtern ziehen sich rund um die Gehäuse von Core und Nummernblock RGB-Leisten. Also egal, ob dein Nummernblock rechts, links oder gar nirgends ist, es leuchtet immer rundherum. Hinten steht zudem ein USB-A-Passthrough mit USB 3.2 Gen 1 zur Verfügung.

Die Tastatur lässt sich in mehreren Neigungswinkeln aufstellen. Dazu liefert Mountain acht metallene Scheiben mit Magneten drin mit. Diese kannst du zwischen die ebenfalls magnetischen Füsse und die Tastatur schieben und sie so höher stellen. Die Dinger halten dank den Magneten bombenfest. Ein nettes Gimmick, das sich von den sonstigen Kunststoff-Füssen abhebt.

Magnetisierte Scheiben lassen sich unterschieben, um den Tippwinkel zu erhöhen.
Magnetisierte Scheiben lassen sich unterschieben, um den Tippwinkel zu erhöhen.

Das abnehmbare, zwei Meter lange und textilummantelte USB-C-Kabel lässt sich auf der Unterseite der Core durch Kanäle entweder mittig, links oben oder recht oben herausführen. Falls du ein eigenes, dünneres Kabel verwenden willst, wäre es sogar möglich, dieses auf der Seite oder für ganz Verwegene unten aus der Tastatur zu führen.

Nummernblock und Media Dock

Oberhalb des Zahlenblocks befinden sich vier Tasten, die für Makros verwendet werden können. Ähnlich einem Stream-Deck. Die Tasten liefern taktiles Feedback und ich drücke gerne darauf rum. Die Funktionen der Tasten sowie deren Icons lassen sich in der Software «Base Camp» von Mountain ändern.

Die Makro-Tasten oberhalb lassen sich sogar mit eigenen Icons versehen.
Die Makro-Tasten oberhalb lassen sich sogar mit eigenen Icons versehen.

Personalisieren kannst du die Everest auch mit dem Media Dock. Dieses ist komplett aus Kunststoff und hat vier Tasten: Vorwärts- und Rückwärts springen, Play/Pause, Stumm schalten und Auswahltaste. Rechts davon befindet sich ein Drehrad zur Selektion mit integriertem Display. Hier kannst du die Profile, die Beleuchtung und deren Helligkeit sowie die Lautstärke einstellen. Weiter kannst du dir vom Display die Zeit inklusive Stoppuhr und Timer, Infos zum PC oder ein eigenes Bild/Logo anzeigen lassen.

Das Media Dock dient als Informationszentrale der Everest Max.
Das Media Dock dient als Informationszentrale der Everest Max.

Am Drehrad drehe ich gerne, es rastet mit einem angenehmen Klick ein. Die Tasten hingegen fühlen sich im Gegensatz zu jenen auf dem Nummernblock nicht so gut an. Persönlich würde ich das Media Dock wohl nicht allzu häufig brauchen. Es ist aber eine nette Spielerei und ich lasse mich bei der Arbeit vom Antlitz des sowjetischen Computerpioniers Sergej Lebedev inspirieren.

Sergej Lebedev wacht während dem Tippen über mich.
Sergej Lebedev wacht während dem Tippen über mich.

Vom Base Camp auf den Everest

In der Konfigurations-Software Base Camp kannst du vieles einstellen, was du auch über das Media Dock kannst. Willst du diesem jedoch ein eigenes Bild verpassen, geht das nur über Base Camp. Weitere Einstellungen umfassen das Erstellen von Profilen, das Anpassen der Beleuchtung sowie der Tastenfunktionen und Makros. Im Grossen und Ganzen bietet die Software alles Nötige. Sie wirkt aufgeräumt und übersichtlich.

Die Software Base Camp ist übersichtlich.
Die Software Base Camp ist übersichtlich.

Alles Kirsche

Bei den Switches setzt Mountain komplett auf Cherry MX, es sei denn, du kaufst die Barebones-Ausführung der Core ohne Keycaps und Taster. Die gibt’s aber nur direkt bei Moutain zu kaufen. Dank den verbauten Hotswap-Sockeln lassen sich die Switches dennoch schnell und einfach tauschen. Der entsprechende Keycap- und Switch-Zieher liegt bei.

Die Switches lassen sich mit dem beigelegten Keycap- und Switch-Zieher tauschen.
Die Switches lassen sich mit dem beigelegten Keycap- und Switch-Zieher tauschen.

Mein Testsample kommt mit Cherry MX Reds. Dabei handelt es sich um lineare Schalter, also ohne taktiles und hörbares Feedback beim Auslösen. Die Gehäuse der Schalter sind transparent. Dadurch wird der RGB-Effekt sichtbar – für jede Taste einzeln.

