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Hintergrund

Perfekte Haustiere? Der Rattenschwanz des Rattenhaltens

Knapp vier Jahre lang hatten wir Farbratten. Die Tiere lehren nicht nur Kinder Leben, Lieben und Sterben im Schnelldurchlauf. Wer sich welche ins Haus holen will, sollte einiges bedenken. Ein Erfahrungsbericht.

Als Max, Moritz und Ben bei uns einzogen, sah ich zunächst nur einen riesigen weissen Metallkäfig mit drei Stockwerken und roten Türen. Dass auch kleine Tiere Platz brauchen würden, war mir klar. Wie gross der Platz werden sollte, den Ratten in unserem Leben einnehmen würden, war dagegen noch nicht absehbar.

Eine erste Ahnung bekam ich, als ich das Glück in den Augen meiner damals neunjährigen Tochter sah, die behutsam eine Transportbox in die Wohnung trug und den Deckel öffnete. Heraus schauten drei neugierige Augenpaare, die aus weissgrauen Fellknäueln mit Stupsnase echte Charakterköpfe machten. Farbratten, in dieser Fellfarbe auch als Huskyratten bekannt.

Hier siehst du, warum sie Huskyratten heissen.
Hier siehst du, warum sie Huskyratten heissen.

Ratten gelten als eine Art Haustier-Geheimtipp hinter den allgegenwärtigen Hunden und Katzen. Wenn man sich – wie unser Head of Content Martin Jungfer neulich oder meine Frau damals – ins Thema kindgerechte Haustiere vertieft, kommen sie bei vielen in die engere Wahl. Die Nager sind verspielt, sozial, frech – und vor allem keine Fluchttiere wie Meerschweinchen, Hamster oder Kaninchen. Sie suchen den Kontakt, brauchen aber auch Anregung und ausgedehnte Ruhephasen.

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    Vergiss Kaninchen! Warum diese Nager vielleicht die besten Haustiere sind

    von Martin Jungfer

Da Martin unter seinem Beitrag nach Erfahrungen gefragt hatte (und auch einige, teils alarmierte Kommentare erhielt), wollte ich ein wenig über das Leben mit den Tieren erzählen. Denn es ist alles andere als einfach. Die Zeit mit Ratten ist kurz und intensiv. Ihre Lebenserwartung liegt bei eineinhalb bis drei Jahren, in denen viel Schönes und Schwieriges passiert – auch dann, wenn man alles dafür tut, ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen.

Leben

Max, Moritz und Ben kamen nicht als Babys, sondern bereits ausgewachsen zu uns, weil sie ein neues Zuhause suchten. Wir wähnten uns gut vorbereitet. Der Leitfaden zur optimalen Rattenhaltung des Clubs der Rattenfreunde hilft dabei, sich auf ein Rudel und alles, was man sich damit an Verantwortung ins Haus holt, vorzubereiten: Hat ein entsprechend grosser und tiergerecht gestalteter Käfig Platz? Wer putzt ihn regelmässig? Ist im Alltag genug Zeit da, um den neugierigen Nagern ausreichend Auslauf und Anregung zu bieten?

Du solltest dich gut auf die Tiere vorbereiten und vorab etwas über ihr Verhalten wissen.
Du solltest dich gut auf die Tiere vorbereiten und vorab etwas über ihr Verhalten wissen.
Rattenliebe - Dein praktischer Alltags-Planer für glückliche Fellnasen (Deutsch, Carla Oblasser, Caroline Oblasser, 2019)
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Spiel und Spass mit Ratten (Deutsch, Christine Wilde, 2012)
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Ratten (Deutsch, Georg Gassner, Regina Kuhn, 2006)

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Der Leitfaden empfiehlt die Tiere übrigens nur bedingt für Kinder unter 12 Jahren, wobei die Verantwortung ohnehin bei den Eltern liegt. Die meisten Kinder wünschten sich Rattenbabys, heisst es dort – keine einjährigen Ratten. Doch mit Jungtieren, die besondere Energiebündel sind und intensiv betreut werden müssen, seien viele überfordert. Fehlt den Jungtieren der enge Kontakt, können sie verwildern, beissen und aggressiv reagieren.

Mit den Älteren, so der Plan, wollten wir den Tieren und uns eine Chance geben. Was ebenfalls nicht einfach war, denn sie haben ihre Eigenarten und müssen sich an neue Bezugspersonen gewöhnen. Unsere drei Brüder hatten sich gegenseitig, denn Ratten dürfen nicht alleine gehalten werden. Und sie waren nicht nur an ihrem gewohnten Käfig, sondern schnell auch an ihrer neuen Umgebung interessiert.

Am besten guckst du genauso offen zurück und ihr beschnuppert euch gegenseitig.
Am besten guckst du genauso offen zurück und ihr beschnuppert euch gegenseitig.

