Ryzen 5 5600G im Praxistest: Was taugt der AMD-Chip mit integrierter Grafik?
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Ryzen 5 5600G im Praxistest: Was taugt der AMD-Chip mit integrierter Grafik?

Kevin Hofer
Kevin Hofer
Zürich, am 13.08.2021
AMD bringt mit den Ryzen 5000 APUs zum ersten Mal seit 2019 Prozessoren mit integrierter Grafik für DIY-PC-Bauer. Ich habe mir einen Ryzen 5 5600G geschnappt, in ein System gebaut und zwei Wochen damit gearbeitet.

Mini-ITX-Systeme haben seit der Covid-19-Pandemie eine starke Ausstrahlungskraft auf mich. Ihre kompakte Grösse, gepaart mit besserer Leistung als die meisten Notebooks, machen sie perfekt fürs Homeoffice. Mit den Ryzen 5000 APUs liefert AMD jetzt den perfekten Chip für so ein Kleinstsystem. Die Accelerated Processing Units bieten nebst Rechenkernen, die auf der Zen-3-Architektur basieren, eine integrierte Grafik. Die basiert auf RX Vega und ermöglicht Gamen mit geringen Anforderungen. Die Ryzen 5000 APUs umfassen vorerst den Ryzen 7 5700G und den Ryzen 5 5600G. Die Chips tragen den Codenamen Cezanne.

Ich habe mir einen Ryzen 5 5600G geschnappt, in ein Mini-ITX-System verbaut und die letzten Wochen damit gearbeitet. Ich teste ihn also so, wie ich ihn auch verwenden würde, wenn ich mir ein System zum Arbeiten und Gaming nebenbei bauen würde, das nicht zu viel kosten darf.

Der Chip im Detail

Bevor ich von meinen zwei Wochen berichte, noch ein paar Details zum Ryzen 5 5600G. Er verfügt über sechs Kerne und zwölf Threads. Beim Basistakt stehen 3,7 GHz zur Verfügung und beim Boosttakt maximal 4,4 GHz. Der L3 Cache beträgt 16 Megabyte. Hinzu kommen sieben Radeon RX Recheneinheiten (CU) für die integrierte Grafikeinheit. Die takten mit 1,9 GHz. Die TDP ist konfigurierbar und liegt zwischen 45 und 65 Watt.

Wie alle Zen-3-Prozessoren unterstützt der 5600G bis zu DDR4-3200. Das hilft vor allem der Gaming Performance. Bei Cezanne setzt AMD nebst den neuen Zen-3-Rechenkernen jedoch auch auf alte Technologie. Beim Schnittstellendurchfluss (I/O), der integrierten RX Vega Grafik und generell dem System-on-a-Chip-Design kommen die vom Vorgänger Renoir zum Einsatz. Deshalb kann der 5600G nur PCIe 3.0 statt PCIe 4.0. Auch die Grafikarchitektur ist mit Vega älter. Neuere dedizierte Grafikkarten von AMD basieren auf RDNA2.

Die Pins der APU.
Die Pins der APU.

Im Vergleich zur Desktop CPU Ryzen 5 5600X hat der 5600G die integrierte Grafik verbaut, dafür liegt der Boosttakt 200 MHz tiefer und der L3 Cache ist nur halb so gross. Immerhin liegen beim Basistakt 200 MHz mehr drin. Passen soll die APU auf alle Mainboards der 500er-Serie und je nach Hersteller auch der 400er-Serie.

Tägliche Arbeit

In meiner täglichen Arbeit habe ich es mit Browser, Office-Programmen, Adobe Photoshop und Premiere Pro sowie anderen Applikationen zu tun. Wie von einem modernen Prozessor zu erwarten, erledigt der 5600G diese Aufgaben souverän. Bei Office-Arbeiten und dem Browsen bemerke ich keine relevanten Unterschiede zwischen meinem privaten PC mit Ryzen-9-5950X-Prozessor und Radeon-RX-6800-XT-Grafikkarte und meinem Testsystem. Dieses besteht übrigens aus folgenden Komponenten:

Ryzen 5 5600G (AM4, 3.90 GHz, 6 -Core)
282,–
AMD Ryzen 5 5600G (AM4, 3.90 GHz, 6 -Core)
ROG Strix X570-I Gaming (AM4, AMD X570, Mini ITX)
270,57
ASUS ROG Strix X570-I Gaming (AM4, AMD X570, Mini ITX)
Fury RGB (2 x 8GB, DDR4-3200, DIMM 288 pin)
104,89
HyperX Fury RGB (2 x 8GB, DDR4-3200, DIMM 288 pin)
MP600 (1000 GB, M.2)
153,71 153,71/1TB
Corsair MP600 (1000 GB, M.2)
Osmi 3.1 Aluminium Mini-ITX Gehäuse (Mini-ITX-Gehäuse)
212,14
HGC Osmi 3.1 Aluminium Mini-ITX Gehäuse (Mini-ITX-Gehäuse)

Wie immer bei meinen Tests, lasse ich im BIOS alles auf Standard. Einzig XMP aktiviere ich, damit ich von optimalen Taktraten und Speichertimings profitiere.

Bei der Bild- und Videobearbeitung macht sich jedoch die geringere Power bemerkbar. Erstens dauert es länger, bis Bilder geöffnet sind und zweitens dauert es merklich länger, bis Video exportiert sind. Dennoch: Mein Testsystem scheint nie überfordert zu sein. Es braucht manchmal einfach etwas mehr Geduld.

Zum besseren Vergleich exportiere ich Testmaterial in Adobe Premiere Pro. Dasselbe Material habe ich bereits bei meinem Review zum neuen iMac verwendet. Es handelt sich um ein knapp vierminütiges Video in 1080p-Auflösung und h.264. Der 5600G braucht für die Aufgabe 2 Minuten und 49 Sekunden. Der iMac erledigt die Aufgabe 19 Sekunden schneller. Mein privater Rechner ist übrigens 1 Minute und 1 Sekunde schneller als der 5600G.

Wie schlägt sich die APU in Benchmarks?

Damit du dir ein besseres Bild von der Leistungsfähigkeit der Rechenkerne im 5600G machen kannst, lasse ich ihn in den CPU Benchmarks Cinebench R20, CPU-Z und PCMark 10 antreten. Cinebench und CPU-Z messen die Leistungsfähigkeit der CPU mit Single und Multi Core und berechnen daraus eine Punktzahl. Je höher, desto besser. PCMark 10 testet reale Szenarien wie das Starten von Applikationen, Webbrowsen, Video- und Fotobearbeitung und Weiteres. Daraus erstellt das Programm mehrere Scores. Unten liste ich dir die Scores «Essentials», zum Starten von Programmen und Co., sowie «Productivity», für Video-, Fotobearbeitung und Co., auf. Erneut ist die höhere Score, die bessere. Die APU darf sich mit der Konkurrenz aus eigenem Hause, dem Ryzen 5 5600X, und dem Intel i5-11600K messen.

ProzessorCinebench R20CPU-ZPCMark 10
Ryzen 5 5600GSingle Core: 561
Multi Core: 4162
Single Core: 617
Multi Core: 4703
Essentials: 8870
Productivity: 6811
Ryzen 5 5600XSingle Core: 595
Multi Core: 4306
Single Core: 635
Multi Core: 4894
Essentials: 10186
Productivity: 10189
Core i5-11600KSingle Core: 600
Multi Core: 4332
Single Core: 660
Multi Core: 4789
Essentials: 10264
Productivity: 9483

Hier muss ich festhalten, dass ich den 5600X sowie den 11600K auf der offenen Testbench mit grösserem CPU-Kühler getestet habe. Der 5600G im Gehäuse wird bei den Tests also nicht so effizient gekühlt, wie die beiden CPUs. Zudem habe ich bei den Reviews von 5600X und 11600K sowieso andere Komponenten wie Mainboard, RAM und GPU verwendet. Der Vergleich ist also mit Vorsicht zu geniessen. Speziell beim PCMark 10 spielen die weiteren Komponenten eine grosse Rolle. Zudem läuft dieser Benchmark ungefähr eine halbe Stunde. Die CPU ist dabei immer unter Last. Die effizientere Kühlung auf der Testbench beim 5600X und 11600K spielen eine wesentliche Rolle. Der Vollständigkeit halber habe ich deren Ergebnisse trotzdem aufgelistet.

Dennoch: Einzig in den Single-Core-Tests muss sich der 5600G deutlich geschlagen geben. Der 5600X ist in Cinebench R20 rund sechs Prozent schneller und der 11600K rund sieben Prozent. Beim CPU-Z Benchmark verhält es sich ähnlich. Das hängt zum Teil aber auch mit der schlechteren Kühlung zusammen.

Wenn ich meiner Arbeit nachgehe, bemerke ich von diesen Unterschieden nicht viel. PCMark beispielsweise testet, wie schnell Applikationen gestartet werden. Ob ich nun 0,946 Sekunden beim 5600G oder 0,845 Sekunden beim 5600X auf den Start vom Browser warte, beeinträchtigt mich nicht in meiner Arbeit.

Selbstverständlich ist es bei rechenintensiven Aufgaben wie dem Export eines Videos anders. Aber auch hier: In meinem Fall spielt es keine Rolle, ob ich nun knapp drei Minuten oder knapp zwei Minuten warte, bis das Video exportiert ist. Arbeitest du viel mit Videoschnitt ist das selbstverständlich relevant. Aber dann solltest du ein System mit Leistungsfähigerer CPU und Grafikkarte in Betracht ziehen. Fürs Büro reicht der 5600G in meinem System längst aus.

Das zeigt auch der Benchmark Geekbench 5. Der orientiert sich wie PCMark 10 an realen Szenarien, er dauert allerdings nur zwei bis drei Minuten. Daher können bei Geekbench auch Systeme mit schlechter Kühlung eine hohe Punktzahl holen – also beispielsweise Smartphones. Den Benchmark verwende ich üblicherweise nicht für CPU-Reviews, weshalb mir Daten vom 5600X und 11600K fehlen. Deshalb lasse ich ihn erneut gegen den neuen aktiv gekühlten iMac antreten.

SystemSingle Core in Geekbench 5Multi Core in Geekbench 5
Ryzen 5600G in DIY Mini-ITX-PC15017658
M1 im iMac14907761

Im Single Core holt sich der 5600G den Sieg, im Multi Core der M1. Die Ergebnisse liegen jedoch sehr nahe beieinander. Eben so nahe, dass mir der Unterschied im alltäglichen Gebrauch nicht auffällt.

Verhalten unter Last

Um zu sehen, wie sich die CPU im Testsystem unter länger anhaltender Last verhält, lasse ich Cinebench R23 laufen. Der Benchmark testet wie Cinebench R20 die Leistungsfähigkeit der CPU beim Rendern von Cinema-4D-Inhalten. Der Test läuft jedoch während 10 Minuten statt nur knapp einer Minute. Die CPU ist also viel länger unter Last.

Wie sich zeigt, läuft der 5600G auch unter Last relativ kühl. Im Leerlauf beträgt die Temperatur der APU um die 40 Grad Celsius. Sobald ich den Benchmark starte, schnellt die Temperatur innert weniger Sekunden in die Höhe. Nach 20 Sekunden ist sie bereits 72 Grad heiss. Nach einer Minute 77 Grad. Während des Test steigt die Temperatur der APU nur noch um zwei Grad. Maximal 79 Grad messe ich während des 10-minütigen Benchmarks. Ans Temperaturlimit von 95 Grad Celsius kommt die APU nicht, weshalb sie konstant mit 4,2 GHz taktet.

Klein, aber fein: Das Setup mit dem Ryzen 5600G
Klein, aber fein: Das Setup mit dem Ryzen 5600G

Gamen mit dem 5600G

Für die tägliche Büroarbeit reicht der 5600G also vollkommen. Aber wie sieht es mit Gaming aus? Ich will wissen, wie gut sich die APU mit integrierter Grafik in drei meiner Benchmark Games schlägt. Ich teste in 720p- und 1080p-Auflösung mit den jeweils niedrigsten Voreinstellungen.

Zuerst teste ich in 720p-Auflösung. Wie ich früher so am PC gamen konnte, ist mir heute ein Rätsel. Die tiefe Auflösung und die geringen Details in «Far Cry 5» tun mir schon fast weh. Immerhin erreicht «Far Cry 5», das ich mit DirectX 11 spiele, durchschnittlich 63 Bilder pro Sekunde. In 1080p-Auflösung sind’s dann jedoch nur noch 35 FPS, was bei schnellen Bewegungen teils zu Problemen führt.

Etwa so unscharf wie auf der linken Bildhälfte sieht Gamen in 720p-Auflösung aus.
Etwa so unscharf wie auf der linken Bildhälfte sieht Gamen in 720p-Auflösung aus.

Zusätzlich messe ich die Frametime im 99 Perzentil. Die Messwerte der Perzentile sind klassisch in Millisekunden gemessene Frametimes. Also die zeitlichen Abstände von Bild zu Bild. Die Perzentil-Werte haben die Aufgabe, vereinzelte Ausreisser zu ignorieren. 99 Perzentil bedeuten, dass 99 Prozent aller Messwerte schneller als der angegebene Messwert sind. Im Fall von «Far Cry 5» laufen 99 Prozent der gemessenen FPS bei 720p-Auflösung mit einer höheren Framerate als mit 49. Genau ein Prozent läuft dagegen langsamer als 49 FPS. Bei 1080p-Auflösung sind es 31 FPS.

Im Gegensatz zu «Far Cry 5» mit DirectX 11 spiele ich «Strange Brigade» mit Vulkan. In 720p- erreiche ich 65 und in 1080-Auflösung 36 FPS. Hier sind es beim 99 Perzentil 50 respektive 36 FPS.

Zu guter Letzt tue ich mir noch «Shadow of the Tomb Raider» an. Mir raucht der Schädel nach all der Pixelgrafik. Bei Retro-Spielen mag ich den Charme von Pixeln, bei neueren Games finde ich sie nur hässlich. Das Game, das in DirectX 12 läuft, ist etwas anspruchsvoller und ich erreiche bei 720p-Auflösung knapp 58 FPS. In 1080p noch 31 FPS. Also knapp spielbar, obwohl ich persönlich gerne mindestens 60 FPS habe. Beim 99 Perzentil sind’s 46 respektive 28 FPS.

Die integrierte Vega-Grafik reicht also knapp aus, um auch moderne Spiele in tiefer Auflösung und Detailstufe zu spielen.

Fazit: Ideal für Mini-ITX ohne Platz für eine dedizierte Grafikkarte

Nach zwei Wochen mit dem Mini-ITX-System und Ryzen 5600G muss ich sagen: Bei der täglichen Arbeit fehlt mir gar nichts im Vergleich zu meinem High-End-PC. Im Gegenteil: Ich empfinde das kleine System als äusserst angenehm. Es sieht schick aus und weil die CPU weniger Leistung hat, dreht auch der Lüfter weniger laut, da er weniger kühlen muss. Zudem läuft immer alles flüssig, nur beim Export von Videos braucht es etwas Geduld.

Auch Gamen geht – aber nur sehr begrenzt. Wenn du nur nebenbei spielst, mit 1080p-Auflösung, niedrigen Details und mit etwas mehr als 30 FPS leben kannst, ist die integrierte Grafik tatsächlich eine Option. Mir wäre das auf Dauer zu wenig. Aber eine dedizierte Grafikkarte einbauen, kannst du auch nachträglich noch – wenn der Platz dazu im Gehäuse vorhanden ist.

Im Grossen und Ganzen würde ich die Ryzen 5 5600G APU allen empfehlen, die ein leistungsfähiges und kompaktes System zum Arbeiten möchten, auf dem sie gelegentlich Games mit geringen Anforderungen spielen können. Für knapp 280 Franken bietet die CPU einiges und ich empfinde den Preis als fair.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer

Editor, Zürich

Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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