Pulver gut, Portemonnaie leer: Abzocke auf Schweizer Skipisten

Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Zürich, am 23.02.2022

Goht’s eigentlig no? Oder auf Deutsch: Habt Ihr eigentlich einen an der Waffel? Ein Rant zu den Preisen in Schweizer Skigebieten im Allgemeinen und Davos im Speziellen.

«Das macht dann 25 Franken», sagt der junge Mann hinter dem Tresen und lächelt. Ich möchte zurücklächeln, was jedoch nicht geht, denn ich muss kurz leer schlucken. Dann bezahle ich den fälligen Betrag, ohne Trinkgeld zu geben. Und trage die soeben erworbene Cola Zero in der PET-Flasche und den Kaffi Pflümli mit Schlagrahm, immerhin in einer Tasse aus Glas, vorsichtig an den Tisch. Selbstbedienung. Ja nichts verschütten, bei den Preisen. Was in Skischuhen und auf dem rutschigen, vereisten Holzboden einige akrobatische Skills erfordert. Immerhin schaffe ich es ohne offenen Schien- und Wadenbeinbruch an meinen Platz. Vom Kaffee ist auf dem Weg dorthin nur wenig verloren gegangen.

Es ist ein trüber Freitagnachmittag beim Weissfluhjoch im Davoser Skigebiet Parsenn. Vor der letzten Abfahrt des Tages gönne ich mir bei einer dieser Holzhüttenbars unter freiem Himmel ein alkoholisches Warmgetränk. Keine Angst, ich bin seit morgens um halb Zehn auf der Piste und den ganzen Tag ohne Alkohol rauf und runter gefahren. Ausserdem besteht mein Schümlipflümli hauptsächlich aus heissem Wasser, ein wenig Instantkaffeepulver, einem halben Zeigefingerbreit Pflümli sowie ein bisschen Schlagrahm aus der Dose. Ach ja, die Coke Zero hat mein Kumpel Claudio bestellt.

Und so sitze ich also draussen in der Kälte, mit einem traurigen Lauwarmgetränk in den Händen und ärgere mich. Und zwar gewaltig. 25 Franken für ein bisschen heisses Wasser, Kaffeepulver, einen Hauch Schnaps und Fertigschlagrahm. Dazu eine Cola Zero und das alles in Selbstbedienung. Echt jetzt?

Hier wird tüchtig zugelangt: Die Preise in Schweizer Skigebieten sind ein Skandal.
Hier wird tüchtig zugelangt: Die Preise in Schweizer Skigebieten sind ein Skandal.

Nicht nur der Preis für ein Schümlipflümli hier oben ist ein Skandal. Ein Schälchen Gerstensuppe kostet im Bergrestaurant satte 15 Franken, der gemischte Salat kommt ebenfalls in einer Suppenschale, Grösse «extra small». Kostenpunkt 13.50. Und der halbe Liter alkoholfreies Weizenbier schlägt mit satten acht Franken das nächste Loch ins Portemonnaie. Immerhin bringt das hier, im Gegensatz zur Holzhüttenbar, die Bedienung an den Tisch. Trotzdem: Goht’s eigentlig no? Und ja, schon klar, das muss alles zuerst den Berg hinaufgebracht werden. Im übrigen auch ich. Das kostet dann im Kombi-Ticket 78 Franken für einen Tag.

Kurz die Buchhaltung gemacht:

  • Tageskarte 78.–
  • Schümlipflümli & Cola Zero 25.–
  • Gerstensuppe 15.–
  • Gemischter Salat 13.50
  • Weizenbier alkoholfrei 8.–

Alles fährt Ski? Von wegen

Macht 139.50. Hundertneununddreissigfünfzig! Für eine Person, für einen Tag Skifahren ohne Anreise. Wie geht das Volkslied? «Alles fährt Ski, Ski fährt die ganze Nation.» Hier in Davos wohl eher nicht. Und wenn ich mir die Preise im Engadin, im Wallis oder im Berner Oberland anschaue, dann rutschen in einigen Jahren vermutlich nur noch ein paar Superreiche die künstlich beschneiten Hänge hinunter.

Trübe Aussichten für Skifahrerinnen und Skifahrer.
Trübe Aussichten für Skifahrerinnen und Skifahrer.

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Patrick Bardelli

Es zählt nicht, wie gut du bist, wenn du gut bist. Sondern wie gut du bist, wenn du schlecht bist.


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