«Ich weiss nicht, wie viel sie davor gestreichelt wurden», sagt meine Tochter, die ihre Hauptbezugsperson werden sollte. Als ihr Bruder jedoch das erste Mal die Hand in den Käfig hielt, biss Ben direkt zu. Vielleicht verwechselte er den kleinen Finger mit Futter, vielleicht war er vom Umzug gestresst. Auf jeden Fall verschaffte er sich sofort Respekt und blieb zeitlebens ein Kandidat, der ab und zu auch mal zuschnappte. Entsprechend waren die ersten Wochen ein gegenseitiges Beschnuppern. Eine gewisse Scheu war da, aber sie legte sich.

Während die Kinder die Tiere längst unterscheiden und Charaktereigenschaften erkennen konnten, waren mir die neuen Mitbewohner anfangs noch fremd. Genau wie der Uringeruch. Das Leben mit Ratten riecht nicht immer gut und macht Arbeit. Aber es tut auch gut. Das erkannte ich jeden Morgen und jeden Abend, wenn sich meine Tochter um die Tiere kümmerte. Und ich spürte es selbst, als sie mir später mal kitzelnd, mal kratzend über Arme und Schultern bis auf den Kopf kletterten, wo sie sich neugierig schnuppernd aufrichteten, als ginge es ihnen nie hoch genug hinaus.

Die Tiere brauchen Aufgaben und wollen immer wieder Neues entdecken.
Die Tiere brauchen Aufgaben und wollen immer wieder Neues entdecken.

Spielen

Meine Tochter baute den Tieren täglich eine Brücke: mit den Beinen in der Käfigtüre, über die sie zu ihr kletterten und die neue Hauptspielkameradin in ihrem «Rattenpulli» erkunden konnten. Ein schönes Ritual, denn die Tiere hatten die Wahl, ob sie das Angebot annehmen wollten. Grundsätzlich wollten die Ratten etwas erleben. Dass sie sich zufrieden ankuscheln und streicheln liessen, kam vor – je mehr Bindung da war, desto öfter.

Es konnte aber auch sein, dass sie ganz anderes im Sinn hatten. Dann waren sie nicht zu halten und gingen auf Erkundungstour. «Ich habe angefangen, sie über Sachen hüpfen zu lassen oder ihr Futter zu verstecken», erinnert sich meine Tochter. Zuerst waren sie in einem Freilaufgehege unterwegs, dann im ganzen Zimmer, und nach und nach eroberten sie unter Aufsicht weite Teile der Wohnung.

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Ratten entdecken gerne, kommen für einen leckeren Mehlwurm aber auch wieder zurück. Und manchmal war einfach Ruhe ihr grösstes Glück. Sie schliefen bis zu zwölf Stunden am Tag, was grundsätzlich gut zum Alltag von Schulkindern passte, die erst am späten Nachmittag nach Hause kommen. Wir versuchten, auf die Signale der Tiere zu achten.

Die Tiere zeigten einem, worauf sie gerade Lust hatten. Manchmal kamen sie angeschossen, ein andermal liessen sie sich nur zögerlich locken, und gelegentlich rollten sie sich einfach ein und steckten den Kopf unter den Körper. Sie lernten aber auch unseren Alltag kennen. Nach einiger Zeit wussten sie, wann sie gestreichelt, gefüttert und in Ruhe gelassen wurden. Diese Routinen taten allen gut.

Mich beeindruckte, wie konsequent und liebevoll sich meine Tochter um «ihre» Ratten kümmerte. Ganz so, als wüssten sie von Anfang an, dass sie nicht viel gemeinsame Zeit haben würden. Denn die Tiere alterten schnell. Ihr Fell wurde grauer, der Charakter ruhiger und die Geräusche besorgniserregender.

Ratten leiden leider oft an Atemwegserkrankungen oder Tumoren.
Ratten leiden leider oft an Atemwegserkrankungen oder Tumoren.

Sterben

Je mehr Tage vergingen, desto mehr Sorgen kamen auf. Ging es den Tieren gut? Atmeten sie normal oder schwer, begleitet von ungewöhnlichen Geräuschen? Warum nieste Ben? Waren wir schuld am Nasenausfluss (Porphyrin), hatten die Tiere Stress oder machten wir sonst etwas falsch? Die Checklisten der Rattenfreunde halfen dabei, den Zustand der Tiere einzuschätzen.

Ratten sind krankheitsanfällig, was zu Selbstvorwürfen führen kann. Meine Tochter trug zeitweise schwer daran, studierte Bücher und Webseiten, pflegte die Tiere und kümmerte sich, so gut es eben ging. Wenn nichts mehr half, gingen wir zum Tierarzt. Das kostete Zeit, Geld und Nerven. Die Freude an den Tieren war von nun an getrübt, weil die Vorahnung des nahenden Abschieds wie eine dunkle Wolke über dem Alltag hing.

Und dann ging Ben.

Es hatte sich angebahnt. Im Spital gaben sie ihm Spritzen und noch ein paar Wochen. Wir gaben ihm, dem manchmal bissigen Alphatier, besonders viel Zuneigung und das eine oder andere Leckerli mehr. Drei Monate Verwöhnprogramm, bevor der Moment des Abschieds kam.

