Unfaltbar gut? Vier Gedanken zum Samsung Galaxy Z Flip 4
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Unfaltbar gut? Vier Gedanken zum Samsung Galaxy Z Flip 4

Einen Monat lang habe ich das Samsung Galaxy Z Flip 4 aufgefaltet und zugeklappt. Dabei sind mir vier Gedanken zum speziellen Formfaktor gekommen.

Eine vermeintliche Meeresbewohnerin liegt auf meinem Schreibtisch. Das glänzende Aluminium und der lila schimmernde Kunststoff erinnern tatsächlich an Perlmutt. Doch diese Muschel stammt nicht aus den Tiefen des Meeres, sondern aus einer Fabrik des südkoreanischen Tech-Konzerns Samsung. Es ist das Galaxy Z Flip 4 – ein sogenanntes «Clamshell Foldable», ein «Muschel-Falt-Phone», das sich der Höhe nach öffnet. Das schicke Samsung-Telefon hat einen Monat lang mein persönliches iPhone 13 ersetzt. Es war das erste Foldable, das ich intensiv genutzt habe.

Das Samsung Galaxy Z Flip 4 hat auf vielen Oberflächen Platz.
Das Samsung Galaxy Z Flip 4 hat auf vielen Oberflächen Platz.
Quelle: Coya Vallejo Hägi

1. Das Phone ist ein fantastisches Stativ

Das Beste kommt zuerst: Dass ich das Flip 4 nicht nur als Kamera, sondern gleichzeitig als sein eigenes Stativ nutzen kann, hat mir mit Abstand am meisten gefallen. Ich kann es halb aufgeklappt auf vielen Oberflächen abstellen – und den passenden Foto-Winkel mit einem Handgriff einstellen. Danach liefern die 12-Megapixel-Hauptkamera und die 12-Megapixel-Ultraweit-Kamera auf der Rückseite schöne Bilder mit satten, intensiven Farben.

Das Samsung Galaxy Z Flip 4 macht schöne Fotos
Das Samsung Galaxy Z Flip 4 macht schöne Fotos
Quelle: Coya Vallejo Hägi

Besonders gut selber filmen kann ich mich mit der 10-Megapixel-Selfie-Kamera auf der Innenseite – sei es, um Geburtstagswünsche an meine Liebsten zu schicken oder meine Handstandversuche zu dokumentieren. Auch Gruppenfotos oder Selfies knipse ich mit dem Flip 4 ohne grossen Aufwand. Samsung liefert softwareseitig eine praktische Funktion dafür: Ich muss nur meine offene Handfläche in die Kamera halten, um den Selbstauslöser des Flip 4 zu triggern – ziemlich cool. Mein iPhone ist für solche Spielereien nicht zu haben, weshalb ich sie beim Samsung Flip umso mehr geniesse.

2. Handlich, aber nicht klein

Das Flip 4 ist kein kleines Smartphone. Mit seinem 6,7-Zoll-Display ist es sogar ein ziemlich grosses Telefon. Es ist also eher für Menschen gedacht, die ein grosses Smartphone wollen, das sich gut verstauen lässt. Zusammengeklappt ist es dafür sehr handlich und passt gut in schmale Shoulder-Bags oder enge Hosentaschen.

Mit der praktischen Griffigkeit hört es leider auf, sobald ich das Flip wieder öffnen möchte. Dafür brauche ich nämlich beide Hände – das kann aber daran liegen, dass meine Hände klein sind. Doch auch bei grösseren Händen gilt: Um bei einem Foldable zum Hauptscreen zu gelangen, musst du mehr «motorische Arbeit» leisten als bei anderen Smartphones. Schleppst du gerade ein Paket und ein paar volle Einkaufstaschen mit dir herum, werden gewisse Vorhaben mit dem Foldable schnell kompliziert. Für die Zukunft erhoffe ich mir deshalb einen Knopf oder einen anderen Mechanismus, der das Falt-Handy für mich aufklappt.

