Switch Lite im Test: Der Gameboy ist zurück
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Switch Lite im Test: Der Gameboy ist zurück

Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Zürich, am 30.09.2019

Nintendo macht die Switch kleiner und portabler. Dass dabei die namensgebende Funktion wegfällt, ist etwas witzlos, aber weniger schlimm als es den Anschein hat.

Etwas mehr als zwei Jahre nach dem Launch steht mit der Switch Lite die erste Revision am Start. Die Konsole ist kleiner, günstiger und bunter. Ist sie auch besser? Der offensichtlichste Unterschied betrifft die eingeschränkte Funktionalität. Du kannst die Controller nicht mehr abnehmen oder die Konsole in das Dock stecken, um am Fernseher zu spielen. Es ist eine pure portable Konsole. Du kannst zwar nach wie vor Joy Cons oder den Pro Controller über Bluetooth verbinden, um mit Freunden zu spielen. Aber ohne Stützständer und das noch kleinere Display macht das nur bedingt Spass. Die Vibrationsfunktion und die Bewegungssteuerung fallen ebenfalls weg.

Standard-SwitchSwitch Lite
Display6,2-Zoll-LCD mit 1280 x 720 Pixel5,5-Zoll-LCD mit 1280 x 720 Pixel
Grösse102 mm x 239 mm x 13,9 mm91,1 mm x 208 mm x 13,9 mm
Gewicht398 g275 g
Akkulaufzeit2,5 - 6,5 Stunden / Revision 4,5 - 9 StundenCa. 3 - 7 Stunden
Speicherplatz32 GB, erweiterbar mit microSD-Karte32 GB, erweiterbar mit microSD-Karte
SpieleAlleAlle Spiele mit Handheld-Modus

Downgrade beim Display, dafür ausdauernder

Durch das knapp ein Zoll kleinere Display ist die Switch Lite auch insgesamt ein gutes Stück kleiner als die reguläre Switch. Für Kinder, die zweifellos die primäre Zielgruppe darstellen dürften, wird das Bedienen der Switch einfacher. Das LCD-Display wurde erneut von InnoLux angefertigt, wie ein Teardown enthüllt hat. Dennoch ist er nicht identisch mit dem Vorgänger. Das Display ist eine Spur weniger hell, das Weiss hat einen leichten Gelbstich und die Farben sind einen Tick blasser. Schlimmer finde ich jedoch, dass es keine automatische Helligkeitsregelung mehr gibt. Gerade, wenn ich auch mal im Bett zocken will, leuchtet das Display zu hell.

Das Lite-Display ist etwas dunkler und gelblicher.
Das Lite-Display ist etwas dunkler und gelblicher.

Dafür hat der Custom-Nvidia-Prozessor ein Update erhalten. Genaue Details sind allerdings nicht bekannt, ausser, dass er energieeffizienter sein soll. Das kommt hin. Denn der Akku ist mit 13,6 Wh im Vergleich zu 16 Wh bei der Original-Switch etwas geschrumpft, hält aber dennoch rund zehn Prozent länger. Wirklich gespürt habe ich den Unterschied im Alltag allerdingsr nicht. Wenn dir Akku wirklich wichtig ist, solltest du einen Blick auf die neue Switch-Revision werfen. Die hält deutlich länger.

Noch handlicher

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Die reguläre Switch empfand ich nie als zu gross oder zu schwer, sondern als genau richtig. Dachte ich zumindest, bis ich zum ersten Mal die Lite in Händen hielt: Sie ist ähnlich gross wie eine PS Vita, besitzt eindeutig das bessere Handheld-Format und liegt einfach verdammt gut in der Hand. Auch das leicht raue Material fühlt sich sehr angenehm an. Das deutlich geringere Gewicht fällt ebenfalls positiv auf.

Die Knöpfe wurden allesamt überarbeitet. Am auffälligsten ist, dass die Switch nun ein echtes Steuerkreuz anstelle der vier Knöpfe besitzt. Wirklich besser ist das allerdings auch nicht zu bedienen. Die vier Richtungstasten verschwimmen zu fest zu einem einzigen Knopf. Besser sind da die restlichen Knöpfe und Tasten. Die drücken sich deutlich befriedigender. Besonders X, Y, B, A geben durch die längere Anschlagstiefe ein besseres Feedback.

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Die fehlenden 0,7 Zoll Displaygrösse vermisse ich weniger als ich erwartet hatte. Nur bei Spielen mit vielen kleinen Details, etwa das Taktikgame «Steamworld Heist», fiel mir auf, dass ich die Switch Lite näher ans Gesicht halte.

Obwohl ich die Switch Lite verdammt schnuckelig finde, muss ich sagen, dass mir die Hände etwas schneller verkrampfen. Der Analogstick ist genauso ungünstig platziert wie bei der normalen Switch. Das sind halt die Kompromisse einer kompakten Handheld-Konsole. Trotzdem: Für mich bleibt die Lite definitiv die erste Wahl für unterwegs. Die reguläre Switch bleibt ab sofort im Dock. Und hier kommen wir zu einem weiteren wichtigen Punkt.

Stolperstein Zweit-Switch

Wenn du zwei Switch-Konsolen gleichzeitig mit dem selben Nintendo-Account benutzen möchtest, gilt es ein paar Dinge zu beachten. Eine Konsole wird als Hauptgerät definiert. Standardmässig ist es deine bisherige Switch. Zum Tragen kommt das bei digital gekauften Spielen. Denn die Zweitkonsole kontrolliert vor jedem Spielstart übers Internet, ob das Spiel nicht gleichzeitig auf der Hauptkonsole läuft. Der Check wird alle drei Stunden durchgeführt oder du wirst automatisch ausgeloggt. Aus diesem Grund habe ich die Switch Lite zur Hauptkonsole gemacht (die Option findest du im Nutzerkonto im eShop), weil ich keine Lust habe, vor jeder Spielpartie einen Hotspot zu aktivieren. Die gedockte Switch ist ohnehin ständig mit meinem Heimnetzwerk verbunden.

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Der zweite Punkt betrifft die Speicherstände. Möchtest du diese über die Cloud synchronisieren, geht das nur mit einem Nintendo-Online-Abo. Das kostet 28 Franken oder 20 Euro pro Jahr für Einzelaccounts und 49 Franken oder 35 Euro für Familien. Einige Ausnahmen wie «Splatoon 2» unterstützen die Funktion nicht. Wirklich sauber funktioniert das Synchronisieren aber auch mit der Cloud nicht. Regelmässig war ein Update noch nicht hochgeladen und runterladen geht sowieso nur manuell. Auch sonst musste ich Speicherstände fast immer von Hand synchronisieren, wenn ich die Konsole wechseln wollte. Und dafür muss das Spiel zuvor beendet werden.

Ohne Abo musst du Speicherstände lokal transferieren. Das geht, wenn beide Konsolen nebeneinander liegen. Allerdings werden Speicherstände nicht kopiert, sondern verschoben. Du musst sie also immer erst auf die Konsole verschieben, mit der du gerade spielen willst.

Fazit: Der Gameboy ist zurück

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Ich hatte ganz vergessen, wie gut sich ein echter Handheld anfühlen kann. Bevor ich die Switch Lite das erste Mal benutzte, war mir überhaupt nicht klar, wie sperrig eigentlich die normale Switch ist. Die Lite-Version ist wieder ein echter Gameboy. Das Format und das Gewicht sind perfekt für Unterwegs. Und auch wenn die Position des rechten Analogsticks im Vergleich zu einem echten Controller weiterhin nach Arthrose schreit, macht die Switch Lite richtig viel Spass. Das Design ist verspielt, die Knöpfe sind etwas besser und die fehlende Switch-Funktion dürfte die Zielgruppe dieses Geräts nicht vermissen.

Nur das umständliche Speicherstand-Prozedere bei mehr als einer Konsole muss Nintendo dringend überarbeiten. Besonders wenn du für Cloud-Speicherstände bezahlen musst. Abgesehen davon ist die Switch Lite ein überraschend gelungenes Update geworden, das nicht nur Neukunden oder Familien ansprechen dürfte.

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg

Senior Editor, Zürich

Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem privaten Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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