

Sony Bravia 9 Mark II im Test: Die RGB-Revolution begeistert
OLED gilt seit Jahren als Mass aller Dinge. Doch Sonys Bravia 9 Mark II stellt dieses Dogma ernsthaft infrage. Sein neues RGB-Backlight liefert eine Bildqualität, die selbst eingefleischte OLED-Fans wie mich ins Grübeln bringt.
Full Disclosure: Der Fernseher, die 65-Zoll-Version des Bravia 9 Mark II, wurde mir von Sony zum Testen zur Verfügung gestellt. Sony hat jedoch keinen Einfluss auf das Testergebnis, meine Bewertung und das Testverfahren.
Jeder LCD-Fernseher hat ein Hintergrundlicht. Ein Backlight. Es gibt den Pixeln ihr Licht und bestimmt damit, wie hell, kontrastreich und farbtreu das Bild wirkt. Bei herkömmlichen Mini-LED-Fernsehern besteht dieses Backlight aus blauen LEDs. Ihr Licht wird durch eine Quantum-Dot-Schicht in reines Weiss umgewandelt, danach spalten Farbfilter dieses Weiss wieder in Rot, Grün oder Blau auf. So entstehen die Farben, die du siehst.
Sonys Bravia 9 Mark II ist aber kein gewöhnlicher Mini-LED-Fernseher, sondern ein RGB-Mini-LED-Fernseher. Statt blauer LEDs sitzen direkt im Backlight rote, grüne und blaue Sub-LEDs – jede davon einzeln ansteuerbar. Die Farbe entsteht so nicht mehr erst vor dem Backlight, sondern bereits in ihm. Sony nennt das True RGB. Und wer glaubt, das sei bloss ein Marketingname, irrt sich gewaltig.
Die Technologie ist übrigens nicht Sony-exklusiv. Hisense, Samsung, sogar LG – alle haben ihre Version von RGB-Mini-LED. Aber Sony hat geforscht, bis seine Technologie reif genug war, um sie «True RGB» zu nennen. Das ist kein Zufall. Der Unterschied zur Konkurrenz liegt im sogenannten Sensing-Algorithmus, den Backlight-Ingenieur Akiyama Hideki als «schwierigste Mission meines gesamten Sony-Lebens» bezeichnet. Anders als bei der Konkurrenz sorgt dieser Algorithmus dafür, dass die roten, grünen und blauen Sub-LEDs in Echtzeit überwacht und gesteuert werden.
True RGB. Langsam fällt der Groschen.
Doch was bedeutet das in der Praxis? Dieser Frage gehe ich nach. Mit Messungen, Referenzszenen und dem direkten Vergleich mit den besten TVs 2025 und Sonys eigenem Vorgänger, dem Bravia 9. Denn der war bereits ein beeindruckender Mini-LED-Fernseher mit einer entscheidenden Schwäche: Farbtreue und Farbraumabdeckung blieben hinter der OLED-Konkurrenz zurück. Gut war nicht gut genug. Der Bravia 9 Mark II soll das ändern.
Spoiler: Er wird es ändern.
Design: Industrielook mit optischer Illusion
Rein äusserlich bleibt sich Sony auch 2026 treu – und doch ist diesmal etwas anders. Der Bravia 9 Mark II verabschiedet sich von den ikonischen Entenfüssen links und rechts am Rand. Stattdessen sitzt ein einzelner, zentraler Standfuss mittig unter dem Panel. Aus Glas. Und dieser Standfuss hat einen Trick.
Das Glas ist so bearbeitet, dass es senkrecht verlaufendes Licht – also alles, was von hinten durch den Fuss sichtbar sein müsste, Kabel zum Beispiel – reflektiert, statt es durchzulassen. Von vorne betrachtet siehst du also nichts. Kein Kabel, kein Wirrwarr, keine Ablenkung. Der Fernseher scheint schwebend auf dem Möbel zu stehen, als würde er seinen Strom direkt aus der Luft beziehen. Erst wer seitlich um den TV herumläuft, entlarvt die Illusion.
Praktisch bleibt alles beim Alten. Die Lücke zwischen Panel-Unterkante und Möbel reicht weiterhin für die meisten Soundbars. Und der zentrale Fuss lässt sich, anders als die alten Entenfüsse, auch auf schmaleren Möbeln platzieren. Ein kleines, aber feines Upgrade – typisch Sony.