3. Der Falz ist nicht das wahre Problem

Der Falz – die Faltlinie auf dem Screen – steht bei der Beurteilung von Foldables unter akribischer Beobachtung. Verständlich, denn aalglatte Smartphone-Oberflächen sind heutzutage Standard. Deshalb wollen Tech-Firmen die Delle so gut wie möglich verstecken. Samsung gelingt das immer besser: Seit dem ersten Galaxy Fold aus dem Jahr 2019 konnte die südkoreanische Firma den Falz merklich glätten. Trotzdem gilt für die Geräte im Jahr 2022: der Falz ist sicht- und spürbar.

Der Falz beim Samsung Galaxy Z Flip 4 ist sehr präsent – schlimm ist das nicht.
Der Falz beim Samsung Galaxy Z Flip 4 ist sehr präsent – schlimm ist das nicht.
Quelle: Coya Vallejo Hägi

Ich finde das nicht weiter schlimm. An die Delle im Flip 4 habe ich mich schnell gewöhnt. Die wahre Tücke des faltbaren Displays liegt in seiner Verwundbarkeit. Um Glas falten zu können, muss es nämlich sehr dünn sein – Samsungs hauseigenes «Ultra Thin Glass» misst gar nur ein Drittel eines menschlichen Haares.

Bei dieser Breite und den wiederholten Faltbewegungen kann der kleinste Kratzer im Display zu erheblichem Schaden führen. Deshalb klebt ab Werk ein Displayschutz auf den faltbaren Samsung-Geräten. Und dieser macht sich bemerkbar: Der Screen reagiert nicht immer so sensibel und schnell wie ich es von meinem iPhone gewohnt bin – auch, nachdem ich in den Einstellungen die Berührungsempfindlichkeit hochschraube. Aus meiner Sicht kein K.O.-Kriterium, aber ein Manko, das Samsung in künftigen Flips verbessern darf.

4. Falten ist weiterhin ein Luxus

Das Flip 4 hat zwar den neuesten Snapdragon 8+ Gen 1-Prozessor verbaut, hinkt anderen Samsung-Flaggschiffen des Jahres in punkto Kamera-Setup aber hinterher. Auch hat das Gerät jetzt einen grösseren Akku, aber die 3700 mAh markieren bei Samsung eigentlich kein Flaggschiff-Territorium.

Trotzdem knackt das Flip 4 preislich die Tausendergrenze. Willst du dein Smartphone falten, musst du tief in die Tasche greifen – zumindest heute noch. Gemäss dem Branchenmagazin «Business in Shenzen» sind faltbare OLED-Displays zurzeit noch fünfmal teurer als herkömmliche. Diese Kosten dürften in den kommenden Jahren aber abnehmen, wenn Tech-Firmen – darunter vielleicht auch Apple und Google – mehr oder überhaupt faltbare Smartphones produzieren.

Fazit: Coole Muschel, die in Zukunft noch mehr glänzen wird

Mit seiner Faltbarkeit hat mir das Samsung Galaxy Z Flip 4 Freude bereitet. Dank seiner Form ist das Clamshell-Foldable nicht nur ein ausgezeichneter Fotografie-Assistent, sondern auch ein kompakter Wegbegleiter. Mit einer Klappbewegung verwandelt sich das grosse Display in ein handliches Quadrat.

Trotzdem ist die Technologie noch jung, teuer und empfindlich. Hersteller werden den Formfaktor hoffentlich immer effizienter nutzen – und Displayfabrikantinnen das Falt-Glas resistenter gestalten. Dem Flip 4 und seinen faltbaren Artgenossen sollte eine glänzende Zukunft bevorstehen.

Du willst dir schon heute ein faltbares Smartphone zulegen und bist bereit, viel dafür zu bezahlen sowie gewisse Kompromisse einzugehen? Dann kann ich dir das Samsung Galaxy Z Flip 4 wärmstens empfehlen.

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«Ich will alles! Die erschütternden Tiefs, die berauschenden Hochs und das Sahnige dazwischen» – diese Worte einer amerikanischen Kult-Figur aus dem TV sprechen mir aus der Seele. Deshalb praktiziere ich diese Lebensphilosophie auch in meinem Arbeitsalltag. Das heisst für mich: Grosse, kleine, spannende und alltägliche Geschichten haben alle ihren Reiz – besonders wenn sie in bunter Reihenfolge daherkommen. 


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