OnePlus One hat immer noch 300 Nutzer weltweit – Porträt des ersten Flaggschiff-Killers
HintergrundSmartphone

OnePlus One hat immer noch 300 Nutzer weltweit – Porträt des ersten Flaggschiff-Killers

Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Zürich, am 22.06.2021
Sieben Jahre nach dem Launch hat das erste OnePlus Phone immer noch «über 300 aktive Nutzer». Das Smartphone hat bei seinem Launch den Markt revolutioniert.

Das Firmenmotto der Firma OnePlus lautet «Never Settle», werde nie sesshaft. Es gibt laut Firmengründer Pete Lau weltweit 300 Fans, die sich diesen Satz nicht zu Herzen genommen haben. Sie sind die 300, die auch sieben Jahre nach der Markteinführung das OnePlus One immer noch im Alltag verwenden. Dies, obwohl OnePlus erst gerade das OnePlus 9 veröffentlicht hat.

9 Pro (12GB) (256 GB, Pine Green, 6.70 ", Dual SIM, 48 Mpx, 5G)
965,21
OnePlus 9 Pro (12GB) (256 GB, Pine Green, 6.70 ", Dual SIM, 48 Mpx, 5G)

Selbst wenn das OnePlus One zum alten Eisen gehört, das OnePlus One ist ein Phone, das die Smartphone-Szene verändert hat.

Startup mit Milliardenbudget

Die Marke OnePlus ist eine Marke, die eine Geschichte und eine Legende hat. Der Legende nach waren es Pete Lau und Carl Pei, die die Marke aus dem Boden gestampft haben. Ein freches Startup von Phone-Fans für Phone-Fans. Zwei findige Unternehmer, die sich aus einem Hinterhof in Shenzhen an die Spitze der Smartphone-Welt gearbeitet haben. Dies, indem sie richtig gute Technologie zu einem richtig guten Preis angeboten haben.

Die Geschichte spricht aber eine andere Sprache. Pete Lau beginnt seine Karriere, soweit öffentlich bekannt, als Hardware Engineer bei Oppo. Danach wurde er Chef über die BluRay-Player-Division des Herstellers. Noch später dann Marketing-Direktor und am Ende dann Vice President im Unternehmen Oppo. Dies habe er seiner Liebe zum Detail zu verdanken. Er habe einmal eine Platine eines BluRay-Players vor versammelter Mannschaft zerschmettert, da ihm deren Design nicht gefallen hat. Und trotzdem: Er sei so ein bescheidener Mann.

Konzept-Render des Nothing Ear (1)
Konzept-Render des Nothing Ear (1)
nothing.tech

Carl Pei, der schwedisch-chinesische Unternehmer und Ex-OnePlus-Mitarbeiter hat jüngst die Marke Nothing gegründet. Deren erste Produkte – In-Ear-Kopfhörer mit dem Namen «Ear (1)» – werden im Spätsommer 2021 erwartet. Der 1989 geborene Mann hat sich im Alter von 21 Jahren bei Nokia erste Sporen verdient bevor er drei Monate später den Arbeitgeber wechselt. Er ging zu Meizu, wo er sich im Marketing austoben konnte. Im November 2011 dann hat er seinen Dienst bei Oppo angetreten, wo er direkt unter Pete Lau gearbeitet hat.

Nach zwei Jahren der Zusammenarbeit bei Oppo haben die beiden dann OnePlus gegründet. Im Juni 2014 kam das OnePlus One auf den Markt. Hergestellt wurde es von Oppo, da OnePlus noch keine eigenen Hardware-Manufakturen hatte. Haben sie immer noch nicht. Kurz: Die Verbindung zu Oppo und damit dem Oppo'schen Mutterkonzern BBK Electronics war zwar präsent, wurde aber möglichst im Marketing versenkt. Die zwei ambitionierten Geschäftsmänner wurden zu Idealisten. Das ist eine Story, die Carl Pei mit Nothing wiederholt. Die Kurzversion: Dem Visionär ist die Tech-Branche zu einheitsbreiig geworden und er will sie jetzt kurzerhand revolutionieren.