Dank transparentem Top der Switches schimmert Licht durch.
Dank transparentem Top der Switches schimmert Licht durch.

Persönlich empfinde ich sie jedoch als etwas zu kratzig beim Tippen. Das stört mich sowohl akustisch als auch vom Tippgefühl her. Zudem gehen sie mir zu leicht. Ich wünschte mir eine stärkere Feder im Innern des Switches, die für mehr Widerstand sorgen würde.

Zwar sind diese Switches sowieso nicht für Leute wie mich gemacht. Ich stehe eher auf taktile oder gar clicky Switches, also solche mit spürbarem und spür- und hörbarem Feedback zum Auslösen. Doch mittlerweile gibt es etliche Alternativen zu Cherry MX Reds, die sich besser anfühlen. Persönlich würde ich bei linearen Switches für dieses Board auf Gateron Black Ink V2 setzen. Die würden auch vom Design her passen. Oder wenn’s günstiger sein soll, Gateron Yellows.

Top Stabilisatoren, flop Keycaps

Mountain hat sich stark von der Custom-Keyboard-Szene inspirieren lassen. Davon zeugen die gemoddeten Stabilisatoren. Dank Schmiere und abgetrennten Füssen ist beim Tippen beinahe kein Klappern zu hören. Perfekt gemoddet sind die Stabilisatoren jedoch nicht. Drücke ich Backspace eher links, ist ein störendes Ticken zu hören. Das weist auf nicht perfekt abgestimmte Stabilisatoren hin. Dasselbe habe ich bei der Enter-Taste, wenn ich unten drücke und bei der rechten Shift-Taste, wenn ich links drücke. Hier würde ich mich nochmal ans Feintuning setzen, wenn ich die Tastatur länger in Gebrauch hätte. Dank Hotswap-Sockeln wäre dies auch relativ einfach möglich. Erfreulich: Das Ticken habe ich auf der Leertaste nicht und die Leertaste ist nunmal die am meisten betätigte Taste auf einem Keyboard. Alles in allem klingen die Stabilisatoren aber besser als die der meisten mechanischen Gaming-Tastaturen von grossen Herstellern. Die könnten sich eine dicke Scheibe von Mountain abschneiden.

Die Keycaps ziehen Fett und Staub magisch an.
Die Keycaps ziehen Fett und Staub magisch an.

Weniger gut sind die ABS-Kunststoff-Keycaps. Besser gesagt: Sie sind schlichtweg miserabel. Sie haben keinen Grip, ziehen Fett und Staub magisch an, der Durchscheineffekt ist ungleichmässig und sie wirken auch sonst nicht gut verarbeitet. Sie schreien förmlich: Bitte ersetz uns! Immerhin setzt Mountain auf ein Standard-Layout und es sollte deshalb nicht allzu schwierig sein, neue und gute Tastenkappen zu finden.

Fazit: Geile Tastatur mit heftigem Aufpreis

Das Everest-Max-Tastatursystem kostet eine ordentliche Stange Geld: 290 Franken, bzw. 280 Euro (Stand: 3.8.2021) um genau zu sein. Ist es das wert?

Die Everest Max in all ihrer Pracht.
Die Everest Max in all ihrer Pracht.

Einerseits ist da die Core, die Tenkeyless-Tastatur selbst. Eine der besten Out-of-the-Box-Tastaturen, die ich je getestet habe. Dank Hotswap-Sockeln bietet sie ein gewisses Mass an Flexibilität und die Stabilisatoren sind für ein fixfertiges Board sehr gut. Für 168 Franken finde ich sie im Vergleich zu anderen Tastaturen auch preislich fair.

Für 132 Franken mehr kriegst du Nummernblock, Media Dock und Handballenauflage dazu. Ein heftiger Aufpreis. Eine Corsair K100 MX Speed kostet jedoch auch 259 Franken oder 240 Euro und bei der Everest kriegst du noch das Media Dock dazu. Wenn du es so in Relation stellst, scheint der Preis nicht überrissen. Hier musst du persönlich abwägen, was du brauchst. Mir würde die Core selbst reichen, ich kann gut auf den Nummernblock verzichten. Das Media Dock erachte ich sowieso mehr als Spielerei und auch auf die Handballenauflage ist für mich nicht unabdingbar.

Ist das Everest-Max-Tastatursystem also sein Geld wert? Ja, aber nur, wenn du das Media Dock und den Nummernblock auch tatsächlich brauchst. So überzeugt die Everest Max als erstes Produkt des noch jungen Unternehmens Mountain.

Hier findest du alle weiteren Versionen der Everest.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer

Editor, Zürich

Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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