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Pia Seidel
Hintergrund

Stimmung statt Lumen: Was dieser Designer bei der Beleuchtung zuhause anders macht

Pia Seidel
14.4.2026
Bilder: Pia Seidel

«Mach das Deckenlicht aus!» So simpel ist der Rat von Federico Stefanovich – und ebenso radikal, wenn du bedenkst, wie die meisten von uns ihr Zuhause beleuchten. Der Designer aus Mexico City versteht Licht nicht als Beiwerk, sondern als das Hauptmaterial, mit dem er arbeitet.

Anfang Jahr hat Federico Stefanovich auf der Art Week Mexico City seine neue Kollektion «Salina» vorgestellt. Ich treffe ihn in seinem neuen Showroom. Wir reden über Handwerk, Licht als Material – und warum Künstliche Intelligenz ihm ein bisschen das Herz bricht.

Stefanovich wuchs in Mexico City auf, studierte Industriedesign und landete fast zufällig in der Leuchtengestaltung. Sein erstes eigenes Stück: ein kleines Mobile mit integriertem Licht. Architekturbüros liebten es, wollten es grösser. Er kam dieser Bitte nach. Und plötzlich war er «the lighting guy».

Federico Stefanovich in seinem Showroom in Mexico City, wo Tageslicht und seine skulpturalen Leuchten sich gegenseitig bespielen.
Federico Stefanovich in seinem Showroom in Mexico City, wo Tageslicht und seine skulpturalen Leuchten sich gegenseitig bespielen.

Was dabei nicht sofort sichtbar ist: Hinter den organischen Formen steckt ein ausgeprägter Sinn für Physik und Mathematik. Während die meisten im Studium Design gewählt haben, weil sie Mathe hassten, war's bei ihm umgekehrt. Für sein erstes Mobile schickte er Gleichgewichtsberechnungen an einen Physiker-Freund, der sie immer wieder korrigiert retournierte. «Wir haben das in der Schule gelernt und dann nie mehr gebraucht», sagt er und lacht. «Es macht Spass, wieder zu rechnen».

Was ist die grösste Herausforderung bei der Gestaltung von Leuchten?
Federico Stefanovich: Licht muss nicht nur schön aussehen, es muss funktionieren. Verkabelung, Versand, Leuchtmittel wechseln, alles. Dazu kommen Zertifizierungen: In den USA und Eurpa sind die Vorschriften komplett unterschiedlich. Bei kleinen Stückzahlen rechnet sich das schlicht nicht. Manche Kundinnen und Kunden können meine Stücke deshalb gar nicht kaufen. Dazu kommt: Ich habe keine eigene Werkstatt, sondern arbeite mit kleinen Handwerksbetrieben zusammen. Das gibt den Stücken Seele, aber mir wiederum weniger Kontrolle über Finish und Qualität.

Die Salina-Kollektion umfasst acht Leuchten und Möbelstücke.
Die Salina-Kollektion umfasst acht Leuchten und Möbelstücke.
Sie ist inspiriert von marinen Strukturen und gefertigt aus Fiberglas.
Sie ist inspiriert von marinen Strukturen und gefertigt aus Fiberglas.

Was hast du bei «Salina» über Licht entdeckt?
Bisher habe ich hauptsächlich mit Reflexion gearbeitet – mit Metall und gezielt platzierten Lichtquellen. Bei «Salina» wollte ich zum ersten Mal einen Lampenschirm, der wirklich glüht. Die Lösung: Fiberglas. Durchscheinend, formbar, mit kontrollierbarer Unvollkommenheit. 3D-gedruckt, in eine Form gegossen. Die Inspirationsquelle kam fast von selbst: Muscheln. Beide sind Körper, die etwas enthalten. Beide spiegeln diese Idee von Hülle und Inhalt. Und das Licht selbst? Findet seinen Weg sowieso.

Licht ist wie Wasser. Es findet überall einen Weg.
Federico Stefanovich
Jedes Stück entsteht in kleinen Handwerksbetrieben in Mexico City.
Jedes Stück entsteht in kleinen Handwerksbetrieben in Mexico City.
Perfekt unperfekt: Jeder Schirm sieht anders aus.
Perfekt unperfekt: Jeder Schirm sieht anders aus.
Stefanovich sucht zuerst das Material, dann die Form aus der Natur, die dazu passt.
Stefanovich sucht zuerst das Material, dann die Form aus der Natur, die dazu passt.

Was ist das grösste Missverständnis über deine Werke?
Zwei Dinge. Erstens: Die wenigsten verstehen, wie und wo die Stücke entstehen. In Europa und den USA ist Produktion hochindustrialisiert, alles steril und standardisiert. In Mexico City sind es kleine Familien-Workshops, sechs bis sieben Leute, die ein Handwerk seit Generationen weitergeben. Das prägt die Stücke. Zweitens: Meine Lampen sind Skulpturen, die leuchten. Wer 500 Lumen fürs Büro braucht, ist hier falsch. Wer Atmosphäre, Mood und Schönheit sucht, ist genau richtig.

Meine Stücke verorte ich in einer anderen Kategorie als eine Ikea-Lampe, die du für die Küche brauchst.
Federico Stefanovich
Das Mobile, das alles ins Rollen brachte.
Das Mobile, das alles ins Rollen brachte.

Gibt's aktuelle Designtrends, die du kritisch siehst?
KI im Design. Ich verstehe den kommerziellen Reiz am Schnellen, Effizienten, Funktionalen. Als Hilfsmittel okay. Aber wenn Leute den kompletten Schaffensprozess mit KI gestalten, nehmen sie sich das Beste am Kreativsein selbst weg: die eigenen Gedanken auszudrücken. Das stimmt mich traurig.

Warum KI so einsetzen, dass du dir den besten Teil des Gestaltens nimmst?
Federico Stefanovich

Im Showroom strahlen deine Stücke auch tagsüber und das natürliche Licht verändert sie von Stunde zu Stunde. Welche Rolle spielt das Tageslicht in deiner Arbeit?

Ich denke jedes Stück von Anfang an in zwei Zuständen: an und aus. Tagsüber, wenn die Leuchten nicht brennen, zählen Form, Material und Komposition. Die Stücke funktionieren fast wie reine Skulpturen. Sobald sie eingeschaltet sind, übernimmt das Licht: Temperatur, Intensität und Streuung definieren das Stück neu. Verläufe, Schatten, Tiefe – das alles verändert sich über den Tag hinweg.

Was rätst du jemandem fürs Beleuchten zuhause?

Verwende verschiedene Lichtquellen auf verschiedenen Höhen: als Stehlampe, Wandlampe, Tischlampe. So entsteht eine Komposition im Raum. Lenke die Aufmerksamkeit und setze Akzente, die Bereiche betonen. Alles uniform ausleuchten macht einen Raum flach und langweilig. Unser Auge liebt es zu wandern. Da kann das grosse Deckenlicht gerne auch aus bleiben.

Frühere Kollektionen: Licht, das reflektiert statt zu leuchten.
Frühere Kollektionen: Licht, das reflektiert statt zu leuchten.

Titelbild: Pia Seidel

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Wie ein Cheerleader befeuere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratierte ich einfache und doch raffinierte Interior-Entdeckungen, berichte über Trends und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit. 


Hintergrund

Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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