Mach's gut, lieber Ben.
Mach's gut, lieber Ben.

Nach der Trauer blieben zwei alte Brüder, Max und Moritz, sowie eine neue Frage: Was, wenn der nächste stirbt? Ratten sollten nicht allein sein, sie brauchen den Kontakt zu Artgenossen. Sie bekamen Ben II. und Jerry. Die beiden waren klein und stellten doch alles auf den Kopf.

Junge Ratten brauchen viel Zuwendung, damit sie zahm werden.
Junge Ratten brauchen viel Zuwendung, damit sie zahm werden.

Lieben

Die jungen Ratten wuselten sich schnell in unsere Herzen. Meine Tochter gewöhnte sie langsam an die alten Herren, die sich an der neuen Gesellschaft nicht störten und bald ein Mehrgenerationenhaus bewohnten. Max und Moritz hatten noch ein paar gute Monate, bevor wir auch sie verabschieden mussten und noch Speedy dazukam, der seinem Namen alle Ehre machte.

Speedy, Ben und Jerry einige Monate später.
Speedy, Ben und Jerry einige Monate später.

Die drei Jungen waren das blühende Leben und bald absolut handzahm. Sie bissen nie. Nahmen sie einen Finger in die Pfoten, schleckten sie neugierig daran. Sie knabberten, wuselten und schmusten – jeder mit seinen Eigenheiten, die wir bald alle kannten. Der zarte Ben, der gemütliche Jerry und der draufgängerische Speedy – jeweils eine Marke für sich. Heiss geliebt und auch für mich im Homeoffice angenehme Gesellschaft.

Schnitt ich Gurke, bekamen sie das erste Stück und zogen sich mampfend wieder zurück. War ich mit ihnen alleine, schauten sie gemächlich aus dem Käfig, während sie in ihrem Sputnik oder in Hängematten aus alten T-Shirts aneinander gekuschelt durch den Tag dösten. Natürlich nur, um anschliessend wieder aufzudrehen. «Bei dir waren sie meist ruhiger», meint meine Tochter. «Bei mir dachten sie eher: Spielen wir jetzt oder was?»

Was geht? Speedy und Jerry sind gerade äusserst interessiert.
Was geht? Speedy und Jerry sind gerade äusserst interessiert.

Weil sie für ihr Leben gern kletterten, zogen die drei in einen Zweitkäfig um, in dem das besser möglich war. Meine Tochter übte mit ihnen verschiedene Kunststückchen und konnte sie später, als sie älter und ruhiger wurden, irgendwann streichelnd hypnotisieren. Die drei langgestreckten Tiere auf ihrem Bauch mit genüsslich geschlossenen Augen werde ich nicht so schnell vergessen. Da war so viel Vertrauen und Zuneigung, dass jede Trennung schwerfiel.

Kämpfen

Uneingeschränkt geniessen konnte meine Tochter Wochenendausflüge und Urlaube in dieser Zeit nie. Die Tiere fehlten ihr. Dazu kam die Sorge, ob es ihnen in ihrer Ferienbetreuung gut ging. Ob sie nicht nur Futter, sondern auch genügend Streicheleinheiten und Auslauf bekamen. Ob sie sie gesund wiedersehen würde. Wir hatten das Glück, dass Nachbarn, Familie und Freunde sich kümmerten und mehr für die Tiere taten, als man erwarten konnte. Dem Charme zahmer Ratten erliegen die meisten, sobald sie einmal Kontakt aufgenommen haben.

So ging es selbst unserem Nachbarn im Rentenalter, der regelrechte Charakterstudien betrieb, Fotos, Videos und kleine Tageszusammenfassungen schickte, die meine Tochter durch die Zeit der Trennung trugen. Trotzdem fasste sie den Entschluss, dass nach Ben, Jerry und Speedy keine Jungtiere mehr zu uns kommen sollten. Die Abschiede, die Sorgen, die Phasen der Trennung wogen zu schwer – auch wenn die Zeit insgesamt sehr bereichernd war.

Was bleibt, sind unzählige Bilder und schöne Erinnerungen, hinter denen die schwierigen Stunden verblassen. Doch es gab sie, und sie waren nicht selten.

Falls du überlegst, dir Ratten ins Haus zu holen, solltest du dir bewusst machen: Einfache Haustiere sind die kleinen Fellnasen nicht, mit ihnen kommt ein ganzer Rattenschwanz an Aufgaben und teils schwierigen Momenten auf dich zu. Aber sie sind tolle, intelligente Wesen, die viel Zuwendung verdienen. Wenn du sie ihnen geben kannst, werden sie trotz ihrer viel zu kurzen Leben bleibende Spuren hinterlassen.

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Einfacher Schreiber, zweifacher Papi. Ist gerne in Bewegung, hangelt sich durch den Familienalltag, jongliert mit mehreren Bällen und lässt ab und zu etwas fallen. Einen Ball. Oder eine Bemerkung. Oder beides.


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Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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