Zu den Specs. Sonys Bravia 9 Mark II bietet Folgendes:
- 4x HDMI-2.1-Anschlüsse, einer davon mit eARC
- 2x USB-A-Port
- 1x Ausgang für Toslink
- 1x LAN-Port
- 1x CI-Slot
- Antennenanschlüsse (DVB-T/T2, DVB-C, DVB-S/S2)
- Bluetooth 5.3
- WLAN (Wi-Fi 6 / Wi-Fi 6E)
- Chromecast Built-in
- Apple AirPlay und Apple HomeKit
Alle vier HDMI-Eingänge unterstützen HLG, HDR10 und Dolby Vision. Einzig HDR10+ fehlt, dessen Verbreitung bleibt aber weiterhin verschwindend klein. Sehr positiv ist die Passthrough-Funktion von Dolby Atmos und DTS:X. Neu mit dabei: Wi-Fi 6E, welches das 6-GHz-Frequenzband nutzt und in dicht belegten Netzwerken für stabilere Verbindungen sorgt.
Messungen: absolute Rekordpräzision
Was jetzt kommt, geht tief in die Materie. Ich messe mit professionellem Werkzeug von Portrait Display, um eine objektive Einordnung der Bildqualität zu erhalten. Falls dich Details und Diagramme nicht interessieren, kannst du zum Kapitel «Das Bild: LCD fordert OLED heraus – und kommt verdammt nah ran» scrollen.
Zu den Messungen. Ich habe alle Bildschirm-Modi des Fernsehers ausgemessen, ohne eine Kalibrierung vorzunehmen – so, wie das Gerät aus der Verpackung kommt. An den Einstellungen habe ich nur eine Änderung vorgenommen:
- Bewegung: Unter «Motion Flow» habe ich den «Filmmodus» auf «Niedrig» gestellt, damit das Bild flüssiger wirkt und weniger ruckelt.
Die besten Messwerte hat überraschenderweise nicht Sonys Dolby-Vision-Modus erzielt, sondern sein Professional-Modus. Und zwar mit einem so gewaltigen Abstand, dass ich mich entschieden habe, sämtliche Inhalte ausschliesslich in diesem Modus zu schauen. Auch Dolby-Vision-Inhalte. Das ist ungewöhnlich, fast schon ketzerisch. Aber wieso sollte ich auf Referenz-Werte verzichten, wenn es einen Modus gibt, der sie von Haus aus liefert?
Beim Gamen hingegen solltest du aufgrund des Input-Lags auch weiterhin den Game-Modus nehmen.
Die maximale Helligkeit
Wer den Bravia 9 Mark II zum ersten Mal misst, erlebt eine kleine Überraschung. Die Spitzenhelligkeit bei kleinen Bildfenstern – also dort, wo Mini-LED-Fernseher traditionell angeben – ist im Professional-Modus überraschend zurückhaltend. Sogar tiefer als beim Bravia 8 Mark II, einem OLED-Fernseher, der traditionell eher weniger hell strahlen müsste. Das alles klingt also erst mal nach Schwäche. Ist es aber nicht.
Sony hat das nämlich bewusst so entschieden. Denn wer die Helligkeit bei kleinen Bildbereichen maximal aufdreht, riskiert ausgebleichte Highlights und einen verfälschten Weissabgleich. Das Bild wirkt dann beeindruckend hell, aber nicht mehr korrekt. Im Professional-Modus geht Sony einen anderen Weg: weniger Spitzenwert, dafür konstant hohe Helligkeit über die gesamte Bildfläche (967 Nit!). Und genau da liegt der eigentliche Trick.
Während OLED-Fernseher bei grossen Bildflächen stark regulieren müssen, um kein Burn-In zu riskieren, hält der Bravia 9 Mark II die Helligkeit auch bei halber oder ganzer Bildfläche auf einem Niveau, das kein OLED erreicht. Das Ergebnis ist ein Kontrast, der sich fast nach OLED anfühlt – aber von der anderen Seite herkommt. Also nicht durch perfektes Schwarz, sondern durch perfekte Helligkeit.
Weissabgleich, Farben und Grautöne
Etwas wird sich bei Sony wohl nie ändern: natürliche Farben, präzise Abstufungen und ein neutral abgestimmtes Bild. Aber diesmal ist «präzise» masslos untertrieben. Du wirst gleich sehen. Fangen wir mit dem Weissabgleich an.