Recherchen der Presse haben nach dem ersten Marktauftritt OnePlus ergeben, dass das Startup eigentlich eine Aktiengesellschaft mit einem Shareholder ist: Oppo. Kurz darauf hat sich OnePlus zur Kontroverse geäussert. OnePlus sei eine separat geführte Firma, die sich Investoren mit Oppo teilt. Es seien Gespräche im Gange mit anderen Investoren.

«Einer dieser Investoren ist Oppo Electronics. Oppo Electronics ist eine Investment-Firma und nicht dieselbe Firma wie Oppo Mobile.»
Mitteilung OnePlus, Gizchina.com, April 2014

Im Jahre 2018 hat OnePlus verkündet, dass der Konzern sich Produktionslinien und Supply Chains mit Oppo teilt. Doch zu dem Zeitpunkt hatte OnePlus bereits eine ganz eigene Identität. Der Vorwurf, dass OnePlus Phones nur Oppos mit anderem Branding seien, hatte seit jeher höchstens auf Papier Gehalt.

Die Phones selbst waren aggressiv günstige Flaggschiffe und haben den Begriff «Flaggschiff-Killer» definiert. Das erste dieser Phones war das OnePlus One.

OnePlus One: Der Flaggschiff-Killer

Carl Pei und Pete Lau haben ihr erstes Device, das OnePlus One, im April 2014 der Weltöffentlichkeit präsentiert. Die Reaktion: Staunen. Da haben die «zwei aus dem Shenzhen'schen Schopf» ein Phone geschaffen, das es in sich hat.

Das OnePlus One hat ein 5.5 Zoll diagonales Display verbaut, mit einer Auflösung von 1920x1080 Pixeln. Dahinter ein Snapdragon 801 System-on-a-Chip (SoC), 3 GB RAM und 16 GB interner Speicher. Die Deluxe-Version hatte sogar 64 GB interner Speicher. Die 13-Megapixel-Kamera ist in der Lage, mit 30 Frames pro Sekunde und einer Auflösung von 3840x2160 Pixeln – also 4k – Videos aufzunehmen. Fotos werden in HDR aufgenommen. Zwei Lautsprecher haben dem One einen für damalige Verhältnisse satten Klang verliehen. Zwar nur Mono, aber anno 2014 waren wir da noch nicht heikel.

Und das alles zu einem Preis von 327 Schweizer Franken. Damals. Zum Markteintritt in der Schweiz. Heute sind sogar noch Occasionen zu haben.

Smartphone
One (64 GB, Schwarz, 5.50 ", 13 Mpx, 4G)
OnePlus One (64 GB, Schwarz, 5.50 ", 13 Mpx, 4G)
8

Ganz eigene Wege hat OnePlus mit der Software beschritten. Denn statt auf das normale, von Google ausgelieferte Android zu setzen, haben Carl Pei und Pete Lau von Anfang an auf CyanogenMod gesetzt. CyanogenMod war eine Android Fork. Sprich, im Kern war es Android, aber die Developer des Betriebssystems haben sich ans Werk gemacht und CyanogenMod eine ganz eigene Identität verpasst. Dazu gehören Features wie Theme Support, verbessertes Permissions Management, ein entsperrter Bootloader und die Möglichkeit, die CPU zu übertakten. Oder auch, dass das OnePlus One FLAC-Audiodateien abspielen kann. CyanogenMod hat weder Bloatware noch Spyware vorinstalliert. Weltweit haben 50 Millionen User auf CyanogenMod gesetzt. Nach einer gescheiterten Kommerzialisierung gingen 2016 die Lichter aus bei der Firma CyanogenMod.

Eine Fork CyanogenMods besteht aber nach wie vor unter dem Namen LineageOS. LineageOS ist mit 157 Geräten auf dem Markt kompatibel und ist aktuell auf Android 11 basierend. Wo du bei den meisten Herstellern noch selbst Hand anlegen, deinen Bootloader entsperren und eine ROM flashen musst, liefert ein Hersteller seine Phones mit LineageOS aus: OnePlus.

36 Personen gefällt dieser Artikel


Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher

Senior Editor, Zürich

Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren