«The Witcher» bricht Netflix’ Rekorde, aber…

«The Witcher» bricht Netflix’ Rekorde, aber…

Luca Fontana
Luca Fontana
Zürich, am 23.01.2020

Auf Netflix wurde keine Serie in ihren ersten vier Wochen mehr geschaut als «The Witcher». Das sagen Netflix’ Zahlen – allerdings nur, weil das Streamingunternehmen seine Messmethodik geändert hat.

Netflix hat das Ergebnis fürs vierte Quartal 2019 veröffentlicht. Darin feiert der kalifornische Streamingdienst einen neuen Meilenstein: «The Witcher» sei die erfolgreichste Netflix-Serie aller Zeiten – keine Netflix-Serie sei in den ersten vier Wochen nach Erscheinen öfters geguckt worden. Dies, obwohl Kritiker die Serie weitestgehend negativ bewertet haben. Ich selbst habe in meinem Serien-Ersteindruck gefunden: «Die Serie ist super, hat aber tatsächlich ein paar Schwächen.»

*«The Witcher» ist düster und brutal** – aber (noch) etwas langatmig*«The Witcher» ist düster und brutal** – aber (noch) etwas langatmig
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«The Witcher» ist düster und brutal – aber (noch) etwas langatmig

Netflix dürfte das egal sein. Denn zahlreichen Game- und Buchfans haben’s anders gesehen als die Kritiker und waren begeistert. Das bestätigt Netflix’ Statistik: 76 Millionen Haushalte hätten sich die neue Serie mit Henry Cavill in der Hauptrolle zu Gemüte geführt – Rekord. Damit stösst «The Witcher» die im Sommer veröffentlichte dritte Staffel von «Stranger Things» mit seinen 64 Millionen Abrufen vom Thron. Zudem hat Netflix angekündigt, dass ein «The Witcher»-Anime-Film mit Henry Cavill in Produktion sei: «The Witcher: Nightmare of the Wolf».

Allerdings kommt der Rekord mit einem «Aber»: Netflix hat nämlich die Messmethodik geändert, mit der Abrufe gemessen werden.

Die neue Methodik ist näher an Youtube und Co.

Bisher galt: Wenn ein Nutzer mindestens 70 Prozent eines Titels – also einer Serienepisode oder eines Films – gesehen hat, wertete Netflix den Inhalt – eine Staffel oder einen Film – als «angeschaut».

Neu gilt: Wenn mindestens zwei Minuten eines Titels angeschaut worden sind, wird der Inhalt als «angeschaut» gewertet. Netflix begründet die neue Messmethode damit, dass das Abspielen von zwei Minuten ausreiche, um mit Sicherheit sagen zu können, dass sich Zuschauer bewusst fürs Gucken des Inhalts entschieden hätten. Damit interpretiert Netflix den Begriff «Abruf» neu deutlich mehr im Sinne eines «Aufrufs» wie bei Youtube denn im Sinne der traditionellen TV-Station, die «Quoten» misst.

«Unsere neue Methodik ähnelt dem BBC iPlayer in seiner Musik-Rangliste nach «Aufrufen», der New York Times in seiner Rangliste nach «Artikel-Beliebtheit» oder Youtube in seinen «Aufrufen». Auf diese Weise werden kurze und lange Titel gleich behandelt, wodurch Chancengleichheit für alle Arten unserer Inhalte entsteht.»
Netflix Q4 2019 Report

Diese Chancengleichheit, so der Q4-Bericht von Netflix, sei gerade für interaktive Inhalte wie «Black Mirror: Bandersnatch» wichtig, die keine fixe Laufzeit haben.

Zuschauerzahlen: Alles nur Marketing?

Klingt vernünftig. Zu Diskussionen dürfte die Veränderung dennoch führen: Wenn ein Zuschauer nach nur einer Folge die Serie abbricht, weil sie ihm nicht zusagt, wird er in Netflix’ neuer Messmethode gleich behandelt wie ein Zuschauer, der die ganze Staffel einer Serie angeschaut hat. In diesem Sinne drohen Abrufzahlen, die keinen wirklichen Informationsgehalt haben und bloss fürs Marketing genutzt werden können.

Tatsächlich gibt Netflix im Q4-Bericht zu, dass die Zahlen mit der neuen Methodik etwa 35 Prozent über jenen lägen, die mittels alter Methodik zustande gekommen wären. Oder anders gesagt: Nach der alten Messmethode wäre «The Witcher» schätzungsweise bei 56,3 Millionen Abrufen die zweiterfolgreichste Serie hinter der dritten Staffel von «Stranger Things».

Was sagst du dazu? Findest du die Änderung gut? Oder ist das Einzige, das zählt, die Tatsache, dass es eine zweite Staffel geben wird?

Netflix kündigt *2. Staffel von «The Witcher»** offiziell anNetflix kündigt *2. Staffel von «The Witcher»** offiziell an
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Netflix kündigt 2. Staffel von «The Witcher» offiziell an

Ach, ja: Klick!

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Luca Fontana

Editor, Zürich

Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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