Weiss entsteht auf einem Bildschirm, wenn Rot, Grün und Blau gleichzeitig und im exakt richtigen Verhältnis leuchten. Stimmt dieses Verhältnis nicht, schleicht sich ein Farbstich ein – das Weiss wird zu kalt, zu warm oder zu grünlich. Die RGB-Balance des Bravia 9 Mark II zeigt, wie ausgesprochen gut er dieses Gleichgewicht über alle Helligkeitsstufen hält: Kein Kanal dominiert, keiner fällt zurück, und alle Werte weichen nur um maximal ein Prozent vom Sollwert ab.

Als nächstes die Farbraumabdeckung. Dort messe ich:
- Rec. 709: 100 % (gut = 100 %) – der Standard-Farbraum für SDR-Inhalte wie Live-TV, DVDs und Blu-Rays.
- DCI-P3: 99,81 % (gut = >90 %) – der Standard-Farbraum für HDR-Inhalte, zum Beispiel in HDR10 oder Dolby Vision.
- BT.2020: 88,61 % (gut = >90 %) – der Farbraum der Zukunft. Aktuelle Inhalte nutzen ihn kaum bis nie.

Sony holt in Sachen Farbraumabdeckung also fast das Maximum heraus. Dass der Bravia 9 Mark II beim BT.2020-Farbraum die angepeilten 90 Prozent knapp nicht erreicht, ist nicht schlimm: Selbst LGs Tandem-RGB-OLED kam hier «nur» auf knapp 76 Prozent, was für einen Spitzen-TV immer noch recht hoch ist. Einzig Samsungs S95F übertraf die Marke mit seinen 91,39 Prozent sogar.
Bleibt noch die Farbtreue, also die Frage, wie akkurat der Fernseher einzelne Farben trifft. Der Bravia 9 Mark II liefert im Professional-Modus einen DeltaE-Wert, der sich gewaschen hat: 1,9! Der alte Bravia 9 kam im Dolby-Vision-Modus auf 4,07 – und das war nur knapp unterhalb der maximal akzeptablen 5. Sonys Bravia 8 Mark II erreichte einen Wert von 3,76. LGs G5 einen von 2,29.
Zur Einordnung: Ein DeltaE von unter 3 ist nur für Fachleute sichtbar und gilt darum schon als ausgezeichnet. Durch eine Kalibrierung versucht man, den Wert sogar unter 2 zu drücken. Der Bravia 9 Mark II schafft das auch so. Und das, wohlgemerkt, ohne jede Kalibrierung von meiner Seite. Wahnsinn.
Reflexionen
Reflexionen lassen sich nicht direkt messen – aber man sieht sie. Ausser beim Bravia 9 Mark II. Dort sehe ich sie kaum. Denn Sony verbaut erstmals bei einem seiner LCD-Fernseher eine matte Anti-Reflexionsschicht – bisher war das die Domäne von Samsungs S95F, dem einzigen OLED mit dieser Behandlung.
Das Prinzip ist dasselbe: Einfallendes Licht wird nicht gespiegelt, sondern breit gestreut. Statt punktuell zu blenden, verteilt sich das Umgebungslicht so gleichmässig über die Bildfläche, dass es kaum als Reflexion auffällt. Fenster im Rücken, Deckenlampe über dem Sofa, Nachmittagssonne von der Seite – der Bravia 9 Mark II schluckt das alles, ohne mit der Wimper zu zucken.
Die Kehrseite kennt man vom S95F: In sehr hellen Umgebungen verlieren die Schwarzwerte etwas von ihrem Punch. Schwarz wirkt dann eher matt als tief. Bei einem LCD-Fernseher, dessen Schwarzwert ohnehin nicht mit OLED mithalten kann, fällt das aber kaum ins Gewicht. Den Trade-off gehst du also praktisch nur ein, wenn es im Raum gerade wirklich gleissend hell ist – und dann bist du eh froh, dass du keine Spiegelwand vor dir hast.
Das Bild: LCD fordert OLED heraus – und kommt verdammt nah ran
Die Messungen sind beeindruckend – soweit die Theorie. Doch was nützen perfekte DeltaE-Werte, wenn das Bild im Wohnzimmer nicht überzeugt? Zeit für den Praxistest.
Neben dem Bravia 9 Mark II habe ich drei weitere Fernseher unter denselben Bedingungen getestet: seinen direkten Vorgänger, den Bravia 9, sowie meine beiden Lieblinge aus dem letzten Jahr – LGs G5 und Sonys eigenen Bravia 8 Mark II. Zwei Mini-LED-Fernseher, zwei OLEDs. Herkömmliches Mini-LED gegen True RGB, LCD gegen OLED. Wer liefert das bessere Bild?
Möchtest du die ausführlichen Einzeltests der anderen Modelle nachlesen, findest du sie hier:
Farbwiedergabe
Wie unterscheiden sich die vier Fernseher in Sachen Farbwiedergabe? Ich habe sie mit Szenen aus «Guardians of the Galaxy Vol. 2», «Avatar: The Way of Water» und «James Bond: Skyfall» auf die Probe gestellt – allesamt visuelle Schwergewichte mit kräftigen Farben, feinen Lichtstimmungen und anspruchsvollen Hauttönen.
Quelle: UHD-Blu-ray, «Guardians of the Galaxy Vol. 2» – Disney+, «Avatar: The Way of Water» – Apple TV+, «James Bond: Skyfall»
Fangen wir mit dem auffälligsten Vergleich an: dem alten Bravia 9 gegen den Bravia 9 Mark II. Der Unterschied ist mit blossem Auge sichtbar – und deckt sich exakt mit den Messwerten. Drax' Haut in «Guardians 2», die Na'vi-Gesichter in «Avatar»: Beim alten Bravia 9 schleicht sich überall ein leichter Gelbstich ein, der das Bild unnatürlich wirken lässt. In «Skyfall» dreht sich das Bild. Dort wirkt der alte Bravia 9 sogar eher zu kalt.
Gegenüber den beiden OLEDs – LGs G5 und Sonys Bravia 8 Mark II – bleibt der Bravia 9 Mark II seiner Linie treu: Er ist kühler, sachlicher und weniger schmeichelnd. Der G5 macht Egos Palast nämlich wärmer golden, den Dschungel in «Avatar» satter grün und Bonds Gesicht nostalgisch warm. Das mag weniger akkurat sein – ist aber unbestreitbar schön. Der Bravia 8 Mark II liegt dazwischen. Was die beiden OLEDs an Wärme und Emotionalität mitbringen, verdanken sie halt ihrer Technologie. Der Bravia 9 Mark II erreicht aber Ähnliches – mit einem LCD-Panel. Das war vor zwei Jahren noch undenkbar.
Schwarzwert und Helligkeitsabstufung
Wie schlagen sich die vier Fernseher bei besonders dunklen oder extrem hellen Filmszenen? Ich habe sie mit «Blade Runner 2049» und «Jurassic World: Fallen Kingdom» getestet – beides Filme, die Schatten, Spitzlichter und Kontrastverläufe an ihre Grenzen bringen.
Quelle: UHD-Blu-Ray, «Blade Runner 2049» / «Jurassic World»
Bei dunklen Szenen zeigt sich der erwartbare, aber dennoch beeindruckende Unterschied zwischen LCD und OLED. Der G5 und Sonys Bravia 8 Mark II tauchen Sapper Morton und Agent K in «Blade Runner 2049» in fast pechschwarzes Dunkel – Silhouetten verschwimmen mit dem Hintergrund, Details versumpfen. Der Bravia 9 Mark II hebt die Schatten leicht an und zeigt dafür mehr: die Wandstruktur, den Herd, die Küchenzeile. Was ist «richtiger»? Geschmacksfrage, schätze ich. Für mich persönlich lebt «Blade Runner» von Dunkelheit. Von dem, was man darin erahnt.
Bei hellen Szenen wendet sich das Blatt. In «Jurassic World: Fallen Kingdom» strahlt der Bravia 9 Mark II kräftiger, die Sonne ist heller, und das Flugzeug hebt sich schärfer vom Abendhimmel ab. Die OLEDs wirken gedämpfter, dafür weicher und filmischer in den Orangetönen des Sonnenuntergangs. Der alte Bravia 9 kommt dem Mark II hier am nächsten, wenn auch mit dem gewohnten Gelbstich, der die Szene wärmer, aber weniger akkurat erscheinen lässt.
Local Dimming und Blooming
Seit Jahren mache ich es Fernsehern in meinem Local-Dimming-Test alles andere als leicht. Der Vergleich reicht diesmal von LGs 8K-Fernseher aus dem Jahr 2020 bis zum Bravia 9 Mark II – und erzählt dabei die Geschichte einer Technologie, die in sechs Jahren enorme Fortschritte gemacht hat.
Quelle: UHD-Blu-Ray, «Westworld», Staffel 2, Episode 2. Timestamp: 00:11:50.
Beim LG war Blooming – also jene typischen Lichtkränze, die entstehen, wenn helle Objekte auf dunklem Hintergrund leuchten – nämlich beinahe unerträglich. Samsungs QN95D verbesserte das spürbar, der QN900D eliminierte Blooming fast vollständig.
Aber erst Sonys Bravia 9 vor zwei Jahren eliminierte Blooming komplett, trotz seines grösseren 75-Zoll-Panels. Beim Bravia 9 Mark II? Da ist ebenfalls nichts. Und das, obwohl er pro Zoll sogar etwas weniger Dimmzonen hat als sein Vorgänger. Der Grund liegt in der RGB-Mini-LED-Technologie: Weil das Backlight bereits in der richtigen Farbe leuchtet statt in grellem Weiss, ist das unvermeidliche Restlicht für unser Auge kaum noch wahrnehmbar und kann von den LCDs besser geblockt werden.
Der Prozessor: tadellos. Fast.
Der Prozessor ist das Gehirn des Fernsehers. Seine Hauptaufgabe besteht darin, Bildsignale zu empfangen, zu verarbeiten und darzustellen. Dabei erkennt er schlechte Bildqualität und wertet sie auf, indem er Rauschen entfernt, Farben verstärkt, Kanten glättet, Bewegungen flüssiger macht und fehlende Pixel-Informationen ergänzt.
Motion Processing und Judder
Für den Judder-Test kommt wieder «1917» von Sam Mendes zum Zug. Mit seinen langen, gleichmässigen Kamerafahrten der perfekte Stresstest für jeden Prozessor. Achte auf die vertikalen Holzbalken in der Scheune: Laufen sie sauber durchs Bild – oder ruckelt's?
Quelle: UHD-Blu-Ray, «1917». Timestamp: 00:42:25.
Hier erlebe ich zum ersten Mal eine unschöne Überraschung. Trotz identischer Bildeinstellungen zeigt der Bravia 9 Mark II den deutlichsten Judder der vier Fernseher – hält man das Bild an, sieht man die schattenhaften Schemen der Balken, die verraten, dass der Prozessor hier bewusst wenig eingreift.
Der Grund liegt wohl im Professional-Modus, der die Intention des Regisseurs möglichst unverfälscht wiedergeben will. Kinofilm hat 24 Bilder pro Sekunde – und wer es puristisch mag, wird das zu schätzen wissen. Ich persönlich nicht. LG bleibt in dieser Disziplin mein Favorit: butterweich, ohne in den Soap-Effekt abzugleiten. Sony bleibt am konservativen Ende – konsequent für Puristen, aber nicht für jeden Geschmack.
Upscaling
Nun zu einem der anspruchsvollsten Tests: Wie gut kann der Prozessor minderwertige Quellen verbessern – etwa ältere Blu-rays, Live-TV oder Serien wie «The Walking Dead»? Diese wurde bewusst auf 16-mm-Film gedreht, um mit Filmkorn und Bildrauschen eine beschädigte, postapokalyptische Atmosphäre zu erzeugen.
Quelle: Netflix, «The Walking Dead», Staffel 7, Episode 1. Timestamp: 00:02:30.
Der deutlichste Vergleich ist jener mit dem alten Bravia 9. Der Vorgänger überschärft sichtbar, Negans Gesicht wirkt fast zu «digital», Kanten wirken zu hart und Texturen zu aggressiv bearbeitet. Der Bravia 9 Mark II findet einen natürlicheren Mittelweg: scharf, detailreich, aber ohne diesen künstlichen Look, der einem bei genauem Hinsehen sofort auffällt.
Gegenüber dem Bravia 8 Mark II und LGs G5 bewegt sich der Bravia 9 Mark II auf Augenhöhe – mit leicht unterschiedlicher Bildphilosophie. Die beiden OLEDs rendern Negans Bart und die Schweissperlen auf seiner Stirn minimal weicher und wärmer. Der Bravia 9 Mark II ist kühler und direkter, die Kanten einen Tick präziser. Wer hier einen klaren Sieger küren will, muss wirklich mit der Lupe ran.
Unterm Strich vier Fernseher auf sehr hohem Niveau, mit einer Ausnahme: Der alte Bravia 9 fällt beim Upscaling sichtbar ab. Auch das ist eine Aussage über den Fortschritt des Mark II.
Gaming: Input Lag und Game Mode
Zum Thema Input-Lag, also der Verzögerung zwischen Controller-Eingabe und Reaktion auf dem Bildschirm: Mit dem Messgerät von Leo Bodnar komme ich beim Bravia 9 Mark II auf 13,8 Millisekunden – gemessen bei UHD-Auflösung, 60 Bildern pro Sekunde und aktiviertem HDR. Das ist zwar ein guter Wert, aber deutlich über dem von LGs G5 (9,7 Millisekunden). Immerhin wird die oft zitierte 20-Millisekunden-Grenze nicht überschritten, ab der du Verzögerungen wirklich spürst.
- 4x HDMI-2.1-Anschlüsse (4K 120Hz)
- Auto Low Latency Mode (ALLM)
- Variable Bildraten (HDMI Forum VRR, nur auf HDMI 3 und 4)
Dazu ist Sony, ebenso wie Samsung, LG, Philips, TCL und Panasonic, eine Partnerschaft mit grossen Spielestudios eingegangen. Das Ergebnis ist die HGiG – die HDR Gaming Interest Group. Laut Hersteller soll damit sichergestellt werden, dass HDR so dargestellt wird, wie es die Spieleentwickler vorgesehen haben, etwa beim Spielen von «Spider-Man 2» auf meiner PlayStation 5 Pro.
Quelle: PS5 Pro, «Spider-Man 2», 120Hz-Modus, HDR, VRR und Ray Tracing aktiviert.
Spider-Man schwingt sich mit 120 Frames pro Sekunde durch New York, und der Bravia 9 Mark II zieht jeden Schwung mit – ohne Zögern, ohne Schmieren oder Nachziehen. Die Ray-Tracing-Reflexionen in Pfützen und Schaufensterscheiben funkeln dank True RGB mit einer Farbkraft, die ich von einem LCD-Fernseher so nicht erwartet hätte. Selbst in hitzigen Kämpfen mit schnellen Kameraschwenks und HDR-Lichtblitzen bleibt das Bild scharf und reaktionsschnell. Den Input-Lag bemerke ich schlicht nicht. Wer aber ernsthaft auf Millisekunden angewiesen ist – Stichwort kompetitives PVP – der ist bei LG und Samsung nach wie vor besser aufgehoben.
Fazit
Der beste LCD-Fernseher, den ich je getestet habe
Der Bravia 9 Mark II ist kein normales Upgrade. Er ist Sonys Antwort auf eine Frage, die sich die Branche seit Jahren stellt: Kann LCD jemals mit OLED mithalten? Nach diesem Test sage ich: Ja. Zumindest beim Bild.
Die Farbtreue und der Weissabgleich sind schlicht beeindruckend – unkalibriert, ab Werk und auf einem Niveau, das ich bisher nur von professionellen Referenzmonitoren kannte. Die matte Anti-Reflexionsschicht ist ein lange überfälliger Schritt. Das Blooming ist Geschichte. Und die Flächenhelligkeit schlägt jeden OLED auf dem Markt. True RGB ist kein Marketingversprechen. Es ist eine messbare Realität.
Kleine Kritikpunkte gibt's trotzdem: Der Judder im Professional-Modus ist spürbar, und beim Input-Lag bleibt LG der schnellere Reaktionspartner. Wer ausserdem das tiefste Kinodunkel sucht, wird bei OLED nach wie vor glücklicher. Aber wer ein akkurates, helles und alltagstaugliches Bild will – eines, das auch bei Tageslicht überzeugt –, findet hier schlicht das Beste, was LCD momentan zu bieten hat.
Pro
- nahezu perfekte Farbtreue ab Werk – ohne Kalibrierung
- konstant hohe Flächenhelligkeit, die kein OLED erreicht
- matte Anti-Reflexionsschicht – endlich auch bei LCD
- kein sichtbares Blooming dank True RGB
- sauberes Upscaling, starke SDR- und HDR-Wiedergabe
Contra
- Schwarzwert erreicht OLED-Niveau nicht

Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.
Unsere Expertinnen und Experten testen Produkte und deren Anwendungen. Unabhängig und neutral.
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